Open Source Software rettet die Welt

Die ursprünglich vom amerikanischen Immobliensektor ausgehende Finanz- und Wirtschaftskrise hat mittlerweile weltweite und branchenübergreifende Auswirkungen. Kaum eine Branche bleibt von dem stark eingeschränkten Geldfluss unbeeindruckt und viele Unternehmen müssen einen strikten Sparkurs einschlagen. Aber für eine Branche bietet die prekäre Lage auch eine enorme Chance: Open Source Software könnte zum Retter der Wirtschaft werden.

In wirtschaftlich schlechten Zeiten steht bei besonders betroffenen Unternehmen häufig nur noch ein Punkt auf der Tagesordnung: Einsparungen. Je nach Größenordnung der finanziellen Engpässe werden auch schon mal "Heilige Kühe" geschlachtet, die zuvor über viele Jahre unantastbar schienen. So wird dann auch die Softwareausstattung einer Firma unter die wirtschaftliche Lupe genommen und die dürfte in nahezu 100 Prozent der Fälle ein enormes Einsparpotential aufweisen, vergleicht man Bezahlsoftware mit lizenzkostenfreier Software.

Vor allem für den Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) könnte Open Source die Rettung bedeuten. Hier machen die Kosten für proprietäre Software häufig einen bedeutenden Anteil an den Gesamtausgaben des Unternehmens aus. Ein Umstieg auf freie Software kann in solchen Unternehmensgrößen relativ einfach und schnell vollzogen werden. Entsprechende Open Source Software ist frei verfügbar, schnell aus dem Internet geladen und installiert. Allein für spezielle Anpassungen, die sehr viel häufiger möglich sind als bei Bezahlsoftware, und für Supportleistungen werden überhaupt Gelder benötigt. Als Ergebnis erhalten die Unternehmen dann aber auch eine auf ihre Bedürfnisse eingerichtete Softwareausstattung, die im Idealfall keine weiteren Kosten nach sich zieht.

Proprietäre Software lässt sich dagegen oftmals nur geringfügig bis gar nicht skalieren oder anpassen. Hier werden große Pakete mit einer maximalen Funktionsvielfalt auf dem Markt geworfen, die von kaum einem Anwender alle genutzt werden oder manche Anwender schlicht überfordern dürften. Als Resultat werden die Mitarbeiter mit speziellen Schulungen auf die Arbeit mit diesen Funktionsungetümen vorbereitet. Dabei entstehen zusätzliche Kosten, die selten in den ursprünglichen Kostenkalkulationen veranschlagt wurden. Unternehmen bezahlen also doppelt für Funktionen, die sie nicht brauchen, denn auch die Entwicklung von nicht benötigten Funktionen lassen sich die Softwarehersteller bezahlen.

Open Source Software könnte sich für viele kleine und mittlere Firmen als Rettung erweisen. Allein der Umstieg von Microsoft Office auf OpenOffice könnte einer Firma mit 20 Mitarbeitern je nach verwendeter Version zwischen knapp 2.000 Euro und knapp 13.000 Euro Einsparung bringen. Steigt die Firma dann auch noch von Adobe Photoshop auf das lizenzkostenfreie Gimp um, so lassen sich noch mal etwa 17.000 Euro sparen. Wer zudem noch von Microsoft SQL Server auf den freien MySQL Server umsteigt, spart noch einmal zwischen mindestens 1.000 Euro und knapp 27.000 Euro (Enterprise Edition).

Viele Startups machen es vor: Sie setzen oftmals auf Open Source Software - zum einen aus Kostengründen, zum anderen aus Überzeugung. Schließlich spart quelloffene Software nicht nur Geld, sie bringt auch ein Stück Zukunftssicherheit: Die eigenen Daten sind nicht in Dateiformaten gefangen, deren Aufbau nur eine Firma auf der Welt kennt.

Und: Weite Teile des Web 2.0 sind ohne freie Software wie den Apache-Webserver, wie die Kombination PHP und MySQL oder wie Content Management Systeme vom Schlage eines TYPO3, Drupal oder WordPress gar nicht denkbar.

Aus all dem ergibt sich ein Trend, der beispielsweise auch bei der CeBIT ankommt, die Open Source 2009 deutlich mehr Platz als je zuvor einräumt.

So rettet Open Source Software vielleicht nicht gleich die ganze Welt. Aber sie hilft, Ideen umzusetzen und Projekte auf die Straße zu bringen. Die Krise wird (wie so oft) zur Chance: Zur Chance, dass sich freie Software und freie Standards in Bereichen durchsetzen, die heute noch gar nicht daran denken.

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6 Answers

  1. von Kian 08.12.2008 (17:06Uhr) 1.

    Sehr schön zusammengefasst, genau diesen Trend verzeichnen auch wir derzeit, auch wenn es noch nicht all zu viele Geschäftsführungen erreicht hat, das hier konkret sehr viel Einsparungspotenzial liegt. Trotzdem bin ich der Meinung, dass der richtige Aufschwung für Open Source erst kurz nach der Krise passieren kann, denn eines darf man nicht vergessen. Der Umstieg auf Open Source ist zunächst mal ein großer Einmalkostenfaktor, den man bei Lizenzsoftware steuerlich, wie buchhalterisch über mehrere Jahre abschreibt. Aber ich bin fest davon überzeugt, das jedes Unternehmen, was in den nächsten 5 Jahren neue Software anschaffen wird, Open Source genau unter die Lupe nehmen wird und das tut uns allen gut.

  2. von Hans 08.12.2008 (17:34Uhr) 2.

    Man sollte nicht immer so stark den Faktor Kosten mit OpenSource in Verbindung setzten. Sicherlich ist es von Vorteil, wenn keine Lizenzkosten anfallen. Aber es sollte nie der Eindruck vermittelt werden bei OpenSouce Software handelt es sich im billige Kopien von Bezahlsoftware.

    Im Vordergrund sollte immer die Freiheit stehen, dass ich mir die Kontrolle über meine eigenen Daten wieder ins Unternehmen holen kann. Das ich mich nicht von einem einzelnen Softwarekonzern als Lieferanten abhängig mache.

  3. von Lena Roggenbach 08.12.2008 (17:38Uhr) 3.

    Sehr schön geschriebener und pragmatischer Artikel. Schade das es keine hübsche pdf-Ansicht gibt. Ich werde Ihn dennoch ausdrucken und in der Abteilung in Umlauf bringen.

  4. von ross.digital-worx.de 09.12.2008 (11:51Uhr) 4.

    Ich würde nicht so weit gehen, zu behaupten dass Open Source der Schlüssel zur Rettung der KMUs wäre ;)

    Allerdings, wenn IT-Invests knapper budgetiert sind, dann werden auch OS Alternativen evaluiert.

    Aus der Zugriffsanlalyse unserer Webseite können wird eindeutig seit Monaten einen positiven Trend bei der Nachfrage nach OS-Produkten ablesen. So suchen Kunden vermehrt sehr spezifisch nach OS Lösungen aus den Bereichen CRM und Office. Einen ähnlichen Trend hatten wir auch schon nach den Platzen der Internet-Blase in 2001.

    Die ganze Sache hat aber einen Haken: auch Open Source Lösungen verlangen nach einem Budget. Wenn bei geplanten Vorhaben allerdings die Notbremse gezogen wird, dann wirkt sich dieser Investitionsstau ebenso auf OS Lösungen wie auf proprietäre Lösungen aus.

    Ohne Kohle keine Lösung.

    Aus der Erfahrung der letzten Krise aus 2001 erwarte ich eher, dass Projekte zunächst komplett verschoben werden und erst nach einer Phase der "Besinnung" wieder angegangen werden. Erst dann haben OS Lösungen einen strategischen Vorteil, da die Budget dann gekürzt freigegeben werden.

    Eine anstrengende Durststrecke wird es aber zunächst für IT Projekte sowohl im OS wie proprietären Sektor geben.

  5. von TechDivision 10.12.2008 (07:22Uhr) 5.

    Schöner hätte man es fast nicht formulieren können. Dieser Artikel wird bei zukünftigen Kundengesprächen definitiv als "Überzeugungs-Notnagel" verwendet.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass der Open Source Ansatz in der heutigen Zeit der einzig vernünftige und richtige Weg ist um Software zu entwickeln. Inzwischen haben dies ja auch einige "klassische" Softwarehersteller bemerkt und steigen - zumindest zum Teil - auf Open Source Modelle um. Dieser Schritt - der ja auch einen Paradigmenwechsel bedeutet - wird sicherlich nicht zum Spaß vollzogen...

    Ich kann mich Hans auch absolut anschließen, dass die Kostenseite zwar ein nicht unwesentlicher Vorteil von Open Source Produkten darstellt (gerade in wirschaftlichen angespannten Zeiten), dennoch sehe ich einen mindestens genauso großen Vorteil darin, dass ich als Softwareanwender einfach viel flexibler bin, weil ich nicht mehr auf einen Hersteller angewiesen bin.

    Zusätzlich sorgt in vielen Fällen eine riesige Entwicklergemeinde für laufenden Verbesserungen und Erweiterungen. Derartiges können Entwicklerteam in Softwareunternehmen alleine aufgrund der mangelnde Manpower in aller Regel nicht leisten.

  6. von Twitter Trackbacks for Open Source Softw… 31.08.2009 (01:07Uhr) 6.

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