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Nochmal: „Dein“ Facebook gehört dir nicht!

Die Debatte um und Domians gelöschte Posts hat nochmal gezeigt: ist ein Deal ist ein Deal. Der folgende Artikel analysiert diesen Deal und gibt sechs zum Umgang mit eigenen Inhalten und Präsenzen im Web.

Nochmal: „Dein“ Facebook gehört dir nicht!

Social ist immer noch ein Deal – und was man daher beachten sollte!

Ein Radiomoderator hat ein Posting auf Facebook veröffentlicht. Also auf einer Plattform, auf der andere das Hausrecht haben, mit dem er sich einverstanden erklärt hat. Dieses Posting ist – warum auch immer – verschwunden. Sowas ist ärgerlich. Ich sage hier überhaupt nichts zum Inhalt oder dazu, was ich von dem Posting selbst halte. Aber sowas ist fast allen von uns schon mal passiert, und wir haben uns geärgert. Denn natürlich ist das nicht in Ordnung. Aber: Es ist auch kein Grund, sich zum Gewissen der Nation und der Zensierten im Allgemeinen und im Besonderen aufzuspielen und verletzt herumzuheulen.

#Wer anhand eines solchen Verschwindens hier gleich argwöhnt, „in unserem Land würden politische Kräfte erstarken, die die Demokratie bedrohen“, der hat vor allem eines nicht verstanden: das Wesen des Social Web und der letztlich kommerziellen Ausrichtung der Anbieter. Hier sind keine politischen Kräfte am Werk, sondern Firmen, in denen schon einmal Fehler passieren. Und die vor allem eines tun: in ihrem eigenen Interesse handeln. Was man auch vorher hätte wissen können, denn das ist nun einmal der Deal, der Preis, den wir für die Nutzung bezahlen. Für die Sichtbarkeit, von der der zitierte Jürgen Domian bisher auch reichlich profitiert hat. Weswegen er sich ja auch auf den Deal eingelassen hat. Solange es nach seinen Vorstellungen ging.

Social ist ein Deal ist ein Deal

Ich rede hier keiner Zensur das Wort. Ich spreche nicht pro Facebook. Ich spreche nicht gegen den sehr engagierten Kollegen.

Aber ich bitte doch darum, sich vorher Gedanken über die Deals zu machen, auf die man sich einlässt – und nicht hinterher herumzuheulen, wenn einem einmal etwas nicht passt. Nochmal: Es ist wichtig, darauf aufmerksam zu machen, wenn etwas schief läuft oder zu Unrecht gelöscht wird. Aber Illusionen und Verletztheit sind hier fehl am Platz.

So wenig uns das vielleicht schmeckt: Facebook ist kein Wohltätigkeitsverein – so wenig wie Google oder Twitter oder Xing –, und wenn wir dort mitmachen, erkennen wir das stillschweigend an. Das heißt nicht, dass man stillschweigend alles akzeptieren müsste, was da geschieht. Aber es ist schlicht realitätsfern, herumzuheulen, wenn in einem solchen System einmal etwas passiert, was einem selbst nicht passt.

Niemand gibt uns Garantien

Wir alle – oder jedenfalls viele von uns – publizieren fleißig im Netz. Für uns selbst oder als Teil der Kommunikationsstrategie unserer Kunden. Was wir dabei gerne vergessen: Wir veröffentlichen zu großen Teilen auf fremden Plattformen.

Niemand garantiert uns, dass dieser Content morgen noch dort stehen wird. Dass es das Social Network noch geben wird. Oder dass wir unsere XING- und Facebook-Kontakte auf ewig behalten werden. Und wenn wir – absichtlich oder aus Versehen – gegen irgendeine Regel verstoßen, können all dieser Content und das sorgfältig aufgebaute Netzwerk sofort weg sein. Für immer. Oder der Betreiber entschließt sich, die Teilnahmebestimmungen so zu ändern, dass wir damit nicht mehr einverstanden sind und uns freiwillig verabschieden. Auch dann sind unter Umständen viele Monate der Arbeit und der Investitionen vergeblich.

Es hat ja auch noch einen anderen Aspekt: Viele, die munter Fotos hochladen, anderen Applikationen Zugriff auf ihre Social Media gewähren oder sonstwo etwas posten, haben noch nie wirklich nachgelesen, welche umfassenden Rechte sich viele Betreiber auf das geistige Eigentum der Teilnehmer vorbehalten. Da ist ein Fremd-Werbe-Tweet über den eigenen Account ja noch die harmloseste Variante.

Die Abwägung muss vorher geschehen

Natürlich wird kaum jemand aus diesem Grund auf die Social Networks verzichten. Aber es lohnt sich schon, über einiges nachzudenken. Beispielsweise, wie ich kürzlich hier nochmals ausgeführt habe, zum Thema Blog auf einer fremdgehosteten Plattform wie Blogger.de oder WordPress.com: Für private Zwecke oder zum Ausprobieren ist es eine feine Sache. Doch für ein Firmen- oder Expertenblog lohnt es sich, die Sache auf den eigenen Webspace zu legen. Schon allein aus suchmaschinentechnischen Erwägungen. Aus Imagegründen. Aber eben auch wegen des geistigen Eigentums: Was auf meinem Webspace liegt, gehört mir. Ich kann es verändern, die Rahmenbedingungen festlegen und sichern. Natürlich brauche ich ein professionelles Sicherungskonzept für Website, Blog oder Wiki. Aber das versteht sich wohl ohnehin von selbst.

Wie kommt man denn auf sowas?

Wenn der zitierte Talker Domian laut WDR dann die Entschuldigung von Facebook akzeptiert, aber zugleich feststellt, „dass ein eigener Blog als Alternative zur Nutzung des sozialen Netzwerks 'perspektivisch vielleicht sinnvoller' sei“ – dann frage ich mich wirklich, wo der Betreffende bisher gelebt hat. Wie kommt man denn überhaupt auf sowas? Natürlich ist Facebook keine Alternative zu einem eigenen Blog, auf dem man selbst das Hausrecht hat. Sondern allenfalls eine Ergänzung. Das hätte er aber schon vorher wissen können.

Hier noch einmal meine sechs Tipps aus „Social ist ein Deal“ zum Umgang mit eigenen Inhalten und Präsenzen im Web:

1. Nicht die Augen verschließen: Wer sich ins Web begibt, kommt darin zwar nicht um. Aber er vollzieht einen fast unumkehrbaren Schritt. Er hinterlässt digitale Spuren, die so leicht nicht auszulöschen sind. Er lässt sich auf den Deal ein. Das sollte von Anfang an klar sein – und nicht nur dann, wenn gerade eine Hysteriewelle durch das Web geht.

2. Genau hinsehen: Wer eine Versicherung abschließt, liest die Versicherungsbedingungen. Wer ein komplexes Gerät bedient, schaut sich vorher die Bedienungsanleitung an. Wer sich in Social Networks anmeldet, sollte die Nutzungsbedingungen lesen – und sich dann bewusst entscheiden, ob sie akzeptabel sind oder nicht.

3. Wachsam bleiben: Das Social Web ist sehr dynamisch. Was als scheinbar völlig „unausgebeutetes“, werbefreies, datengeschütztes Angebot gestartet ist, mag einem Geschäftsmodell folgen, das die Änderung bereits im Blick hat. Das sollte uns von Anfang an bewusst sein, und wir sollten an jedem Punkt, an dem sich etwas ändert, neu entscheiden können. Dazu gehört auch aufzupassen, ob etwas vielleicht doch gegen die Anfangsvereinbarung verstößt. Die vielleicht lautete: „Melde dich hier an. Wir versprechen dir, dass wir nie mit deinen Daten handeln werden.“

4. Wenn nötig, handeln: Es ist nicht okay, Vorgehensweisen nicht offenzulegen. Änderungen klammheimlich vorzunehmen. Gegen Vereinbarungen zu verstoßen. Und das ganz unabhängig davon, ob Geld fließt oder nicht. Wir müssen uns nicht alles gefallen lassen. Gegen Unlauteres sollten wir vorgehen, nötigenfalls mit der geballten Macht der Crowd. Aber vielleicht heißt Handeln auch: abmelden.

5. Kosten und Nutzen abwägen: Das kann jeder nur selbst tun – abwägen, was er einsetzt und was er herausbekommt. Dabei geht es eben, wie gesagt, nicht nur um Geld, sondern um vieles andere. Alles hat seinen Preis, aber ich muss entscheiden, ob ich ihn zahlen will. Auf Facebook beispielsweise entscheiden sich die meisten, diesen Preis zu zahlen. Instagram andererseits mag vielen nicht derart wichtig sein, dass sie mit so vielen Daten für ihre Präsenz dort bezahlen.

6. Sorgsam mit den eigenen Daten umgehen: Überlegen Sie genau, wie viel Sie wirklich preisgeben wollen. Und ob es Ihnen die Sache wirklich wert ist, sich quasi öffentlich mit Ihrem Privatleben zu präsentieren. Auch in scheinbar geschützten Bereichen. Verlassen Sie sich nicht auf diesen Schutz.

Über die Autorin

Kerstin HoffmannDr. Kerstin Hoffmann berät und unterstützt Unternehmen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Kommunikations- und Social-Media-Strategien, Public Relations, Online-Marketing und Text. Sie gibt Workshops, hält Vorträge und schreibt Bücher. In ihrem Blog „PR-Doktor“ schreibt sie über aktuelle Themen und Erfahrungen aus ihren Fachgebieten. 2012 erschien ihr Buch „Prinzip kostenlos“.

Weiterführende Links

Domian glaubt nicht an einen Fehler: „Werde Facebook aber weiter nutzen“ – t3n-News

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12 Antworten
  1. von Benny Lava am 20.03.2013 (17:03 Uhr)

    Vielleicht sollte Herr Domian mal bei sich zu Hause anfangen. Wenn man irgendwo auf der WDR-Webseite einen islamkritischen Beitrag schreibt, ist der aber ruck-zuck gesperrt. Dann auf anderen Plattformen von Zensur sprechen, ist ganz schön dreist.

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  2. von BE51 am 20.03.2013 (17:11 Uhr)

    Was mich wirklich daran stört ist, dass man als Seitenbetreiber oder einfach auch nur Profilinhaber bei Facebook für seine Inhalte rechtlich zur Verantwortung gezogen werden kann auf Grund dessen Facebook sich fein rausredet mit "Wir sind ja nur technischer Anbieter und nicht für das verantwortlich was die Leute machen" im Gegenzug aber sich Facebook das Recht rausnimmt zu entscheiden wer welche Inhalte sehen darf ( edge rank, löschungen etc.)

    Wenn ich ein kleines Forum betreibe und die User dort Inhalte einstellen, die gegen geltendes Recht verstoßen , werde ich als Betreiber und Domaininhaber dafür verantwortlich gemacht... und nur weil Facebook ein Riesending ist und Milliarden macht ist das bei denen nicht so?

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  3. von Joachim Herbert am 20.03.2013 (17:54 Uhr)

    Es im Kern um das von Frau Dr. Hoffmann ausgeklammerte "warum auch immer" und nicht um Fragen des Hausrechts. Was da passiert erinnert mich an das Verhalten von Türstehern, die den einen rein lassen und den anderen eben "warum auch immer" nicht. Kann man machen, tut der Plattform aber nicht gut, wenn sie so dazu einlädt, sich instrumentalisieren zu lassen.

    Wobei Facebook ja noch nicht einmal von diesem puritanischen Sendungsbewusstsein getrieben wird, das die Zäune um Apples Garten bildet.

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  4. von gizzn am 20.03.2013 (19:53 Uhr)

    mit allem respekt fällt mir zu dem artikel kurz folgendes ein: etwas weltfremd, da die autorin nicht erkennt, dass der status quo von meinung/veröffentlichungen verwaltenden unternehmen und der löschproblematik umstritten und nicht um jeden preis zu halten sein wird. der gegensatz unternehmen vs. meinungsfreiheit/& deren technische umsetzung besteht, aber will die autorin das akzeptieren?!? Oder glaubt sie, dass das in zukunft in bezug auf datenschutz nicht vielleicht sogar staatlich/supranational geregelt werde könnte

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  5. von Patrick am 21.03.2013 (00:36 Uhr)

    Unreflektiert und zusammenhangslos. Das ist das einzige, was mir zu dem Artikel einfällt. Aber Frau Doktorin ging es vermutlich um etwas ganz anderes, "schon allein aus suchmaschinentechnischen Erwägungen.";-)

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  6. von Marcel am 21.03.2013 (00:51 Uhr)

    Ich hätte ja an Ihrer Stelle das Wort "rumheulen" noch etwas öfter verwendet.

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  7. von Eva Ihnenfeldt am 21.03.2013 (07:58 Uhr)

    Hallo Kerstin, Dein Beitrag hat mich nachdenklich gemacht. Natürlich hat Facebook ein "Hausrecht", so wie jedes Unternehmen. Doch auch als Gast eines Restaurants erwarte ich Respekt und höflichen Umgang, und auch als Kunde eines Online Händlers gehe ich davon aus, dass meine Bestellung nicht einfach kommentarlos gelöscht wird, weil ich vielleicht gegen AGB's verstoßen habe. Die Crux bei Facebook ist, dass 1. der Nutzer nicht auch "zahlender Kunde" ist, und dass 2. eine Monopolsituation vorliegt - so wie bei Google.

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  8. von Axel am 21.03.2013 (09:33 Uhr)

    Der Artikel liest sich, wie ein Pendent zu Domians Beschwerde-Posts. Zumindest was das "rumgeheule" angeht, steht dieser dem von Domian in nichts nach.

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  9. von Jörg Aumann am 21.03.2013 (09:49 Uhr)

    Nur der Korrektheit halber:

    Domain hat mitnichten geargwöhnt, „in unserem Land würden politische Kräfte erstarken, die die Demokratie bedrohen“. Das ist eine Unterstellung, aus der dann auch gleich munter geschlussfolgert wird ("der hat ... nicht verstanden"). Domian stellt sich etwas vor und benutzt dafür völlig korrekt auch den Konjunktiv.

    "Argwöhnen" würde bedeuten, Domian schlösse aus dem Verschwinden von Kommentaren bei Facebook auf das Erstarken von politischen Kräften, die die Demokratie bedrohen. Das tut er aber ausdrücklich nicht, sondern äußert lediglich die Vermutung, was Facebook in diesem Fall tun würde. Das ist legitim. Man kann ihm beipflichten oder es nicht tun, ihm von mir aus auch widersprechen.

    Aber ihm hier eine Art "Paranoia" zu unterstellen, ist daneben.

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  10. von jora999 am 21.03.2013 (11:10 Uhr)

    Auch wenn Facebook uns nicht gehört und es ein Unternehmen mit eigenen wirtschaftlichen Zielen ist, so bleibt doch eines: Mit der hohen Verbreitung und Alleinstellung übernimmt Facebook auch ein hohes Maß an sozialer Verantwortung und muss unseren Werten gerecht werden. Auch der Meinungsfreiheit.
    Ein wenik Kritik ist daher durchaus angebracht.

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  11. von Sabine Haas am 21.03.2013 (11:57 Uhr)

    Wir haben uns mal eine Replik erlaubt: "Mein Facebook gehört mir nicht, aber jammern ist trotzdem erlaubt." http://www.result.de/mein-facebook-gehort-mir-nicht-aber-jammern-ist-trotzdem-erlaubt/

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  12. von Karl am 22.03.2013 (12:02 Uhr)

    Die Übermacht von Unternehmen wird regelmäßig begrenzt. Kartellrecht, Medienrecht, Techniknormen, Datenschutz, Verbraucherschutz. Facebook hat eine monopolartige Position im Bereich der sozialen Medien. Facebook stellt die Regulierung hinsichtlich der Neuartigkeit vor einen Problem, aber auch wegen der mangelnden Wirksamkeit auf ein ausländisches Unternehmen.

    Die Autorin führt leider keine Analyse durch, sondern nimmt die Dinge als statisch, als gegeben an. Da ist der Medienpraktiker Domian ein Schritt weiter. Facebook ist in den Schlagzeilen, hat ein Imageproblem und Vertrauen verloren. Nach den Jugendlichen sind auch Meinungsführer gewarnt.

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