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Nokia Lumia 800 im Test – Ein guter Neuanfang

Das Lumia 800 ist das nagelneue Windows-Phone-Flaggschiff der Finnen. Seit einigen Tagen habe ich das in Gebrauch. Was es kann, was gefällt und was nicht, habe ich hier für euch zusammengefasst.

Nokia Lumia 800 im Test – Ein guter Neuanfang

Nokia Lumia 800 - Die Hardware

Das Lumia 800 sieht nicht nur schick aus, sondern ist auch ein echter Handschmeichler.

Gehäuse-Design und Verarbeitung

Das Lumia 800 erinnert vom Design her stark an Nokias MeeGo-Phone N9, welches im Juni dieses Jahres präsentiert wurde, hierzulande jedoch leider nicht erhältlich sein wird. Nokias Designer sind besonders stolz auf ihr Werk, denn das Gehäuse aus Polycarbonat wurde nicht gegossen, wie es bei Kunststoff offenbar üblich ist, sondern wie Metall behandelt und aus einem Stück gefräst. Die winzigen Löcher des Lautsprechers sind einzeln herausgebohrt worden. Die Form des Lumia 800 wirkt sehr organisch und ist mit seinen Rundungen ein wahrer Handschmeichler. Auch das 3,7 Zoll große AMOLED-Display mit Clear Black-Technologie passt sich durch seine abgerundete Oberfläche perfekt in das Gehäuse ein - alles wirkt wie aus einem Guss.

Das Gehäuse ist sehr minimalistisch gestaltet. Außer den beiden Lautstärkeknöpfen ragt lediglich der Kamerabutton aus dem Lumia 800 heraus. Auf der Oberseite sind neben der Kopfhörerbuchse ein mircoUSB-Port sowie der Einschub für die microSIM-Karte unter einer raffinierten Abdeckung versteckt. Ohne die aufgeklebte Anleitung hätte ich den SIM-Karteneinschub vermutlich nie aufbekommen.

Die Designer des Lumia 800 sprechen über die Entwicklung des neuen Nokia-Modells

Die inneren Werte des Nokia Lumia 800

Nokia setzt in seinem Top-Modell einen 1,4 GHz Single Core-Prozesor von Qualcomm ein. Dieser leistet gute Arbeit - das System läuft extrem flüssig und ohne Ruckler. Wer enttäuscht darüber ist, dass es keinen Dual-Core-Chip verbaut hat, wie es bei anderen Herstellern und Betriebssystemen schon quasi zum Standard geworden ist, darf sich bei Microsoft bedanken. Denn diese Technologie wird seitens der Hardwarevorgaben des Redmonder Softwareriesen nicht unterstützt. Ein Beinbruch ist es dennoch nicht, während andere Betriebssysteme - allen voran Android - als Ressourcenfresser gelten, ist dies bei nicht der Fall. Die Performance ist auch mit einem Single Core-Chip wie man es sich wünscht. Wie es sich bei Games verhält, vermag ich nicht zu sagen.

Am Gehäuse finden sich nur einige wenige Tasten: Kamerabutton, Ein- und Ausschalter, Lautstärke (v.l.n.r.)

Wie bei den meisten Topmodellen des Finnen kommt auch beim Lumia 800 bei der Kamera-Optik eine Carl Zeiss-Linse zum Einsatz. Die verbaute 8 Megapixel-Kamera löst blitzschnell aus und produziert recht akzeptable Fotos. Leider ist mir wie auch anderen aufgefallen, dass im Zentrum des Bildes ein Rotstich entstehen kann, was jedoch nur beim Fotografieren von weißen Flächen entsteht. Da man dies ohnehin nicht allzu oft macht, ist es zwar ein Makel, allerdings von minderer Schwere. Denn unter „normalen“ Umständen ist die Bildqualität gut. Sehr praktisch für Schnappschüsse ist die Möglichkeit, direkt aus dem Standby die Kamera per dediziertem Auslöser-Button zu starten - andere Funktionen bleiben dennoch gesperrt.

Was manche wahrscheinlich schmerzlich vermissen werden, sind ein microSD-Karteneinschub, um gegebenenfalls die internen 16GB mit einer größeren Speicherkarte aufzuwerten, und auch eine Frontkamera ist nicht an Bord. Sicherlich sind 16GB nicht wenig, wer aber seine komplette Musiksammlung mit sich herumtragen möchte, kommt hier nicht weit. Mich persönlich stört es nicht, ich komme sehr gut mit wenig Speicher aus. Eine Frontkamera gehört mittlerweile zur Standardausrüstung und sollte nicht fehlen - seltsamerweise hat Nokia beim Zwilling N9 eine solche verbaut. An Windows Phone kann es an dieser Stelle nicht liegen, denn das HTC Titan hat beispielsweise eine Frontkamera.

Das Nokia Lumia 800 von oben - VLNR: Audiobuchse, microUSB-Port; SIM-Karteneinschub

Ebenso nicht aufzufinden ist die in Symbian-Phones angepriesene Nahfunktechnologie NFC (Near Field Communication). Dass diese Funktechnologie in den aktuellen Windows-Phone-Modellen nicht zu finden ist, kann mit der im Augenblick fehlenden Unterstützung begründet werden. Erst mit dem im Sommer 2012 erscheinenden WP-Update „Apollo“ wird es vermutlich soweit sein. Bis dahin werden Nokia und weitere Hersteller von Windows Phone-Modellen auf den Einsatz dieser Technologie verzichten müssen. Sicherlich ist ohnehin fraglich, ob NFC für die breite Masse zurzeit überhaupt von Relevanz ist.

Technische Daten des Nokia Lumia 800:

  • Windows Phone 7.5 Mango
  • 3,7 Zoll Clear Black-AMOLED-Display (800×480 Pixel; WVGA)
  • 1,4GHz Qualcomm MSM8255-Prozessor (Single Core)
  • 8 Megapixel-Kamera mit Dual LED-Blitz
  • 720p Videoaufnahme
  • 16 GB interner Speicher
  • 512 MB RAM
  • 802.11b/g/n; HSDPA
  • Bluetooth 2.1 + EDR (Enhanced Data Rate)
  • microUSB-Port
  • 3,5 mm Kopfhörerbuchse
  • 1450 mAh Li-Ionen-Akku
  • 116,5 x 61,2 x 12,1 mm
  • 142 g
  • Eine vollständige Übersicht der technischen Daten gibt es bei Nokia
Das Nokia Lumia 800 - Bing ist Standardsuchmaschine

Nokia Lumia 800 - Die Software

Die „Metro“ Benutzeroberfläche mit ihren Kacheln ist ganz klar eine reine Geschmackssache. Sie hebt sich von anderen angesagten Betriebssystemen auf jeden Fall erfrischend ab. Die Verwaltung der Social Media Kanäle - allen voran Facebook -  kann über die Kontakte-Kachel auf einen Blick betrachtet werden. Neu eingehende Mails werden auf der Startseite angezeigt. Die Bilder-Kachel auf dem Homescreen zeigt im Wechsel verschiedene aufgenommene Fotos. Andere Kacheln, wie beispielsweise das Wetter oder Nachrichten, sind leider noch nicht in dieser Form animiert, sodass das aktuelle Wetter oder Schlagzeilen nicht auf einen Blick abzulesen sind. Meines Wissens haben die Entwickler mittlerweile allerdings die Freiheit dies umzusetzen. Es ist daher vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis noch mehr Bewegung auf den Homescreen wandert.

Bestandteil von Windows Phone ist Microsofts Cloud-Service Skydrive, mit dem jedem User 25GB Speicher kostenlos zur Verfügung stehen. Daten können vom Smartphone aus in die Cloud geschoben werden, was besonders für Fotos oder Daten der integrierten Office-Anwendung recht praktisch ist. Schade ist an dem Konzept, dass Fotos selbst per WLAN nicht in voller Größe in die Cloud geschoben werden. Die Bildgröße die in der Cloud ankommt beträgt 538 × 718 Pixel, selbst per Mail verschickte Bilder sind nicht viel größer, wobei man mit Fotos von 1.632 × 1.224 Pixeln schon etwas mehr anfangen kann. Ich würde mir wünschen, dass Microsoft es dem User selbst überlassen würde, in welcher Qualität Bilder verschickt werden. Der einzige Weg an Bilder in der vollen Auflösung zu kommen ist per USB-Port und entsprechender Software. Bei Windows Rechnern ist es die Zune-Software, bei Macs muss der Windows Phone Connector installiert werden, die Bilder werden am Mac per iPhoto snychronisiert.

Die Auswahl an Apps kann sich (logischerweise) noch nicht mit iOS oder Android messen. Sofort mit an Bord ist beim Lumia 800 beispielsweise Nokia Maps mit Karten für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Apps, Apps, Apps - einige sind da, mehr in der Entwicklung

Die Auswahl an Apps kann sich bei weitem nicht am App Store von Apple oder dem Android Market messen, das Angebot an qualitativ hochwertigen und weit verbreiteten Apps wie WhatsApp, Twitter, Facebook, Soundhound etc. ist vorhanden. Zurzeit soll es rund 40.000 Programme für Windows Phone geben - ICQ, Skype und weitere sind angekündigt. Andere Entwickler werden noch ein wenig warten, um die Marktentwicklung von Windows Phone 7 zu beobachten, was aufgrund des augenblicklichen Marktanteils des Betriebssystems nachvollziehbar ist. Microsoft und Nokia haben aber bereits angekündigt, das Ökosystem umfangreich auszubauen. Damit dies rasch vonstatten geht, werden 25.000 Lumia 800 kostenlos an Entwickler verteilt, die sich bereiterklären, Apps für die Plattform zu schreiben. Lassen die Entwickler sich darauf ein, könnte es in den kommenden Monaten zu einem enormen Wachstum des Marketplaces kommen.

Nokia kündigte an, eine besondere User-Experience auf Windows Phone zu bringen. Als erste Resultate können hier Nokia Music und Nokia Maps genannt werden. Diese beiden Produkte sind jedoch weniger Wert, als sie zu sein vorgeben. Denn Nokia Music stellt abgesehen vom Konzertefinder keinen Unterschied zum Zune Musikplayer dar - jedenfalls hierzulande: Das herausstechende Feature Nokia Mix, ein Musikstreamingdienst, ist nicht verfügbar. Nokia Maps hingegen bietet eine vollständige Navigationslösung mit Kartenmaterial für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Anders als angenommen, arbeitet das Navi nicht vollkommen offline. Es wird eine Internetverbindung zur Suche und zum Routing benötigt. Wenn man sich aber, was recht selten vorkommt, in einem Funkloch befindet, ist man aufgeschmissen. Nutzt man die Navigationslösung im Ausland, könnte es überraschend teuer werden. Im alltäglichen Einsatz stellt sie sich dennoch als recht praktisch heraus, zieht man die genannten Punkte ab.

Fazit

Zwar hinkt der Vergleich, doch wenn man das Nokia Lumia 800 mit anderen auf dem Markt befindlichen Geräten vergleicht, kann man es mehr in der oberen Mittelklasse als im Highend-Bereich positionieren. Es ist absolut hochwertig verarbeitet, sieht top aus und legt eine ordentliche Performance an den Tag. Alle Funktionen, die man tagtäglich benötigt, sind mit dem neuen Nokia Smartphone leicht zu bewältigen. Mails schreiben, in sehr guter Tonqualität telefonieren, Fotos knipsen, Musik hören, Surfen und was man so gern alles mit seiner kleinen eierlegenden Wollmilchsau, auch als Smartphone bekannt, so machen möchte, ist im Grunde möglich. Bezüglich der Akkulaufzeit kommt Nokia nun auch in die üblichen Smartphonegrenzen von 8 bis 24 Stunden je nach Nutzung - es ist halt kein Symbian.

Wer etwas anderes als iOS oder Android ausprobieren möchte, dem kann ich das Lumia 800 durchaus empfehlen. Es ist wie gesagt kein Dual Core-Bolide mit Mega-Display, sondern ein kleines, handliches und handschmeichelndes Gerät mit Vor- und Nachteilen, wie es jedes andere Smartphone auch hat. Nokia und Microsoft sind mit ihrer Kooperation auf einem guten Weg, ich bin sehr neugierig, was die nächsten Monate son bringen. Denn das Lumia 800 stellt einen vielversprechenden Anfang dar.

Negativ:

  • relativ kleines Ökosystem
  • keine Frontkamera
  • kein NFC
  • kein HDMI
  • Lautsprecher mäßig

Positiv:

  • tolles Display
  • Design
  • Haptik
  • Verarbeitungsqualität
  • erfrischend andere Nutzeroberfläche
  • dedizierter Kameraauslöser - start der Kamera direkt aus dem Standby
  • 25GB Cloudspeicher inklusive
  • kostenloses Navi

Weiterführende Links: 

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6 Antworten
  1. von Rockiger am 21.11.2011 (13:54 Uhr)

    Ich frage mich immer noch, warum Nokia wirklich auf Windows setzt?

    Am Ökosystem kann es meiner Meinung nach nicht liegen. Mit Windows wird man ein Dell für Handys. Zumal man wegen Windows noch schlechtere Hardware verwenden muss.

    Mit Meego und dem n9 hätte man auch in Deutschland mehr reißen können. Motivierte Entwickler und ein Open-Source Ökosystem, dass man selber kontrolliert.

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  2. von Julia87 am 21.11.2011 (21:02 Uhr)

    Toller Bericht! Neutral, kompetent und ohne Android oder iOS Fangehabe, was man leider immer öfter sieht. Ich bin mein Android Gebastel leid und habe nun vor auf das Lumia 800 umzusteigen. Habe es bereits bei einem Freund ausprobiert und war begeistert. Ein wunderschönes Handy!

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  3. von marlan am 22.11.2011 (09:10 Uhr)

    Hoffentlich bleibt uns eine größere Verbreitung vom IE im mobilen Bereich erspart.
    Btw. kann es sein, dass Nokia und MS verstärkt auf gekaufte Forenbeiträge und Bewertungen setzen? Diese jubel Postings überall spiegeln sich komischerweise überhaupt nicht in den Verkauszahlen wieder...

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  4. von David am 22.11.2011 (16:56 Uhr)

    @marlan
    wie soll sich da was widerspiegeln wenn das Gerät nicht einmal eine Woche im Handel ist?
    Ich hatte es am Wochenende in der Hand und finde es auch super. Bzw. Fehlt mir persönlich die Front Kamera, weswegen ich es mir nicht Kaufen werde, da kann ich erst einmal bei meinem Omnia7 bleiben ;)

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  5. von Michael am 25.11.2011 (19:19 Uhr)

    jedem sein System was er mag. Ich hatte früher auch mal ein iPhone. Wollte aber mal was anderes haben und da mir das Design des WP7 sehr Gefallen hat, bin ich vor knapp einem Jahr auf ein HTC mit WP7 umgestiegen. Mir gefällt es immer noch ;-)

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  6. von espresso am 03.01.2012 (09:47 Uhr)

    Ich besitze selber ein WP7 Phone (kenne aber auch Android, iOS und webOS gut). Ich kann nur sagen das im Vergleich mit Android Welten liegen was die Bedienung angeht. Android ist doch eher für den sehr interessierten "Bastler" gedacht und ist schlicht und milde ausgedrückt "unübersichtlich". iOS ist mittlerweile einfach nur noch langweilig, allerdings gibt es fabelhafte Apps die es für WP7 und Android in der Form nicht gibt. webOS ist auch geschmeidig und wird hoffentlich weiter leben.

    Aber letztlich entscheidet der Geschmack. Ich persönlich erfreue mich nach fast einem Jahr WP7 immer noch am frischen Metro Design und dessen Vorzüge und finde es gut das Nokia auf Microsoft gesetzt hat.

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