von , 17.12.2008

Open Source Story (2/3): Eine Gegenwartsanalyse

Open-Source-Software hat in der Vergangenheit lange ein Nischendasein geführt, doch diese Zeiten sind längst vorbei. Waren es früher einige wenige Programmierer, so bauen heute ganze Unternehmen auf das Open-Source-Modell. Im zweiten Teil der dreiteiligen Serie zum Themenkomplex Open Source geht es um die Gegenwart: Wer entwickelt OSS, welche Bereiche deckt sie ab und wer nutzt sie?
Die Anfänge der Open-Source-Bewegung mit ihren Wurzeln in den amerikanischen Universitäten und den dort tätigen freiheitsliebenden Programmierern liegen lange hinter uns. Heute ist salonfähig geworden und hat nicht mehr den revolutionären Charakter von damals. Deutlich wird diese Entwicklung, wenn man sich ansieht, wer heute OSS entwickelt und wer sie nutzt.

Open Source als Geschäftsmodell - geht das?

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Zunächst klingt es wie ein Widerspruch: Open Source als Geschäftsmodell. Schaut man sich die Historie von Open Source an, so steht dem Geschäftsmodell Open Source doch ein wesentliches Merkmal der ursprünglichen Bewegung entgegen: die kostenlose Verfügbarkeit des Quellcodes.

Um zu verstehen, wie man trotzdem mit OSS Geld verdienen kann, muss man die Entwicklung der Software strikt von allen anderen Leistungen trennen. Also: Während die Support- und Garantieleistungen von speziellen Unternehmen kostenpflichtig angeboten werden, bleibt die Entwicklung und die Bereitstellung der OSS selbst lizenzkostenfrei.

Diese Unterscheidung zwischen der Entwicklung auf der einen Seite und den kostenpflichtigen Zusatzleistungen auf der anderen Seite ist grundlegend für den gegenwärtigen Stand von Open Source. Gäbe es kein solches Geschäftsmodell, wären viele Open-Source-Projekte gar nicht erst entstanden. Diese könnte man konsequenterweise als kommerzielle Projekte bezeichnen, da sie mit der Absicht entstanden sind, Geld zu verdienen. Martin Aschoff beleuchtet dieses Thema übrigens in T3N Magazin Nr. 14 in seinem Artikel "Geschäftsmodelle für Open-Source-Unternehmer".

Immer häufiger werden auch ursprüngliche Bezahlprogramme zu OSS gemacht - beispielsweise, weil die Hersteller mit den Lizenzgebühren die Entwicklungskosten nicht mehr decken können. Solche Schritte gab es in der jüngsten Vergangenheit bei der E-Commerce-Lösung Oxid eShop und beim Content Management System webEdition - ebenfalls im T3N Magazin Nr. 14 sind zwei Testberichte dazu zu finden.

Kommerzielle OSS findet häufig in unternehmensnahen Anwendungsbereichen wie beispielsweise dem Customer Relationship Management (CRM) Verwendung. Hier machen Projekte wie SugarCRM, vtiger oder Compiere den etablierten Closed-Source-Programmen von Oracle oder SAP Konkurrenz.

Doch diese Entwicklung ist nicht immer nur einseitig positiv zu sehen. Die Beweggründe aus einer Closed-Source-Software eine Open-Source-Software zu machen sind vielfältig und eben leider auch gelegentlich sehr berechnend. Es geht vielen Herstellern nicht darum, sich der Open-Source-Bewegung anzuschließen und sich nach deren Grundsätzen zu verhalten. Vielmehr geht es immer häufiger auch um Mitnahme-Effekte durch die mittlerweile positive Reputation von Open Source.

Lässt sich eine Software am Markt schlecht verkaufen, wird daraus heute viel häufiger eine OSS, als noch vor wenigen Jahren. OSS ist mittlerweile aus der Nische der Freaks herausgekommen und hat einen positiven Imagewandel hingelegt. Die Verbreitung nimmt kontinuierlich zu und ist auch nicht mehr auf das eigene Lager beschränkt. Viele Unternehmen setzen schon heute OSS ein oder planen dies für die nächsten Jahre. Da ist es auch kein Wunder, dass Hersteller Open Source auch als Vermarktungsmittel entdecken und ihre unrentabelen Anwendungen von proprietär in OSS umwandeln. Statt über Lizenzgebühren Geld zu verdienen, wollen sie dann durch Support- und Garantieleistungen ihre Software wieder rentabel machen.

Wo sind die Idealisten von früher?

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Neben den kommerziellen Projekten gibt es aber auch noch zahlreiche nichtkommerzielle Open-Source-Projekte. Sie sind in aller Regel nicht von einem Unternehmen initiiert, sondern werden von einer selbstständigen Community entwickelt. In diesen Entwickler-Gemeinschaften ist vielfach auch noch der einst von Richard Stallman entfachte Geist spürbar. Es geht darum, die beste Anwendung zu programmieren, sie lizenzkostenfrei zu verbreiten und damit eine Alternative zu proprietärer Software anzubieten.

Einen besonderen Stellenwert haben bei den communitybasierten Open-Source-Projekten die Content Management Systeme (CMS). Bekannte CMS wie Joomla, Drupal oder TYPO3 werden von einer starken Community weiterentwickelt und mit neuen Funktionen ausgestattet. Viele Entwickler setzen "ihre" Software auch selbst für ihre Arbeit ein und haben so einen sehr engen Bezug zu beiden Seiten: der Entwicklung und der Anwendung. Sie wissen genau, welche Probleme bestehen und welche Funktionen vielleicht die Software noch voranbringen könnten.

Und genau darin besteht die Stärke von communitybasierten Open-Source-Projekten: Während proprietäre Software auf die Entwicklung "im Geheimen" setzt, werden bei Open-Source-Projekten neue Ideen aus der Community direkt in der Community umgesetzt und implementiert. Je größer und engagierter die Community eines Projektes ist, desto schneller wird es weiterentwickelt.

Wer sind die typischen Open-Source-Anwender?

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OSS findet immer mehr Anhänger auch außerhalb ihrer angestammten Fangemeinde. Verschiedene Studien wie diese von Gartner sehen eine steigende Tendenz im Bereich der Unternehmen. Bereits 85 Prozent haben OSS im Einsatz und die restlichen 15 Prozent erwägen innerhalb der nächsten zwölf Monate Open Source einzusetzen. Trotz dieser positiven Zahlen werden immer wieder auch negative Schlagzeilen produziert. Beispielsweise hatten 69 Prozent der Unternehmen die OSS einsetzen keine entsprechend geschulten Experten angestellt. Diese Zahl kann man nun in verschiedene Richtungen deuten:

  • Die Unternehmen laufen Gefahr, mit ihrer OSS bei Problemen ohne Unterstützung dazustehen.
  • OSS ist einfacher und sicherer in der Benutzung, als häufig berichtet wird. Man braucht keine Fachleute.
  • Das Geschäftsmodell der kommerziellen OSS ist gestorben. Kaum jemand bezahlt für Supportleistungen.
  • Das Gegenteil ist der Fall: Das Geschäftsmodell hat noch viel Potential. Experten sind erst künftig so richtig gefragt.

Open Source war schon immer auch eine Glaubenssache und wird es wohl noch lange bleiben. Natürlich berichten viele Open-Source-Anhänger in einem positiven Licht über solche Studien. Und wer nicht an die Open-Source-Bewegung glaubt, ist gerne bereit, auch in positiven Zahlen Gefahren zu entdecken. Aber auch die größten Pessimisten werden sich den ansteigenden Verbreitungszahlen von OSS letztlich nicht verschließen können. Sogar der größte Gegenspieler Microsoft hat kürzlich seine strikte Abwehrhaltung gegenüber Open Source aufgegeben und verteilt nun sogar selbst OSS.

Wie geht es mit dem Geschäftsmodell Open Source weiter und welche Trends könnte es zukünftig geben? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der dritte und abschließende Teil der Open Source Story.

Fotonachweise:
Open Source means Money: veröffentlicht unter Creative Commons von magerleagues
Open Source - freie Werke: veröffentlicht unter Creative Commons von Matthias Mehldau
Open Source - du entscheidest: veröffentlicht unter Creative Commons von Matthias Mehldau

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2 Antworten

  1. von Hans Fuchs 17.12.2008 (15:27Uhr) 1.

    Diesen Unkenrufen, das Open-Source-Geschäftsmodell sei gestorben, kann ich mich nicht anschließen. Ich gehe davon aus, dass der Zenit noch lange nicht erreicht ist.

  2. von M. Westermann 17.12.2008 (23:18Uhr) 2.

    Klasse Artikel, ich überlege ernsthaft meinen Klassen im Informatikunterricht Open Source mit Ihrem Beitrag näher zu bringen. Weiter so!

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