t3n News E-Commerce

OTTO-Manager im Interview über Trends im M-Commerce und Investitionen in neue Technologien

OTTO-Manager im Interview über Trends im M-Commerce und Investitionen in neue Technologien

Nicole Rüdlin, Leiterin der Messe, hat mit OTTO-Manager Dr. Matthias Häsel über die Besonderheiten des Online-Modehandels, Trends des sowie die Investitionen in neue Technologien gesprochen.

OTTO-Manager im Interview über Trends im M-Commerce und Investitionen in neue Technologien

Laut OTTO finden im aktuellen Weihnachtsgeschäft bis zu 15 Prozent der Besuche auf otto.de über Smartphones statt und weitere 15 Prozent über Tablets. Tendenz steigend. Am 25. Februar 2014 wird OTTO-Manager Dr. Matthias Häsel auf der Internet World in der Eröffjetztgs-Keynote über die Herausforderungen der „Multi-Device-Welt“ für den Online-Handel referieren.

OTTO_iPad_App_Themenwelt

Nicole Rüdlin: Herr Dr. Häsel, zunächst eine Frage zu Ihrer Funktion bei Otto. Mit welchem Ziel wurde das E-Commerce Innovation Center eingerichtet und welche Aufgaben erfüllt das Center innerhalb des Unternehmens?

Dr. Matthias Häsel: Wir möchten unseren Kunden jederzeit und überall das bestmögliche Einkaufserlebnis bieten. Dies ist herausfordernd, da unser Markt sich durch eine sehr hohe Dynamik auszeichnet, die sich aus dem Zusammenspiel von technologischer Entwicklung, sich verändernden Erwartungen unserer Kunden und einer scharfen Wettbewerbssituation ergibt. Wir beschäftigen uns daher schon heute intensiv mit der Fragestellung, wie unsere Kunden in den nächsten Jahren online einkaufen werden. Deshalb steht bei uns im E-Commerce Innovation Center das Thema Research im Fokus. Wir beobachten und prüfen neue technische Entwicklungen am Markt, konzipieren darauf basierend neue Lösungsansätze, setzen diese im Rahmen einer agilen Produktentwicklung um und testen sie im Sinne eines Test & Learn-Gedankens frühzeitig unter Einbeziehung unserer Kunden. Unsere Erkenntnisse bilden einen wichtigen Input für grundlegende Veränderungen an otto.de und die Weiterentwicklung unserer Produktstrategie. Inhaltlich geht es dabei gerade insbesondere um das Thema Everywhere-Commerce und die Fragestellung, wie neue Endgeräte wie Smartphones und Tablets die Anforderungen an otto.de verändern.

Nicole Rüdlin: In Deutschland wird neben Medienprodukten und Unterhaltungselektronik bevorzugt Bekleidung im Internet gekauft. Was sind Ihrer Meijetztg nach die Besonderheiten des Online-Modehandels im Vergleich zu anderen Handelsbranchen?

Matthias Häsel: Mode ist im Gegensatz zu vielen anderen Sortimenten sehr emotional. Wer Fashion im Internet verkaufen will, muss das unbedingt berücksichtigen. Inspirationskompetenz – oder anders ausgedrückt, die Fähigkeit, auch online ein echtes Einkaufserlebnis zu bieten – spielt hier eine ganz besondere Rolle. In unserer iPad-App inspirieren wir unsere Kunden zum Beispiel mithilfe von Themenwelten, in denen unsere Mode- und Lifestyleexperten ausgewählte Produkte aus dem OTTO Sortiment inszenieren. Inspiration entsteht hier aufgrund der richtigen Kombination von trendigen Produkten und den Geschichten, die wir um diese Produkte herum erzählen.

Nicole Rüdlin: Welche aktuellen Trends beobachten sie beim Kauf von Mode im Netz und warum glauben Sie, dass Mobile Commerce dabei eine wichtige Rolle spielt?

Matthias Häsel: Bei der Fragestellung, wie man das stationäre Einkaufserlebnis in den Online-Kontext übertragen kann, spielt neben dem Thema Inspiration das Thema Passformberatung eine zunehmend wichtige Rolle. Dieser Trend manifestiert sich derzeit in einer ganzen Reihe von Startups, die sich vorgenommen haben, Lösungen für die fehlende Anprobemöglichkeit bzw. Größenberatung zu finden. Das Smartphone kann als sehr persönliches und immer verfügbares Gerät hierbei zukünftig eine wichtige Rolle spielen, wenn es die Funktion des „Auges“ der Kunden übernimmt – ich denke z.B. an Anwendungen zur visuellen Suche, bei denen ich das Objekt der Begierde schlicht fotografiere, oder Anwendungen im Augmented Reality-Bereich. Nicht zuletzt wird das Smartphone immer den direkten Link in die Online-Welt darstellen, wenn ich im klassischen Einkaufsbummel in der Stadt unterwegs bin.

OTTO_iPad_App_Themenwelt_2

Nicole Rüdlin: Sie haben für Otto eine eigene iPad-App entwickelt. Spielen Tablets eine größere Rolle als Smartphones?

Matthias Häsel: Jedes Endgerät hat seinen Platz in der Customer Journey. Deshalb sprechen wir bei OTTO heute längst vom Everywhere-Commerce und bieten unseren Kunden auch auf Smartphones eine für kleine Bildschirme optimierte Variante von otto.de sowie Apps für die beiden wichtigsten Betriebssysteme an. Wir differenzieren Everywhere-Commerce entsprechend der verschiedenen Nutzungskontexte aus, zu denen jeweils bestimmte Endgeräte und Anwendungsszenarien passen. Smartphones sind der individuelle Begleiter im Alltag unserer Kunden. Shoppt ein Kunde mit dem PC am Schreibtisch oder unterwegs mit dem Smartphone, so befindet er sich häufig in einem konzentrierten Lean Forward-Modus, um Versorgungseinkäufe zu tätigen oder Preise zu vergleichen. Nutzt er hingegen daheim entweder ein Tablet oder Notebook auf dem Sofa, befindet er sich eher in einem Lean Back-Modus und freut sich auf Inspiration und Erlebniseinkäufe. Zwei völlig unterschiedliche Nutzungskontexte, für die Kunden heute jeweils ein ganz spezifisches Endgerät ihrer Wahl haben. Heute steckt fast in jedem Moment das Potenzial zum Shoppen. Deshalb erwarten unsere Kunden zurecht stets ein adäquates Angebot für das jeweilige Endgerät, das sie gerade benutzen.

Nicole Rüdlin: Schlagwort Couch-Commerce: Ist der Printkatalog mit zunehmender Verbreitung von Tablets jetzt ernsthaft in Gefahr? Was glauben Sie?

Matthias Häsel: Insbesondere Tablets sind natürlich in entspannten Kontexten, zuhause auf dem Sofa, am Küchentisch, im Bett oder im Garten das Gerät der Wahl, um im klassischen Sinne einzukaufen und nicht bloß einen schnellen Bedarf zu decken. Diese entspannten Kontexte eignen sich bestens dafür, Erlebniskauf und Inspiration in den Vordergrund zu stellen. Durch die Gestensteuerung auf Tablets schafft man eine physische Verbindung zwischen der digitalen Inszenierung und der realen Welt. Ja, ich würde fast sagen, dass das Einkaufserlebnis durch die Interaktionsmöglichkeiten des Touch-Bildschirms noch physischer wird als beim Durchblättern eines Papierkatalogs. Print wird aber sicherlich weiterhin seinen Platz in der Customer Journey haben. Kataloge – wenn man sie denn auch zukünftig noch so nennen mag – werden sich aber wahrscheinlich immer mehr weg von einem Vertriebs- hin zu einem Marketinginstrument entwickeln.

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
2 Antworten
  1. von Salieri am 12.12.2013 (19:38 Uhr)

    man nehme einen Text und ersetze in diesem "nun" durch "jetzt" ... Blöd für Worte wie beispielsweise "Meinung" :D

    Antworten Teilen
  2. von xxxfanta am 24.02.2014 (13:44 Uhr)

    @Salieri :D so true... auch "Eröffjetztgs-Keynote" war mir vorher so nicht bekannt ;)

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Mobile Commerce
Mobile-Commerce-Trends 2016: Mobiles Web läuft Apps den Rang ab
Mobile-Commerce-Trends 2016: Mobiles Web läuft Apps den Rang ab

Welche Trends im Mobile Commerce Händler 2016 auf keinen Fall verpassen sollten, zeigt ein aktueller Report. Im Fokus stehen Apps und mobiles Bezahlen. » weiterlesen

Über 16.000 Quadratmeter zur Zukunft des E-Commerce: Internet World lädt nach München [Sponsored Event]
Über 16.000 Quadratmeter zur Zukunft des E-Commerce: Internet World lädt nach München [Sponsored Event]

Anfang März wird München wieder zur E-Commerce-Hauptstadt: Wie jedes Jahr findet die Internet World statt. » weiterlesen

Der Internet-Erklärer für die Ü30-Generation: Nico Lumma im Interview
Der Internet-Erklärer für die Ü30-Generation: Nico Lumma im Interview

Er ist seit dem Commodore C64 technikbegeistert und gilt heute als der Internet-Erklärer für die Generation Ü30: Nico Lumma im Interview.  » weiterlesen

Alle Hefte Jetzt abonnieren – für nur 35 €

Kennst Du schon unser t3n Magazin?