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Listicle

5 Mythen über New Work, die einfach nicht stimmen

(Foto: Shutterstock)

New Work bedeutet viel Freizeit und ein mobiles Büro? So ein Quatsch! Worum es bei dem Konzept wirklich geht, erklärt unser Gastautor Marc Wagner.

Ich kann es nicht mehr hören! Da appelliert Elon Musk anlässlich der Produktion des Tesla 3 an seine Mitarbeiter, die Wochenenden und Nächte durchzuarbeiten, um gemeinsam eine Vision zu verwirklichen. Und schon stehen die New-Work-Fundamentalisten auf der Matte und beklagen, wie sehr dieser Appell „im völligen Widerspruch mit den Prinzipien von New Work“ steht. Zeit, mit ein paar Mythen aufzuräumen!

1. New Work gleich viel Freizeit

Blödsinn! New Work steht für Selbstverwirklichung, Sinnstiftung sowie Abbildung der individuellen Lebenssituation und Präferenzen. Eben um das, „was wirklich, wirklich wichtig ist“, wie es Fritjof Bergmann so schön sagte. Wäre es nicht toll, wenn wir diesen Sinn nicht nur in der Freizeit verfolgen, sondern auch während der Arbeitszeit?

Ein Beispiel: Mein Schwiegervater ist Dirigent in Shanghai. Er beschäftigt sich laufend mit klassischer Musik – auch abseits des Konzertsaals. Ist das dann Arbeit? Irgendwie schon. Ist das Sinnstiftung? Ja. Die Arbeit beeinflusst aber auch die Freizeit. Also kein New Work? Ein weiteres Beispiel: Wenn ich an meine eigene Unternehmensgründung in der toughen New-Economy-Zeit zurückdenke, waren 72-Stunden-Wochen und Nachtschichten absolut normal. Selbstausbeutung? Klar. Aber für mich war es eine der größten Sinnstiftungen überhaupt – nämlich mein eigenes Ding machen. Auch kein New Work?

Was New Work und was Selbstausbeutung ist, darauf gibt es keine einfache Antwort. Die Frage ist, wie man Work-Life-Balance definiert. Und wenn man sich im Fall Tesla mit aller Energie zur Verwirklichung einer motivierenden Idee einbringt, dann kann das sehr gut mit New Work vereinbar sein. Muss es nicht, aber es kann.

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2. New Work bedeutet, nur noch 30 Prozent der Zeit für seinen Job aufzuwenden

Das ist eine schöne Vision, die viele hegen: weniger arbeiten. Aber das hat nichts mit New Work zu tun. Bei der Idee geht es schließlich um die Verbindung von etwas, das uns Spaß macht, das wir vielleicht auch in unserer Freizeit verfolgen, mit dem, für das wir bezahlt werden. Wenn das der Fall ist, warum dann weniger arbeiten?

Wenn mal die Maschinen kommen und unsere Aufgaben übernehmen, mögen 30 Prozent Arbeit ein Szenario sein, genau wie das bedingungslose Grundeinkommen. Allerdings haben bisher alle technologischen Entwicklungen dazu geführt, dass es ausreichend neue Tätigkeiten gibt, auf die sich die Menschen dann stürzen. Hoffentlich sind es die, die uns glücklich machen.

3. Bei New Work sind wir nur noch virtuell unterwegs

Im Umfeld deutscher Großkonzerne wird die New-Work-Diskussion gerne auf mobiles und virtuelles Arbeiten reduziert. Das ist eine extrem und teils sinnfreie Verkürzung. Ja, es ist wichtig, Mitarbeitern und Führungskräften die Möglichkeit zu bieten, mobil und unabhängig von Ort und Zeit zu arbeiten. Ja, Mitarbeiter sollten die entsprechende IT-Ausstattung für das Home-Office bekommen und rechtlich abgesichert sein.

Fragt man allerdings die so gerne ins Feld geführten Erfolgsbeispiele in den USA oder auch in Asien gehypten Gründer, wer denn nicht ins Büro geht, so bekommt man häufig die Antwort: „Bei uns kommen die Mitarbeiter gerne ins Office – und zwar freiwillig. Für Kreativität und soziale Interaktion ist Präsenz unerlässlich.“ Ein Kunde hat es einmal so zusammengefasst: „Digital braucht auch analog.“

Es geht also nicht darum, das Büro abzuschaffen. Wichtiger ist es, das Thema Präsenz nicht mit Kontrolle zu verwechseln. Denn New Work heißt, eine Ergebniskultur zu etablieren – losgelöst von der reinen Anwesenheit.

4. New Work bedeutet Arbeiten im Großraumbüro

Um Himmels Willen! Bei der Einführung von New-Work-Projekten stößt man immer wieder auf diesen Mythos. Wenn Großraumbüros schlecht gemacht sind und an eine Legebatterie erinnern, sind sie Gift für Kreativität, Konzentration und auch für die soziale Interaktion. Was wirklich hilft: Open-Space-Elemente.

Wichtig ist, dass in einem nach New-Work-Kriterien gestalteten Arbeitsumfeld Räume geschaffen werden, die auf die Tätigkeiten der Mitarbeiter passen. Von konzentriert über kollaborativ bis hin zu kreativ und entspannend. Auch hier spielt die Diversität des Umfelds eine Rolle – und ja, das kann mitunter auch zu Hause oder unterwegs sein.

5. Bei New Work ist alles voll demokratisch

Bis zu einem gewissen Punkt stimmt das: New Work fördert Demokratie im Unternehmen. Es geht bei dem Konzept schließlich um den Wegfall von starren Hierarchien, um Agilität und „Antifragilität“ gegenüber äußeren Schocks. Vielen Organisationen fehlt es allerdings weniger an Einheiten wie Labs, die sich neue Ideen einfallen lassen, sondern an einer konsequenten Exekution und Entscheidungsfindung.

Auch wenn Andrew McAfee und seine Mitautoren in ihrem neuen Buch die Entscheidungsfindung schon bei Maschinen sehen, ist eine klare und schnelle Entscheidung im heutigen Zeitalter erfolgskritisch. Und das bedeutet in größeren Organisationen auch, dass der Gründer oder CEO das letzte Wort im ansonsten demokratischen Entscheidungsprozess hat.

Fazit: New Work ist mehr als Freizeit und virtuelles Arbeiten

Wie gestaltet sich Arbeit im Zeitalter der Digitalisierung? Das ist die zentrale Frage, die im Mittelpunkt von New Work steht. Flexibilität, Agilität und Individualität können Unternehmen helfen, eine Antwort darauf zu finden. Das Problem: Zu oft konzentrieren sich New-Work-Evangelisten entweder auf eine sozialromantische oder auf eine reine Innensicht. Dabei verlieren sie aus dem Blick, worum es im Unternehmen geht – nämlich um Wertschöpfung für den Kunden. Ein wesentliches Element von erfolgreichen New-Work-Konzepten ist deshalb die Kundenorientierung – in allen Organisationselementen und Arbeitsprozessen.

New Work ist aber mehr als Reorganisation und Sinnstiftung, sie ist auch Digitalisierung und technologischer Fortschritt: Wie können wir die Weiterentwicklungen in Bereichen wie Robotics, künstliche Intelligenz, Analytics, 3D-Druck in unserem Sinne nutzen? Wie ein Lebenskonzept schaffen, in dem wir mit diesen Entwicklungen koexistieren? Denn letztlich bieten die technologischen Entwicklungen die Chance, die New-Work-Idee zu verwirklichen und einzelne Interessen von Mitarbeitern mit Gesamtinteressen des Unternehmen in Einklang zu bringen: Selbstbestimmung trifft auf Eigenverantwortung, Individualität auf Agilität, Sinnstiftung auf Produktivität. Wir sollten die Arbeit neu definieren – genau das sagt der Begriff New Work doch schließlich auch aus.

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