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Ratgeber

Open Salaries: 5 Gründe, die für mehr Gehaltstransparenz sprechen

    Open Salaries: 5 Gründe, die für mehr Gehaltstransparenz sprechen

Gehaltstransparenz. (Foto: Shutterstock.com / This Is Me)

Firmen wie Buffer, SumAll oder Whole Foods machen es vor: Ein transparentes Gehaltssystem, bei dem vom Praktikanten bis zum CEO jeder weiß, was der andere verdient. Warum tun wir uns so schwer damit?

Politiker müssen sie offenlegen, Beamte und die Vorstände von DAX-Unternehmen auch: Ihre Gehälter. Doch was wäre, wenn wirklich jeder genau über den Verdienst des anderen Bescheid wüsste? Am Konzept transparenter Gehälter – oder auch: Open Salaries – scheiden sich die Geister. Die Erfahrungen von Pionieren wie Whole Foods, Buffer oder SumAll könnten uns allerdings dazu ermutigen, es mit mehr Offenheit zu probieren.

Transparente Gehälter – Quelle für Neid und Missgunst?

Ob es eher förderlich oder demotivierend ist, zu wissen, wie man im Vergleich mit seinen Kollegen verdient, wird schon lange diskutiert. Professor Dieter Frey von der Ludwig-Maximilians-Universität München etwa glaubt, dass die Gerechtigkeit bei Gehältern grundsätzlich begrenzt ist: Wer schlechter als seine Kollegen verdiene, halte dies in der Regel für ungerecht. Komme dann noch hinzu, dass er keine Aufstiegschancen für sich sehe, sei die Demotivation quasi vorprogrammiert. Allerdings sieht Frey Möglichkeiten, wie sich durch Gehaltstransparenz das Klima im Büro verbessern lässt:

„Zur Motivation kann es (…) beitragen, wenn die Kriterien sehr transparent sind, warum der eine mehr und der andere weniger verdient. Wenn man hier Transparenz hat, erreicht man prozedurale Fairness.“

Gehaltstransparenz muss sich also weniger auf die Summe beziehen, die auf dem Lohnzettel steht, sondern vielmehr auf deren Zustandekommen, um sich innerhalb eines Unternehmens zum Motivationsfaktor zu entwickeln.

5 Gründe für mehr Gehaltstransparenz

1. Open Salaries motivieren den Einzelnen

Seit 2013 legt das Startup Buffer die Formel offen, mit der es das Gehalt der Teammitglieder berechnet sowie eine Aufstellung sämtlicher Mitarbeiter und ihres Lohns. Die Buffer-Formel berücksichtigt die Art des Jobs, die Hierarchieebene und die Erfahrung des Mitarbeiters ebenso wie seinen Standort. So kennt jeder Mitarbeiter seine Position in der Firma und kann sie ins Verhältnis zu seinem Gehalt setzen. Zudem kann er oder sie auf diese Weise klar erkennen, welche Entwicklung bis zur nächsten Gehaltsstufe zurückgelegt werden muss.

Position, Erfahrung, Boni, Loyalität: Nach dieser Formel berechnet Buffer das Gehalt seiner Mitarbeiter. Die Formel ist 2015 angepasst worden. (Grafik: Buffer)

Ein solches Vorgehen gibt dem Einzelnen ein Gefühl von Selbstwirksamkeit: Statt sich ins Blaue hinein anzustrengen und irgendwann mit klopfendem Herzen ins Büro des Chefs zu gehen, können Mitarbeiter besser planen und auf klare Ziele hinarbeiten.

2. Transparente Gehälter bringen Schwung ins Team

Nach Christina Majaski von Payscale verleiten transparente Gehälter die Angestellten dazu, sich mit mehr Energie in die Arbeit zu stürzen, um entweder mit Kollegen mitzuhalten oder diese zu übertreffen. Der daraus resultierende Wettbewerb innerhalb eines Teams kann sich durchaus positiv auf die Produktivität auswirken.

Allerdings muss das nicht so sein: Das Software-Unternehmen Qualtrics etwa, das firmenintern detaillierte Fortschritts-Statistiken zu jedem Mitarbeiter veröffentlicht, hat die Erfahrung gemacht, dass der Vergleich vor allem die leistungsschwachen Mitarbeiter auch negativem Druck aussetzen kann. Allerdings muss sich ein Unternehmen mit seinen Under-Performern ohnehin früher oder später auseinandersetzen, glaubt Talentmanager Marc Effron. Statt sich selbst und dem Mitarbeiter aus Rücksicht etwas vorzumachen, sollte man sich lieber fragen: „Wie lange ist es angemessen, deinen Angestellten über sein Potenzial beziehungsweise seine Zukunft in der Firma zu belügen?“

3. Offenheit sorgt für ein Zusammengehörigkeitsgefühl

Whole-Foods-Filiale in Portland, Maine. (Foto: Shutterstock.com / Eric Broder Van Dyke)

Schon 1986, sechs Jahre nach der Gründung der Bio-Supermarktkette Whole Foods in den USA, hat deren CEO John Mackey transparente Gehälter eingeführt. Neben Gehaltsinformationen teilt das Management aber auch detaillierte Verkaufsstatistiken für die einzelnen Filialen, sodass jeder Mitarbeiter ein Gespür für die Situation des Unternehmens und seine eigene Rolle entwickeln kann. Indem Firmen wie Buffer oder Whole Foods ihre Gehaltsstrukturen offenlegen, ziehen sie ihre Mitarbeiter ins Vertrauen. Diese wissen viel genauer über die finanzielle Situation ihres Arbeitgebers Bescheid, vor allem, wenn wie bei Whole Foods auch Vertriebszahlen einsehbar sind. Das erhöht, so CEO Mackey, die Bindung der Mitarbeiter.

Auch Dane Atkinson, der CEO von SumAll, beschreibt, wie das Zusammengehörigkeitsgefühl in seiner Firma von Open Salaries profitiert: „Viele Teammitglieder haben bereits Angebote von Google oder Facebook ausgeschlagen. Sie sind unerschütterlich, denn bei uns fühlen sie sich als Teil einer Familie.“

4. Transparente Gehälter erschweren die Ungleichbehandlung von Minderheiten

Atkinson hat das Prinzip der Gehaltstransparenz von Anfang an bei SumAll implementiert. In der 2011 gegründeten New Yorker Marketing-Analyse-Firma weiß jeder Mitarbeiter, was der andere verdient. Wer sich oder jemand anderen unterbezahlt findet, kann dies direkt einbringen und findet damit Gehör. Atkinson schätzt neben dem besseren Team-Zusammenhalt, den das transparente System bringt, vor allem dessen moralische Überlegenheit. Dem Seriengründer kam es im Laufe seiner Karriere zunehmend verwerflich vor, Mitarbeiter grundsätzlich so weit herunterzuhandeln wie möglich, nur weil es aus unternehmerischer Sicht attraktiv war, viel Talent für wenig Geld einzustellen. Für ihn sollten ein fairer Umgang miteinander und die Wertschätzung aller Mitarbeiter Vorrang haben.

Beim Startup SumAll weiß jeder Mitarbeiter, was seine Kollegen verdienen. Im Hintergrund CEO Dane Atkinson. (Foto: SumAll)

In diesem Zusammenhang nennt er einen weiteren Vorteil von Open Salaries: Eine diskriminierende Gehaltspolitik wird quasi unmöglich. „Für jeden Dollar, den Männer verdienen, verdienen Frauen immer noch gerade einmal 78 Cent. Aber viel Glück, wenn du versuchst, so einen Scheiß in einer Firma mit Gehaltstransparenz durchzuziehen“, sagt Atkins. „Diskriminierung nach Geschlecht, Rasse oder Religion – egal ob bewusst oder unbewusst – wird enden.“

Auf Seite 2 nennen wir den wichtigsten Grund, der für die Einführung von Open Salaries spricht, und geben Tipps, wie Firmen sich dem Thema Gehaltstransparenz schrittweise nähern können.

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Wunderdich
Wunderdich

Ist das denn wirklich gewollt? Stichwort: 20% mehr oder ich gehe. Wenn der Arbeitgeber dann tatsächlich eine Lohnerhöhung gibt und diese sich aber nicht auf die anderen Gehälter auswirkt. Ist das dann "Gerecht"? Andererseits kann der Arbeitgeber die anderen Mitarbeiter für ~20% weniger beschäftigen.

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