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Onlinehändler verliert vor Gericht: Amazon haftet für eure Bilder

Onlinehändler verliert vor Gericht: Amazon haftet für eure Bilder

Auch wenn die Bilder von Verkäufern hochgeladen werden: haftet für Urheberrechtsverletzungen. Das hat das Landgericht Berlin entschieden. Wie die Richter das Urteil begründen.

Onlinehändler verliert vor Gericht: Amazon haftet für eure Bilder

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Amazon verliert vor Gericht. (Foto: William Christiansen / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Eigentlich ging es nur um ein Bild: Der Parfümhersteller Davidoff sah seine Urheberrechte verletzt, weil sein Parfüm „The Game“ auf der Onlineplattform Amazon mit einem seiner Fotos beworben wurde. Weil der US-Onlinehändler die Bilder zwar löschte, aber keine Unterlassungserklärung unterschrieb, zog Davidoff vor Gericht – mit Recht, wie das Landgericht Berlin nun entschied (Aktenzeichen 16 O 103/14).

Amazon hatte argumentiert, dass es nur einen Marktplatz für Verkäufer biete und nicht für deren Inhalte verantwortlich gemacht werden könne. Der Onlinehändler hatte sich zudem damit gerechtfertigt, dass der externe Verkäufer ein Vertragspartner von Davidoff sei und Nutzungsrechte an den Bildern besessen habe.

Algorithmus macht Amazon haftbar

Die Juristen in der Hauptstadt sahen das allerdings anders: Die Plattform hafte auch für Bilder, die von externen Nutzern hochgeladen würden, entschied das Landgericht Berlin. Dass es sich um fremde Inhalte handle, ließ man nicht gelten. Amazon bestimme durch seinen Algorithmus, welche Bilder angezeigt würden. Dadurch greife der Konzern auch in die Autonomie der Verkäufer ein. Das Gericht folgte auch der zweiten Argumentation nicht. Nur weil jemand anders Nutzungsrechte an einem Bild habe, gelten diese noch lange nicht für Amazon, so die Richter.

Für den US-Konzern bedeutet das Urteil eine empfindliche Niederlage. Durch die Entscheidung der Berliner Juristen muss der Onlinehändler nun jedes Bild auch auf seine Rechtmäßigkeit prüfen. Ob Amazon noch rechtliche Schritte gegen das Urteil einleitet, ist nicht bekannt. Eine t3n-Anfrage ließ der Konzern bisher unbeantwortet.

Update, 16.01 Uhr: Amazon hat inzwischen reagiert. Ein Sprecher lässt ausrichten: „Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir laufende Verfahren nicht kommentieren.“

 

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4 Antworten
  1. von DerFrey am 30.03.2016 (17:22 Uhr)

    Ob das mal nicht ein gefährlicher Präzedenzfall wird... Amazon ist ja nur eine Plattform von vielen.

    Aus der Praxis: wenn der Händler das Nutzungsrecht für das Foto hat, es für solche Portale nutzt, wie soll der Portalbetreiber die Rechtmäßigkeit denn prüfen? Ende vom Lied wird es sein, dass Amazon & Co wohl die Händler in einem solchen Fall in Regress nehmen werden.

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    • von Kai am 31.03.2016 (12:20 Uhr)

      "Amazon-Händler, die neue Bilder bei Amazon hochladen, übertragen ihre Nutzungsrechte an Amazon."

      Und das ist schon länger so.

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  2. von Jörg Gastmann am 02.04.2016 (22:41 Uhr)

    Wäre damit nicht auch der Teil in Facebooks Nutzungsbedingungen hinfällig, mit denen Facebook das Nutzungsrecht für die von Nutzern gepolsterten Inhalte / Bilder für sich beansprucht?

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    • von Lisa Hegemann am 04.04.2016 (11:03 Uhr)

      Das ist eine sehr gute Frage, der wir gerade noch nachgehen. Wenn es dich interessiert, würde ich den Folge-Artikel hier in die Kommentare posten, sobald er online ist. Beste Grüße aus dem t3n-Team!

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