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Kolumne

Number26: Erst Shitstorm, dann Ritterschlag von Apple

    Number26: Erst Shitstorm, dann Ritterschlag von Apple

Für Number26 waren es turbulente Wochen: Mit 500 Kündigungen löste es eine Welle der Kritik aus. Doch das hat dem Startup nicht geschadet. Warum es bei dem Fintech trotz seiner Patzer ziemlich rund läuft.

Die Number26-Gründer Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf. (Foto: Presse)
Die Number26-Gründer Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf. (Foto: number26)

Es klingt nach einer banalen Nachricht: Number26 kündigte kürzlich knapp 500 Kunden wegen „missbräuchlicher Nutzung“. Es folgte ein Sturm der Entrüstung, die deutsche Medienlandschaft stürzte sich auf das Thema wie Geier auf Aas. Die Krise um die Kündigungen entwickelte sich zu einem echten Shitstorm, der durch die, sagen wir, suboptimale Reaktion von Number26 auf die Vorwürfe immer größer wurde. Der vorläufige Höhepunkt der Krise wurde mit der Weigerung, auf einen Fragenkatalog des Handelsblatts zu antworten, erreicht.

Das Vorzeige-Fintech schien auch nicht besser zu sein als die etablierten Banken, die es eigentlich ablösen wollte. Doch trotz der medialen Krise hat das Startup in mehrerlei Hinsicht profitiert. Mehr noch, auf der gestrigen Entwicklerkonferenz WWDC bekam Number26 dann auch noch den Ritterschlag von Apple.

Die Number26-Kündigungen

Aber von vorne: Der Ursprung des ganzen Shitstorms waren knapp 500 von Number26 ausgesprochenen Kündigungen von Kundenkonten wegen „missbräuchlicher“ Nutzung. Unter Missbrauch versteht Number26 auch die „übermäßige“ Nutzung der kostenlosen Bargeldversorgung, die ebenfalls einen Teil der Kündigungen verusachte. Laut Number26 hatten einige der Kunden rund 15 Mal im Monat das Konto genutzt, um kostenlos Bargeld abzuheben. Das kostet Number26 pro Aktion zwischen 1,50 Euro und 2,50 Euro. Mehrkosten, die Number26 vermeiden will.

Geht man davon aus, dass die Hälfte der Kündigungen in diese Kategorie fallen, summierten sich die Kosten auf monatlich etwa 6.000 Euro. Wegen 6.000 Euro im Monat würde keine Bank auch nur ansatzweise ein Fass aufmachen und selbst für ein Startup wie Number26 sind das keine dramatisch hohen Summen – es sei denn, man verfolgt ein höheres Ziel, wie zum Beispiel eine eigene Banklizenz. Dass an einer solchen Lizenz gearbeitet wird, ist ein offenes Geheimnis. Laut Gerüchten ist in dem Antrag eine Gewinnschwelle von drei Jahren angegeben. In Anbetracht dessen passen Kunden, die hohe Kosten verursachen, nicht in den Plan.

Number26 kommt mit einer Kreditkarte, aber ohne EC-Karte
Wird number26 zum Haushaltsbuchersatz? (Foto: number26)
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Abschreckung ist beste Verteidigung

Auch wenn die „Kündigungswelle“ zu besagtem Shitstorm führte, profitiert Number26 gleich doppelt. Erstens haben die Kündigungen eine abschreckende Wirkung. Das Gros der Bestandskunden dürfte inzwischen durch die breite Berichterstattung mitbekommen haben, dass es nicht gern gesehen ist, übermäßig oft Bargeld abzuheben.

Wie viel übermäßig ist, sagt Number26 nicht, sodass sich der Kunde im Zweifel eher zurücknimmt. Damit wird Number26 erreichen, dass diese Funktion weniger genutzt wird, schließlich möchte ja niemand eine Kündigung riskieren. Denn, und das bleibt unverändert, das angebotene Konto scheint der Zielgruppe zu gefallen.

Zweitens hat die Berichterstattung in der breiten Medienlandschaft zu einem höheren Bekanntheitsgrad geführt. Laut eines Interviews mit Gründer Valentin Stalf hat sich die Zahl der Neukunden seitdem pro Woche um mehr als die Hälfte erhöht.

Fazit

Auch wenn der Umgang mit dem Shitstorm amateurhaft war: Am Ende kommt Number26 nicht nur mit einem blauen Auge davon, sondern geht gestärkt aus der Krise hervor. Eine Welle an Kündigungen hat es nicht gegeben, was für das Produkt spricht. Die namentliche Erwähnung von Apple auf der WWDC als Beispiel für die Möglichkeit, mit Siri über Number26 Geld zu versenden, wird dem Startup ganz sicher ebenfalls nicht schaden. Weder beim Wachstum noch bei der nächsten Finanzierungsrunde.

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3 Reaktionen
Odo
Odo

Fragt sich nur wo das Geschäftskonzept zu "Gewinnen" führen wird. Denn eine kostenlose Kreditkarte und ein kostenloses Girokonto bringt auch klassischen Banken kaum Geld ein. Die DKB bietet das schon ewig an.
Nur weil das klassische Bankkonzept in einem modernen Kleid steckt, wollen erfahrene Banken es eher loswerden.

Und meine persönlichen Bankdaten erst Siri nach USA zu sprechen - na ja

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Dominik
Dominik

Ist die Frage, ob die Bankdaten wirklich erst über Siri in die USA übertragen werden, wenn eine entsprechende Schnittstelle auf deinem Gerät verfügbar ist, sodass die Apps untereinander kommunizieren können, ohne wirklich alles voneinander zu wissen.

Es gibt über Number26 ja die Möglichkeit "Moneybeam" zu nutzen - hierzu brauchst du nichtmal die Kontodaten deines Empfängers, sondern lediglich seine Mobilfunknummer, oder E-Mail Adresse.

Dieser erhält dann einen Link, gibt seine Daten ein und piff: Geld von deinem Konto auf seinem.

Da Siri ohnehin uneingeschränkten Zugriff auf das Kontaktbuch hat, wäre das kein (weiterer) Abbruch ;)

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Guido
Guido

Richtig. Zinsen auf Einlagen bringen nichts mehr. Bei vielen Banken ist das kostenlose Girokonto nur das Lockmittel, um Kunden an das eigene Ökosystem zu binden und mit anderen Leistungen aus dem Bankenportfolio zu verdienen. Das normale Bankenportfolio mit vielfältigen Leistungen rund um Geldanlage und Finanzierung bietet Number26 aber gar nicht an und kann da entsprechend nicht partizipieren.

Als Erlösquellen bleiben nur der Dispo und ein Gebührenanteil bei Kreditkartenumsätzen. Fraglich ob das reicht - selbst bei schlanken Strukturen.

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