Android ist de facto ein In-house-Produkt, dessen Releases samt Source Code veröffentlicht werden. Google wählte für die Veröffentlichung die Apache License, die es Benutzern erlaubt, Closed-Source-Anwendungen auf der Open-Source-Basis von Android aufzubauen.
Damit wäre den Mindesterwartungen an ein Open-Source-Projekt genüge getan und vielen reicht der Ruf von Open Source aus, um Android und die darauf aufbauenden Smartphones als „die Open-Source-Alternative“ zu Apples gänzlich geschlossener iPhone-Welt anzusehen. Die Frage ist nur, ob das Quentchen Open Source, das bei Android übrig bleibt, noch einen Unterschied für Anwender und Entwickler macht. Oder handelt es sich nicht viel mehr um „Openwashing“, dem Äquivalent zum Greenwashing im Bereich der Free and Open Source Software („FOSS“).
„The right license for our goals“
Ein Blick in die bisherige Entstehungsgeschichte zeigt, dass Google mit Android von Anfang an konsequent auf größtmögliche Verbreitung unter Berücksichtigung der bestehenden Mechanismen des Mobilfunkmarktes gesetzt hat. Auch bei der Wahl der Lizenz, wie Google selbst einräumt: „We've simply decided that ASL2.0 is the right license for our goals.“
Die Free Software Foundation hatte schon bei anderer Gelegenheit darauf hingewiesen, dass Google beispielsweise mit IcedTea auf eine GPL-Software aufbauen könnte, dies aber abgelehnt hat, um eben später proprietäre Entwicklung zu ermöglichen. Statt dessen hat sich Google zu einer mühsamen „clean room“-Entwicklung mit Dalvik entschieden, um den Zwängen der GPL zu entgehen, die mit IcedTea bestanden hätten. Das ist den Wünschen zur Individualisierung des OS durch die Netzbetreiber ebenso geschuldet, wie der App-Economy as we know it.
Closed Source durch die Hintertür
Dass Google Closed Source bei Android nicht nur begünstigt, sondern auch selbst implementiert und bereit ist, diese gegen freie Entwickler durchzusetzen, zeigt das Beispiel des Firmware-Mods von cyanogenmod. Dieser erhielt im September letzten Jahres eine einstweilige Verfügung von Google, die die Auslieferung von Closed-Source-Bestandteilen von Android untersagte. Dabei handelt es sich zum Beispiel um den App-Market, GPS-Ortung mit Maps, Gtalk, den Setupwizard etc. - also zentrale Bestandteile dessen, was man von einem Smartphone mittlerweile erwartet. Diese proprietären Software-Module befinden sich auf jedem Android-Gerät, sind aber dezidiert nicht Teil des Android-Projekts.
Auf der Entwickler-Liste für die Android Plattform wird auch schon lange und immer wieder über damit verbundene Probleme diskutiert, Contributor „Disconnect“ schrieb zum Beispiel am 26. September 2009:
„Lets see what others say, but personally I have no desire to permit Google to have it's cake and eat it too - if we are forced to make open reimplementations for existing closed parts of the "open" platform, they should remain open and not be incorporated into the closed source binaries. We're not talking about extending/expanding the platform. We're talking about REDOING work that has already been done and has been locked away.“
Es ist also durchaus nicht so, dass das Nebeneinander von Open Source und Closed Source keine Probleme verursachen würde und Entwickler, die im Projekt als App-Entwickler aktiv sind, sich der Probleme nicht bewusst wären.
Freiheit mit kleinen Einschränkungen
Das ändert nichts an der Vermarktung von Android als Open-Source-Alternative: Wenn Google also schreibt:
„Android is about freedom and choice. The purpose of Android is promote openness in the mobile world, but we don't believe it's possible to predict or dictate all the uses to which people will want to put our software. So, while we encourage everyone to make devices that are open and modifiable, we don't believe it is our place to force them to do so.“
...dann meint man mit „people“ und „everyone“ durchaus nicht nur die anderen, sondern auch ganz bewusst Google selbst, das sich hier, wo es um die wichtigste Plattform für das mobile Geschäft der Zukunft geht, nicht vollständig zu Open Source bekennen will.
Bleibt also der Android-Kern, der allerdings laut Hewitt keine Entwickler zur Mitarbeit zulässt die nicht zu Google gehören und dessen Entwicklung selbst nicht offen von statten geht. Zu Open Source gehört aber mehr als die „richtige“ Lizenz, sondern eben ein bestimmtes, offenes Entwicklungsmodell in dem Mitarbeit und Einsichtnahme möglich und erwünscht sind.
Vielleicht hat Google hier Angst vor den Carriern gehabt und wollte sich an deren Erwartungen anpassen, man kann über die Gründe nur spekulieren warum es nicht zur LGPL und durchgängiger Offenheit gereicht hat. Aber auch wenn der Mobilfunkmarkt heute so funktioniert, dass es Netzbetreiber, Soft- und Hardwarehersteller gibt, die die Regeln für den Zutritt und die Verbreitung definieren, so hätte sich doch ausgerechnet Google, die in vielen anderen Märkten nicht davor zurückschrecken neue Wege an bestehenden Marktteilnehmern vorbei zu beschreiten, davon nicht in die Schranken weisen lassen müssen.
Späte Erkenntnis: Google ist auch nur eine Firma
Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Google an vielen Stellen nachhaltig für Open Source engagiert. Etwa mit dem Stipendiatenprogramm Google Summer of Code, oder gut 500 Open-Source-Projekten (nach Google Angaben), die bei Google eine Heimat gefunden haben. Aber die Gefahr ist gerade in der derzeitigen Debatte um Streetview groß, Google für den Vorkämpfer einer schönen neuen digitalen Zukunft zu halten, wenn doch bei näherem Hinsehen schnell deutlich wird, dass Google auch nur konsequent an dem Erfolg seiner Dienste und Produkte arbeitet. Offenheit wird von der digitalen Elite zurecht immer als Vorteil bewertet, aber man muss kritisch genug bleiben, um zwischen echter Offenheit und gezielter Missinformation zu unterscheiden.
Dessen unbenommen bleibt Android weiterhin eine interessante Plattform mit einer vielversprechenden Zukunft, eines ist sie in ihrer heutigen Form jedoch sicher nicht: die Open-Source-Alternative zu iOS und dem iPhone. Aus Sicht eines FOSS-Befürworters ist es sogar fraglich, ob das Token „Open-Source-Projekt“ wegen des Openwashing nicht noch strenger zu meiden ist, als ein Closed-Source-Angebot, das nichts anderes von sich behauptet.
Noch ist es nicht zu spät: Google hat oft bewiesen, dass es zuhören kann und auf Benutzerwünsche reagiert, wenn diese nur laut genug vorgetragen werden.
Abstimmung
Weiterführende Links zu aktuellen News auf t3n.de:
- Teste Windows Phone auf deinem iPhone oder Android-Smartphone - t3n News
- Android 4.0-Update: Samsung nennt Kandidaten für Ice Cream Sandwich - t3n News
- So sieht Android 4.0 Ice Cream Sandwich auf dem Nexus S aus [Video & Download] - t3n News


![Firefox OS: Mozilla-Entwickler zeigt das neue OS und erste Geräte im Hands-On [MWC 2013]](http://t3n.de/uploads/t3n-news-post-446282_Alcatel-One-Touch-Fire-IMG_6075_medium.jpg)






von Anonymous 25.10.2010 (16:25Uhr) 1.
Die geschlossenen Teile sin Andwendungsprogramme, die durch das Design von Android vollständig ersetzt werden können. Sie sind schlichtweg nicht notwendig, um Android einzusetzen.
Das LePhone von Lenovo kommt beispielsweise komplett ohne Google Applikationen aus bzw. verwendet Alternativen von Lenovo.
Letztendlich ist das sogar besser für das Betriebssystem Android, da es möglicherweise langfristig die Bindung des Betriebssystems an Google Dienste verringert im Gegensatz zu WP7 und iOS, bei denen die Services der Hersteller fest verbaut sind.
von Frank 25.10.2010 (19:41Uhr) 2.
Hier werden zwei unterschiedlich dinge miteinander vermischt. Das betriebssystem und die vorinstallierten programme. Das betriebssystem selbst ist quelloffen, anders sieht es mit den programmen aus. Man kann hier nicht sagen, das android in teilen closedsource ist. Ein betriebssystem ist systemsoftware, alles weitere anwendungssoftware. Ich kann mir gut denken, warum es zu einer abmahnung kam. Es bestand verwechslungsgefahr, haette er den appstore z.b. softwaretanke genannt, hätte er keine abmahnung kassiert.
von Daniel Hinderink 25.10.2010 (19:55Uhr) 3.
@Frank: ich habe nicht behauptet, dass Android in Teilen closed source ist. Im Gegenteil, ich schrieb: "Diese proprietären Software-Module befinden sich auf jedem Android-Gerät, sind aber dezidiert nicht Teil des Android-Projekts."
Es geht also gar nicht darum, ob cyanogenmod Lizenzbedingungen verletzt hat, das bezweifle ich nicht. Es geht einzig darum, das Google gezielt und von Anfang an auf ein System abzielte, dass closed source ermöglichen soll und das nicht nur weil es "der Markt" so will, sondern auch weil google es so will und auch durchsetzt. Obendrein ist die Entwicklung des eigentlichen Basissystems nicht so gestaltet wie man das von einem Open Source Projekt erwartet. Siehe dazu auch Pipka, Abschnitt 3.3.1-15.
Es erscheint mir als Augenwischerei dennoch Android als Open Source zu bewerben.
von marlan 25.10.2010 (21:48Uhr) 4.
Die Programme von Google befinden sich keineswegs auf jedem Android Gerät und sind auch nicht Teil von Android (wie auch sämtliche Programme aus dem Market).
Geräte, die gewisse Voraussetzungen nicht erfüllen, wie z.B. die Archos Tablets werden ohne diese Anwendungen ausgeliefert.
Cyanogenmod hat auch keine Schwierigkeiten eine Distribution ohne die Apps zu entwickeln.
M.E. muss auch nicht jedes Opensource Projekt primär von der Community vorangetrieben werden, oder darauf abzielen closed source zu verhindern - BSD, Apache und LPGL Lizenzen ermöglichen doch alle closed source...
von Milosch Meriac 26.10.2010 (12:26Uhr) 5.
Die Aussage das Andoids Open Source Konzept eine Mogelpackung sein soll ist falsch.
Es besteht jederzeit die Möglichkeit ein neues Open Source Projekt auf Basis des jeweils aktuellen Android Stacks abzuspalten. Um dies einfach zu ermöglichen, hat Google den Quellcode über http://android.git.kernel.org/ verfügbar gemacht und damit die Möglichkeit geschaffen, trotz Abspaltung weiter von den Verbesserungen des "Corporate" Android Stacks zu profitieren (git pull).
Die git-Strategie von Android spricht eine klare Sprache - nämlich das Abspaltungen explizit erwünscht sind.
Ein "evil" release - als Gegenbeispiel - würde aus einem dicken Source-tar-ball bestehen, der eine Abspaltung fast unmöglich machen würde, da ein zu großer Aufwand entstehen würde neue tar-ball Releases regelmäßig in das abgespaltene Projekt einzubinden.
Das Google sich nicht in seine internen Entwicklungsabläufe reinreden lassen will und deshalb keine externen Entwickler zulässt, ist aus Qualitätssicherungsgründen, Sicherheitaspekten und patentrechticher Sicht verständlich - beeinflusst aber die "OpenSource-Ness" von Android in keiner Weise.
von Daniel Hinderink 26.10.2010 (12:32Uhr) 6.
@Milosch Meriac: wie ich schon schrieb, Open Source ist mehr als eine FOSS Lizenz.
Der Meinung scheint auch Joe Hewitt zu sein, dem ich in der Hinsicht ein gewisses Verständnis zugestehen würde. Aber auch in der sonstigen Betrachung des Open Source Phänomens besteht ein Open Source Projekt aus mehr, als aus Software die unter einer bestimmten Lizenz veröffentlicht wird. (siehe das obenstehende Link auf Pliska, oder auch diese Diskussionen: http://www.heise.de/open/artikel/Offener-Kern-geschlossenes-Herz-824942.html,
http://www.heise.de/open/artikel/Open-Source-ist-kein-Business-Modell-221603.html
Im Gegenteil, die Reduktion auf die Einhaltung einer Lizenz ist eben das was "openwashing" meint.
Wie es scheint genügt das vielen vollauf, aber das kann kein Argument sein um einen weitergehenden Anspruch an Open Source generell auszuschließen.
von Sven Drieling 26.10.2010 (16:53Uhr) 7.
Es ist auch keine Frage ob GPL, APL, etc. Lizenz. Als Rechteinhaber des Quelltextes darf man ja ohnehin jederzeit für eine neue Version die Lizenz ändern. Betroffen wären davon dann nur die Quelltexterweiterungen von Drittanbietern, die man nur dann übernehmen könnte wenn die neue Lizenz mit der vorigen kompatibel ist.
von tocki 27.10.2010 (10:46Uhr) 8.
Ich denke ebenfalls, dass eine größere Offenheit des Systems sogar hinderlich für Android wäre. Es ist mehr als verständlich, dass sich Google - wie @Milosch Meriac schon schreibt - aus Gründen der Sicherheit und vor allem der Qualitätssicherung da nicht reinreden lässt.
Und auch wenn das nichts über die Offenheit an sich zu sagen hat, aber wenn man sieht, was sich alles in der kurzen Zeit aus dem System entwickelt hat, dann hat Google doch alles richtig gemacht, oder?
von Daniel Hinderink 27.10.2010 (11:18Uhr) 9.
Es ist nicht die Frage, ob mehr Offenheit Android genutzt oder geschadet hätte! Die Frage ist, ob man in diesem Fall noch von Open Source sprechen kann, zumal wenn wie Sven Drieling oben schreibt die Lizenz ziemlich unerheblich ist. Ob der Erfolg auch dieses Mittel heiligt bei Google das sich mit seinem Open Source Engagement rühmt ist eine Frage der Erwartungen an ein Unternehmen. Die scheinen ebenso weit auseinander zu liegen wie die Erwartungen an ein Open Source Projekt.
Spannender, wenn auch etwas anders gelagerter Artikel übrigens hier: ZDNet: The dirty little secret about Google Android und die Replik: LWN.net: Android: the return of the Unix wars?
von marlan 27.10.2010 (11:36Uhr) 10.
Nach der Open Source Definition der OSI ist die Lizenz m.E. schon entscheidend.
Android verwendet eine Lizenz die von der OSI anerkannt ist.
Ansonsten gibt es ja sehr unterschiedliche Auffassungen welche Freiheiten dem Benutzern oder anderen Entwicklern gewährt werden müssen, die sich auch in den unterschiedlichen Lizenzen wiederspiegeln.
von Daniel Hinderink 27.10.2010 (11:52Uhr) 11.
Ich sehe das natürlich auch so, dass die Lizenz eine zentrale Rolle spielt. D.h. aber im Umkehrschluss nicht, dass es reicht eine Software unter einer FOSS-Lizenz zu veröffentlichen, um von einem Open Source Projekt im ursprünglichen Sinne sprechen zu können. Das man darüber heute überhaupt diskutiert, wäre noch vor einigen Jahren völlig undenkbar gewesen. Nachdem aber viele Software-Hersteller das Thema Open Source für sich "entdeckt" und adaptiert (Open Core etc.) haben, haben sich die Erwartungen an ein Open Source Projekt stark verändert, wie man an den Reaktionen hier und auch an der Umfrage ablesen kann. Wenn also z.B. tocki oben schreibt, dass Google Recht damit habe die Entwicklung unter Ausschluß der Öffentlichkeit zu betreiben, weil dies "der Sicherheit und vor allem der Qualitätssicherung" diene, dann ist das eine glatte Verkehrung dessen, was unter FOSS-Anhängern allgemein als Vorteil von Open Source verstanden wird. (Siehe Dwheeler in einem der klassischen Texte zum Thema.). Nur wenn man einen entsprechenden Open Source Begriff teilt, ist Hewitts Einwand verständlich. Wenn man das nicht tut und einem die Lizenz als Definition genügt, dann kommt einem das freilich wie eine reaktionäre Meldung eines bärtigen FOSSils vor.
von Milosch Meriac 28.10.2010 (00:15Uhr) 12.
@Daniel Hinderink - bitte die Tatsachen nicht verdrehen: Google ermöglicht sehr wohl einen kompletten Audit des Quellcodes durch eben die unbeschränkte Offenlegung desselben und der Wartung einer Änderungsliste im GIT. Außerdem begrüßt Google Einsendungen von Sicherheitspatches (security@android.com).
Das Google Architekturentscheidungen nicht basisdemokratisch in Mailinglisten diskutiert, ist eine Entscheidung, die ich akzeptiere - aus dem einzigen Grund das Google anteilig den größten Beitrag zur Android Code Base leistet.
Ich halte das andere Extrem - in dem die Community derartige Großprojekte kostenlos und basisdemokratisch weiterentwickelt - letztendlich für menschenverachtend. Jeder soll von der Arbeit leben können die er verrichtet - Spaß am Gerät und die Achtung der Community reichen eben nicht aus um die Miete zu bezahlen.
Google ist eine der wenigen Firmen, die ein erfolgreiches Modell gefunden hat das hochqualifizierte und gut bezahlte Entwickler in rauhen Mengen an Open Source Projekten arbeiten läßt. Das rechne ich Google sehr hoch an.
Mit der FOSS Lizenzierung von Android hat sich Google selbst enteignet und sich damit zu einem Codelieferanten für dass neue Allgemeingut Android reduziert. Das dahinter handfeste wirtschaftlich Interessen stehen ist klar - nämlich einen neuen Standard nach der altbekannten Öllampen-Kostenlos-Methode zu schaffen.
Der dicke FOSS-Haken für Google kommen noch - beispielsweise Amazon, welches den kompletten Android Code nutzen wird und an Google vorbei seinen eigenen eBook, Film, Musik und Appstore baut - und Google gezwungen sein wird aufgrund der freien Lizenz Amazons Code parallel weiter zu verbessern.
Was man bei der gesamten Diskussion bitte nicht vergessen sollte: der gesamte Beitrag von Google zu Android ist unwiderruflich unter freier Lizenz verfügbar - und bleibt dies auch bis das Universum zufriert. Das ist dankenswerter Weise völlig unabhängig davon, ob Google komplett durchdreht und im Dreieck springt. Damit werden bleibende Werte für das Gemeinwohl geschaffen.
von Daniel Hinderink 28.10.2010 (10:27Uhr) 13.
Lieber Milosch Meriac: der Zugriff auf den Quellcode "post factum" ist nicht das gleiche, wie die Beteiligung am Entwicklungsprozess. Das man trotzdem Sicherheitspatches beisteuern kann, habe ich nicht in Frage gestellt. Aber wie jeder Entwickler weiß, fängt Software Sicherheit nicht erst an, wenn die Software schon fertig ist. Wenn man der Meinung ist, dass das ein kleines Team besser kann, als eines das einem "peer group review"-Prozess einer sehr viel größeren Öffentlichkeit unterliegt, dann brauchen wir über das Kollaborationsphänomen FOSS sowieso nicht mehr zu diskutieren.
Zu den weiteren Punkten:
Das Architekturentscheidungen von den Leistungsträgern eines Projekts getroffen werden, ist auch in klassischen Open Source Projekten durchaus üblich und ist kein Grund, geschweige denn eine Entschuldigung dafür, diese nicht offen zu legen (man denke an Linux Kernel, Apache httpd, Mozilla etc.).
Das das Open Source-Entwicklungsmodell "menschenverachtend" sein soll, erinnert mich an die immer wiederkehrende Frage außenstehender wie denn mit FOSS Geld verdient werden könne. Antworten darauf gibt es zb. hier.
Mich überraschen beide Punkte aus Ihrem Munde, vor allem weil beides eigentlich Argumente sind, die normalerweise von Open Source-Gegnern verwendet worden sind.
Etwas kurios finde ich den Versuch, die Veröffentlichung des Source Codes von Android unter der Apache License als eine Entscheidung darzustellen, die google diverse Nachteile bringen soll. Tatsächlich ist es doch ein ganz schlauer Zug: auf der einen Seite zieht man eine Klientel an, die Open Source a priori begrüßenswert findet, auf der anderen Seite verbaut man sich aber nichts in Bezug auf die Carrier.
Auch was die "Ausnutzung" der "Enteignung" anbetrifft, kennt mein Mitleid mit Google Grenzen. Immerhin wurden 1,97 Milliarden Dollar Gewinn allein im vierten Quartal 2009 gemeldet. Zum Vergleich: Amazon hat im selben Zeitraum 384 Millionen Dollar Gewinn eingefahren.
Wenn nun Amazon von Googles Android Code nicht einseitig profitieren sollte (wie auch alle anderen Nutznießer), dann wäre es für Google ein leichtes gewesen dafür zu sorgen, dass die darauf aufbauenden Entwicklungen veröffentlicht werden müssen. Dazu gibt es zb. die GPL.
Das Mitleid ist also fehl am Platze, Google hat die closed source Entwicklungen wissentlich in Kauf genommen und kann es sich offenbar auch leisten. Das Kalkül zielt vielmehr auf die Vormachtstellung im mobile Markt ab, als auf eine wirklich offene Plattform und da wollte man vermutlich keine Zeit mit dem Aufbau eigener Vertriebswege verplempern.
Das alles ist ein völlig legitimes Vorgehen für ein Unternehmen, es ist nur eben kein Open Source Projekt im eigentlichen Sinne. Das wir über dessen Definition streiten müssen überrascht mich wie gesagt, es kann dem Verständnis auf beiden Seiten aber nur nützen. In diesem Sinne: danke für den Beitrag, auch wenn ich ihm nicht zustimme.
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Mich würde mal insbesondere interessieren, ob es Google trotz (angeblich vollständiger) Offenlegung des Android-Quellcodes nicht möglich wäre, geheime Spionagesoftware (z.B. für die Überwachung von Regierungsgegnern, offiziell dann natürlich immer nur zur Beobachtung von Terroristen) einzubauen, ohne dass dies allzu leicht entdeckt werden würde (Gleiches gilt für andere Betriebssysteme wie Windows). Für Mobiltelefone ist ja sowieso schon lange bekannt, dass sie leicht geortet werden können, solange sie nicht wirklich komplett ausgeschaltet sind . Es soll ja sogar möglich sein (wahrscheinlich über heimlich aufs Handy gespielte Spionageprogramme), über das Mikrofon abzuhören, obwohl das Handy scheinbar ja ausgestellt ist (sich aber natürlich immer wieder beim Mobilfunk einbucht). Schöne Grüße vom EUdSSR-Satellitenüberwachungs-Project Indect kann ich da nur ausrichten, die Amis wissen schon ein Lied vom Polizeistaat zu singen, und bei uns ist's auch nicht mehr weit dorthin, denn die Regenten müssen sich doch irgendwie vor Volkes kommendem Zorn schützen (natürlich unter dem Vorwand der Sicherheit vorm [importierten] Terrorismus, Schäuble lässt grüßen)... Es gibt regierungskritische Amis, die sich sicher sind, dass in ihre neueren Autos heimlich Überwachungstechnologie eingebaut wurde (oder Wanzen nachträglich angebracht wurden?).
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