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Gadgets & Lifestyle

Nick Woodman: Das Genie hinter dem 4-Milliarden-Dollar-Erfolg von GoPro

    Nick Woodman: Das Genie hinter dem 4-Milliarden-Dollar-Erfolg von GoPro

GoPro-CEO Nick Woodman. (Screenshot: CBS)

Der Action-Kamera-Hersteller GoPro hat einen beeindruckenden Börsenstart hingelegt. Doch wer steht eigentlich hinter dem Erfolg? Die Geschichte des faszinierenden Unternehmers Nick Woodman.

Der GoPro-Börsengang: Höhepunkt eines Startup-Märchens

Nick Woodman und sein Team beim GoPro-Börsengang am vergangenen Donnerstag. (Bild: GoPro)
Nick Woodman und sein Team beim GoPro-Börsengang am vergangenen Donnerstag. (Bild: GoPro)

Es war einer der erfolgreichsten Börsengänge dieses Jahres: Mit einem Erstausgabepreis von 24 US-Dollar erreichte das kalifornische Unternehmen GoPro direkt den anvisierten Höchstpreis für seine Aktie. Im Verlauf des ersten Handelstages kletterte der Kurs sogar auf 31,34 US-Dollar: Der vorläufige Höhepunkt eines Startup-Märchens.

Das Produkt, das hinter diesem Erfolg steht, kennt wohl jeder: Eine kleine, robuste Kamera, die sich auf Helmen, Surf- und Skibrettern, aber auch an Hubschraubern und Flugzeugen befestigen lässt. Nur wenige Jahre hat es gedauert, bis die GoPro von der Extremsportler-Szene in den Massenmarkt gefunden hat – heute filmt jeder Hobby-Mountainbiker seine Downhills mit dem vielseitigen Gadget.

Doch hinter GoPro steht auch eine besondere Persönlichkeit: Nick Woodman, Erfinder, Gründer und unermüdlich beschleunigender Motor im Herzen des Unternehmens.

Seine beste Geschäftsidee: Entstanden auf einer Welle

Die Idee zu GoPro kam Woodman während eines Surftrips in Australien: Er wollte seine Performance auf dem Brett auf Film bannen, doch es gab kein Equipment, um hochwertige Action-Shots in dieser Extremsituation zu machen. An Gummibändern mitgenommene Einweg-Kameras trafen die Surfer bei einer starken Welle am Kopf oder gingen im Wasser verloren. Woodman beschloss, ein Armand zu entwickeln, mit dem sich ohne Probleme eine Kamera mit aufs Wasser nehmen ließ. Sein Vorhaben sollte letztlich zwei Jahre dauern.

Bootstrapping bei Nick Woodman: Zurück zu Mama und Papa ziehen.

Woodmans Zielstrebigkeit in dieser Zeit mag für Außenstehende an Obsession grenzen: Er zog wieder bei seinen Eltern ein und bastelte nahezu ununterbrochen am ersten Prototyp. Um sich den Weg zum Kühlschrank zu sparen, schnallte er sich einen mit Gatorade-Wasser-Gemisch gefüllten Trinkrucksack auf den Rücken. Mit den GoPro-Armbändern ging er abends ins Bett, um sicherzugehen, dass das Material den optimalen Tragekomfort in jeder Situation bot.

Bald wurde Woodman klar, dass die Integration einer eigenen Kamera einfacher war als die Herstellung eines mit unzähligen Modellen kompatiblen Armbands. Zahlreiche Kamera-Messen auf der ganzen Welt später hatte er ein Ausgangs-Modell gefunden, das seinen abenteuerlichen Ansprüchen genügte.

Nick Woodman: „GoPro war vom ersten Tag an profitabel“

So sah der Vorläufer der heutigen GoPro-Kamera aus. (Screenshot: YouTube)
So sah der Vorläufer der heutigen GoPro-Kamera aus. (Screenshot: YouTube)

Seinen ersten Zulieferer hatte er noch nie gesehen, als er ihm die 5.000 US-Dollar für die erste Lieferung überwies. Auch am Telefon waren die Sprachbarrieren zwischen Kalifornien und Shenzen zu groß gewesen. „Aber es wäre noch teurer gewesen, erst hinzufliegen um sie kennenzulernen. Daher dachte ich, was soll’s, legt einfach los.“ Und sein Vertrauen wurde nicht enttäuscht: Die chinesischen Partner lieferten – und GoPro war profitabel vom ersten Tag an.

Scheitern ist für Nick Woodman kein Fremdwort.

Für Woodman war der Erfolg seines Babys keine Selbstverständlichkeit. Denn auch wenn er in einem gut situierten Umfeld aufgewachsen ist und sich nicht erst vom Tellerwäscher zum Millionär hocharbeiten musste: Scheitern war dem damals knapp Dreißigjährigen nicht fremd.

Der Sunnyboy, der schon zu Schulzeiten trotz seines mäßigen akademischen Interesses immer passabel abgeliefert hatte, hatte nach seinem Universitätsabschluss zunächst in der Tech-Bubble des ausgehenden Jahrtausends mitgemischt. 2002 platzte die Dotcom-Blase – und mit ihr lösten sich sowohl Woodmans Webmarketing-Firma als auch fast vier Millionen US-Dollar an Investorengeldern in Luft auf.

Zwei Dinge passierten in dieser Zeit: Woodman beschloss, ab jetzt nur noch auf Bootstrapping zu setzen. Und er beschloss, sich mit einem ausgedehnten Surftrip wieder auf Kurs zu bringen – genau dem Trip, auf dem die Idee zu GoPro geboren wurde.

Die Angst vor dem erneuten Scheitern war in den frühen GoPro-Jahren Woodmans konstanter Begleiter. Vier Jahre hatte er sich und seiner Vision gegeben – wenn dann kein Erfolg in Sicht sei, würde er sich einen Job suchen. „Ich hatte solche Angst davor, wieder zu scheitern, dass ich total auf den Erfolg fokussiert war,“ sagt er rückblickend. Womöglich hat gerade diese Furcht ihn zur Höchstleistung angetrieben.

Mit 265.000 Dollar Startkapital zum Vier-Milliarden-Dollar-Unternehmen

Die erste GoPro-Kamera ging 2005 über die Ladentheke. Insgesamt war bis zu diesem Punkt ein Startkapital von 265.000 US-Dollar in das Projekt geflossen. Sieben Jahre und sechs Folgemodelle später, im Dezember 2012, erstand der taiwanesische Elektronikriese Foxconn knapp neun Prozent der Unternehmensanteile für 200 Millionen US-Dollar. GoPro-Mehrheitseigner Nick Woodman wurde damit im Alter von 36 Jahren zum Milliardär.

Kann man machen: Mit 36 Jahren Milliardär.

Schon längst wird die GoPro nicht mehr nur von Sportlern bejubelt: Filmemacher, Chirurgen, Weltraumforscher und das Militär: Die Anzahl der Use Cases steigt mit der Anzahl der GoPro-Nutzer. Die Rettung der fast zehn Wochen unter Tage eingeschlossenen chilenischen Bergleute 2010? Gefilmt – unter anderem – von einer GoPro. Das Kätzchen, das auf herzzerreißende Weise von einem Feuerwehrmann wiederbelebt wurde? Gefilmt von einer GoPro. Die Videos der kleinen, wendigen Kamera sind einfach überall.

Die GoPro lässt sich überall hin mitnehmen und erlaubt spektakuläre Aufnahmen. (Foto: Steven Worster,  via flickr , Lizenz  CC BY-ND 2.0)
Die GoPro lässt sich überall hin mitnehmen und erlaubt spektakuläre Aufnahmen. (Foto: Steven Worster, via flickr , Lizenz CC BY-ND 2.0)

3,8 Millionen Exemplare hat die im kalifornischen San Mateo beheimatete Firma 2013 verkauft. Mittlerweile beschäftigt GoPro mehr als 500 Mitarbeiter, der Wert des Unternehmens wird nach dem Börsengang auf 3,9 Milliarden US-Dollar geschätzt.

„Be a hero“: Die Maxime, die Nick Woodman täglich vorlebt

Trotz dieser enormen Skalierung ist es noch immer Nick Woodman, dessen Gesicht für all das steht, was die Marke GoPro verspricht: Spaß, Action, Emotionen. Auch als CEO eines Milliardenunternehmens trägt er Käppi statt Krawatte, sagt „Dude“ oder „Bro“, fährt bei Wüstenrennen mit und bekundet seine Anerkennung durch seine erhobene Faust mit abgespreiztem Daumen und kleinem Finger – dem Surfer-Gruß. Mit jedem sportlichen Abenteuer Woodmans entsteht neues Marketing-Material für GoPro. Dass der vermeintliche Kindskopf seine Jugendfreundin geheiratet hat und mit ihr zwei Töchter großzieht, macht das sympathische Bild des Milliardärs mit Bodenhaftung komplett.

Netter Milliardär von Nebenan: Nick Woodman im Gespräch mit Tech-Guru Robert Scoble. (Screenshot: YouTube).
Der Milliardär von Nebenan: Nick Woodman im Gespräch mit Tech-Guru Robert Scoble. (Screenshot: YouTube).

Nick Woodman lebt das, was GoPro erfolgreich macht: Leidenschaft.

Nick Woodman lebt die Maxime, die GoPro eine so explosiv wachsende Community beschert hat: Leidenschaft für das, was du tust. Die mit einer GoPro aufgenommenen Bilder sind unmittelbar, emotional. Sie lassen den Betrachter das Abenteuer miterleben, egal ob aus der Perspektive des Filmenden selbst oder eines Außenstehenden. Nicht zuletzt deswegen verbreitet sich GoPro-Content im Netz so überaus viral – die hochemotionale Marke hat einer der engagiertesten Social-Communites weltweit.

Das Wichtigste dabei für Woodman: Jeder kann mit der GoPro spektakuläre Aufnahmen produzieren. „Be a hero,“ verspricht GoPro auch denen, die ihr Leben bisher nur in verwackelten Schnappschüssen dokumentieren konnten. Für diese „Demokratisierung professionellen Contents“ kämpft der umtriebige CEO, und seine Begeisterung macht ihn ebenfalls zum Helden, für sein eigenes Unternehmen.

Warum Woodmans zentrale Rolle für GoPro auch ein Risiko ist

Geht bis an die Grenze: Nick Woodman braucht während eines Autorennens eine Infusion. (Screenshot: YouTube)
Geht bis an die Grenze: Nick Woodman braucht während eines Autorennens eine Infusion. (Screenshot: YouTube)

Im Zuge des IPOs legten Analysten offen, dass die zentrale Bedeutung Woodmans allerdings auch ein Risiko für GoPro sein kann: Denn nicht nur das Management und die strategische Ausrichtung des Unternehmens, sondern auch seine Vision und sein Markenkern sind von der Persönlichkeit Woodmans abhängig. Ihn zu verlieren könnte GoPro einen Schlag verpassen, von dem das Unternehmen sich so schnell nicht erholt.

Vielleicht legt GoPro auch deshalb Wert darauf, sport- und vor allem surfbegeisterte Nachwuchskräfte an sich zu binden: Das Headquarter in San Mateo ist nur einen Steinwurf von den besten Surf-Spots Kaliforniens entfernt.

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1 Reaktionen
marcel

Hatte auch schonmal einen Artikel über ihn geschrieben bzw. einfach das Video über seine Geschichte hochgeladen. Sehr interessanter Mensch mit einer tollen Idee, Respekt!

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