Vorheriger Artikel Nächster Artikel

Nokia Lumia 710 im Test – Preiswerter Windows Phone-Einsteiger

Mit dem Lumia 710 hat der Finne vor wenigen Wochen sein zweites mit Microsofts mobilem Betriebssystem auf den Markt gebracht. Das Nokia Lumia 710 ist von der Ausstattung und Verarbeitung her unterhalb des aktuellen Flaggschiffs Lumia 800 einzuordnen, dafür ist auch der Preis entsprechend niedriger. Was es kann, was gefällt und was nicht, habe ich hier für euch im Test zusammengefasst.

Nokia Lumia 710 im Test – Preiswerter Windows Phone-Einsteiger
Nokia Lumia 710
Auf der Vorderseite des Nokia Lumia 710 findet man anstelle von drei Buttons lediglich eine große Taste für alle Fuktionen

Nokia Lumia 710 - Die Hardware

Design, Verarbeitung

Im Unterschied zum Unibody-Polycarbonatgehäuse des Lumia 800 wird beim Lumia 710 bezüglich der Verarbeitung gespart - die Außenhülle ist aus Kunststoff, jedoch nimmt Nokia bei diesem Modell die klassische Bauweise mit abnehmebarer Rückabdeckung. Anders als das Lumia 800 ist das 710 nicht aus einem Stück gefräst. Es wirkt insgesamt weniger hochwertig. Einen Vorzug hat diese Bauweise dennoch: der Akku kann herausgenommen und ausgetauscht werden. Beim Lumia 800 muss zu diesem Zweck ein Fachmann herangezogen werden. Wie bei vielen von Nokias Symbian-Modellen ist es außerdem möglich, das Aussehen mithilfe von Wechselcovern ein wenig zu individualisieren. Die austauschbaren Rückabdeckungen werden in den Farben Schwarz, Weiß, Cyan, Fuchsia und Gelb angeboten, müssen jedoch separat erworben werden - Preise für die Back-Cover sind zurzeit (Stand 5. Februar 2012) noch nicht bekannt.

Während Nokia beim Lumia 800 auf Sensortasten setzt, ist das Lumia 710 mit physikalischen Buttons ausgerüstet. Wobei man im Grunde nicht vom Plural sprechen kann, denn zur Bedienung von „Suche“, „Home“ oder „Windows“ und „Zurück“ findet man einen Steuerungsbalken aus Kunststoff, der ein Stück weit aus dem Gehäuse herausragt und zu leuchten anfängt, sobald er betätigt wird. Die Druckpunkte sind leider nicht sonderlich gut definiert und etwas schwammig. Aus diesem Grund muss man gut darauf achten, an welche Stelle des Balkens man drückt. Ansonsten kann die falsche Funktion ausgelöst werden. Mir wären separate Knöpfe lieber gewesen.

Allgemein lässt sich sagen, dass die Verarbeitungsqualität okay ist. Es liegt angenehm in der Hand, die Tasten zur Lautstärkeregelung und der dedizierte Kamerabutton schließen bündig mit dem Gehäuse ab. Manchen Nutzern dürfte jedoch auch hier ein besser definierter Druckpunkt fehlen. Der Gehäusedeckel sitzt bei dem mir vorliegenden Gerät fest am Gehäuse - nichts knarzt oder knirscht. Ein wenig überraschend war der Einsatz eines Slots für eine micro-SIM-Karte. Wer sich das Lumia 710 zulegt, sollte sich gleich bei seinem Netzbetreiber eine solche zulegen.

Nokia Lumia 710
Der Musikplayer des Nokia Lumia 710 weiß zu gefallen

Display und Kamera des Nokia Lumia 710

Der  3,7 Zoll große Clear Black-Screen mit der obligatorischen Auflösung von 800 x 480 Pixeln, der über die identische Größe des Lumia 800 verfügt, kann mit den brillanten Farben des Super AMOLED Screens des Windows Phone-Flaggschiffs der Finnen nicht ganz mithalten. Farben, Helligkeit und Kontrast sind stimmig, wobei die Farbwiedergabe leider nicht so intensiv ist. Bei einem Smartphone der Einsteigerklasse mit TFT-LCD-Screen wäre dies aber ohnehin zuviel verlangt.

Zur verbauten rückseitigen Kamera mit LED-Blitz lässt sich das Gleiche sagen. Für ein Einsteigersmartphone ist sie recht ordentlich. Die Kamera löst rasch aus - entweder per dediziertem Kameraknopf an der Gehäuseseite oder per Tip-to-Focus, mit der der Nutzer den scharfzustellenden Bereich individuell wählen kann und der recht zuverlässig funktioniert. Anstelle einer 8 Megapixel-Kamera mit Carl Zeiss-Optik, die beim Lumia 800 verwendet wird, hat Nokia bei seinem Einsteigermodell einen 5-Megapixel-Sensor gewählt. Die erzielten Resultate sind nicht überragend, der Preisklasse jedoch angemessen. Die Qualität der geschossenen Bilder sind okay, verfügen jedoch über wenig Detailgenauigkeit und erscheinen etwas matt. Wie nicht anders zu erwarten, sucht man wie beim Lumia 800 vergebens nach eine Frontkamera zur Videotelefonie.

Nokia Lumia 710
Nokia Lumia 710 von der Seite (vlnr): Öse für Trageschlaufe, Kamerataste, Lautstärkeregler

Multimedia und Speicher

Der Windows-Phone Standard-Musikplayer leistet zuverlässige Dienste. Die Bedienung ist sehr einfach, leider hat den Umfang der Bedienelemente sehr reduziert gehalten - so fehlt beispielsweise ein Equalizer. Der Sound über den Kopfhörer ist sehr ordentlich, wer jedoch den integrierten Lautsprecher verwenden möchte, wird enttäuscht. Der Klang ist flach und selbst voll aufgedreht recht leise.

Allzuviel Platz für Musik und Videos stehen im Lumia 710 ohnehin nicht bereit, denn Nokia hat seinem Einstiegs-Windows-Phone gerade einmal 8GB internen Speicher verpasst. Von dieser Kapazität stehen effektiv ca. 6GB Speicher zur Verfügung, der Rest wird für das System beansprucht. Der Speicher wird noch knapper, wenn man sich das komplette Kartenpaket Deutschlands für Nokias kostenlose Navigationssoftware installiert. Denn dafür gehen weitere 479MB an Kapazität verloren. Im Unterschied zu Android-Phones besteht keine Möglichkeit, den verbauten Speicher per microSD-Karte zu erweitern. Dem Nutzer des Smartphones stehen als Speichererweiterung jedoch noch 25GB kostenloser Cloud-Speicher in Microsofts „SkyDrive“ zur Verfügung, für den unterwegs allerdings eine schnelle und zuverlässige mobile Datenverbindung benötigt wird.

Nokia Lumia 710
Das Nokia Lumia 710 von hinten - die abgerundete Form macht es zum Handschmeichler

Performance und Telefonie des Nokia Lumia 710

In Punkto Performance steht das Lumia 710 dem Lumia 800 dank des 1,4GHz Single Core-Prozessors in nichts nach - Apps starten ohne lange Wartezeit, Eingaben werden direkt ohne Verzögerung umgesetzt, Ruckler wie bei anderen, selbst Android-Smartphones der Oberklasse, sind nicht zu beobachten. Auch der integrierte mobile Internet Explorer läuft mit einem ordentlichen Tempo, unterstützt den Webstandard HTML5 und konnte im Test überzeugen, wenngleich die Bedienung zum Teil etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Die Akkulaufzeit des Lumia 710 entspricht dem Standard eines aktuellen Smartphones. Nutzt man es intensiv zum mobilen Surfen, Musik hören, Videos ansehen und dergleichen, muss es am Tagesende zum Aufladen an die Steckdose. Im Standby hält es ein paar Tage durch. Kommen wir zur eigentlichen Kernfunktion eines Telefons: dem Telefonieren. In dieser Disziplin schlägt sich das Lumia 710 mit Bravour und konnte, subjektiv betrachtet, bezüglich der Sprachqualität selbst das Lumia 800 übertreffen. Es sind bei Telefonaten weder Rauschen noch Knacksen zu vernehmen, die Tonqualität ist erste Sahne. Sicherlich hängt dies mitunter auch vom Netz ab, in dem man sich befindet.

Fazit

Das Nokia Lumia 710 ist einer der günstigsten Einstiege in die Windows Phone-Welt. Es kann zwar vom exklusiven Design nicht mit dem Lumia 800 mithalten, doch dafür kostet es locker 100 Euro weniger. Auch wenn Verarbeitung und Kamera nicht unbedingt Spitzenklasse sind, ist das Lumia 710 eine gute Wahl für Einsteiger und Neugierige. Denn selbst das Nokia-Flaggschiff kann letzten Endes im Direkt-Vergleich in erster Linie mit seiner tollen Verarbeitung und ansprechendem Design glänzen, die Kamera des Lumia 800 ist auch nicht das gelbe vom Ei. Für einen Straßenpreis von knapp 280 Euro erhält man dennoch ein recht ordentliches Smartphone inklusive einer kostenlosen Navigationslösung.

Wer eine interessante Alternative mit Microsofts mobilem Betriebssystem Windows Phone in ähnlicher Preisklasse sucht, sollte sich gegebenenfalls das HTC Radar ansehen. Es hat zwar nur einen 1GHz-Prozessor sowie 8GB Speicher an Bord, dennoch kann es sich sehen lassen. Falls man sich am geringen Speicher stören sollte, erhält man mit dem Lumia 800 wohl derzeit das rundere Paket, jedoch auch zu einem höheren Preis.

Technische Daten des Nokia Lumia 710:

  • Windows Phone 7.5 Mango
  • 3,7 Zoll Clear Black-AMOLED-Display (800×480 Pixel; WVGA)
  • 1,4GHz Qualcomm MSM8255-Prozessor (Single Core)
  • 5 Megapixel-Kamera mit Dual LED-Blitz
  • 720p Videoaufnahme
  • 8 GB interner Speicher, nicht erweiterbar
  • 512 MB RAM
  • 802.11b/g/n; HSDPA
  • Bluetooth 2.1 + EDR (Enhanced Data Rate)
  • microUSB-Port
  • 3,5 mm Kopfhörerbuchse
  • 1300 mAh Li-Ionen-Akku
  • 119 x 62 x 12 mm
  • 126 g
  • Eine vollständige Übersicht der technischen Daten gibt es bei Nokia

Weiterführende Links: 

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel

Empfohlene Produkte
3 Antworten
  1. von Andrej Vogel am 06.02.2012 (10:03 Uhr)

    Für 280€ bekommt man schon ein Android-Phone, das sich gewaschen hat. Das mal nebenbei bemerkt.

    Habe mir für 99€ ein Android gekauft, das momentan von einem Discounter online angeboten wird. Das kann es locker mit dem Lumia 800 aufnehmen und mit dem Lumia 710 allemal.

    Die Preise, die Nokia verlangt, sind eine Frechheit. Und dann bekommt man auch noch ein Betriebssystem, das keiner einer haben will (< 2%).

    Antworten Teilen
  2. von Art am 06.02.2012 (20:22 Uhr)

    Ein gutes Andoroid-Phone gibt es nicht, auch wenn es 1000 euro kosten würde. Das problem ist einfach das Betriebssystem, es ist Gebastel vom feinsten.

    Antworten Teilen
  3. von Vincent am 06.02.2012 (22:32 Uhr)

    Find die Lumia Reihe eigentlich besser als erwartet, aber die Preise sind für so ein Müll etwas hoch angelegt. Dann würde ich mir lieber gebraucht das Lumia 800 holen (für 300), statt das 710, weil das sieht irgendwie nicht allzu toll aus! :D.. da fand ich das Design vom 800 wesentlich eleganter!

    Grüße, Vincent

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Nokia
Microsoft streicht 18.000 Stellen – Großteil der Nokia-Mitarbeiter gefeuert
Microsoft streicht 18.000 Stellen – Großteil der Nokia-Mitarbeiter gefeuert

Microsoft hat den größten Stellenabbau in der Geschichte des Unternehmens verkündet. Rund 18.000 Mitarbeiter werden im Laufe der nächsten zwölf Monate ihren Job verlieren. Betroffen sind vor … » weiterlesen

Nokia Lumia 630 und 635: Einsteiger-Smartphones mit Windows Phone 8.1 und Quadcore-Prozessor
Nokia Lumia 630 und 635: Einsteiger-Smartphones mit Windows Phone 8.1 und Quadcore-Prozessor

Mit den Modellen Lumia 630 und Lumia 635 hat Nokia zwei Einsteiger-Smartphones mit Windows Phone 8.1 vorgestellt. Beide werden von einem vierkernigen Snapdragon-Prozessor angetrieben. » weiterlesen

MWC 2014: Nokia X im Hands-On – Android-Phones von Nokia für unter 100 Euro
MWC 2014: Nokia X im Hands-On – Android-Phones von Nokia für unter 100 Euro

Nokia stellt auf dem Mobile World Congress 2014 gleich drei Android-Smartphones vor. Die Geräte mit den Namen Nokia X, Nokia X+ und Nokia XL sind in Sachen Preis und Leistung zwischen der Lumia- und … » weiterlesen

Kennst Du schon unser t3n Magazin?

t3n 37 jetzt kostenfrei probelesen! Alle Inhalte des t3n Magazins Diesen Hinweis verbergen