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Ortsbasierte Chatdienste: Das harte Los von F1eld, Highlight & Co.

People-Discovery-Apps sollten bereits zum diesjährigen SXSW-Festival der große Renner werden: Die im März dieses Jahres stattgefundene Veranstatung hat bereits Webdienste wie und Foursqaure groß gemacht. Dieses Jahr sollte die Zeit reif sein für Pepole-Discovery-Apps wie Highlight oder Sonar. Doch warum ist der große Durchbruch solcher bisher ausgeblieben? Eine Bestandsaufnahme.

Ortsbasierte Chatdienste: Das harte Los von F1eld, Highlight & Co.

Eine tolle Vorstellung: Der Nutzer schaltet sein Smartphone ein und kann anhand einer App Leute lokalisieren, die in seiner Nähe sind – und womöglich die gleichen Interessen haben: Manga-liebende Skateboarder mit Vorliebe für Briefmarken unter sich, Autoverweigerer mit einer Leidenschaft für Death Metal oder einfach nur Leute, die kürzlich in eine Großstadt gezogen sind und neue Kontakte schließen wollen. Geobasierte Kommunikation ist von der Idee her eine großartige Sache und die Tech-Branche hat bereits seit einigen Jahren den Blick auf dieses Ideenfeld geworfen – mit der großen Hoffnung, dass diese Form der Kommunikation der nächste große Wurf nach dem Aufstieg der Social Networks ist. Doch die Bilanz bisher ist mehr als ernüchternd. Der Markt ist schwierig, eine richtige Killerappliaktion hat sich bisher nicht herausbilden können.

People Discovery und das aka-aki-Trauma

Das beste Beispiel dürfte wohl das Berliner Startup aka-aki sein, das seinen Dienst bereits im Jahr 2008 startete und im Mai dieses Jahres seine Pforten endgültig schloss. Der mobile Dienst erlaubte es ganz klassisch, mit anderen aka-aki-Nutzern aus der nahen Umgebung in Kontakt zu treten. Es war sogar möglich, später auf einer gesonderten Website nachzuschauen, wen man alles im Rahmen seiner „aka-aki-Tour“ getroffen hat. Doch so genial die Idee damals auch war, trotz der rund 700.000 Nutzer hat es der Dienst nicht geschafft, eine kritische Masse zu erreichen. Nach vier Jahren zog man schließlich den Stecker. Ob aka-aki seiner Zeit in Sachen People Discovery voraus war, lässt sich wohl erst in ein paar Jahren wirklich beurteilen.

People Discovery: Die App Highlight wird von Risikokapitalgebern hoch gehandelt
People Discovery: Die App Highlight wird von Risikokapitalgebern hoch gehandelt

In den USA haben zahlreiche Startups das Konzept aufgegriffen und präsentieren ganz eigene Lösungen. Highlight ist der bisher aussichtsreichste Kandidat – zumindest wenn man den Risikokapitalgebern Glauben schenken mag. Das Startup konnte unter anderem Geldgeber wie Benchmark Capital und Mike Arrington’s CrunchFund überzeugen und selbst Robert Scoble nannte die Applikation „die coolste App“, die er bisher in diesem Jahr gesehen hatte – allerdings war das Ende Januar dieses Jahres.

Wie dem auch sei: Neben Highlight haben zahlreiche andere US-amerikanische Startups das Prinzip aufgegriffen und leichte Abwandlungen realisiert. Sonar beispielsweise schaut in den gängigen Social Networks wie Facebook, Twitter oder LinkedIn, ob Freunde oder Kontakte aus den entsprechenden Netzwerken gerade in der Nähe sind. Hier geht es gar nicht so sehr um People Discovery, sondern viel mehr um das Auffinden bereits bekannter Personen. Ein weiterer Kandidat ist Banjo – diese App ortet Posts mit Geolokalisierung unter anderem aus Facebook, Twitter, Instagram und zielt ebenso weniger auf People Discovery denn auf sozial gestreute Zusatzinformationen zu Locations oder Events ab.

Ein neuer Verteter kommt aus Deutschland: F1eld ist kürzlich gestartet und lässt sich am einfachsten als locationbased Messenger beschreiben. Nutzer können auf Basis von Geolokalisierungen – unabhängig von der Telefonnummer beispielsweise, wie bei Whatsapp – Einzelchats, Gruppenchats und öffentliche Chats starten. Und so ist es möglich, einen Chat auf einem Event oder von einer bestimmten Location loszutreten. Singles auf einer Ü30-Party, Bahnfahrer, die Mitfahrer für ein Wochenendticket suchen, Briefmarkensammler aus Sachsen-Anhalt, die sich auf einer Messe in Stuttgart vernetzen wollen – die Anwendungsfälle sind vielfältig. Hinter F1ield steckt übrigens Kai Tietjen – der Mann hinter Mister Wong.

Eine Gefahr droht den Startups, die auf geobasierte Kommunikation setzen, von Seiten der großen Netzwerke. Facebook beispielsweise kaufte im Mai die People-Discovery-App Glancee – und machte den Laden kurze Zeit später dicht. Es kann gut sein, dass Facebook demnächst selbst eine entsprechende Funktion für die mobile Applikation anbietet. Das wäre nicht unwahrscheinlich, schließlich hat der blaue Riese ja nicht gerade wenig Daten über seine Nutzer und könnte bei aktivierter Geolokalisierung den Nutzern der mobilen App entsprechende Kontaktvorschläge unterbreiten.

Die App Sonar legt ein etwas anderen Schwerpunkt: Hier geht es um Kontakte, die man bereits aus seinen Social-Media-Kanälen kennt
Die App Sonar legt ein etwas anderen Schwerpunkt: Hier geht es um Kontakte, die man bereits aus seinen Social-Media-Kanälen kennt

Die Probleme geobasierter Kommunikation

Doch hinge der Erfolg geobasierter Kommunikation nur von den ganzen spannenden Ideen und tollen möglichen Anwendungsfällen ab, würden wir wahrscheinlich mittlerweile von einem Milliardengeschäft sprechen. Doch leider gibt es zahlreiche Problematiken, die es zunächst zu überwinden gilt – bevor der Rubel rollt bzw. ein Erfolg möglich ist.

Ein grundsätzlich technisches Problem ist der enorme Energie-Verbrauch geobasierter Kommunikation. Die entsprechenden Apps müssen – um ihren Sinn nicht zu verfehlen – permanent auf den GPS-Chip der Smartphones zurückgreifen, um die ständige Geopositionierung des Nutzers zu ermöglichen. Alles andere wäre witzlos. Beispiel: Was bringt es, wenn die Applikation die Geolokalisierung des Nutzers nur alle zehn Minuten durchführt? Im schlimmsten Fall hat ein möglicher Kontakt zum Zeitpunkt der Anfrage bereits die gemeinsame Location verlassen – Sinn verfehlt. Und man bedenke: Noch immer sind Smartphone-Akkus nicht unbedingt die langlebigsten.

Aber unabhängig von diesen technischen Problemen gibt es auch einige konzeptionelle Probleme, die gelöst werden müssen, bevor geobasierte Kommunikation in Form von People Discovery den Durchbruch erfährt. Philip Cortes vom Startup Meeteor nennt in einem Post auf TechCrunch einigen Hürden, die es zu überwinden gilt.

Die vielleicht größte Hürde: Absichten können nur schwer antizipert werden. So haben die Macher von Meeteor beispielsweise einen Feldversuch mit ihrem vor zwei Jahren gestarteten Dienst an der Universität von Pensylvania durchgeführt. Typisches Feedback damals: „Nette Sache, aber wenn ich morgens aufstehe, habe ich keine Lust unbekannte Leute zu treffen, nur weil sie die gleichen Interessen haben.“ Das ist ein entscheidendes Problem: Nicht nur, das der Nutzungskontext im Form des Zeitpunktes entscheidend für das Nutzungsinteresse sein kann. Es ist auch nicht abwegig, dass Leute gleicher Interessen gar nicht das Bedürfnis haben, sich zu treffen – selbst wenn sie verschworene Autoverweigerer sind, die sich auf dem Weg zum Death-Metal-Konzert befinden und nebenher leidenschaftlich Briefmarken sammeln. Soziale Absichten und Interaktionsmuster lassen sich nur schwer digital abbilden, wenn ihnen nicht ein absolut spezifischer Kontext und Sinn zu Grunde liegt – zum Beispiel: Studenten, die an einer Universität zu einem bestimmten Zeitpunkt eine neue Wohnung suchen oder Leute, die gerade ihren Zug verpasst haben und den gleichen Ort ansteuern.

Hinzu kommt das Problem mit dem Datenschutz. Early Adopter dürften damit sicherlich die wenigsten Probleme haben, einer Applikation so viele Informationen von sich anzuvertrauen. Um „Normalnutzer“ von den Chancen geobasierter Kommunikation zu überzeugen, sind Datenschutzeinstellungen nötig, die den Nutzern minutiös festsetzten lassen, was an Informationen über ihn veröffentlicht oder gespeichert wird. Aber genau das ist das Problem: Damit People Discovery richtig funktioniert, muss man bereit sein, extrem viel von sich preis zu geben – Interessen, geolokaler Standort, Social-Media-Profile. Die Verbindung all dieser Daten dürften Viele vor einer Nutzung abschrecken.

People Discovery: Perspektiven und Chancen

Wie anfangs schon beschrieben: Die Möglichkeiten von geobasierter Kommunikation und People Discovery sind enorm. Ohne soziale Blockaden die für sich interessanten Leute kennenzulernen klingt äußerst spannend. Folgendes Szenario: Der Nutzer ist auf einer Konferenz und bekommt auf seinem Smartphone die genaue Position von Leuten angezeigt, die sich mit dem gleichen Thema beschäftigen und zuvor das Interesse bekundet haben, sich gerne auszutauschen und vielleicht dem gleichen Hobby nachgehen – beste Vorbereitung für einen geordneten Small Talk. An diesem Beispiel zeigt sich auch, wie enorm wichtig der eng gefasste Nutzungskontext ist: Auf einer Konferenz über ein bestimmtes Fachthema sprechen oder auf dem Uni-Campus sich mit Leute treffen, die eine spezifische Sportgruppe gründen wollen. Je unklarer der Nutzungskontext, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Leute sich über eine entsprechende App kontaktieren und treffen wollen.

Diese sozialen Rahmenbedingungen digital richtig abzubilden ist die größte Herausforderung für People Discovery. Hinzu kommen die Datenschutz-Problematik und die technischen Limitierungen. Insofern könnte es gut sein, dass der große Durchbruch geobasierter Kommunikation und im speziellen People Discovery noch auf sich warten lässt. Wenn die Zeit aber reif ist, könnten solche Tools das soziale Miteinander in ausgewählten Kontexten deutlich vereinfachen. Komplett ersetzen werden digitale Systeme das menschliche Miteinander, soziale Impulse und Spontaniät aber sicher nicht – schließlich lassen sich Dinge wie Sympathie oder Social Skills digital kaum abbilden.

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2 Antworten
  1. von Hendrik am 03.12.2012 (11:36 Uhr)

    "Im Mai diesen Jahres...".
    Bitte verwendet doch den Genitiv richtig. "Dieses Jahres" muss es heißen.
    Und ja, ich bin Grammatik-Nazi ;)

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