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Nur für Frauen: Die „Rails Girls“ verändern die Programmiererwelt

Nur für Frauen: Die „Rails Girls“ verändern die Programmiererwelt

Mit ihren Workshops erleichtern die „Rails Girls“ Mädchen und Frauen den Einstieg in die Web-Programmierung mit dem on . Seit drei Jahren wächst ihre Community – wir haben sie einen Tag lang begleitet.

Nur für Frauen: Die „Rails Girls“ verändern die Programmiererwelt

Rails-Girls-Workshops sind kostenfrei

Helsinki, 2010: Der erste kostenfreie „Rails-Girls“-Workshop wird von Linda Liukas und ihrem Kollegen Karri Saarinen veranstaltet. Seitdem wächst die Community der „Rails Girls“ stetig. Viele regionale Sponsoren unterstützen das Projekt – so bleibt es für die Teilnehmerinnen kostenfrei.

Auch in Deutschland werden regelmäßig „Rails-Girls“-Workshops veranstaltet. Einer davon hat vor kurzem in den Räumen der Softwarefirma innoQ in Monheim statt gefunden. Der Programmier-Workshop wurde von den „Rails Girls Rheinland“ organisiert – wer wollte, nahm am Vorabend an der „Installations-Party“ teil.

Ein Rails-Girls-Workshop in Madrid. (Foto: Xuanxu / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Die große Resonanz für den „Rails-Girls“-Workshop begeistert die Organisatorinnen, Tatjana Lajendäcker und Liane Thönnes. „Aber: „Wir konnten nur 30 Teilnehmerinnen einladen“, fügen sie ein wenig traurig hinzu. Gerne hätten sie alle Bewerberinnen für den Workshop zugelassen – angemeldet hatten sich mehr als doppelt so viele.

Kathrin ist eine von ihnen, sie hat einen der begehrten Workshop-Plätze ergattert. Jetzt sitzt sie zusammen mit vier anderen Teilnehmerinnen, einem Coach und ihrem Laptop an einem Arbeitsplatz mit dem klingenden Namen „The Foxes“. „Ich möchte am Ende einen kleinen ‚Klick-Dummy-Prototypen’ bauen. Oder einfach ein besseres Verständnis für die Entwicklung haben. Das wäre auch schon mal sehr gut“, sagt sie mit leuchtenden Augen.

Rails Girls: Schnelle Fortschritte durch interaktive Tutorials

Zunächst aber lernen die Teilnehmerinnen in einem Vortrag mit Hilfe der sogenannten „Bentob Box“ wichtige Begriffe der Web-Entwicklung kennen. Die „Bentob Box“ ist ein konzeptionelles Modell, um auf verständliche Art und Weise die Begriffe einer Web-Applikation zu erklären. So lernen die Teilnehmerinnen den Unterschied zwischen einem Frontend und oder einem Backend und wie die Programmlogik dahinter eigentlich funktioniert.

Unter Anleitung der Coaches beginnen die Mädchen und Frauen am Mittag mit den ersten interaktiven Web-Tutorials für Ruby on Rails – zum Beispiel auf den Seiten von Try Ruby, Rails For Zombies oder der Code School. Ein ähnliches Lern-Konzept verfolgt auch die Codeacademy.

Am Nachmittag schon haben die ersten Teilnehmerinnen eine funktionierende Web-Applikation programmiert. Mit ihr können sie Bilder auf die eigene Webseite hochladen, mit Kommentaren versehen und wieder löschen. Schnell merken sie: Das „kleine schwarze Programmfenster, indem irgendwas passiert“ ist kein Mysterium. Mit In ihm kann man Befehle ausführen – ohne die Gefahr, etwas auf dem eigenen Laptop kaputt zu machen. Manche basteln noch ein bisschen wenig am Design – wie zum Beispiel Jennifer. Sie erzählt, was sie an diesem Tag alles geschafft hat: „Die Bilder sind jetzt verlinkt und man sieht sie größer, wenn man sie anklickt. Wir machen jetzt noch das ‚Fine-Tuning’, damit das Design schön aussieht. Insofern sind wir schon weit gekommen.“

Nächster Rails-Girls-Workshop im August in Hamburg

Alle, die keinen Workshop-Platz bei einem der „Rails-Girls“-Workshops ergattern konnten, können zu einem der regionalen Treffen der „Rails Girls“ gehen – der nächste Programmier-Workshop in Deutschland findet im August in Hamburg statt – die Bewerbungsphase startet bald. Auch hier immer dabei: Coaches, die bei der Installation von Ruby on Rails sowie den ersten Programmierschritten helfen. Und wer noch ein Stück weiter gehen will, kann auch selbst einen „Rails-Girls“-Event Workshop veranstalten und so Teil einer Community werden, die jeden Tag ein Stück größer wird.

Über die Autorin

Daniela KnolleDaniela Knoll ist freie IT- und Wissenschaftsjournalistin für Online, Print und Hörfunk. Sie hat Biologie und Bioinformatik in Köln studiert, twittert als @KnollDaniela und ist online unter daniela-knoll.de zu finden.

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4 Antworten
  1. von Foo am 07.05.2013 (08:59 Uhr)

    Auf der einen Seite finde ich es gut, wenn durch solche Veranstaltungen eine eventuell vorhandene Hemmschwelle für einen Einstieg in die Programmierung erleichtert wird. Auf der anderen Seite frage ich mich aber, ob dadurch nicht die verbreiteten Klischees noch mehr verstärkt werden. Bestes Beispiel dafür ist der obige Artikel selber. Zitat:

    > Schnell merken sie: Das „kleine schwarze Programmfenster, indem irgendwas passiert“ ist kein Mysterium. Mit In (sic) ihm kann man Befehle ausführen – ohne die Gefahr, etwas auf dem eigenen Laptop kaputt zu machen.

    Frauen sind halt doof und naiv. Dein Laptop, das unbekannte Wesen. Zumindest scheint der Author das zu glauben. Deshalb brauchen junge Frauen solche Veranstaltungen. Um solchen Vorurteilen zu entgehen. Nutzt halt nur nichts. Früher oder später treffen sie nämlich unweigerlich auf "die Jungs", die sie genau dafür belächeln.

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  2. von Foo am 07.05.2013 (09:09 Uhr)

    Nachtrag: noch schlimmer wird es übrigens, wenn der Author eine Frau ist. Ergeht man sich selber nämlich in solchen Klischees über sich selbst, hat man sowieso keine Möglichkeit, eben diesen jemals zu entkommen. Naja, aber hauptsache das Design stimmt, gell.

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  3. von Phil am 07.05.2013 (09:21 Uhr)

    Lasst doch mal die Kirche im Dorf. In letzter zeit liest jeder zwischen den Zeilen von irgendwelchen Klischees und Vorurteilen. Legt doch nicht jeden Scheiß auf die Goldwaage. Wenn die programmieren wollen lasst sie doch. Mit eurem Tamtam über Klischees macht ihr es erst zu einem.

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  4. von Foo am 07.05.2013 (11:27 Uhr)

    @Phil Die Gender/Diversity/Sexismus Diskussion findet spätestens seit "Donglegate" nicht mehr "zwischen den Zeilen" statt. Veranstaltung wie Rails Girls, so gut sie gemeint sind, fachen leider eben genau diese unsägliche Diskussion weiter an.

    Fakt ist, dass bei "Rails Girls" das Geschlecht darüber entscheidet, ob du mitmachen darfst, oder nicht (das suggeriert der Titel des Artikels ja auch schon). Statt eine geschlechterunabhängige Veranstaltung "Rails Newbies" zu machen, wird hier hervorgehoben, dass man eben keinen Zipfel hat. Frau separiert sich (aus Gründen), nennt sich selbst Mädchen (also nicht erwachsene Frau) und kokettiert mit der eigenen Naivität ("das kleine schwarze Programmierfenster"). Und verändert dabei nebenbei auch noch die Programmierwelt!

    Damit wir uns nicht missverstehen: ich habe nichts dagegen, wenn Frau sich so darstellen möchte. Ich finde das auf eine gewisse Weise sogar charmant. Tut sie das aber, sollte sie sich nicht wundern, wenn Mann sie eben nicht als emanzipierte Fachfrau behandeln wird. Denn so eine Selbstdarstellung spricht ja direkt das Rollenklischee "Mann, Macher, Beschützer, Welterklärer" an.

    Aber nochmal: wenn es einigen Frauen hilft, in weiblicher Unsicherheit verwurzelte Hemmschwellen zu überkommen, dann sollen sie bitte zu Rails Girls gehen, um einen Einstieg in die Programmierung zu erhalten. Es muss nur klar sein, dass eine Separierung kein Modell für eine langfristige Karriere als Entwicklerin sein kann.

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