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Analyse

Paketdienste: Der drohende Paketkollaps könnte den Onlinehandel viel Geld kosten

Vor Weihnachten arbeiten viele Paketdienste am Anschlag. (Foto: Dmitry Kalinovsky / Shutterstock)

Wenn der Postmann nicht mehr klingelt, könnte das der E-Commerce-Branche einen herben Dämpfer versetzen. Doch die Paketdienste könnten sich auch verrechnen, gerade bei großen Versendern.

Die DPD denkt laut darüber nach, in Zukunft Pakete nur noch gegen Aufpreis dem Kunden bis vor die Haustür zu bringen. Stattdessen könnten die Lieferungen im Paketshop abgeladen werden und jeder Kunde müsste sich das Paket selbst abholen. Das ist im Grunde nichts Neues – Hermes hat beispielsweise bereits seit Jahren die Shop-to-Shop-Option, die auch gerade von Berufstätigen, die unter Tag nicht zu Hause sind und die Nachbarn nicht mit Paketen belasten wollen, genutzt wird. Neu ist aber, dass man die Lieferung im Paketshop zum Standard machen will und die Lieferung ins Haus eben gerade nicht mehr frei Haus anbietet. Und neu ist auch, dass über saisonale Aufpreise nachgedacht wird, die dem E-Commerce das mehr als lukrative Weihnachtsgschäft verderben könnten.

Die Paketdienste haben sich verkalkuliert

Mehrkosten würden solche Maßnahmen nämlich vor allem den Onlinehändlern bringen. Die könnten ihrem Kunden nur schwerlich vermitteln, dass sie ihre Lieferung eben nicht mehr wie gewohnt nach Hause bekommen. Gerade bei größeren und schwereren Lieferungen war aber gerade das ein Vorteil gegenüber der Fahrt in die Stadt oder ins Einkaufszentrum.

Klar ist aber auch: Das Weihnachtsgeschäft verlangt den Paketdiensten schon einiges ab. Alleine die DHL stellt dieser Tage täglich sieben Millionen Pakete zu, noch einmal so viele sollen es laut Schätzungen bei den anderen Paketdiensten sein. Insgesamt liegt das Paketaufkommen laut Branchenschätzungen aktuell um 20 bis 30 Prozent höher als zu anderen Zeiten. Laut Medienberichten fehlen den Paketdiensten aktuell nicht nur Fahrer, sondern auch Fahrzeuge, um die Menge an Sendungen zu bewältigen. Und das, obwohl bereits rund 20.000 Saisonkräfte und zusätzliche angemietete Lastwagen beschafft wurden.

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Der Leidtragende ist vor allem der Versender

Darunter leiden darf aber nicht der Kunde – denn eine nicht oder nur mit Mühe zugestellte Sendung kostet den Kunden Nerven und den Onlinehändler Geld und Image. Denn im Zweifelsfall macht der Kunde den Versender für die Panne verantwortlich und bestellt in Zukunft nur noch dort, wo er einen bestimmten, in seinen Augen zuverlässigen Paketdienst wählen kann – im Zweifel ist das die DHL. Und auch die Online-Shops haben ein rechtliches Problem – schließlich sichern sie gemäß deutschem Recht rechtsverbindlich zu, wann genau eine Ware beim Kunden eintreffen wird. Der Kunde hätte hier im schlimmsten Fall und unter bestimmten Bedingungen die Möglichkeit, Schadenersatz einzufordern.

Am wenigsten trifft das Problem übrigens Amazon als Branchen-Primus. Das Unternehmen bemüht sich seit längerer Zeit ohnehin darum, teilweise eigene Logistikstrukturen bis vor die Haustür aufzubauen. Hinzu kommt, dass Amazon teilweise eine Kundenstruktur hat, die die Lieferung nicht nur als nötiges Übel sieht, sondern sich bewusst dafür entscheidet – und im Zweifelsfall auch zum nächsten Amazon-Locker geht, sofern dieser gut erreichbar und 24 Stunden zugänglich ist.

Doch gerade die Großen der Branche haben aktuell ein Problem. Dem Vernehmen nach wurden in diesem Jahr mit einigen großen Onlinehändlern Gespräche geführt, dass nur noch das vorgesehene Kontingent an Sendungen zu den abgesprochenen Preisen zum Kunden befördert werden kann. Bislang galt hier eher die Devise „wenn’s mehr ist, freuen sich alle“. Die Paketdienste, namentlich insbesondere Hermes, haben sich hier offenkundig verhoben und kommen mit der Menge an Personal und Ressourcen nicht mehr aus. Insbesondere Hermes besteht auf den regional mit Großkunden festgelegten Mengenbegrenzungen – was darüber hinaus geordert wird, bleibt im schlimmsten Falle liegen.

Paketshops haben ebenfalls ein logistisches Problem

Wie hoch diese Preise pro Paket genau sind, ist eines der bestgehüteten Geheimnisse der Branche. Preise zwischen zwei und 2,50 Euro pro Paket für ausgewählte Großkunden halten sich hartnäckig als Branchengeflüster und gerade die DHL soll hier mit Preisen, bei denen wenig Luft bleibt, den Mitbewerbern das Leben schwer machen.

Doch es gibt noch eine andere Gruppe, der es nicht gefallen dürfte, wenn mehr Sendungen als sonst in den Paketshops abgeladen werden: die Betreiber der Paketshops. Die haben nämlich insbesondere vor Weihnachten schon jetzt ein Platzproblem. Egal ob Kiosk, Tankstellen-Shop oder kleiner Laden – richtige Lagerflächen, die einer solchen Paketmenge gewachsen wären, können die wenigsten bieten. Und so würde eine solche Regelung für viele, die die Paketannahme heute als einfaches Nebengeschäft betreiben, das Aus bedeuten.

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