Karten lassen sich heute dank des technischen Fortschritts für sehr viel mehr Menschen als früher mit hoher Genauigkeit erzeugen: Ihnen helfen GPS-Geräte, die auf wenige Meter den Standort einer Person feststellen können.
Ein solches Gerät hat beispielsweise Torsten Teubert aus Hannover. Er zeigt mir, wie jeder eine Karte erstellen kann. Wir stehen auf der Expo Plaza. Die Sonne blendet, ab und an schiebt sich eine kleine Wolke davor. Sein GPS-Gerät ist ein Garmin. Jede Sekunde wird unsere aktuelle Position auf einer Speicherkarte festgehalten. Teubert zeigt mir, wie OpenStreetMap funktioniert - ein Projekt, das sich dem Erstellen einer freien Karte der gesamten Welt verschrieben hat.
Wir wandern durch den Parc Agricole in Hannover, der anlässlich der Weltausstellung 2000 künstlich angepflanzt wurde. Im nahegelegenen Geschäftsviertel haben sich unter anderem BMW Niedersachsen, eine Berufsschule mit dem Schwerpunkt Multimedia und eine Fakultät der Fachhochschule angesiedelt. Teubert hat mit seinem Unternehmen „raumbezug“ bereits alle noch so schmalen Feldwege des Parks in OpenStreetMap eingespeist. Auch das angrenzende Büroviertel hat er ausführlich kartografiert und mit nützlichen Informationen wie den Standorten von Briefkästen und Telefonzellen bestückt.
Für ihn ist OpenStreetMap vor allem sein Hobby, kommerzielle Interessen sind nachrangig. Es geht darum, Kartenmaterial frei abrufbar zugänglich zu machen und jedermann das Recht auf Weiternutzung der Daten einzuräumen. Im Jahr 2004 hatte der englische Programmierer Steve Coast das Projekt gestartet. 2006, mit rund 2.500 registrierten Benutzern, wurde eine Stiftung gegründet. Man hatte Angst vor Kontrollverlust bei einer wachsenden Gemeinschaft und wollte die Entscheidungsgewalt einem Gremium zukommen zu lassen, das das Gesamtziel im Auge behält.
OpenStreetMap hebt sich von der Konkurrenz unter anderem dadurch ab, dass es einfacher möglich ist, Karten für Fußgänger oder Radfahrer zu erzeugen und eigene Karten („Mashups“) zu erstellen.
Teilweise ausführlicher als Google Maps
Die Karten von OpenStreetMap sind in einigen Regionen sogar ausführlicher als die bei Google Maps verwendeten: Fahrradwege sind erfasst, Briefkästen vermerkt und in einigen Skigebieten sind sogar Liftanlagen eingezeichnet wie hier bei OpenPisteMap.org.
Ein Beispiel: Frank Sautter vergleicht auf dieser Seite Google Maps und OpenStreetMap. Dabei kann man mit einem Schieberegler bestimmen, welche Karte gerade angezeigt wird und man kann auch beide Karten überlappend anschauen.
Natürlich kann man auf andere Karten auch kostenlos zugreifen sowie Ausdrucke für den Privatgebrauch anfertigen. Weitere Nutzungsrechte hat man jedoch nicht. Schon das Überspielen auf ein Navigationsgerät verstößt gegen die Rechte der Karten-Anbieter. Mit OpenStreetMap ist das hingegen möglich. Das eben ist der Unterschied zwischen „frei“ und „kostenlos“.
In Europa gibt es keine öffentlichen Geodaten
Jan-Oliver Wagner, Geschäftsführer eines Beratungsunternehmens für Open Source, erklärt in einem Interview das grundsätzliche Problem mit Geodaten: „In den USA gibt es Regeln, dass Daten, die mit Steuergeldern erhoben wurden, auch den Bürgern zur Verfügung stehen. Diese Regeln gibt es in Europa nicht.“ Aus diesem Grund gibt es hierzulande keine öffentlichen freien Geodaten. Will man Karten erstellen, muss man sich entweder an die beiden Großen der Branche, Teleatlas und Navteq, wenden und dort die teuren Lizenzen erwerben oder kann immer häufiger auf OpenStreetMap zurückgreifen.
Torsten Teubert und ich machen uns auf den Rückweg. Auf dem Display des GPS-Gerätes kann man aus den einzelnen Punkten, die jede Sekunde von neuem aufflackern (den so genannten Tracks), mittlerweile eine Route erkennen. Teubert erzählt mir, dass inzwischen auf der ganzen Welt 60.000 Freiwillige am Projekt mitarbeiten.
Alle Teile der Serie
- Eine freie Karte der Welt entsteht
- Technische Hintergründe der freien Weltkarte
- Rechtliche Probleme mit der OpenStreetMap


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8 Answers
von Gushiken 11.08.2009 (08:55Uhr) 1.
Nicht schlecht, hab ich vorher schonmal von gehört glaub ich... Benutzt AndNav2 für Android nicht auch OpenStreetMap weil es Probleme mit Google gab??
von pascal 11.08.2009 (11:01Uhr) 2.
jep, AndNav2 nutzt OpenStreetMap :)
von Timo Heuer 11.08.2009 (15:44Uhr) 3.
:)
von Paul 11.08.2009 (16:36Uhr) 4.
Sehr schönes Interview. Es wird aber schwer werden sich gegen Google Maps durchzusetzen. Möge der bessere gewinnen.
von mrmoree 11.08.2009 (21:03Uhr) 5.
Sehr interessantes Projekt und ich denke das das Internet gerade durch solche Projekte seinen wahren Vorteil gegenüber zentralisierten und kommerzialisierten Services ausspielen kann. Partizipation für eine gemeinsame gute Sache schafft mehr Zugehörigkeitsgefühl und beantwortet die Frage nach dem Sinn des Einsatzes eben besser als dies ein abstraktes Unternehmen mit kommerziellem Grundgedanken tun kann. Für Alle!
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