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Mit 17 Millionär: Marissa Mayers Goldjunge Nick D’Aloisio im Portrait

Mit 17 Millionär: Marissa Mayers Goldjunge Nick D’Aloisio im Portrait

Nick D'Aloisio ist 18 Jahre alt – und hat bereits jetzt erreicht, wovon die Meisten ihr Leben lang träumen. Im März 2013 verkaufte er seine Summly für 30 Millionen US-Dollar an . Seither arbeitet er für Yahoo-Boss Marissa Mayer am nächsten großen Ding.

Mit 17 Millionär: Marissa Mayers Goldjunge Nick D’Aloisio im Portrait

Nick D'Aloisio auf der Le Web in Paris. (Foto: Le Web / Flickr)

Es war eine einfache Idee, die D’Aloisio so erfolgreich gemacht hat: Eine App, die längere Webseiten zusammenfasst und so für mehr Orientierung in der digitalen Informationsflut sorgt. Das klingt nützlich: Denn noch immer scannen wir auf der Suche nach relevanten Inhalten täglich Unmengen von Seiten im Netz. Die meisten Google-Suchen fördern Millionen oder Milliarden von Ergebnissen zutage. Und die Zeit, die vergeht, bis wir unter den angezeigten Links die wirklich Hilfreichen gefunden haben, summiert sich – ein Problem, das sich beim mobilen Surfen noch verschärft.

Die von D’Aloisio entwickelte App Summly (von Englisch: to sum up) fasst Webtexte in 400 Zeichen auf ihre wesentliche Aussage zusammen und versetzt die Nutzer so in die Lage, in Sekundenschnelle auszuloten, ob sich eine eingehende Beschäftigung mit der Nachrichtenquelle lohnt. Direkt nach dem Launch des Prototypen Trimit im Sommer 2011 erkannten die ersten Schwergewichte der Technologiebranche das Potenzial: Als jüngster Unternehmer überhaupt erhielt D’Aloisio mit 15 Jahren 300.000 US-Dollar Risikokapital. Ein Jahr später floss eine weitere Million, unter anderem von Ashton Kutcher und Yoko Ono. 2013 dann der große Coup, der ihm neben einem stattlichen Anteil des Verkaufserlöses von Summly (geschätzt ein Drittel) auch einen Job bei Yahoo einbrachte.

Ein Aussie in England

Nick D'Aloisio auf der Le Web in Paris. (Foto: Le Web / Flickr)
Nick D'Aloisio auf der Le Web in Paris. (Foto: Le Web / Flickr)

„Mit zwölf brachte er sich das Programmieren bei – da hatte Apple seinen App-Store gerade erst eröffnet.“

D’Aloisio wurde in Australien geboren. Als er sieben war, zog seine Familie nach England. Mit zwölf brachte er sich das Programmieren bei – aus Neugier, und weil es ihn faszinierte, welche Möglichkeiten das Internet selbst Teenagern bietet. Da hatte Apple seinen App-Store gerade erst eröffnet. D’Aloisio arbeitete sich durch Online-Anleitungen und How-To-Videos – abends, an den Wochenenden und in den Ferien. Nicht gerade eine typische Freizeitbeschäftigung für einen Zwölfjährigen, dessen Elternhaus allenfalls als durchschnittlich technologieaffin beschrieben werden kann. Seine erste App brachte ihm am Erscheinungstag im App-Store 79 britische Pfund ein: „Das war einfach faszinierend.“ Heute hat D’Aloisio ein Stipendium für eine renommierte Schule in Wimbledon, zu seinen Kernfächern zählen Höhere Mathematik und Kunst. Aufgrund seiner Verpflichtungen für Yahoo nimmt er derzeit aber nur sporadisch am Unterricht teil. Manchmal bekomme er Panik, zu viel zu verpassen, erzählt er. Doch dann falle ihm wieder ein, welche unglaubliche Chance sich ihm gerade biete: „Das muss ich jetzt einfach mitnehmen.“

Effizienter Medienkonsum im Internetzeitalter

Auch D’Aloisio hat Medien zunächst auf traditionelle Weise konsumiert, bei Online-Recherchen für die Schule, mit klassischen oder digitalen Zeitschriftenabonnements oder auch Podcasts. Schnell wurde ihm klar: Ich verbringe zu viel Zeit damit, mir einen Überblick über Dinge zu verschaffen, die letzten Endes irrelevant für mich sind – Zeit, die ich eigentlich nicht habe. Die Frustration über diesen Umstand brachte ihn dazu, das Geheimnis intelligenter, auf Sprachanalyse beruhender Zusammenfassungen zu ergründen. Sein Faible für fremde Sprachen – er lernt unter anderem Russisch und Mandarin –, Syntax und Maschinenintelligenz kam ihm dabei zugute.

Doch Summly sollte keine One-Man-Show bleiben. Bald nach der ersten Finanzspritze holte D’Aloisio sich Verstärkung ins Boot: Wissenschaftler auf dem Gebiet der maschinellen Sprachverarbeitung und künstlichen Intelligenz ebenso wie Top-Level-Manager mit jahrelanger Erfahrung im Aufbau von Internetunternehmen. D’Aloisio versuchte dabei nicht, jede Weiterentwicklung zu kontrollieren. Nur auf seinem persönlichem Spezialgebiet, dem Produktdesign, behielt er die Zügel fest in der Hand.

Der Visionär der digitalen Generation

In D’Aloisios Fähigkeit, ein versiertes Team zusammenzustellen und sich voll und ganz auf dieses Team zu verlassen, liegt einer der Erfolgsfaktoren für Summly. Doch die Gründe reichen tiefer: Mit seiner App adressierte D’Aloisio ein grundsätzliches Problem, mit dem viele von uns sich täglich im Netz konfrontiert sehen. Auf Basis seiner eigenen Erfahrungen hat er ein tiefgreifendes Verständnis für unsere moderne Form des Medienkonsums entwickelt: schnell, nebenbei, on the go – und dabei dennoch bereit, tief in eine Thematik einzutauchen, wenn es sich denn lohnt. Seine Vision ist es, auf Basis modernster Technologie eine Hilfestellung für dieses Informationsverhalten zu bieten. Es geht darum, aus der Flut von Informationen im Netz für den Nutzer relevante Inhalte auszuwählen. Diese Vision bietet aufgrund des weit verbreiteten Bedarfs der digitalen Generation nach Orientierung enormes Potenzial für künftige Services. Und genau das macht sie auch wirtschaftlich attraktiv.

Auf der Web-Konferenz Le Web in Paris: Das Nachwuchstalent ist umtriebig und als Interview-Gast ider Redner auf den wichtigsten Tech-Events der Welt unterwegs. (Foto: Le Web / Flickr)
Auf der Web-Konferenz Le Web in Paris: Das Nachwuchstalent ist umtriebig und als Interview-Gast auf den wichtigsten Tech-Events der Welt unterwegs. (Foto: Le Web / Flickr)

Nach der Übernahme ist Summly komplett in Yahoo aufgegangen, aber D’Aloisio arbeitet weiter an seiner Idee. Der Beweis dafür ist das neue Projekt, das er bei Yahoo unter der Ägide von Chefin Marissa Mayer in den vergangenen Monaten vorangetrieben hat. Auf der diesjährigen Consumer Electronics Show in Las Vegas hat er das Ergebnis zusammen mit ihr vorgestellt: Den Yahoo News Digest, eine Nachrichten-App, die Lesern die wichtigsten Nachrichten des Tages in Kurzversion liefert.

Yahoo News Digest: Nachrichten, bekömmlich serviert

Es findet sich viel von Summly in dem Produkt – in technischer, aber auch in konzeptioneller Hinsicht. So ist etwa die Anzahl der zusammengefassten Nachrichten begrenzt, Updates gibt es nur zwei Mal am Tag. D’Aloisio ist es wichtig, dass der Leser das Gefühl hat, irgendwann „fertig“ zu sein. Auch das ist ein Problem der heutigen digitalen Nachrichtenquellen: Die News nehmen kein Ende, es gibt im Internet immer noch mehr zu entdecken. Man hat nie das Gefühl, irgendwann guten Gewissens den Rechner ausschalten zu können, ein weit verbreiteter Frustrationsgrund unter den Digital Natives.

Der bislang nur in den USA verfügbare Yahoo News Digest soll diesem gefühlten Missstand entgegenwirken. Kompakte News in überschaubarer Anzahl, sortiert und abschließend, so dass der Leser eine tägliche Kurzroutine ausbilden kann, die ihn auf dem neuesten Stand hält. Um die Qualität des Angebots zu sichern, setzt der Yahoo News Digest nicht wie Summly allein auf Algorithmen und Artificial Intelligence, sondern auch auf geschulte Redakteure, die die Inhalte kuratieren.

Boy Genius mit Bodenhaftung

D’Aloisio fühlt sich wohl bei Yahoo, er erzählt gerne, dass er seine Vision mit Mayers Rückhalt viel besser umsetzen kann, schwärmt von ihrem Unternehmergeist und der Aufbruchsstimmung, die sie dem zuletzt angestaubt wirkenden Großkonzern verliehen hat.

„Seine Freundin ist manchmal genervt, weil er so viel arbeitet – selbst in den Schulferien.“

Doch nicht nur seinen neuen Arbeitgeber setzt D’Aloisio geschickt in Szene: In Interviews gibt er sich betont bescheiden. Er erzählt bereitwillig, dass sein Anteil aus der Yahoo-Übernahme vollständig in einem Treuhandfonds liegt und er von Yahoo nur ein bescheidenes Anfängergehalt erhält. D’Aloisio wohnt bei seinen Eltern, kauft sich weder teure Autos noch Designerklamotten. Seine Freundin hatte er schon, bevor er zum Millionär wurde. Sie sei nur manchmal genervt, weil er so viel arbeite, selbst in den Schulferien.

Das alles klingt bodenständig, fast schon zu diszipliniert für einen Teenager, der über Nacht zum Millionär geworden ist. Ohne Zweifel, D’Aloisio kann sich gut verkaufen: Er redet schnell, aber verhaspelt sich nicht. Auf der Bühne wirkt er selbstbewusst, egal wie viel erfahrener und älter sein Publikum ist.

Und wie geht es weiter mit D'Aloisio? Zwar arbeite der 18-Jährige jetzt für Yahoo, aber seine Persönlichkeit ist alles andere als hinter der Fassade des Internetriesen verschwunden. Verpflichtet hat er sich dort nur für die nächsten Monate, er kann sich vorstellen, das Engagement zu verlängern, erst einmal zu studieren oder ein neues Unternehmen zu gründen. Mal sehen, was Marissas Goldjunge noch für die Tech-Branche in petto hat.

Ursprünglich publiziert im Neustart Magazin im April 2014.

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2 Antworten
  1. von FF22 am 12.10.2014 (16:00 Uhr)

    Und wieder einmal ein "IT Journalist" aufs Medienhype und Marketing reingefallen. Bitte folgende Artikel lesen:

    "The Teen Who Got $30 Million From Yahoo Did Not Build His Startup's App (Or Invent Its Technology)"
    "What’s Actually Wrong with Yahoo’s Purchase of Summly"
    "The 17-Year-Old Whom Yahoo Paid $30 Million Was Licensing His Startup's Core Technology"

    Die Story ist auch zirka zwei Jahre alt.

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    • von Philipp Blum am 13.10.2014 (08:53 Uhr)

      Da fragt man sich, ob er jemals ueberhaupt nur einen Teil der 30 Millionen gesehen hat. Wird ja nicht gesagt, wie viele Anteile SRI und der Junge hatte. Kann Wahrscheinlich froh sein, wenn es ueberhaupt 50k oder so gewesen sind. Dennoch Geschickt von Yahoo: In der Presse wird durch den Deal eher der Junge gepusht und das als die mega Story verkauft. Hintenrum hat man aber quasi SRI dafuer bezahlt um an wichtiges Knowhow zu kommen. Die direkt zu engagieren waere aber ja lange nicht so spektakulaer gewesen und haette eher fuer skepsis gesorgt.

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