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E-Commerce

NFC gegen BLE: K(r)ampf der Giganten?

    NFC gegen BLE: K(r)ampf der Giganten?

NFC vs. BLE. (Foto: © ayo's photo – Fotolia.com)

Eigentlich sollte NFC beim Bezahlen mit dem Smartphone zum Durchbruch im Einzelhandel führen. Stattdessen scheinen nun immer mehr Mobile-Payment-Anbieter auf BLE zu setzen.

NFC vs. BLE oder: Äpfel mit Birnen vergleichen

Was das Bezahlen mit dem Smartphone im lokalen Ladengeschäft betrifft, scheint die Branche nicht wirklich weiter zu kommen. Zwar vergeht keine Woche ohne neue Ankündigungen, aber bei genaueren Hinsehen entpuppt sich manche Erfolgsmeldung als aufgeblähte Mitteilung mit nur geringem Nachrichtewert. Eigentlich sollte NFC (Near Field Communikation) dafür sorgen, dass Kunden an jedem Kassen-Terminal in Deutschland  mit ihrem NFC-fähigem Smartphone bezahlen können. Das aber ist nicht so. Zwar unterstützen mit etwa zehn Prozent noch lange nicht alle Kassensysteme das kontaktlose Bezahlen mit dem Smartphone über NFC, aber es werden immer mehr.

Anders sieht das bei den Smartphones aus. Jedes neue Android-Smartphone und auch Windows Phone oder Blackberry unterstützt NFC als Technologie. Das iPhone jedoch nicht. „Noch nicht“, hört man seit Jahren die Stimmen aus dem NFC-Lager. Apple aber scheint keine Bemühungen zu unternehmen, NFC zu unterstützen. Auch beim kommenden iPhone 6 bleibt es mehr als fraglich, ob es NFC an Board haben wird. Aber auch ein NFC-fähiges Smartphone reicht bei weitem nicht aus. Bisher benötigt man zusätzlich eine entsprechend SIM-Karte, auf der das für Zahlungen notwendige sogenannte Secure Element hinterlegt ist. Und bei weitem wird auch nicht jedes Smartphone unterstützt. Zusätzlich braucht man eine entsprechende App nebst  Account – zum Beispiel für die o2-Wallet. Während heute annähernd jede neue Kreditkarte schon mit NFC ausgestattet ist und man vielerorts auch kontaktlos bezahlen kann, sieht es beim Smartphone eher traurig aus. Stattdessen erfreut sich eine andere Technologie immer mehr Zuspruch: BLE.

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NFC gegen BLE?  (Foto: © triloks – iStockphoto.com)

Die Funktionsweise von NFC

BLE (Bluetooth Low Energy) wird gerne als NFC-Killer bezeichnet, und einige Anbieter von Bezahl-Apps setzen auf diese Technologie. Anders als NFC ist BLE auf allen Plattformen vorhanden, auch oder gerade bei Apple. Der Vergleich von NFC und BLE ist aber ein Vergleich von Äpfeln und Birnen, da sowohl der Einsatzzweck als auch die Technologie große Unterschiede aufweisen. So wenig man ein Fahrrad mit einem Auto vergleichen sollte, so hinkt auch der Vergleich zwischen NFC und BLE.

NFC mit (mPass) in der O2Wallet (Screenshot O2)
NFC mit (mPass) in der O2Wallet (Screenshot O2)

Bei NFC werden Daten per Funktechnik über Distanzen von wenigen Zentimetern bei einer Übertragungsrate von 424 Kilobit pro Sekunde übertragen. Man unterscheidet dabei zwischen dem aktiven und dem passiven Modus. Der passive Modus kommt unter andere bei Kreditkarten oder NFC-Aufklebern zum Einsatz und dementsprechend ohne eigene Stromversorgung aus. Die notwendige Energie wird über ein Magnetfeld bezogen. Aber auch ein Smartphone kann in diesem Modus arbeiten, zum Beispiel beim Card-Emulation-Modus, in dem das Smartphone eine kontaktlose Karte emuliert.Im aktiven Modus erzeugt das Gerät ein eigenes Magnetfeld, wie es zum Beispiel beim Kartenterminal der Fall ist. Bei NFC handelt es sich im einen internationalen Übertragungsstandard, der mittlerweile von knapp zehn Prozent der verfügbaren EC-Kartenterminals Deutschland unterstützt wird.

NFC wird heute von einigen Kreditkartenherausgebern angeboten, aber auch Lösungen wie mPass setzen auf NFC als Technologie. Beim Bezahlen mit dem Smartphone spielt es – trotz der regelmäßigen Ankündigungen der Mobilfunkanbieter – noch keine Rolle. Wer mit seinem Smartphone im Ladengeschäft bezahlen möchte, muss sich an seinen Mobilfunkanbieter wenden und bekommt mit etwas Glück eine Lösung angeboten.

Die Funktionsweise von BLE

Bluetooth Low Energy ist eine auf Bluetooth basierende Funktechnik, die auf dem Sender-Empfänger-Prinzip basiert. Abgeleitet vom englischen „Leuchtfeuer“ senden so genannte Beacons (Sender) ein kontinuierliches Signal, ähnlich einem Leuchtfeuer. Dieses Signal kann von in der Nähe befindlichen Empfängern, wie zum Beispiel einem Smartphone, erkannt werden. Dazu benötig man einen entsprechenden Sender. Das kann ein günstiger Bluetooth-Transmitter sein oder zum Beispiel ein iOS-Gerät. Anders als bei NFC erfolgt die Kommunikation nicht über elektromagnetische Wellen, sondern über ein erweitertes Bluetooth-Protokoll. Die Reichweite ist mit bis zu 30 Metern deutlich höher als bei NFC, das nur im Bereich von wenigen Zentimetern funktioniert. In Zusammenhang mit entsprechenden Beacons kann BLE bei der Indoor-Navigation oder als Marketing-Instrument eingesetzt werden. Auch mobile Bezahlverfahren lassen sich theoretisch abbilden.

BLE oder Beacons sind in Deutschland fast nirgends im Einsatz. Zwar haben Valuephone und Yapital angekündigt, Bezahllösungen auf BLE anzubieten, aber bisher blieb es bei Ankündigungen. Auch als Marketing-Instrument ist BLE noch kaum im Einsatz. Lediglich Barcoo hat zusammen mit mymuesli einen Piloten in München gestartet. Anwender, die am Münchner Viktualienmarkt vorbeilaufen, bekommen eine Push-Nachricht auf ihr Smartphone: „Komm rüber zum mymuesli Laden und hol Dir unsere exklusiven Müsli-Drinks in drei leckeren Geschmackssorten.“

NFC und BLE: Die Unterschiede

BLE wird gerne mit NFC verglichen. Der Vergleich hinkt allerdings in mehrerlei Hinsicht. Zum einen ist die technologische Basis eine völlig andere. iBeacon basiert auf Bluetooth-Low-Energy, während bei NFC mit Hilfe elektromagnetischer Wellen kommuniziert wird. Zum anderen ist die Reichweite von NFC mit knapp 20 Zentimetern deutlich geringer. Anders als Bluetooth-Low-Energy wird NFC nicht von Apple-Geräten unterstützt. Während BLE von allen Herstellern unterstützt wird, ist NFC nur Android, Blackberry und Windows-Phone-Geräten vorbehalten.

Beim Thema Sicherheit hat NFC die Nase vorn, denn die Angriffsszenarien sind Aufgrund der niedrigen Reichweite deutlich geringer als bei BLE. Hier sind Man-in-the-middle-Attacken mit Tools wie „Ubertooth“ denkbar – gerade bei Bezahlverfahren natürlich ein essentieller Aspekt. Dazu kommt, dass der Bezahlvorgang kontaktlos über NFC durch Tappen erfolgt. Es ist keine weitere Nutzerinteraktion erforderlich. Bezahlen über NFC kommt ohne App aus, anders bei BLE – hier ist zwingend immer eine App erforderlich, die dann mit den Beacons kommunizieren kann.

Fazit

Gewinnt NFC den Kampf um die Technologie beim Mobile Payment? Dazu müsste es zunächst einmal einen echten Kampf geben. Denn beim Thema BLE und Beacon scheint es sich im Moment vor allem um eine schöne Worthülse für Marketing-Abteilungen zu handeln. Daher ist es schwierig, von einem Gewinner zu sprechen – es gibt keinen Kampf. NFC ist im Moment schlichtweg alleine im Markt, sieht man von einigen Pilotprojekten ab. Aktuell wäre der Sieg ohnehin ein bitterer, hilft er doch nicht bei der Lösung des eigentlichen Problems. Egal, welche Technik zum Einsatz kommt: Aus Sicht der Anwender gibt es bis heute noch keine gute Lösung zum Bezahlen mit dem Smartphone im Ladengeschäft.

Ein Klick auf den untenstehenden Ausschnitt öffnet die gesamte Infografik.

BLE vs. NFC. (Infografik: retailcustomerexperience.com)
BLE vs. NFC. (Infografik: retailcustomerexperience.com)

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5 Reaktionen
JoWigand
JoWigand

Warum im Fazit doch wieder die Reduktion auf Mobile Payment? Wie weiter oben richtig festgestellt, handelt es sich bei BLE eben gerade um eine für Indoor Navigation etc spannende Technologie. Wie in meinem Blogartikel zum Thema (http://wisecom.wordpress.com/2014/02/10/nfc-ibeacon-shopping-revolution/) festgestellt, werden sich die beiden Technologien wohl ergänzen und schließen einander nicht aus. Im Übrigen: Der Kommentar "Beacons sind in Deutschland fast nirgends im Einsatz" erinnert mich dezent an den berühmten Newsweek Artikel von 1995, der postulierte, dass das Internet sich niemals durchsetzen würde. ;-)

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Verbreitung unaufhaltsam
Verbreitung unaufhaltsam

Laut Wikipedia zu NFC gibts in Frankreich ein großes Projekt mit vielen Anbietern und in Asien wird es angeblich auch gut genutzt. Da wird auch ansatzweise mit Bluetooth4 und RFID verglichen.

Die Firmwares der Apple-Laptop-Kameras kann man wohl umprogrammieren damit sie keine LED mehr leuchten lassen. Die Frage ist jetzt also, ob man Bluetooth2/2.1/2.2(EDR?)/3.0-Geräte zumindest soweit umprogrammieren kann, das sie Dinge wie Pairless und die Protokolle beherrschen und so weit wie möglich mit 4.0-Geräten zusammenarbeiten. Projekte für offene 3G-Firmwares gibts ja wohl auch. Das Ziel wäre also, so viele alte Geräte wie möglich kompatibel zu kriegen statt sie wegzuwerfen.

Wenn ich eine gutbesuchte Webseite hätte, würde ich die Zahlen von Kindle, Android-Versionen, Herstellern, beliebtesten Herstellern und daraus Bluetooth-Versionen usw. veröffentlichen. Die anderen machen es ja leider nicht.
Und wenn noch 95% der Handies kein BLE können, hat man wenig davon und investiert die Kohle lieber in diese digitalen Bilderrahmen wo eine SD-Karte mit einem Film reinkommt und die in Baumärkten oder Schaufensterscheiben kleben.

In Restaurants und Imbiss-Buden erwarte ich das die Karte in einem Standard-XML-Format auf mein Handy gebeamt wird und ich direkt bestellen kann ohne in der Schlange abwarten zu müssen.
Leider ist sowas vermutlich längst patentiert so das man es nicht selber machen kann sondern auf USA warten muss :-( Imbissbudenbesitzer oder deren Kinder nutzen selber Smartphones und bei Apps wie Pizza.de und Lieferheld sind die ja oft selber Anbieter.
Als Zwischenlösungen muss man dafür auch WiFis usw. anbieten.
Es müsste also sowas wie BLE auch für WiFi geben. Und auch das man in mehreren WiFis parallel eingeloggt sein kann.

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willwach
willwach

Sehr seltsamer Artikel.
Es wirkt ein wenig wie vom Praktikanten.

Sorry, aber was BLE angeht scheint der Autor hier BLE und iBeacon gleichzusetzen. BLE kann aber viel mehr.

Und BLE ist sehr wohl im Einsatz. Nur halt nicht bei Bezahlsystemen.

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Andreas.
Andreas.

Nicht nur die Technologie ist komplett unterschiedlich, sondern auch der Anwendungsbereich, wobei sich die beiden Techniken eigentlich ergänzen und nicht "bekämpfen". Dieses Szenario wird nur von Apple gewünscht, ist aber eigentlich Schwachsinn. Denn es ist genau so praktisch, wenn man einen Raum betritt und diese Anwesenheit dann per BLE eine Aktion auslösen kann, wie das viel präzisere NFC eine Punktlandung vollbringt. Ausserdem ist NFC gerade im Marketing die weitaus günstigere Methode und noch vor der Bezahl-Option eine eigentliche Weiterentwicklung des QR-Codes im Nahbereich... Tab und Action als Trigger für Aktionen in Restaurants, Shops, etc. wird sich wohl schneller etablieren, als das technisch aufwändigere BLE. Immerhin gibt es schon kostenlose Apps für das Programmieren einfacher Abläufe via NFC-Tags, welche es wiederum für 2-3 € zu kaufen gibt... Davon ist BLE noch weit entfernt...

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Canomat
Canomat

"Anders als bei NFC erfolgt die Kommunikation nicht über elektromagnetische Wellen, sondern über ein erweitertes Bluetooth"
Aua. Bluetooth ist also keine Funktechnik und basiert nicht auf elektromagnetischen Wellen?!?

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