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next10: Zukunft des Publishing und der Tablet-Hype vor dem Höhepunkt- next10, Tag 2

    next10: Zukunft des Publishing und der Tablet-Hype vor dem Höhepunkt- next10, Tag 2

Wenn man mich persönlich fragt, dann hat mir der zweite Tag der next10 ein gutes Stück besser gefallen als der erste. Das lag vor allem an vielen Personen, Projekten und Themen, die mich selbst interessieren und bei denen ich Menschen zuhören konnte, die etwas mitzuteilen haben.

Mein „Wow“-Moment auf der next10 war eindeutig die Session mit dem britischen Journalisten und Multi-Talent Ben Hammersley. Wer sich für die Zukunft der Medien interessiert und einmal eine Chance hat, ihn live zu erleben, sollte es wahrnehmen. Er versteht es einfach, sein Publikum zu unterhalten und hat dabei auch noch interessante Thesen und Meinungen im Gepäck. So ist er zwar rundum von Apples iPad begeistert, sieht das Gerät aber keinesfalls als Rettung der Verlagsbranche. Ein zentraler Grund: Auf dem Tablet hat man zwar Dank des App Stores ein angeschlossenes und gut eingeführtes Bezahlsystem, aber dafür konkurriert man auf einer einzigen Plattform mit der gesamten restlichen Welt. Alle Angebote streiten gleichzeitig auf demselben Gerät um die Aufmerksamkeit der Nutzer. Zugleich sieht er das iPad als einen Vorboten dessen, was noch kommen wird - vor allem rund ums Internet. Bislang fand man es eine prima Idee, das Internet auf eine Maschine zu liefern, die einen Lüfter braucht, um nicht in Flammen aufzugehen, erklärte er. Elegante und schlichte Geräte wie das iPad zeigen aber, dass das alles nur der Anfang war.

Interessant auch die Einblicke in das deutsche Startup txtr, das ich bislang wie die meisten vor allem mit ihrem (geplanten) Kindle-Konkurrenten txtr Reader in Verbindung gebracht habe. Nach Schwierigkeiten bei der Massenproduktion im Februar gibt es bislang keinen neuen Erscheinungstermin für das Gerät. Joscha Bach von txtr gab an dieser Stelle in seinem Vortrag auch nur die Info „auf jeden Fall noch in diesem Jahr“. Aber txtr sieht die Geräte nach seinen Worten auch gar nicht als den Kern dessen, was man als „eReading Revolution“ bezeichnen könnte. „Es geht nicht um eine neue Gerätekategorie. Es entsteht ein neues Ökosystem des Publizierens und Lesens“, erklärte er. Sein Startup will dabei Tools zur Verfügung stellen, um seine Inhalte in diesem Ökosystem möglichst breit zu streuen.

Simon Seeger von textunes wiederum sieht trotz aller Umbrüche das gedruckte Buch noch lange nicht am Ende. Es werde eine „selektive Mediennutzung“ Einzug halten, die sowohl den E-Reader als auch den „700-Seiten-Schinken“ einen Platz einräume - je nach Umständen und persönlichem Geschmack. Als weitere Trends sah er die Konvergenz verschiedener Medienformen an und außerdem die Vernetzung von Inhalten. Denn wenn man gerade etwas Interessantes in einem E-Book auf dem iPhone lese, wolle man die Textstelle beispielsweise bequem bei Facebook posten können.

Was das Thema Tablets angeht, sah IT-Journalist und dpa-infocom-Chef Christoph Dernbach die aktuelle Diskussion noch lange nicht auf dem Höhepunkt angekommen. Mit Bezug auf Gartners Hype Cycle erklärte er, dass man hier den „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ noch gar nicht erreicht habe. Und auf den folgt bekanntlich erst noch das „Tal der Enttäuschungen“.

Auf der Hype-Welle reitet derzeit auch das deutsche Unternehmen neofonie mit ihrem Tablet-Projekt WeTab. Helmut Hoffer von Ankershoffen stellte neofonie vor und die Ideen hinter dem eigenen Tablet-Projekt. Nach der holprigen ersten Pressekonferenz zum iPad-Konkurrenten hatte manch einer bezweifelt, dass es überhaupt ein ernstgemeintes Produkt ist. Hier auf der next10 konnte man ein Gerät in Aktion sehen. Der Ansatz ist an vielen Stellen anders als bei Apples iPad - aber das ist ja eher als Vorteil anzusehen. Ein iPad gibt es schließlich schon und die Liste an Kritikpunkten zu Apples Tablet ist lang. Das WeTab möchte beispielsweise mit vielen Schnittstellen die Kunden überzeugen und mit großer Offenheit gegenüber Inhalten die Content-Produzenten. Vor allem Zeitungs- und Magazinverlage will neofonie offenbar begeistern. Im Spätsommer soll das Gerät marktreif sein.

Interessante Einblicke gab außerdem Karlheinz Brandenburg, der meist als „MP3-Erfinder“ tituliert wird, aber in diesem Zusammenhang auf das Team verweist, das an diesem Projekt mitgearbeitet hat. „Teamwork“ war daher auch einer der Punkte in seinem Vortrag zum Thema, wie man denn eigentlich zum „Game Changer“ wird. Seine Erkenntnisse aus der eigenen MP3-Story:

  1. Versuch, das Unmögliche zu tun.
  2. Schau, was andere tun.
  3. Arbeite im Team.
  4. Schau Dir den Markt an.
  5. Gib nicht auf!

Abschließend machte er dem Publikum Mut, selbst zum „Game Changer“ zu werden: „Das Zeitalter digitaler Medien hat gerade erst begonnen. Und jeder kann ein Teil davon werden.“

Fotogalerie

P.S.: Mehr Fotos von der next gibt es übrigens hier in unserer laufend erweiterten Galerie.

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2 Reaktionen
Peter Brülls
Peter Brülls

@#1 So einfach ist es leider nicht. Vieles an der iPad-Kritik kommt aus einer bestimmten Benutzerecke und ist für den Durchschnittsbenutzer völlig uninteressant. Und vieles an den Verbesserungsvorschlägen ist einfach nur hoffnungslos naiv: Würde man den Durchschnittsautofahrer die Anforderungen schreiben lassen, es käme ein Porsche mit Anhängerkupplung, 3 l/100 km, Platz für 3 Koffer und 1 Kinderwagen für 10.000 € dabei heraus. Ähnlich verhält es sich auch bei Pads.

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WeTab

Der Vorteil der WeTab-Leute ist in der Tat, dass sie sich nur die Kritikpunkte an Apples iPad richtig durchlesen müssen, um dann genau diesen Bedarf zu decken. Marketingtechnisch eigentlich gar nicht so dumm. Ob man allerdings die Eleganz und Benutzerfreundlichkeit des Vorbilds erreichen wird, wage ich zu bezweifeln. Den WeTeb-Homescreen finde ich persönlich nicht besonders ansprechend.

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