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OpenLeaks: WikiLeaks-Aussteiger starten eigene Plattform

Mit OpenLeaks soll am Montag eine neue Enthüllungsplattform gestartet werden, die von einigen WikiLeaks-Aussteigern entwickelt wurde. Zu den Gründern von OpenLeaks wird auch der ehemalige WikiLeaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg gehören. Lange bevor WikiLeaks durch die jüngsten Enthüllungen aus den Kreisen der US-Diplomatie für Aufregung sorgte, gab es bei WikiLeaks Krach hinter den Kulissen um die Person Julian Assange. Bei OpenLeaks soll es jetzt wieder um Informationen gehen.

OpenLeaks: WikiLeaks-Aussteiger starten eigene Plattform

OpenLeaks: Weniger Personenkult - mehr Informationen

Bereits Ende September, rund zwei Monate nach den Enthüllungen der Afghanistan War Logs, verließ der damals unter dem Pseudonym „Daniel Schmitt“ als Sprecher arbeitende Daniel Domscheit-Berg die Enthüllungsplattform WikiLeaks. Am Montag, rund 12 Wochen später macht er genau da weiter wo er im September aufhörte - er will Informieren, enthüllen, Transparenz schaffen. Bei WikiLeaks ging das seiner Meinung nach nicht mehr, weil der Personenkult um den Gründer Julian Assange zu groß geworden ist und sich alles nur noch um ihn drehe. OpenLeaks solle sich dagegen wieder auf die Inhalte konzentrieren, Personen spielen da keine entscheidene Rolle.

OpenLeaks statt WikiLeaks: Der ehemalige WikiLeaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg, hier auf der re:publica in Berlin, gehört zu den Gründern der WikiLeaks-Alternative OpenLeaks.

OpenLeaks bietet sicheres Postkastensystem an

Um seinen Informanten eine größtmögliche Sicherheit für ihre Anonymität bieten zu können, hat OpenLeaks eine Art elektronisches Postkastensystem entwickelt, in das potentielle Leaker ihre Informationen „werfen“ können. Nur mit einem solch dezentralen System sei es möglich, das Vertrauen der Leaker zu erhalten und ihnen die Sicherheit vor der Aufdeckung ihrer Identität zu gewährleisten. Eine E-Mail biete diesen Schutz nicht, erklärt Domscheit-Berg in einem Interview mit Der Freitag:

E-Mails sind alles andere als anonym, sie lassen sich einfach zurückverfolgen. Wenn Sie das nicht wollen, müssen Sie einen immensen Aufwand treiben: Sie müssen in ein Internet-Café gehen, sich bei einem freien E-Mail-Provider anonym anmelden und dürfen dann nicht vergessen, im Internet-Café bar zu bezahlen.

Bei OpenLeaks entscheidet der Informant über die Medienpartner

Im Unterschied zu WikiLeaks soll es bei OpenLeaks keine Personen geben, die im Vordergrund stehen. Es gehe um die Inhalte und Informationen, betont Domscheit-Berg. Die Plattform sei nur für die Anonymisierung der Quellen gedacht. Und diese könnten auch, anders als bei WikiLeaks, selbst entscheiden, wer die geleakten Dokumente vorab erhalten soll. WikiLeaks beliefert dagegen feste Medienpartner, wie den Spiegel in Deutschland. Mit der ersten Veröffentlichung in den Medien solle dann der gesamte Datensatz für alle online gehen.

Weiterführende Links zu WikiLeaks und OpenLeaks:

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6 Antworten
  1. von Sebastian Michaelsen am 10.12.2010 (15:40Uhr)

    Die Frage ist doch: Wie wird OpenLeaks die Echtheit der Dokumente verifizieren? WikiLeaks hat dafür laut eigenen Aussagen mehrere Mechanismen, die ja gut zu funktionieren scheinen. Zumindest hat bisher niemand glaubhaft die Echtheit eines veröffentlichten Dokuments bezweifelt.
    In einen anonymen Postkasten könnte prinzipiell jeder jede Information stecken.

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  2. von Falk Hedemann am 10.12.2010 (21:58Uhr)

    @Sebastian: Das ist natürlich eine berechtigte Frage und sicher nach der Wahrung der Anonymität mit einer wichtigsten Aufgaben von OpenLeaks. Von Vorteil dürfte es da sein, dass die Gründer hier einiges an Erfahrung von der Arbeit bei WikiLeaks gesammelt haben sollten.

    Eine weitere Frage die sich mir noch stellt: Nach welchen Kriterien wählt ein Informant in Zukunft die Enthüllungsplattform aus? Größtmögliche Publicity oder eigene Auswahl der Medienpartner? Ich denke die Antwort ist recht eindeutig. OpenLeaks dürfte es bis zur ersten großen Enthüllung schwer haben aus dem Schatten von WikiLeaks zu treten.

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  3. von llothar am 11.12.2010 (01:00Uhr)

    Das ist Microsoft-Leaks.
    Sorry irgendwie sehe ich da kommerzielle Hintergedanken von Herren Domscheid-Berg.

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  4. von Julian G. Assange am 11.12.2010 (15:12Uhr)

    @Falk Gerade bei der ersten Enthüllung wird man sehr genau nach dem "Cui Bono" und der Quelle schauen müssen, da es doch offensichtlich im Interesse vieler Seiten wäre, Hauptlieferant einer solchen Plattform zu sein und zugleich mit steuern zu können, was nach aussen geht und was im negativen Sinne aus der Pipeline leakt, nämlich versickert.

    Im Rahmen der Delegitimationsstrategie gegen Wikileaks, die derzeit vor allem über die Delegitimation des Gründers läuft (wozu Daniel Domscheit-Berg mit dem "Ideale verraten" und der OpenLeaks Vaporware beiträgt), wäre es ja wünschenswert, eine besser steuerbare Plattform zu haben. die sich auch besser überwachen lässt.

    Dafür würde jeder Dienst gerne ein paar mehr oder minder harmlose Dokumente als grossen Scoop springen lassen.

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  5. von Lukewarm am 12.12.2010 (16:45Uhr)

    @Falk
    Früher oder später wird ein Konkurrenznetzwerk wie OpenLeaks Wikileaks den Rang ablaufen, allein schon weil Wikileaks gar nicht in der Lage ist, die eigenen Ansprüche und die Ansprüche der Öffentlichkeit an eine "transparentere Welt" zu befriedigen. Wikileaks ist ja jetzt schon nicht in der Lage, mit der Masse an Dokumenten Schritt zu halten (was zu Vorgehensweisen führt, die die Neutralität von Wikileaks in Frage stellen). Ein Netzwerk, dass die Informanten unmittelbar mit einschlägigen Organisationen und ausgewählten, qualifizierten Journalisten verbindet, kann sehr schneller und effektiver zu Enthüllungen führen. Was ein Informant heute heraus findet, kann schon morgen in den Händen eines Journalisten sein und in wenigen Tagen veröffentlicht werden, während die Dokumente monatelang auf ihre rudimentäre Aufbereitung und Veröffentlichung warten. Quellen und Verwerter, die ein Interesse an einer schnellen und effektiven Veröffentlichung haben, werden in Zukunft einen Bogen um Wikileaks machen, wenn Netzwerke wie OpenLeaks zur Verfügung stehen.

    @llothar
    "Sorry irgendwie sehe ich da kommerzielle Hintergedanken von Herren Domscheid-Berg."

    Ach, und Assange und will sich nicht bereichern? Wo ist nur das Geld hin, dass für exklusive Informationen geflossen ist?

    @Julian G. Assange
    "Dafür würde jeder Dienst gerne ein paar mehr oder minder harmlose Dokumente als grossen Scoop springen lassen."

    So wie Wikileaks in den ersten Monaten/Jahren seiner Tätigkeit?

    P.S.: Auch hier kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es gar nicht darum geht, das Beste zu wollen, sondern einen lieb gewonnenen Kult und einen Pop-Star zu verteidigen. Wikileaks war ein guter Anfang, ist aber nicht für die Zukunft gerüstet und wird gegen effektivere Netzwerke das Feld räumen müssen. Man muss aber Wikileaks dankbar sein für den Stein, den es ins Rollen gebracht hat.

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  6. von Zheka am 12.12.2010 (20:51Uhr)

    Ich bin schon gespannt wann der erste OpenLeaks Mitglied gejagt wird...

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