OpenStreetMap (2/3): Technische Hintergründe der freien Weltkarte

Gedruckter Stadtplan von Kopenhagen, basiert auf OpenStreetMap

Im ersten Teil unserer Artikelserie zu OpenStreetMap gab es einen ersten Einblick in dieses ambitionierte Projekt. In diesem Teil soll es darum gehen, wie die Idee einer frei verfügbaren Karte der Welt technisch umgesetzt wird.

Ich bin wieder unterwegs mit Torsten Teubert von „raumbezug“. Dieses Mal sind wir in seinem Büro: „Nun kommt die andere Hälfte der Arbeit“, sagt er und schließt das GPS-Gerät mit den gesammelten Daten an den Computer an. Das mitgelieferte Programm aus dem Hause Garmin holt sich die Daten und zeigt unsere ermittelten Daten („Tracks“) an. Um sie mit einem Editor öffnen zu können, muss er sie im GPS Exchange Format (GPX) speichern, einem gängigen Format für solche Daten.

Frei nach dem Wikiprinzip „Alles kann verändert werden“ ist das Editieren der Karten recht einfach: Es geht entweder online mit dem flashbasierten Editor Potlatch oder mit einem Desktop-Programm auf dem Computer. Teubert nutzt das Programm JOSM, das für alle gängigen Betriebssysteme vorliegt. Die zuvor gespeicherte GPX-Datei öffnet er und unsere Route taucht auf dem Bildschirm vor uns auf. Um zu schauen, ob das eben von uns erfasste Gebiet bereits auf OpenStreetMap verfügbar ist, holen wir uns die aktuellen Online-Karten per Knopfdruck aus der OpenStreetMap-Datenbank.

Aus mehreren Ebenen entsteht die fertige Karte

Wie bei Photoshop kann man hier mit Ebenen arbeiten: Die unterste Ebene sind unsere Trackpunkte, darüber zeichnet man die Karte. Das geschieht, indem man Linien über die Tracks zieht und ihnen dann Eigenschaften wie beispielsweise Fußweg, Autobahn oder Fluss zuordnet und ihnen Namen gibt. Dann geht's schnell: Abspeichern, hochladen, fertig. Die geänderten und hochgeladenen Daten sind zwar sofort in der Datenbank verfügbar, es dauert jedoch einige Zeit, bis sie auch als Karte dargestellt werden: Abhängig von der freien Rechenleistung bei OpenStreetMap zwischen einem Tag und einer Woche.

osm gpsgeraet
GPS-Gerät mit OpenStreetMap

Was an OpenStreetMap noch fehlt, frage ich Torsten Teubert. „Es gibt beispielsweise oft noch keine Hausnummern.“ Daran wird aber natürlich von den über 100.000 Freiwilligen gearbeitet.

Ob man sagen kann, wie viel Prozent Deutschlands abgedeckt sind, ist meine nächste Frage. Teubert erwidert, es sei nicht so einfach, Statistiken über OpenStreetMap anzufertigen. Und deshalb wollten sie sich eigentlich mit Zahlen zurückhalten. Teuberts Partner Klaus Kruse meint aber, in Deutschland seien „sicherlich gut 80 Prozent des Straßennetzes abgedeckt“. Vor allem die Großstädte seien schon gut erfasst.

Um weiße Stellen von den Karten zu tilgen, organisieren die Hobbykartografen „Mapping Partys“. Jochen Topf ist Organisator solcher Partys in Karlsruhe, außerdem Buchautor zum Thema OpenStreetMap und Geschäftsführer des Geo-Unternehmens Geofabrik. Er erklärt mir: Auf Mapping Partys trifft man sich, um gemeinsam das Kartenmaterial in einer bestimmten Region zu verbessern. Der Treffpunkt kann dabei ein Café mit Internetzugang sein - oder das Büro eines Unternehmens. Bereits im Voraus hatten die Organisatoren das Gebiet in Bereiche aufgeteilt, die in Kleingruppen gemappt werden. „Das ist natürlich vor allem für Neueinsteiger gut“, meint er. Diese können von den Erfahrenen lernen.

Interessant für das Projekt OpenStreetMap sind natürlich Leute, die viel rumkommen und oft draußen sind: Fahrrad- und Motorradfahrer, Wanderer oder Jogger, aber auch Geocacher (eine moderne Form der Schnitzeljagd), die ja schon wegen ihres Hobbys ein GPS-Gerät mit sich tragen.

Karlsruher kartografierte seine Stadt fast in Eigenregie

Jochen Topf erzählt von einem Karlsruher, der fast alleine die Stadt für OpenStreetMap kartografierte. „Wenn man den ganzen Tag vor dem Rechner gesessen hat, fährt man abends ein bisschen Fahrrad, nimmt das GPS-Gerät mit und wenn man wieder nach Hause kommt, lädt man diese GPS-Daten in ein Webinterface hoch und in den Editor rein.“ Damit gehörte die Stadt mit ihren knapp 300.000 Einwohnern schnell zu den am besten gemappten Gegenden der Bundesrepublik.

Manipulationen sind bei OpenStreetMap noch nicht so weit verbreitet wie bei anderen Wiki-Projekten. Neben kleineren Problemfällen weiß Jochen Topf auch von einem politischen Fall: Ein griechischer und ein türkischer Zypriot änderten die Straßennamen, die der jeweils andere in seiner Sprache eingestellt hatte, in die eigene um. Zwar ist es möglich, mehrere Namen anzugeben, doch nur einer wird angezeigt. Generell seien solche Dinge jedoch die Ausnahme.

Auch kommerzielle Nutzung ist erlaubt

Dank der großzügigen Lizenz der OpenStreetMap dürfen die Karten auch kommerziell genutzt werden - beispielsweise von Jochen Topf und seiner „Geofabrik“. „Wir tun das, was Open-Source-Unternehmen auch tun“, sagt Topf. Nämlich: kostenpflichtig beraten und anpassen. Geofabrik ist seit Dezember 2006 bei OpenStreetMap aktiv und wurde von Topf zusammen mit seinem Partner Frederik Ramm gegründet. Bereits vorher kannte er das Weltkarten-Projekt. Ein Vortrag des Gründers Steve Coast überzeugte ihn schließlich, selbst aktiv zu werden.

Jochen Topf konnte auch Schüler eines Kölner Gymnasiums für die Arbeit an OpenStreetMap gewinnen. Durch einen Bekannten hatte er Kontakt zu einem Lehrer hergestellt, der von der Idee einer freien Weltkarte begeistert war. Zusammen mit Jochen Topf organisierte der Lehrer ein zwei Tage langes Projekt, das ähnlich einer Mapping Party ablief: Die Schüler mappten den Süden Kölns und stellten anschließend der Öffentlichkeit ihre Arbeit vor. Wie war die freie Weltkarte ein gutes Stück gewachsen und alle konnten davon profitieren.

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5 Answers

  1. von Gushiken 12.08.2009 (09:03Uhr) 1.

    Hmm.. gar nicht mal so schlecht, hört sich echt gut an :) Ich muss mal schaun ob ich auch mit meinem HTC Magic mappen kann. Einen Track aufzeichnen kann ich auf jeden Fall.
    Dann kann ich ein bisschen dazu beitragen unser schönes Münsterland zu mappen, auch wenn ich gerade nicht weiß ob es hier nicht vllt schon gut aussieht^^

  2. von Gushiken 12.08.2009 (09:06Uhr) 2.

    EDIT: Hab grad gesehn das sogar mein ganzes Wohngebiet bzw. die Siedlung fehlt! Die werd ich dann heute Abend erstmal eintragen denk ich :)

  3. von Klaus Kruse 12.08.2009 (13:06Uhr) 4.

    Ein weiteres Beispiel für einen gedrucken Stadtplan mit OSM-Daten:

    Die "ExpoMap" für den Expo Park Hannover

    "Mobile" Navigation für den Expo Park Hannover - eine Scheckkarten große Klappkarte (Auflage 10.000 Stück).
    Zusammen mit dem Text-Büro hat die raumbezug GbR aus den Rohdaten des OpenStreetMap-Projekts dieses Printprodukt erstellt.
    siehe auch:
    http://www.raumbezug.eu/produkte/expomap.htm
    (auf dieser Seite gibt es auch die Verkaufsstellen der ExpoMap in mehreren OSM-Karten visualisiert...)
    http://expo-park-hannover.eu/2009/01/druckfrisch-die-expo-map/
    (die Standortkarte auf dieser Seite nutzt auch OSM - als dynamische Karte, integriert in die Google Maps API)

    Und weitere Printprodukt:
    Seit Mitte diesen Jahres setzt auch die Sparkasse Hannover für Ihre Immobilien-Exposés auf Lagepläne, die mit OpenStreetMap-Daten mit dem Kartenrenderer Mapnik in einem individuellem Stil erzeugt werden.

    ...übrigens gibt es auch noch weitere dynamische und interaktive Kartenanwendungen aus Hannover, die OpenStreetMap in den Karteninformationsdienst integriert haben:

    http://www.roterfaden-hannover.de
    http://www.marathon-hannover.de/index2.html
    (unter /Strecke/Erkundungstour starten - und dann auf "Zeichenerklärung & Einstellungen" klicken ...)


    Besten Gruß
    Klaus Kruse

  4. von #33 – 2009 16.08.2009 (18:12Uhr) 5.

    [...] Gedanken eines Fliegenden: Die grossen Mythen der Fliegerei • OpenStreetMap (2/3): Technische Hintergründe der freien Weltkarte » t3n Magazin • 5 wichtige Erkenntnisse auf meinem Weg zu 100.000 PageViews pro Monat • [...]

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