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Internet of Things: Wie Oracle eine Schlüsselrolle bei der Vernetzung der Welt spielen will

Noch immer wird das Internet of Things meist mit vernetzten Haushaltsgeräten und gleichgesetzt. Doch hinter dem Buzzword verbirgt sich ein Wachstumsmarkt mit Milliarden-Potenzial – und in dem will auch der Softwarekonzern ein Wörtchen mitreden.

Internet of Things: Wie Oracle eine Schlüsselrolle bei der Vernetzung der Welt spielen will

Auch der Verkehr ist ein vernetztes System. (Foto: Michael Theis / Flickr / CC BY-ND 2.0)

Internet of Things: Kleine Startups gegen Milliardenkonzerne

Der "Nest"-Thermostat stellt sich auf die Gewohnheiten seines Nutzers ein – und erfährt damit eine Menge über ihn. Foto: Nest Labs Inc.
Das „Nest“-Thermostat – ein Teil des Internets of Things. (Foto: Nest)

Vernetzte Kühlschränke? Peanuts. Google Glass? Eine Randnotiz. Die intelligente Heizung? Sicher, so etwas hat Andrew Sutherland gerade in seinem eigenen Haus installieren lassen. Doch wenn der gebürtige Schotte über das Internet of Things spricht, wirken all diese Consumer-Produkte wie Spielzeug. Und mit Spielzeug hält sich Sutherlands Arbeitgeber nicht auf.

Sutherland ist seit 1995 Mitarbeiter von Oracle, und er hat eine Mission: Der „Senior Vice President Systems & Technology“ für Europa, den Mittleren Osten und Afrika will dem Konzern eine Schlüsselrolle sichern – in einem der spannendsten Bereiche der Tech-Branche überhaupt. Wo es meist um kleine Startups geht, sieht Sutherland auch für ein Milliardenunternehmen wie Oracle einen Markt. Und wo meist Hardwarehersteller wie WunderBar, Neurio oder Nest die Schlagzeilen beherrschen, will auch der Softwarekonzern Oracle ein Wörtchen mitreden.

Die moderne Version der Kristallkugel

„Wir laufen Gefahr, Technologie um der Technologie Willen zu entwickeln.“

Wie wichtig diese Mission für Sutherland und Oracle ist, sieht man an einem Freitag im Januar. Ein knappes Dutzend Journalisten aus ganz Europa hat Oracle zu einem Hintergrundgespräch nach Kitzbühel eingeladen. Morgens Meeting, nachmittags der Weltcup-Slalom auf der Streif. Wo andere Urlaub machen, erzählt Sutherland, wie er sich das vorstellt mit dem Internet of Things und Oracle. Und warum ausgerechnet der Konzern aus Redwood Shores eine Schlüsselrolle in dieser Branche einnehmen soll.

„Wir laufen Gefahr, Technologie um der Technologie Willen zu entwickeln“, sagt Sutherland. Bei dem, was er unter dem Internet of Things versteht, gehe es allerdings um Problemlösungen im großen Maßstab. Es geht um ein ganz anderes Level als nur um vernetzte Haushaltsgeräte. Wenn Gasunternehmen beispielsweise erfolgreich arbeiten wollen, müssen sie analysieren, welches Gasfeld als nächstes angezapft werden soll – und wann. Es gehe um Portfolio-Management, um Vorhersagen, „die moderne Version der Kristallkugel“. Und diese moderne Glaskugel folgt mathematischen Gesetzmäßigkeiten der Stochastik – der Erfolg hängt von der Genauigkeit der Vorhersage ab.

9 Milliarden vernetzte Geräte und Systeme bis 2018

Schon heute fallen bei der Verkehrs-Analyse und Steuerung Unmengen an Daten an.
Schon heute fallen bei der Verkehrsanalyse und -steuerung Unmengen an Daten an. Auch das ist das Internet of Things. (Foto: Michael Theis / Flickr / CC BY-ND 2.0)

„Big Data ist wie Goldschürfen.“

Auch der Verkehr ist so ein Bereich, der in den kommenden Jahren immer wichtiger wird. Die Analyse und intelligente Steuerung von Verkehrsströmen, ob auf der Straße oder beim Güterverkehr, stellt die beteiligten Unternehmen jedoch vor immense Herausforderungen – allein die Menge an Daten, die bei kleineren Projekten anfällt, ist immens. Dazu kommen vernetzte Industrieanlagen, der Agrar-Sektor, in dem Sensoren eine immer wichtigere Rolle einnehmen, Abwasser- und Abfallsysteme, der Energiesektor oder der Versandhandel. Bis zum Jahr 2015, so schätzen Analysten bei Bosch, werden mehr als sechs Milliarden Geräte und Systeme über das Internet miteinander verbunden sein und Daten austauschen, Business Insider geht von neun Milliarden Geräten bis 2018 aus. Und: All die Daten müssen irgendwo zusammenfließen, um ausgewertet werden zu können. Das Buzzword der Stunde: Big Data.

„Big Data ist wie Goldschürfen“, sagt Andrew Sutherland. Also müsse man Unternehmen helfen, ihre Daten in das Sieb und am Ende das Gold zu bekommen. Und: Mehr und mehr käme es auf diejenigen an, die das Gold finden – die Data Scientists. Datenbanken, Data-Mining, Datensicherheit – all das sind Bereiche, in denen Oracle Expertise hat. Eines der Probleme: Die immensen Datenmengen, die in den kommenden Jahren durch die zunehmende Vernetzung anfallen, können mit klassischen Datenbanken kaum mehr verarbeitet werden. Ein Grund, warum Oracle unter anderem auf das „Complex Event Processing“ setzt, mit dem das Unternehmen dem Problem Herr werden will.

Wird Java die Standard-Sprache für das Internet of Things?

Doch seit 2010 hat Oracle noch ein andere Ass im Ärmel, und das will Sutherland gerade beim Internet of Things ausspielen: Java. „Java wird die Standard-Sprache für das Internet of Things sein“, sagt Sutherland, und schaut man sich die Fakten an, könnte er Recht behalten. Mehr als neun Millionen Entwickler weltweit beherrschen Java, die Sprache läuft auf drei Milliarden Mobiltelefonen, 97 Prozent aller Enterprise-Desktops und – basierend auf Zahlen aus den USA – rund 90 Prozent aller Home-Computer weltweit. Und: Java ist eine der beliebtesten Programmiersprachen der Welt, wohl auch deshalb, weil sich die Entwickler um Details wie beispielsweise das Speichermanagement nicht mehr kümmern müssen. Auch Ovum-Analyst Michael Azoff sieht Java im Bereich der Embedded Systems vorne.

Noch allerdings hat Oracle in diesem Bereich einiges aufzuholen, noch haben Konzerne wie IBM oder SAS hier die Nase vorn. Und noch muss sich Oracle eher mit dem vierten Player im Markt auseinandersetzen: SAP. Die Ansätze der beiden Unternehmen allerdings könnten unterschiedlicher kaum sein, wie Analysten von Experton und Gartner kürzlich für die Computerwoche analysiert haben: Zwar sei das Big-Data-Portfolio von Oracle „organisch gewachsen“ und „relativ stringent“, der Konzern betrachte das Thema jedoch zu stark aus der Datenbankperspektive. „Die Datenbank wird damit aber zum Flaschenhals, da alle für Big-Data-Analysen notwendigen Daten in sie übertragen und gespeichert werden müssen“, so Gartner-Analyst Alexander Linden. SAP hingegen sei zwar erst spät in den Markt eingestiegen und hinke der Entwicklung etwas hinterher, betrachte Big Data jedoch von der Applikationsebene – ein Vorteil für das Walldorfer Unternehmen, so der Analyst.

APEX oder: Der Datenbank ein Gesicht geben

Foto: iStockphoto
Die Datenmengen, die in den kommenden Jahren anfallen, werden riesig sein. (Foto: iStockphoto)

Oracle aber könnte diesen Problemen mit einem weiteren „Produkt“ im Portfolio begegnen, das die hauseigene Big-Data-Appliance aus Softwarekomponenten und vorkonfigurierter Hardware erweitert und in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle beim Internet of Things spielen könnte: APEX oder „Oracle Application Express“, eine Entwicklungsumgebung für Software, die es ermöglicht, schnell und kostengünstig komplexe und datenbankbezogene Web-Applikationen zu entwickeln – nur mit einem Browser. Es gehe darum, so Andrew Sutherland, Prozesse zu vereinheitlichen und zu vereinfachen. „Diese Vereinfachung ist zwar leider wahnsinnig kompliziert, aber im Endeffekt wollen wir alles in eine Box packen und einen Stecker dran bauen.“ Gerade für Startups und mittlere Unternehmen eine verlockende Vorstellung.

Dazu kommt, dass gerade die von Alexander Linden kritisierte Datenbank-Perspektive von Oracle auf Dauer auch ein Vorteil gegenüber SAP sein könnte. In der Entwicklung neuer Methoden und Logarithmen etwa dürfte Oracle in der Lage sein, nicht nur flexibler, sondern auch effizienter zu agieren. Und: Durch den Kauf von Sun sind derart viele hochrangige Entwickler bei Oracle gelandet, dass es sich das Unternehmen gar nicht leisten kann, in diesen Sektor nicht zu investieren, auch weil die Konkurrenz in anderen Bereichen – etwa durch Open-Source-Projekte oder kleinere Unternehmen wie Kenandy – nicht kleiner wird.

Kein Internet of Things ohne Big Data

Das Internet of Things, so wie es sich die großen Konzerne vorstellen, wird ohne Big Data jedenfalls nicht möglich sein. Dass Oracle versucht, sich für diesen Trend gut zu positionieren und dafür Java ins Spiel zu bringen, ist ein logischer Schritt, nachdem der Konzern im Bereich der In-Memory-Datenbanken ebenfalls Konkurrenz von SAP bekommen und SAP durch den Ankauf von Sybase in China auf einen Schlag knapp 20 Prozent Marktanteil im Datenbank-Sektor hinzugewonnen hat.

Geht die Rechnung auf, könnte Oracle eine gewichtige Rolle im Rennen und die großen Datenmengen spielen – und im Rennen um die großen Budgets. Bis 2016 soll der Umsatz mit Big-Data-Lösungen jährlich um 48 Prozent wachsen,  McKinsey schätzt, dass das Geschäft mit den Daten alleine in den USA schon in sechs Jahren ein Volumen von 325 Milliarden US-Dollar erreicht. Vernetzte Kühlschränke? Google Glass? Die intelligente Heizung? Alles Peanuts.

Die Reise erfolgte auf Einladung von Oracle.

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