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Online-Handel mit Grenzen: „Die Kunden gehen wieder gerne in die Märkte“

Online-Handel mit Grenzen: „Die Kunden gehen wieder gerne in die Märkte“

Pieter Haas, seit Anfang 2016 Chef der Media-Saturn Holding, sieht eine Rückkehr des Ladens. Der Online-Handel habe seine Grenzen, meint der Manager im mit dem Donaukurier, und kündigt neue Märkte an.

Online-Handel mit Grenzen: „Die Kunden gehen wieder gerne in die Märkte“
Märkte versus Online. (Bild: Media-Saturn)

Comeback des Ladens statt Online-Handel-Boom

Die in der Media-Saturn Holding vereinten Elektronikketten Saturn und Media Markt haben in den vergangenen Monaten einige neue Services eingeführt, mit denen dem Online-Handel und damit nicht zuletzt dem großen Rivalen Amazon die Stirn geboten werden soll. Mitte November 2015 etwa wurde in 240 Media-Markt-Filialen und 155 Saturn-Märkten die Expresslieferung innerhalb von nur 3 Stunden eingeführt. Der neue Chef der Media-Saturn Holding, Pieter Haas, sieht mittlerweile gar eine Wiederaufstehung des Ladens.

Media-Saturn-Manager Pieter Haas sieht Grenzen für den Online-Handel. (Foto: Media-Saturn-Holding GmbH)
Media-Saturn-Manager Pieter Haas sieht Grenzen für den Online-Handel. (Foto: Media-Saturn-Holding GmbH)

Einen Anteil von zehn Prozent soll das Internetgeschäft bei der Media-Saturn Holding demnächst erreichen, mittel- bis langfristig sollen es 15 bis 20 Prozent sein. Im europäischen Branchendurchschnitt liege dieser Anteil derzeit bei 14 Prozent. Von den Prognosen der vergangenen Jahre, wonach der Umsatzanteil des Online-Handels schon bald bei 40 Prozent liegen werde und viele Märkte geschlossen werden müssten, sei die aktuelle Situation weit entfernt, meint Haas in einem Interview mit dem Donaukurier. Und: „Sie sehen, dass auch Online seine Grenzen hat. Stattdessen machen die Online-Händler wie Amazon eigene Läden auf.“

Online-Handel versus Märkte: Neues Denken

Statt eine düstere Zukunft vorherzusagen hätte sich in den Köpfen der Kunden und Manager einiges getan. „Alles spricht nur noch von Omnichannel und Multichannel“, sagt Haas. Die Kunden, so die Überzeugung des Media-Saturn-Managers, „gehen wieder gerne in die Märkte“. Dementsprechend will die Elektronikkette in diesem Jahr ausbauen und rund 50 neue Märkte eröffnen. Statt riesiger Flächen sollen aber eher verschiedene alternative Konzepte ausprobiert werden, etwa City-Stores und Test-Stores in Märkten des Mutterkonzerns Metro.

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5 Antworten
  1. von Kritiker am 15.02.2016 (08:51 Uhr)

    Der gute Mann kann sich das ganze selbst reinreden. Es mag sein, dass mehr Kunden ins Geschäft gehen, aber besonders bei technischen Geräten wird dort eben nur geschaut und nicht gekauft.

    - Wer möchte schon gerne in der MediaMarkt Kassenschlange stehen?

    Am Wochenende, wo sowieso schon alles überfüllt ist, Parkplatz in der Innenstadt suchen (und bezahlen), dann in den MediaMarkt laufen, im Chaos das richtige raussuchen usw.

    - Wer möchte schon zu deutlich teureren Preisen kaufen?
    Wenn ich schon sehe, dass bspw. Lightning Kabel von Drittanbietern für 20 Euro verkauft werden (und diese bestens positioniert sind). Das originale kostet schon 20 Euro. Aber natürlich ist da die Gewinnspanne nicht annähernd so hoch.

    - Wer möchte schon die MediaMarkt Rücknahmebedingungen akzeptieren?

    Geht online alles deutlich besser.

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    • von cozmo am 16.02.2016 (10:30 Uhr)

      Habe 8 Jahre als externer Verkäufer im MM-Markt gearbeitet und den generellen Wandel hautnah miterlebt,
      es gibt aber auch seit längerem schon den ROPO-Effekt (Research online, purchase offline), daß Kunden
      mittlerweile doch in den Laden kommen um sich beraten zu lassen.

      Klar gibt es immer Ausnahmen, aber die sind nicht die Regel.

      3min in der Schlange stehen sollte vertretbar sein, es sei denn man macht sich samstag mittags auf den Weg.

      MM-Märkte sind generell nicht in der Innenstadt, sondern ausserhalb im Verbund mit anderen Einkaufs- und
      Parkmöglichkeiten, daher normalerweise keine Probleme mit der Parkplatzsuche. Saturnmärkte sind in den Innenstädten
      zu finden.

      Und gegen das Chaos gibt es ja Gott sei Dank die Verkaufsberater, aber viele Kunden trauen sich
      fast gar nicht mit denen zu sprechen, sondern versuchen selbst ihr Glück...
      (Kennt man leider aus eigener Erfahrung...)

      Selbst mein fast 70-jähriger Vater weiß mittlerweile, daß man Zubehör besser online kaufen sollte, da
      die MSH-Märkte genau damit ihre Marge machen. Bei den normalen Artikeln wie braune/weiße Ware vergleichen
      die AL's der Märkte die Online-Angebote und gehen meistens darauf ein, oder machen sogar ein besseres
      Angebot.

      Die Rücknahmebedingungen sind absolut problemlos, solange die der Artikel/die Verpackung nicht beschädigt sind.

      Beste Grüße
      cozmo

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  2. von aboandmore.ch am 15.02.2016 (10:46 Uhr)

    Toller Artikel, hat mir sehr gut gefallen! Zudem ist im Online-Markt die Transparenz in Bezug auf Preis, Qualität und Service höher. Worauf es schlussendlich ankommt!

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  3. von Erosion geht weiter am 16.02.2016 (10:33 Uhr)

    Die Erosion findet weiter statt. Die E-Autos werden ratz fatz die Benzinautos verdrängen. Benzin-PKW haben 8 Jahre Alter im Schnitt. D.h. 12% werden durch E-Autos pro Jahr ersetzt. Danach sind die Diesel dran, aber weil das oft genug Industrie/Business-Geräte sind, wo der Antrieb usw. vielleicht sogar billiger ist als der Kran oder Geräte die oben drauf sind, werden diese umgerüstet oder halt erst nach Abschreibungen von 15-30 Jahren ausgetauscht.
    Das wirkt also nur optisch danach als ob die Erosion geringer ist weil es dann um einen anderen Markt geht.

    Wer ein Prime-Abo will, hat inzwischen auch eines. Den Rest kann man durch Daily-Delivery und andere Dienste an Land ziehen welche Amzon bis heute nicht eröffnen will obwohl jeder Kunde Abhol/Rückbring-Punkte in jeder PLZ will welche vom Amazon-Truck mehrmals täglich wie Apotheken oder täglich die Buchhandlungen und Zeitschriften-Regale(Tankstellen, Supermärkte,...) beliefert werden.
    D.h. wenn Amazon Lebensmittel o.ä. oder in Großstädten neue Sachen anbietet, oder endlich mal auch für 20 Euro Aufpreis den Fernseher anschliesst und die Senderliste einstellt (8Euro Mindestlohn=2 Stunden Arbeit bevor man draufzahlt) kann Amazon weiter wachsen.
    Erst wenn Boni-Manager müssen, bauen sie weiter zugunsten der Kunden aus. Daher stagnieren Nest, Skype, Paypal, Whatsapp,... seit Jahren vor sich hin statt endlich mal die Kundenwünsche umzusetzen.

    Amazons Wachstum wird also stagnieren. Die Frage ist ob die Cloud-Dienste das überdecken oder ob Amazons Boni-Manager sich nützliche Dinge einfallen lassen müssen um die Groß-Investoren (Kleinaktionäre sind ja vermutlich für Boni-Manager nicht so relevant) zufriedenzustellen.
    Auch Google musste sein Icon auf 300 Bytes runter-optimieren um in Afrika auf EDGE-Handies neue Kunden zu gewinnen weil in "Erste-Welt"-Ländern die Sättigung stattgefunden hat.

    Bei 80 Jahren Lebenszeit sterben jährlich ca. 1.25% der Bürger. Also wachsen bei einer Alterspyramide vielleicht 0.5%-1.0% nach und gehen weniger in die Märkte als Rentner die dort täglich einkaufen.
    An den TV-Zahlen erkennt man das ja auch. Manche Senderketten mussten von 49 auf 59 hoch gehen weil das Zuschauer-Alter nicht gleich bleibt sondern höher geht... D.h. also das weniger neue Zuschauer nachwachsen als oben herausfallen weil sie 50 wurden nicht mehr zur offiziellen "Zielgruppe" gehören. Der schlaue Reporter würde das an der Alterspyramide mal nachprüfen und belegen. Oder halt weiter Agenturmeldungen und PR-Meldungen copy-pasten...

    Viele Aktionswaren sind im Supermarkt trotzdem günstiger als Online. Speziell Sperrgut macht vieles für online zu teuer.
    Mehrmals konnte ich Rentner sehen welche 43"-TVs kauften und im Auto unterbrachten. Bei den inzwischen aber normalen 55"/60"-Angeboten muss man evtl sogar auf Lieferdienste zurückgreifen weil die vielleicht nicht mehr ins Auto passen.
    Allerdings lässt Amazon wahlweise auch zu Hause von Hermes abholen oder halt bei der Post abgeben.

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  4. von GerberD am 20.04.2016 (15:30 Uhr)

    Wenn ich mich über Kameras informieren will, dann wäre ein Besuch beim Media Markt oder Saturn auf jeden Fall sinnvoller. Schließlich will man die Geräte in der Hand halten, sie nutzen, austesten und sich beraten lassen. Auch wenn die Infos im Internet umfangreich sind, so ist der Gang in den Laden doch die optimale Lösung. Aber das gilt nicht nur für Konsumgüter. Wenn ich in meinem Haus energieeffiziente Lösungen zur Energiedämmung suche (z.B. über Dämmsystem wie hier unter https://www.thermofloc.de/daemmsystem ), sind Gespräche unter 4 Augen, Seminare und Kurse zur Dämmung nicht schlecht. Man braucht die Interaktion zwischen den Menschen! Anders geht’s nicht.

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