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Kolumne

Netzwerkeffekt erklärt: Warum es nur ein Facebook gibt

Warum gibt es nur zwei wichtige Smartphone-Betriebssysteme und nur ein Facebook? Die Antwort auf beide Fragen ist der Netzwerkeffekt. Die Neuland-Kolumne von Stephan Dörner.

Ein ökonomisches Prinzip beherrscht die IT-Wirtschaft stärker als jedes andere: der Netzwerkeffekt. Damit wird in der Volkswirtschaft der Effekt bezeichnet, dass sich der Nutzen eines Produkts oder einer Dienstleistung für den einzelnen Teilnehmer mit jedem Kunden vergrößert, der das Produkt oder die Dienstleistung ebenfalls nutzt.

Beispiel Facebook oder Whatsapp: Je mehr Mitglieder das Netzwerk hat, desto größer ist der Nutzen jedes einzelnen Users. Er kann mit mehr Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern über Facebook oder Whatsapp kommunizieren.

Oder Uber: Je mehr Fahrzeuge flächendeckend zur Verfügung stehen, desto größer der Nutzen für den Kunden. Und je mehr Nutzer auf der Nachfrageseite Fahrzeuge anfragen, desto besser für die Fahrer. Kunden profitieren davon, wenn schnell ein Auto kommt – und der Fahrer profitiert, wenn der Abstand zwischen zwei Aufträgen möglichst gering ist.

Auch deshalb ist Uber so viel wert: Die Investoren gehen davon aus, dass Uber den Vorsprung, den es sich jetzt vor der Konkurrenz gesichert hat, ausbauen wird. Der Netzwerkeffekt wird vermutlich dafür sorgen.

Netzwerkeffekt führt zu „Winner takes it all“-Prinzip

Dasselbe Prinzip galt schon bei Windows: Als klar wurde, dass die Ära des PCs von Microsoft-Betriebssystemen dominiert würde, zog die Plattform auch die meisten Programmierer an. Und da eine Plattform um so attraktiver ist, je mehr Anwendungen verfügbar sind, konzentrierten sich auch schnell die Nutzer auf die Kombination aus PC und Windows.

Immer wieder gibt es daher in der IT-Wirtschaft den „Winner takes it all“-Effekt: Ein mächtiger Player lässt anderen Unternehmen kaum noch eine Chance, echte Konkurrenz zu werden. Nicht aus bösem Kalkül, sondern weil sich ein Produkt oder eine Dienstleistung als Plattform oder Quasi-Standard etabliert hat. Wenn alle anderen Microsoft Word benutzen, ist es das sicherste, ebenfalls Word-Dateien zu verschicken.

Oft bleibt da nur noch Platz für Nischen. Beispiel Facebook: Das mit Abstand größte soziale Online-Netzwerk ist das Telefonbuch des Digitalzeitalters – daneben bleibt nur noch Platz für Special-Interest-Netzwerke wie Instagram für Fotos oder Snapchat als Refugium für junge Nutzer.

Der „Winner takes it all“-Effekt wäre ziemlich dramatisch, wenn er zum Erlahmen von Innovationen führen würde. In bestimmten Bereichen kann das durchaus argumentiert werden: Seit Intel bei PC- und Server-Prozessoren beispielsweise keine ernsthafte Konkurrenz mehr hat, gilt das Mooresche Gesetz nicht mehr – der Fortschritt ist spürbar erlahmt.

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Disruptionen bringen auch IT-Riesen zum Tanzen

Für Software und Internet-Dienste aber gilt das nicht in gleicher Weise. Hier sorgt in regelmäßigen Abständen die berühmte Disruption dafür, dass die IT-Giganten das Tanzen nicht verlernen. War die IT-Welt der 1980er und 1990er Jahre von Microsoft dominiert, verpasste es der Konzern gleich bei zwei solcher Disruptionen vorne mit dabei zu sein: erst beim Internet, dann bei der mobilen Revolution durch Smartphones.

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Von Microsoft verschlafen: die Smartphone-Revolution. (Foto: Shutterstock/ra2studio)

Dabei hatte Microsoft zumindest den Trend zu mobilen Geräten früh vorhergesehen: 2002 kündigte der damalige Microsoft-Chef Bill Gates erste Tablet-PCs an. Doch die Geräte floppten. Microsoft versuchte sein Quasi-Monopol bei Windows-PCs in die mobile Welt hinüberzuretten. Auf den Tablet-PCs lief ein angepasstes Desktop-Windows und notdürftig angepasste Windows-Software.

Erst als Apple 2010 mit dem iPad Hardware, Software und Bedienungskonzept komplett auf von vorne herein auf die mobile Nutzung optimierte, gelang der Geräteklasse der Durchbruch.

Das Kartellrecht ignoriert Netzwerkeffekt noch weitgehend

Die kartellrechtlichen Regeln rund um die Welt ignorieren den Netzwerkeffekt noch weitgehend. Als Facebook 2014 Whatsapp kaufte, wurde die Übernahme von den Kartellbehörden nicht einmal geprüft. Noch immer orientieren sich die Kartellbehörden hierzulande am Umsatz des Unternehmens, das übernommen wird, um zu entscheiden, ob eine Übernahme überhaupt geprüft wird. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel will daher die Fusionskontrolle reformieren und für die Digitalwirtschaft andere Kriterien wie beispielsweise die Übernahmesumme zusätzlich einführen.

Gerade bei Internet-Diensten ist allzu viel Kontrolle allerdings gar nicht notwendig: Die Hype-Zyklen wechseln sich schnell ab und die Marktzutrittshürden für neue Wettbewerber sind immer noch niedrig: Ein Server für 50 Euro im Monat reicht theoretisch immer noch, um mit Facebook und Co. in Konkurrenz zu treten. Dass das gelingen kann, zeigt zum Beispiel Snapchat. Und die nächste Disruption kommt bestimmt.

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2 Reaktionen
Mercat
Mercat

Bei Messengern scheint dies nicht zuzutreffen. Es gibt ja neben WhatsApp und Threema noch Signal, Telegram, iMessage, Hangouts, Wire und wie sie alle heissen.

Werner
Werner

=> Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel will daher die Fusionskontrolle reformieren und für die Digitalwirtschaft..
Das wird hierzulande eher überflüssig sein. Leider.

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