Paid Content: Die Times verliert zwei Drittel der Online-Leser – die ersten Rückschlüsse

Die Seitenaufrufe der Online-Ausgabe der Times hat sich nach dem Aufstellen der Bezahlschranke um zwei Drittel verringert. Das geht nun aus ersten inoffiziellen Zahlen hervor. Noch interessanter sind aber die Zahlen zu den registrierten Nutzern, die für das Angebot bezahlen: Hatten sich noch 150.000 Leser für den kostenlosen Versuchszeitraum registriert, so blieben davon letztlich nur enttäuschende 15.000 „Bezahl-Leser“ übrig, die meisten davon sind iPad-Besitzer.

Nach Informationen von paidContent:UK ist das Paid Content Modell der Times in den ersten zwei Wochen eher enttäuschend angenommen worden. Nur jeder zehnte Testnutzer war letztlich auch wirklich bereit für die digitalen Inhalte der Zeitung aus dem News Corp. Imperium zu zahlen. Den Besuchereinbruch von 67 Prozent hatte man wohl einkalkuliert oder eher noch höher eingestuft.

Times Bezahlschranke
Die Bezahlschranke verwehrt nicht zahlenden Lesern weitere Einblicke in die Online-Inhalte der Times

Auch wenn es wohl auch in Zukunft keine offiziellen Zahlen von der Times selbst geben wird - es sei denn die Zahlen entwickeln sich dramatisch nach oben - so kann man aus ihnen doch einige interessante Aspekte ableiten:

  • große Leserverluste sind unvermeidlich
  • Print-Erzeugnisse verkaufen sich nach anderen Regeln als Online-Inhalte
  • Paid Content ist kein Allheilmittel für die Krise im Print
  • Testläufe geben kaum Aufschlüsse für den späteren Erfolg
  • Paid Content wird nur von bestimmten Nutzern akzeptiert

Überlegungen und erste Rückschlüsse

Gerade der letzte Punkt scheint mir besonders interessant zu sein, leiten sich daraus doch wichtige Aspekte für zukünftige Gehversuche mit Bezahlinhalten ab. Der Umstand, dass die Times vor allem von iPad-Besitzern abonniert wurde, gibt einen deutlichen Hinweis darauf, dass sich ein Bezahlmodell dann besonders gut etabliert, wenn es eine ganz bestimmte Zielgruppe anvisiert. Wie auch schon die Tablet-Ausgabe des Wired Magazine zeigte, scheinen Tablet-Besitzer zu der Minderheit im Internet zu gehören, die sich spezielle Angebote auf ihr Gerät holen und gegebenenfalls auch bereit sind dafür zu bezahlen.

Dazu passt auch, dass das iPad eher als Gadget für technikbegeisterte Menschen angesehen wird, die je nach Situation auf ein spezielles Gerät zurückgreifen, um sich im Netz zu bewegen. Der Normalsurfer hat dazu in der Regel einen stationären Computer und gelegentlich ein Smartphone im Einsatz.

Als eine erste Konsequenz lässt sich daraus ableiten, dass sich ein Bezahlmodell mit exklusiv für das iPad aufbereiteten Inhalten durchaus erfolgversprechend sein könnte. Generelle Bezahlschranken dürften es dagegen weiter schwer haben, solange es die gleichen Informationen an anderer Stelle auch kostenlos gibt.

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15 Answers

  1. von Clausio 19.07.2010 (13:43Uhr) 1.

    Man muss aber auch berücksichtigen, dass es noch genug andere gibt die das alles umsonst anbieten. Sollte diese Auswahl nicht mehr gegeben sein, könnte sich Paid Content unter manchen Umständen rechnen. Am besten wäre aber wohl eine Flatrate. Denn müsste man für alles einzeln zahlen würde man arm werden und auch den Überblick verlieren. Tablet-PCs halte ich nicht für die ersehnte Erlösung für die Branche.

  2. von Moritz 19.07.2010 (14:20Uhr) 2.

    Clausio hat teilweise recht. Wenn beispielsweise ZEIT.de keine kostenfreien Inhalte mehr anbieten würde, dann würden die Besucherzahlen dort einbrechen und vermutlich gleichzeitig bei anderen Zeitungen steigen. Würden alle Zeitungen online nur noch Bezahl-Inhalte vorweisen, gäbe es keine kostenlosen Alternativen mehr. Trotzdem glaube ich, dass die Besucherzahlen auch dann einbrechen würden... ein Großteil der Netzuser würde vermutlich eher die Tagesschau gucken, als für Zeitungsartikel zu zahlen :D

  3. von links for 2010-07-19 19.07.2010 (15:02Uhr) 3.

    [...] Paid Content: Die Times verliert zwei Drittel der Online-Leser – die ersten Rückschlüsse » t3n ... Nach Informationen von paidContent:UK ist das Paid Content Modell der Times in den ersten zwei Wochen eher enttäuschend angenommen worden. (tags: Times Murdoch PaidContent) [...]

  4. von Tobias Dehler 19.07.2010 (15:09Uhr) 4.

    Und wenn alle Zeitungen auf Bezahl-Inhalte setzten, würde es die Position der kleineren Blogs stärken. Mit steigenden Besucherzahlen auf alternativen Informationsquellen stiegen dann auch die Werbeeinnahmen usw.
    Und das wollen die Verlage ja überhaupt nicht...

    Die pure Information lässt sich im Netz nicht hinter Bezahlschranken verstecken. Kosten darf nur, online wie offline, gut recherchierter Journalismus, aber das ist mittlerweile eine Rarität geworden. Insofern ist es eine Unverschämtheit, dass Printmedien immer teurer und qualitativ minderwertiger werden. Schlecht recherchierte Onlineangebote können den Printangeboten ja nur deshalb den Rang ablaufen, weil diese nicht überlegen genug sind.

    Es ist keine neue goldene Regel, dass sich Qualität am Ende durchsetzt. Nicht umsonst sind die iPad-User die Ersten, die bezahlen. Denn diese Zielgruppe zeigt ja schon durch den Kauf des iPads und anderer Apple-Produkte, dass sie bereit ist für qualitativ hochwertigere Merkmale in Hard- und Software einen höheren Preis zu zahlen.

    Kurz: Der Untergang der Printmedien manifestiert sich durch die schwindende Qualität der Inhalte. Und da ist die steigende Zahl der Rechtschreibfehler in allen Printmedien nur das letzte Indiz!

  5. von swish 19.07.2010 (15:36Uhr) 5.

    Vielleicht ein flattr Modell für Zeitungen? Ich zahle 10 Euro im Monat und kann mir dafür 5 Zeitungen meiner Wahl downloaden. Wenn die großen Verlage und vllt auch Wissenschafts Journals mitspielen wäre das genial. Höchste Qualität ist da selbstverständlich.

  6. von elcario 19.07.2010 (15:38Uhr) 6.

    Ich habe heute auch den Originalartikel im Guardian gelesen und mich eher gefragt, was diese ominösen 2/3 bedeuten sollen... 2/3 vom Gesamttraffic ok, aber wenn das komplette fehlende Drittel auf der Register/Login-Page (s.o.) hängengeblieben ist, sagt das alles gar nichts aus.

    Paid Content funktioniert, wenn es die Inhalte sonst nicht im Netz gibt UND ein spezielles Informationsbedürfnis erfüllt wird, was bei überregionalen Zeiten kaum der Fall ist, siehe Wall Street Journal.

  7. von Digital Life – Links des Tages vom… 19.07.2010 (21:03Uhr) 7.

    [...] Die Times verliert zwei Drittel der Online-Leser Also ich finde das 1/3 einen recht hohen Anteil, könnte viel schlimmer sein und ist es meistens [...]

  8. von Harald 19.07.2010 (22:23Uhr) 8.

    Ich kann swish nur beipflichten. Alleingänge von Paycontent für einzelne Verlage oder gar Zeitungen werden wenig Erfolg haben. Wenn ich aber meinen Monatsbedarf an Informationen mit mehreren verschiedenen Angeboten mit einem Beitrag abdecken kann, wird so ein Angebot interessant.

  9. von Falk Hedemann 19.07.2010 (23:05Uhr) 9.

    @Clausio: Die ersehnte Lösung für die gesamte Print-Branche werden die Tablets nicht sein - das sehe ich auch so. Gerade bei den Traditionsblättern mit ihren riesigen Auflagen, zu denen auch die Times gehört, gibt es ein Zielgruppenproblem: Print-Abos lassen sich nicht 1:1 in Digital-Abos umwandeln. Aber darin liegt eigentlich auch nicht das Problem der Branche. Das liegt eher in einem grundlegenden Medienwandel, durch den die Zahl der Print-Kunden kontinuierlich abnimmt. Sie wandern ins Web ab, weil sie die Inhalte dort umsonst bekommen und sie dort anders konsumieren können. Die Print-Branche wird auf diese Wanderung ins Web reagieren müssen. Je früher sie dabei verstehen, dass ihre bisherigen Erlösmodelle im Web nicht 1:1 übernommen werden können, um so eher werden sie im Web Fuß fassen können.

  10. von Ralf 20.07.2010 (14:52Uhr) 10.

    * große Leserverluste sind unvermeidlich
    Das lässt sich doch nicht auf alle Anbieter übertragen.
    * Print-Erzeugnisse verkaufen sich nach anderen Regeln als Online-Inhalte
    Die da wären?
    * Paid Content ist kein Allheilmittel für die Krise im Print
    Sondern? Die Ursachen für die schwindende Qualität sind nicht so einfach zu beheben. Als Redakteur haben Sie ja den besseren Einblick. (Konkurrenzdruck, online "der erste sein", keine Zeit für Recherche, etc.)
    * Testläufe geben kaum Aufschlüsse für den späteren Erfolg
    Richtig, wenn man davon ausgeht, dass die Anzahl der Tester der Anzahl der Abonnements entspricht. Evtl. wurden auch ganz andere KPIs getestet?
    * Paid Content wird nur von bestimmten Nutzern akzeptiert
    Diejenigen, die Qualität erwarten? Die ihre favorisierte Zeitung unterstützen möchten? 10% der Testuser?
    Find den Artikel wirklich nichtssagend. Hätte mir mehr Hintergrundinformationen zu den "Abo-Einbrüchen" gewünscht. Eventuell eine fundiertere eigene Meinung. Dass sich zum Beispiel Inhalte nur lohnen, wenn sie eine Zielgruppe "anvisieren", sollte keine neue Erkenntnis sein. Schade, ich bin bessere Nachrichten gewohnt.

  11. von Webschau: Times paidContent, HP offline… 21.07.2010 (05:57Uhr) 11.

    [...] Die Times verliert zwei Drittel der Online-Leser – die ersten Rückschlüsse [...]

  12. von jati 21.07.2010 (12:19Uhr) 12.

    Der Gedanke, es müssten nur alle gleichzeitig eine Bezahlschranke vor ihre Seite stellen, damit die Leser nirgends mehr kostenlos lesen könnten, ist unrealistisch. Schließlich leben wir in einer Marktwirtschaft. Sprich: Irgendwer würde seine News eben doch kostenlos anbieten und damit riesige Besucherströme bekommen und könnte die dann vermarkten und zu Geld machen. In der Folge würden die anderen sicher schnell wieder einbrechen.

    Was aber auch klar ist: Bestimmte hochwertige Inhalte lassen sich nicht über Werbung refinanzieren. Wenn trotzdem eine Nachfrage nach solchen Inhalten besteht, werden die Leute dafür bezahlen. Auch das ist Marktwirtschaft.

    Das Problem ist die derzeitige Übergangsphase. Alte Einnahmequellen brechen bei den klassischen Verlagen weg, neue tun sich nur sehr langsam auf. Und diese neuen Einnahmequellen werden bisweilen auch von Newcomern abgeschöpft, die eben schneller und intelligenter reagieren - und ohne ein altes Produkt im Nacken, das auch noch "geschützt" werden muss.

  13. von Marcel Durchholz 26.07.2010 (00:46Uhr) 13.

    Wahnsinn: BP startet Tiefseebohrungen im Mittelmeer...Auf meiner Keyword-Recherche durch das Internet habe ich auf Deinen Artikel gefunden. Wäre toll, wenn Du diesen Blog-Trackback annehmen würdest....

  14. von klena 27.07.2010 (10:49Uhr) 14.

    10% "Konversionsrate" ist durchaus viel für eine Zeitung...zumindest offline.

  15. von Paid Content: New York Times bevorzugt F… 18.03.2011 (14:05Uhr) 15.

    [...] Paid Content: Die Times verliert zwei Drittel der Online-Leser – die ersten Rückschlüsse - t3n News [...]

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