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Neue Xbox: Nur Games können Microsoft noch retten [Kommentar]

Einst der wichtigste IT-Konzern der Welt, ist heute zwar nach wie vor finanzstark, hat aber die besten Tage wohl hinter sich. Das verlacht, zu spät in den Tablet-Markt eingestiegen und die Mobile-Welle verschlafen. Der Versuch mit der Einführung von Windows 8 quasi per Brechstange verlorenes Terrain wieder gut zu machen, ist eher nach hinten losgegangen. Um so wichtiger wird für den Konzern die Vorstellung der neuen am 21. Mai sein. Mehr als die eigentliche Konsole ist aber die Weiterentwicklung der Plattform spannend.

Neue Xbox: Nur Games können Microsoft noch retten [Kommentar]

Es hatte alles nichts genützt: Großartige Kritiken für Windows Phone 7 haben die mobile Plattform kaum in den Mobile-Markt drücken können. Auch Die Veröffentlichung von Windows Phone 8 hat nichts an der Tatsache ändern können, dass Windows Phone kaum eine Rolle im Mobile-Sektor spielt  – trotz des innovativen User-Interface-Designs und der ansteigenden Anzahl an verfügbaren Applikationen. Steve Ballmer wird sich wahrscheinlich noch heute darüber ärgern, das iPhone anfangs nicht Ernst genommen zu haben.

Windows-Desktop: Microsofts Goldmine – bisher

Aber es gibt ja noch Windows für den Desktop. Das ist Microsofts Goldmine: wenn alle Dämme brechen, haben die Redmonder quasi eine Garantie für einen kontinuierlichen Finanzfluß. Vor allem in der Arbeitswelt ist Windows noch immer mit Abstand das meist genutzte Betriebssystem. Viele Unternehmen setzen dabei noch auf Windows XP – ein unternehmensweiter Umstieg auf eine neuere Version des OS ist teuer, wird deshalb oftmals bis zum Äußersten aufgeschoben.

Diese Windows-Desktop-Welt inklusive Office ist das Rückgrat von Microsoft – das Polster, welches in den vergangenen beiden Jahrzehnten den ungemeinen Erfolg des Unternehmens ermöglicht hat. Aber genau diese Welt verändert sich aktuell so rasant – zu ungunsten Microsofts. Denn in der von Apple eingeläuteten Post-PC-Ära spielen Desktop-Computer eine immer unwichtigere Rolle. Die digitale Revolution durch das Internet hat Computing aus dem stationären „Gefängnis“ befreit und immer und jederzeit verfügbar gemacht. Mobile ist das neue Computing. Windows wirkt in dieser Welt wie ein Relikt aus der Vergangenheit.

Das Surface Pro: Notebook, PC oder doch Tablet?
Das Surface Pro: Notebook, PC oder doch Tablet?

Windows 8 mit der Brechstange

„Ok, verstanden“ ­ – das schien vor einem Jahr das neue Diktum von Microsoft zu sein. Windows Phone, die Kooperation mit Nokia, die Veröffentlichung der Surface-Tablets, Windows 8 – Das klang verheißungsvoll und Steve Ballmer blies zum Angriff auf Apple, Google und Co. Ein Jahr später ist die Bilanz ernüchternd. Das Konzept von Windows 8 für die Nutzung auf einem Desktop-Computer ist für viele alteingessesene Windows-Nutzer radikal anders als das von Windows 7, zu den genauen Verkaufszahlen schweigt der Konzern. Vor dem Hintergrund , dass der Verkauf von Notebooks und Desktop-Computern im verheerenden Maße rückläufig ist, dürften auch die Verkaufszahlen von Windows 8 nicht auf Windows-7-Niveau sein. Die Surface-Tablets sind nicht konsequent genug . Windows-Phone-7-Nutzer können nicht auf Windows Phone 8 upgraden. Kurz gesagt: Microsofts Produktstrategie ist von großer Unsicherheit geprägt. Sie erinnert sehr an den Duktus aus den 90er und 2000er Jahre – wo jedes Produkt des Unternehmens in irgendeiner Art und Weise mit Windows kompatibel sein musste (weshalb im übrigen ein Prototyp eines flachen Lesegeräts in der Frühphase bereits eingestampft wurde).

Um es kurz zu machen: Microsoft hat die vergangenen zehn Jahre einfach total verpennt. Beispiel Surface: Natürlich sind erste Produkte nie perfekt, so auch die Surface-Geräte – aber während Apple das iPad bereits im vierten Jahr auf dem Markt hat und mit dem Mini bereits in die Produktdifferenzierung geht, ist Microsoft noch mitten in der Phase der Produktfestigung. Das trifft übrigens auch auf die Software zu: Das Gewirr um Windows 8, Windows 8 Pro und Windows RT verstehen auch nur Tech-Journalisten. Alles doof momentan – dabei hat der Redmonder Konzern bereits bewiesen, dass er durchaus innovativ sein kann, Stichwort Xbox. Und dort liegt quasi auch der Schlüssel für die mögliche Trendwende.

Xbox Smartglass kann nur der Anfang sein – Xbox Live muss zu einem geräteübergreifenden OS werden
Xbox Smartglass kann nur der Anfang sein – Xbox Live muss zu einem geräteübergreifenden OS werden

Die Xbox in zweifacher Weise Schlüsselprodukt

Die Xbox ist ein überaus erfolgreiches Produkt – es flossen zwar extrem hohe finanzielle Mittel ins Produkt, der Aufwand hat sich aber gelohnt: Der Xbox-Brand ist bei Gamern weltweit extrem erfolgreich, Xbox Live – der Online-Dienst der Xbox 360 – der beste auf dem Markt. Die Xbox 360 ist in der noch aktuellen Konsolengeneration auf Augenhöhe mit der PlayStation 3, war in Sachen verbreitete Einheiten sogar lange Zeit vor der Sony-Kiste. Was aber entscheidender ist: Xbox-Nutzer kaufen mehr Games als PS3-Besitzer und schließlich klingelt hier die Kasse für den Plattformbetreiber.

Die Xbox ist in zweifacher Weise ein Schlüsselprodukt für Microsoft: Einerseits hat Microsoft mit der Entwicklung der Xbox und später der Xbox 360 bewiesen, dass sie innovativ sein können: agieren und nicht reagieren, aktiv in einem schwierigen Markt eintreten und innerhalb weniger Jahren einer der wichtigsten Player werden. Und zweitens – was der entscheidende Punkt ist – sollte Microsoft das Potenzial des beliebten Xbox-Brands nutzen und Games und an Xbox angebundene Dienste noch viel stärker in die eigene Plattform einbinden. Die Xbox 360 und Xbox Live sind in den Wohnzimmern dieser Welt extrem populär. Warum nicht das Mobile-Feld von hinten aufrollen, auf bestehende starke Brands und exzellente Services aufbauen und ein Xbox-Phone und -Tablet herausbringen? Eine mobile Xbox-Live-Erfahrung dürfte für Hardcore- wie auch Casual-Gamer wahnsinnig interessant sein. Und Games sind ohnehin die meistverkauften Apps auf iOS und Android.

Windows Phone wird auch mittelfristig kaum an iOS und Android herankommen – der Mobile-OS-Markt in der westlichen Welt ist gesättigt und Projekte wie Firefox OS machen von unten Druck. Der Xbox-Brand ist für Microsoft der einzige Weg, um auf dem Mobile-Markt irgendwie mit- oder ihn zumindest aufmischen zu können. Ende vergangenen Jahres kamen bereits Gerüchte um ein Gaming-Tablet von Microsoft auf. Warum auch nicht? Sehen wir auf der Präsentation der neuen Xbox am 21. Mai also nicht nur eine neue stationäre Konsole, sondern womöglich eine Xbox-Plattform, die noch stärker als bisher die stationäre Hülle verlässt?

Gefunden bei gamingbolt.com
Xbox OS auf mobilen Geräten: Das wäre ein wichtiger Schritt für Microsoft

Xbox OS: Den Mobile-Markt von hinten aufrollen

Ein Xbox OS, das auf Smartphones und Tablets läuft und komplett kompatibel zur stationären Konsole ist, über die Cloud Daten wie Spielstände synchronisiert, langfristig auch Cloud-Gaming ermöglicht – das wäre ein mutiger Schritt. Lösungen wie Xbox SmartGlass können da nur der Anfang sein. Alle Games – von Titeln wie Call of Duty bis hin zu Arcade-Games – müssen auf allen Geräten – Konsole, Smartphone, Tablet, PC  – spielbar sein. Wenn die Hardware zu schwachbrünstig ist, dann kommt der Gaming-Stream eben aus der Cloud. Wenn solch ein Xbox OS dann Zugriff auf den Windows Store hätte und sämtliche Apps funktionsfähig wären – ein Traum für jeden Xbox-Fan, interessant auch für Wenig- bis Nicht-Gamer und darüber hinaus die Erfüllung des einstigen Versprechens von Bill Gates, der mit dem Ausspruch „Live Anywhere“ genau eine solche Vision bereits vor Jahren verlauten ließ.

Hardware war gestern – heute geht es mehr denn je um Dienste und Services, die auf allen Formen von Endgeräten gleichermaßen laufen und sich nahtlos ergänzen und synchronisieren. Games wären diesbezüglich ein hervorragender (Neu-)Anfang für Microsoft und eine mehr als solide Basis. Am 21. Mai ist also nicht die kommende Xbox-Konsole interessant, sondern die Plattformideen, die der Konzern präsentieren wird. Denn eins ist sicher: Wenn Microsoft in Sachen Xbox ähnlich agiert wie im Windows-Bereich, steht es nicht gut für die Redmonder. Also kann es nur heißen: alle Macht der Xbox.

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5 Antworten
  1. von Miki am 16.05.2013 (09:41 Uhr)

    Ich bin wohl der Einzige, der momentan super zufrieden von der ganzen Eko-Struktur ist, was Microsoft aufgebaut hat. Ich muss nicht Mal mein Handy mit WP 7.8 wechseln. Es funktioniert perfekt!
    Die neue Touch Oberfläche von Microsoft ist auch die beste Oberfläche, die ich kenne. Der Surface RT ist meiner Meinung nach ein voller Erfolg.

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  2. von Jep am 16.05.2013 (11:01 Uhr)

    Da war wohl der Wunsch Vater des Gedankens, Microsoft in der Krise zu sehen. Langläufige Trends, werden völlig missachtet, nüchterne Zahlen ignoriert. Die Überschrift müsste lauten: Microsoft hat ein Image - oder die Medien ein Qualitätsproblem.

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  3. von Nauglamir am 16.05.2013 (16:55 Uhr)

    "Hardware war gestern – heute geht es mehr denn je um Dienste und Services, die auf allen Formen von Endgeräten gleichermaßen laufen und sich nahtlos ergänzen und synchronisieren. "

    Genau das realisiert Microsoft doch gerade, denn diese Dienste und Services brauchen eine gemeinsame Basis... MS denkt hier weit voraus, nur scheinen die "Experten" dies wohl wiedermal nicht zu bemerken. Ach ja ich schreib noch schnell: "X-Box" - damit ich auch grad aktuell bin.

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  4. von loenne am 19.05.2013 (22:49 Uhr)

    Was für ein oberflächlicher und peinlicher Bericht. Bevor der Autor sich anmaßt über ein Unternehmen zu urteilen sollte er sich zumindest rudimentär über dessen bussines und Geschäftssegmente informieren. Windows macht mittlerweile nur noch ca 25% des Gesamtgewinns aus. Selbst wenn es ab morgen kein Windows mehr gäbe wäre MSFT immer noch der größte Softwarekonzern der Welt.

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  5. von Simon am 20.05.2013 (23:43 Uhr)

    Weil ja jetzt schon alles von der PS4 bekannt ist?
    Was ich bis jetzt von der PS4 (nicht technisch) mitbekommen habe ist einfach nur schlecht - richtig schlecht.
    Die einzigen guten Features sind von Onlive abgeschaut (gaikai) und noch schlechter umgesetzt.
    Ich denke nicht, dass Microsoft den Konsolenstart vermasseln wird, denn es soll ja viel bei Xbox Live getan worden sein und das war das einzige schlechte an der Konsole.

    Natürlich sind die Produkte von Microsoft nicht perfekt. Das wäre auch ziemlich dämlich, denn MS muss ja auch in der Zukunft Geld verdienen.

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