t3n News Marketing

Neue Facebook Datenverwendungsrichtlinien: Was Du jetzt wissen musst

Neue Facebook Datenverwendungsrichtlinien: Was Du jetzt wissen musst

Die neuen Datenverwendungsrichtlinien sind aktiv, auch wenn bei der Abstimmung die Mehrheit für die Beibehaltung der alten Regeln votierte. Was sich damit ändert und was man sonst noch wissen sollte, erklären wir euch in diesem Artikel.

Neue Facebook Datenverwendungsrichtlinien: Was Du jetzt wissen musst

Facebook Datenverwendungsrichtlinien: Gescheiterte Abstimmung ist Sieg für Facebook

Die Abstimmung über die neuen Facebook Datenverwendungsrichtlinien ist vorüber. Die überwiegende Zahl der Teilnehmer votierte für die alte Version und damit gegen die neue – dennoch hat Facebook jetzt die neuen Datenverwendungsrichtlinien eingeführt. 297.883 Personen hatten sich im Abstimmungszeitraum zwischen dem 1. und dem 8. Juni für die Beibehaltung der alten Richtlinien ausgesprochen, lediglich 44.749 Nutzer entschieden sich für die neue Version. Wer jetzt denkt, bei einem so karen Voting müsste Facebook doch die alte Version beibehalten, irrt. Insgesamt wäre eine Abstimmungsbeteiligung von 30 Prozent nötig gewesen, um Facebook an das Abstimmungsergebnis zu binden. Erreicht wurden aber nicht mal 0,04 Prozent. So hatte die Abstimmung nur einen beratenden Charakter und Facebook hatte freie Bahn zur Einführung der lange geplanten Datenverwendungsrichtlinien.

Was sich mit den neuen Facebook-Datenverwendungsrichtlinien ändert

Elliot Schrage, Kommunikatonschef von Facebook, verteidigt die umstrittene Einführung der neuen Datenverwendungsrichtlinien von Facebook. (Foto: Crossroads Foundation Photos / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Laut Facebook war eine Überarbeitung der Datenverwendungsrichtlinien notwendig geworden, weil sich mit der Facebook Chronik sehr viel verändert habe und sich die Änderungen auch auf die Verwendung der Daten der Nutzer auswirken. Nach Angaben von Elliot Schrage, dem Kommunikationsleiter von Facebook, sollen die neuen Richtlinien für mehr Transparenz sorgen. Das hatten nicht zuletzt auch die Datenschützer immer wieder gefordert.

Und in der Tat beschreibt Facebook jetzt sehr viel genauer, welche Daten für welche Zwecke genutzt werden und gibt dazu auch immer wieder Beispiele aus der Praxis. Umfangreiche Rechte werden Facebook beispielsweise bei der Nutzung von Statusmeldungen, Fotos, Kommentaren, Likes, Ortsangaben, hinzugefügte Freunde oder auch beim Beziehungsstatus eingeräumt. Vereinfacht lässt sich sagen, dass Facebook alle öffentlich zugänglich gemachten Informationen jetzt umfangreich nutzen kann.

Als Nutzung steht vor allem die personalisierte Werbung im Vordergrund. Mit den gesammelten Nutzerdaten sollen nicht nur jedem Nutzer auf dem Leib geschneiderte Werbung angeboten werden, sie sollen darüber hinaus auch in der Werbung für befreundete Nutzer eingesetzt werden. Das ist zwar keinesfalls neu, doch in dieser Deutlichkeit und in diesem Umfang kommunizierte es Facebook bislang nicht. Das gilt auch für die Speicherdauer der Daten.

Wir werden Daten so lange einbehalten, wie dies erforderlich ist, um sie den Nutzern und anderen Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Diese umfassendere Verpflichtung gilt für alle Daten, die wir über dich sammeln und erhalten, einschließlich Informationen von Werbetreibenden.

Auch woher Facebook überall Daten bekommt, steht in den neuen Datenverwendungsrichtlinien:

Wir erhalten immer dann Daten, wenn du ein Spiel, eine Anwendung oder Webseite nutzt, welche/s die Facebook-Plattform verwendet, oder wenn du eine Webseite besuchst, auf der eine Facebook-Funktion (wie zum Beispiel ein soziales Plug-in) vorhanden ist. Manchmal geschieht dies durch durch Cookies. Diese Daten können das Datum und die Uhrzeit deines Besuches auf der betreffenden Webseite enthalten; dies gilt auch für die Internetadresse oder die URL, auf der du dich befindest, und ebenso für die technischen Daten über die IP-Adresse und den von dir genutzten Browser sowie das von dir genutzte Betriebssystem; enthalten ist auch deine Nutzerkennnummer, wenn du auf Facebook angemeldet bist.

Dazu gesellen sich dann noch GPS-Daten, die Facebook mit anderen Ortsangaben zusammenführt. Diese GPS-Daten will Facebook aber nur so lange speichern, wie sie für das Angebot von Dienstleistungen nützlich sind. Konkreter wird Facebook an dieser Stelle nicht. Insgesamt bleiben die neuen Datenverwendungsrichtlinien von Facebook beim Thema Dauer der Datenspeicherung sehr unkonkret, so dass Facebook hier eigentlich nach Belieben handeln kann:

Wir speichern Daten solange dies erforderlich ist, um dir und anderen Produkte und Dienstleistungen anzubieten (einschließlich der oben Beschriebenen). Üblicherweise verbleiben die mit deinem Konto im Zusammenhang stehenden Daten bis zur Löschung deines Kontos bei uns. Für bestimmte Datenkategorien können wir dich ggf. auch über besondere Einbehaltungspraktiken für Daten informieren.

Um in Zukunft nicht wieder so starke Anpassungen vornehmen und vor allem darüber eine Abstimmung durchführen zu müssen, wurde eine Klausel integriert, die zukünftige Funktionen und Produkte von Facebook gleich mit einschließt:

Indem du uns die Erlaubnis hierzu erteilst, gestattest du uns nicht nur, Facebook in seinem heutigen Zustand zur Verfügung zu stellen, sondern dir zukünftig auch innovative Funktionen und Dienstleistungen anzubieten, die wir unter neuartigem Einsatz der Daten, die wir über dich erhalten, entwickeln.

Angesichts dieser Formulierung erscheint die Absichtserklärung zur Verbesserung der Abstimmungsregeln von Elliot Schrage eher wie ein laues Lüftchen:

Trotz unserer umfangreichen Bemühungen stellt die Anzahl der Personen, die abgestimmt haben, einen sehr kleinen und nicht maßgeblichen Prozentsatz unserer Gemeinschaft dar. Wir haben bedeutende Anstrengungen unternommen, um die Abstimmung leicht und zugänglich zu gestalten – unter anderem haben wir die Dokumente und die Abstimmungsanwendung in einige der verbreitetsten Sprachen der Welt übersetzt und umfangreiche Hinweise in den Neuigkeiten von Nutzern sowie durch Desktop- und Handywerbung verbreitet. Zudem wurde unser Abstimmungsprozess von den Medien aufgegriffen und war Teil umfangreicher Berichterstattung.

Aufgrund dieser Bemühungen und den daraus resultierenden Ergebnissen planen wir diesen Prozess zu überprüfen um festzustellen, wie wir unsere Möglichkeiten zur Förderung der Nutzerbeteiligung an unserem Prozess zur Regelung der Nutzung von Facebook in Zukunft ausbauen können.

Kommentar zu den neuen Datenverwendungsrichtlinien von Facebook

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg dürfte mit der Einführung der neuen Datenverwendungsrichtlinien zufrieden sein. (Foto: DonkeyHotey / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Eins steht sicher fest: Facebook hat sich über den ausdrücklichen Wunsch der Nutzer hinweg gesetzt und führt die neuen Datenverwendungsrichtlinien gegen die deutliche Stimmenmehrheit ein. Rein rechtlich ist das wohl nicht zu beanstanden, aber bei einem Social Network und gerade bei dem sensiblen Thema „Verwendung von Nutzerdaten“ sollte es nicht nur um rechtliche Aspekte gehen, sondern auch um Vertrauen. Das Signal von Facebook lautet hier schlicht: Vertraut uns nicht, wir setzen das durch, was für uns gut ist!

Natürlich ist es praktisch unmöglich für ein so gigantisches Netzwerk mit weit über 900 Millionen Nutzern weltweit ein Regelwerk zu erschaffen, mit dem alle einverstanden sind. Aber darum ging es ja auch gar nicht. Facebook wollte Transparenz schaffen und die Nutzer an der Gestaltung des Regelwerks für die Nutzung ihrer Daten beteiligen. Ist das erreicht worden? Facebook sagt ja und macht nochmals auf die „erheblichen Anstrengungen“ aufmerksam, die man betrieben habe, um die Nutzer zur Abstimmung zu bewegen.

Nun wissen wir von Wahlen im Allgemeinen, dass die Motivation der Bürger daran teilzunehmen nicht sonderlich groß ist. Wer aber wie Facebook gar keine Wahlzettel austeilt, sollte später nicht auch noch von „erheblichen Bemühungen“ sprechen. Klar gab es eine Ankündigung - versteckt auf der Facebook Site Governance Page. Aber wo war die Popup-Meldung, wo die E-Mail an alle Nutzer. Es wäre so einfach gewesen Transparenz für eine Abstimmung zu schaffen, die Transparenz zum Ziel hatte.

Als aufmerksamer Beobachter wird man einfach das Gefühl nicht los, dass es nur darum ging, die neuen Datenverwendungsrichtlinien mit all ihren Freiheiten für Facebook einzuführen. Dass die Nutzer mit der Entwicklung der neuen Anpassungen nicht einverstanden sind, war schon durch die beiden vorherigen Versuche klar, die jeweils von einigen Tausend Nutzern abgelehnt wurden. Das Feedback habe man für die neue Version genutzt, lässt Facebook uns wissen, nicht aber, was konkret geändert wurde. Transparenz? Fehlanzeige.

Natürlich kann man jetzt argumentieren, dass es allgemein nicht üblich ist, dass über Datenverwendungsrichtlinien unter den Nutzern abgestimmt wird. Das ist zwar richtig, aber diesen Vorgang nun als eine transparente Abstimmung zu bezeichnen, wäre ganz einfach falsch. Um abstimmen zu können, muss man von einer Abstimmung auch Kenntnis haben. Hier sind Facebook große Versäumnisse vorzuwerfen.

Die 30-Prozent-Regelung stammt noch aus Zeiten, in denen Facebook deutlich weniger Nutzer hatte. Auch das ist sicher richtig, doch niemand hat Facebook jetzt dazu gezwungen, das unter der enormen Hürde verbliebene Votum der Nutzer nicht ernst zu nehmen. „Liebe Nutzer, wir haben verstanden“ - das hätte Größe gehabt, hätte Vertrauen zurückgegeben, wäre richtig gewesen.

Dass Facebook diese Größe nicht hatte, liegt sicher auch am Börsengang. Mark Zuckerberg ist jetzt dazu verdammt, positive Zahlen zu liefern, soll die Aktie nicht noch weiter in den Keller rutschen. Dafür braucht die Plattform weitere Werbeformate und die laufen eben dann besser, wenn sie durch die Personalisierung der richtigen Zielgruppe angeboten wird und dabei auch noch soziale Empfehlungen der Freunde enthalten. Beides ist mit den neuen Richtlinien nun kein Problem mehr.

Im Übrigen ist Facebook natürlich auch sehr gut für die Zukunft gewappnet: „Ihr hattet ja die Chance zur Mitbestimmung - ihr wolltet ja nicht!“, könnte es in Zukunft bei kontroversen neuen „Funktionen“ aus dem Menlo Park zu uns rüberhallen.

Weiterführende Links zu den Facebook Datenverwendungsrichtlinien:

Newsletter

Bleibe immer up-to-date. Sichere dir deinen Wissensvorsprung!

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
5 Antworten
  1. von Marc am 11.06.2012 (18:19 Uhr)

    Es hat sich so gut wie keiner (in Facebook-Maßstäben gerechnet) an der Abstimmung beteiligt, weil ohnehin so ziemlich jeder da bleiben will. Egal, was es noch an Änderungen geben wird...

    Antworten Teilen
  2. von Laura am 11.06.2012 (20:57 Uhr)

    also dass das in allen möglichen Medien war ist schon richtig, nur: bevor ihr den Link nicht gepostet hattet, habe ich beim besten Willen keine Abstimmung gefunden
    eine Nachricht im Newsfeed ALLER wär da echt das mindeste gewesen...

    ganz abgesehen davon dass 30% ungemein viel ist weil nicht jeder auch nur wöchentlich nachsieht

    Antworten Teilen
  3. von paradonym am 11.06.2012 (21:16 Uhr)

    Okay - OpenDNS hat nen paar neue IPs auf der Blacklist... - Facebook hat's doch tatsächlich auch geschafft...

    Antworten Teilen
  4. von astrid degasperi am 11.06.2012 (22:33 Uhr)

    Bisher habe ich so wenig Daten wie möglich auf fb gestellt. Ich werde in Zukunft noch restriktiver sein. Die Werbebuttons ärgern mich höchstens und ich schreibe immer nur, dass ich diese Werbeanzeige in Zukunft nicht merh sehen möchte, als Begründung "uninteressant". Das empfehle ich allen anderen fb usern auch zu tun. Vielleicht können wir die da oben mal so ärgern, dass ihnen diese Belästigung vergeht. - Einfach alles als "uninteressant" bezeichnen und fast keine Daten hergeben - das ist mein Vorschlag. -Und wenn alles nichts hilft, dann einfach wieder aussteigen.

    Antworten Teilen
  5. von Erik am 12.06.2012 (11:09 Uhr)

    Das ist der "Lock-In-Effekt"
    Man tut so als wäre man als Anwender irgendwie bedeutungsvoll, dabei ist man nur noch abhängig vom Anbieter.
    Fratzbuch ist kein Staat mit einer kollektiven Verpflichtung! "Wahlen" sind dort ein PR-Gag.
    Warum erwarten die deutschen Nutzer von einer temporären amerikanischen Gelddruckmaschine eigentlich Fairness, Verständnis und Nachhaltigkeit?

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Facebook
Warum Facebook langfristig zur wichtigsten digitalen Werbeplattform wird
Warum Facebook langfristig zur wichtigsten digitalen Werbeplattform wird

Ist Facebook schon wieder out? Stehen der Plattform Massenabwanderungen von Nutzern bevor – und damit ein Verlust an Relevanz fürs Marketing? Immer wieder werden solche Prognosen in der Branche … » weiterlesen

8 versteckte Facebook-Funktionen, die Seitenbetreiber kennen sollten
8 versteckte Facebook-Funktionen, die Seitenbetreiber kennen sollten

Versteckte Facebook-Funktionen? Ja, davon gibt es einige und zwar nicht nur für Nutzer, sondern auch für Seitenbetreiber. Wir haben sieben Beispiele gesammelt, die euch den Berufsalltag erleichtern.  » weiterlesen

Zalando macht auf Facebook: Mode per Messenger
Zalando macht auf Facebook: Mode per Messenger

Zalando springt auf den Messenger-Zug auf und testet den Zalon-Messenger. Dort sollen Kunden persönliche Beratung von Stylisten beim Kauf von Bekleidung erhalten – auch mit Bots wird experimentiert. » weiterlesen

Alle Hefte Jetzt abonnieren – für nur 35 €

Kennst Du schon unser t3n Magazin?