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Nokia-Nostalgie: Deinen ersten Knochen vergisst du nie

Nokia-Nostalgie: Deinen ersten Knochen vergisst du nie

Der Name wird nach und nach aus der Welt der Mobiltelefone verschwinden. Als ich das lese, muss ich unweigerlich an mein erstes Mobiltelefon denken:das 6110. Zeit für ein wenig Handy-Nostalgie.

Nokia-Nostalgie: Deinen ersten Knochen vergisst du nie

(Foto: Dominic's pics / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Ich war von Anfang an so etwas wie ein Nokia-Jünger. Mit Freunden, die ein Samsung hatten, habe ich mich nur widerwillig sehen lassen. Motorola-Besitzer habe ich gänzlich ignoriert. Nokia machte mich süchtig mit seiner Menüführung, dem Spiel Snake und ganz sicher mit dem Klingelton „Kick“. Aber, was wohl am bedeutendsten war: Es war mein erstes Mobiltelefon – allein deswegen erfüllt mich die Nachricht von Ableben der Marke mit einer gehörigen Portion Nostalgie.

Ich will kein Pony, ich will ein Nokia

Bei Temperaturen um den Nullpunkt stand ich in der Fußgängerzone mit einem Stapel Papier in der Hand. Niemand wollte mir auch nur einen Zettel abnehmen. Der Mann, der mir die Flyer gegeben hatte, besaß einen Mobilfunk-Laden und hatte mir versprochen, mich mit einem Nokia 6110 zu bezahlen, wenn ich alle Flyer loswürde. Er hätte mir auch Gold oder ein Pony verprechen können – ich hätte dennoch das Nokia genommen. Die Flyer landeten dann irgendwann im Müll und ich bekam es – mein erstes . Das war 1998: das Jahr, ab dem Nokia 13 Jahre lang Marktführer im Mobilfunkgeschäft sein sollte.

(Foto: arvidr / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Grundsätzlich ist es mir gleich, ob auf den Mobiltelefonen nun Microsoft oder Nokia  Lumia steht. Schließlich ist die Handysparte von Nokia schon seit April in der Hand von Microsoft, das Ende der Marke Nokia war absehbar. Zudem ist meine innige Beziehung zu Nokia schon viele Jahre zuvor mit Beginn der Smartphone-Ära zerbrochen. Aber es ist dennoch traurig zu sehen, wie die Marke, die das Spiel begonnen hat, jetzt einfach so ausscheidet.

Mobiltelefone: Nokia brachte den Stein ins Rollen

Das Produkt, mit dem Nokia groß geworden ist, gibt es nicht mehr. Das Mobiltelefon ist kein Telefon mehr, sondern ein Computer. Und damit haben sich andere einfach früher beschäftigt als die Finnen. 2004 brachte Nokia als große Innovation das erste UMTS-fähige Handy auf den Markt. Danach verlor es aber Schritt für Schritt den Anschluss. 2012 verschwand Nokia dann komplett aus den Top Five der Mobiltelefon-Hersteller.

Dennoch bleibt Nokia das Unternehmen, das den Stein ins Rollen gebracht hat. Ein Nokia-Handy war für viele das erste Mobiltelefon überhaupt. Die Nostalgie, die ich empfinde, wenn ich an mein 6110 denke, wird niemals jemand für sein Samsung Galaxy oder sein iPhone empfinden können. Keine Kundenbindungsstrategie von Apple wird sich mit dem emotionalen Effekt messen können, den die ersten Nokia-Handys damals ausgelöst haben. Das Nokia 5110 war eines der ersten Mobiltelefone, das für die breite Masse produziert wurde: günstig und solide.

Ein Traum: Walkie-Talkies für alle

Viele, deren erstes Handy ein 5110 oder 6110 war, hatten schon ihre komplette Jugend ohne Kommunikation to go durchgestanden. Das Nokia war weniger ein Statussymbol oder ein Wertgegenstand – es war Freiheit und auch ein bisschen Sci-Fi. Der Traum meiner Kindheit wurde wahr: Alle besitzen ein Walkie-Talkie mit riesiger Reichweite und man kann seine Freunde nach Herzenslust anfunken. Voilà!

„Das Synchronisations-Kit: Block und Kugelschreiber.“

Die Funktionen waren natürlich rudimentär, dennoch konnte ich mich stundenlang damit beschäftigen: Klingelton wechseln, Menü erforschen, Geheimmenü erforschen oder Snake spielen. Eine SMS schreiben konnte schon mal eine halbe Stunde in Anspruch nehmen, denn sie war ja mit 40 Pfennig recht teuer. Ich erinnere mich noch genau an den kleinen Umschlag mit dem Text „1 Kurzmitteilung eingegangen“ im Display. Denn die SMS, die auf mein Nokia 6110 kamen, waren noch aufregende, echte Botschaften. Nicht zu vergleichen mit denen, die eintrudeln, seit es SMS-Flatrates und WhatsApp gibt: „Huhu“; „Naaaaa, was machst du?“.

Wie lange ich das gute Stück besaß, weiß ich gar nicht mehr. Irgendwann war es futsch. Geklaut in irgendeiner Disko. Alles weg. Mit dem Knochen gingen auch alle SMS und alle Kontakte flöten. Das Synchronisations-Kit bestand damals ja noch aus Block und Kugelschreiber. Es folgten das 3210 und einige andere. Ich blieb letztendlich bei Nokia, bis ich mein erstes Smartphone kaufte. Ich mochte die Menüführung der Nokia-Telefone. Damals war das Betriebssystem ja untrennbar mit der Marke verbunden.

(Grafik: Nokia)
(Grafik: Nokia)

Bye-bye, Nokia: Ein Android trennte uns

„Das eigene Smartphone-Betriebssystem war ein Ausschluss-kriterium.“

Die Motorola-, Ericsson-, Siemens- oder Samsung-Handys kamen mir in der Bedienung kompliziert und unübersichtlich vor. Während die Anpassungen von Android bei den verschiedenen Herstellern heute für mich kaum einen Unterschied machen, fand ich die Unterschiede damals elementar. Ich war nicht bereit, mich auf eine andere Bedienung einzulassen.

Mit dem ersten Smartphone änderte sich dann alles. Ich musste mich so oder so umgewöhnen, egal, ob ich bei Nokia bleiben wollte oder nicht. Dass Nokia bei den Smartphones dann auf ein eigenes Betriebssystem setzte, war für mich ein absolutes Ausschlusskriterium. Ich wollte ein Android-Phone. Und so kam es, dass wir uns trennten. Das war erst vor vier Jahren. Als die meisten schon ein Smartphone hatten, war ich noch mit einem Nokia-Knochen per WAP im Netz unterwegs. Aber ich war weißgott nicht die Letzte in meinem Bekanntenkreis: Sogar heute kenne ich noch mindestens drei Menschen, die das 6230i, das 2004 auf den Markt kam, im Einsatz haben und darauf schwören.

In einem bin ich Nokia jedoch treu geblieben. Mein Lieblingsklingelton „Kick“ ertönt auch auf meinem neuen Oneplus One.

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6 Antworten
  1. von Mirco am 29.10.2014 (10:05 Uhr)

    Toller Beitrag :-)
    Damaliges Synchronisations-Medium war allerdings nicht "Blog und Kugelschreiber" sondern "Block und Kugelschreiber"!

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  2. von Lars am 29.10.2014 (10:35 Uhr)

    Schöner Beitrag. Da fühlt man sich gleich in die eigene Jugend zurückversetzt. Mir ging es ganz genauso. Mein erstes Handy war jedoch ein Sony Ericsson mit ausziehbarer Antenne. Mit diesem fühlt man sich, wie in Hollywood-Filmen - cool und lässig die Antenne zücken zum telefonieren.

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  3. von Nic am 29.10.2014 (13:36 Uhr)

    Nichts geht über den "Robo NIX" Klingelton <3

    https://www.youtube.com/watch?v=Wi6ef91IiUg
    (bei 1:27min - "Kick" ist übrigens davor und auch wirklich mit einer der Besten!"

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  4. von der nokia-mensch am 29.10.2014 (13:55 Uhr)

    Danke Melanie für den Beitrag. Endlich mal wieder ein Lichtblick auf t3n! (Also du - oder der Beitrag? Oder beides :D)

    Ich bin jetzt (wieder) auf ein Nokia (Lumia) gewechselt. Die Geräte haben immer noch eine ganz eigene Identität, wenn auch nicht vergleichbar mit früher. Man muss Windows Phone halt mögen, dann hat man aber mit Haptik, Optik und Verarbeitung etwas ganz "eigenes", was ich von keinem Androiden bekomme (Zumindest im Moment) ;-)

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  5. von Gregor Selle am 29.10.2014 (16:16 Uhr)

    Schöner Beitrag :-)

    Meine Nokia-Nostalgie begann einige Jahre früher mit dem legendären PT11 in quietschgrün, dem unverwechselbaren Nokia-Sound (Nokia Tunes) und dem blauen Vögelchen von e-plus. Das war 1994 und Nokia hat zusammen mit e-plus das Handy volkstauglich gemacht. So ähnlich wie VW seine Autos. Das Handy wurde wie ein rohes Ei behandelt, ein Anruf nur im Notfall getätigt, weil die Minute ja DM 3,20 kostete. Was eine SMS gekostet hat, weiß ich nicht mehr. Mit dem Handy war man "IN", zukunftsorientiert und fortschrittlich. Wer sich ein Handy damals (noch) nicht leisten konnte, lief mit einer Attrappe herum, um so zu tun, als ob. Das war eine lustige Zeit.

    Obwohl man mit dem Handy nur telefonieren konnte, mußte man es mind. 2-3 mal die Woche aufladen, weil die Akkus noch nicht so leistungsfähig waren und das dauert mindestens 12 Stunden.

    Schade eigentlich, dass die beiden Pioniere des Mobilfunks in den letzten Jahen so mehr oder weniger sang und klanglos untergegangen sind. Aber wie Melanie schon schrieb: "Seinen ersten Knochen vergißt man nicht."

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