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Quatsch, natürlich dürft ihr weiterhin Fotos vom Brandenburger Tor machen! Wir erklären die Panoramafreiheit

Quatsch, natürlich dürft ihr weiterhin Fotos vom Brandenburger Tor machen! Wir erklären die Panoramafreiheit

Der Begriff Panoramafreiheit geistert seit einigen Tagen durch die Presse. Aber worum geht es dabei eigentlich und was würde die Abschaffung dieser Regelung wirklich bedeuten?

Quatsch, natürlich dürft ihr weiterhin Fotos vom Brandenburger Tor machen! Wir erklären die Panoramafreiheit

Panoramafreiheit. (Foto: Wolfgang Rieger / Wikipedia Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Änderung des Urheberrechts bedroht die Panoramafreiheit

Unter dem Begriff Panoramafreiheit versteht der Gesetzgeber eine Einschränkung des Urheberrechts, die es möglich macht, geschützte Werke wie Gebäude oder Kunst im öffentlichen Raum in Form einer Fotografie wiederzugeben, ohne den Urheber um Erlaubnis zu bitten. Dieses Recht existiert in unterschiedlichen Abstufung in verschiedenen europäischen Ländern wie Deutschland, Großbritannien, Irland oder Österreich.

Jetzt strebt die EU eine Reform des Urheberrechts an. Problematisch dabei: Der jetzige Entwurf sieht die Abschaffung der Panoramafreiheit beziehungsweise deren Einschränkung auf nichtkommerzielle Nutzung in ganz Europa vor. Dann würden beispielsweise viele Bilder von Wikipedia verschwinden beziehungsweise müssten teilweise geschwärzt werden, da das Projekt grundsätzlich Bilder bevorzugt, die Nutzer ohne jegliche Einschränkungen wiederverwenden dürfen. Außerdem könnte vor allem in Deutschland die Abmahnindustrie ein neues Betätigungsfeld bekommen.

Abschaffung der Panoramafreiheit: Das wären die Folgen

In diesen Ländern existiert (noch) die Panoramafreiheit. (Grafik: Maximilian Dörrbecker / Wikimedia Commons Lizenz: CC BY-SA 3.0)
In diesen Ländern existiert (noch) die Panoramafreiheit. (Grafik: Maximilian Dörrbecker / Wikimedia Commons Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Zunächst sei noch mal darauf hingewiesen, dass sich die Panoramafreiheit generell nur auf urheberrechtlich geschützte Gebäude bezieht. Sprich: Es geht um zeitgenössische Kunst- oder Bauwerke, deren Urheber noch leben oder zumindest noch keine 70 Jahre tot sind. Während dieser Artikel der Online-Ausgabe der F.A.Z. zwar Fotos vom Brandenburger Tor bedroht sieht, greift das Gesetz eben nicht bei historischen Gebäuden. Das bestätigt uns auch der Rechtsanwalt Christian Solmecke. Im Falle des Reichstags würde eine Einschränkung der Panoramafreiheit daher beispielsweise auch „nur“ die Glaskuppel auf dem Dach betreffen.

Privatfotografen, die keinerlei kommerziellen Nutzen aus ihren Fotos ziehen, wären von der Änderung des Urheberrechts zwar zunächst nicht betroffen, leider ist es in Wirklichkeit aber auch hier etwas komplexer. Wenn ihr beispielsweise ein Schnappschuss eines urheberrechtlich geschützten Gebäudes bei Facebook hochladet, erteilt ihr dem Unternehmen damit auch kommerzielle Nutzungsrechte. Das wiederum könnte die deutsche Abmahnindustrie auf den Plan rufen.

Ob es tatsächlich dazu kommt, wird sich am 9. Juli 2015 zeigen. Dann wird das Europaparlament über den Entwurf abstimmen. Wer auf die Abstimmung Einfluss nehmen möchte, der kann, wie beispielsweise von Wikipedia vorgeschlagen, seinen Europaabgeordneten direkt kontaktieren. Außerdem existiert diese Online-Petition auf Change.org.

In diesem Zusammenhang solltet ihr auch Martin Weigerts Kolumnenbeitrag „Zu viele Kompromisse schaden dem digitalen Fortschritt“ lesen.

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5 Antworten
  1. von O. Höß am 30.06.2015 (09:56 Uhr)

    Guter Artikel ... nur die Überschrift ist für "oberflächliche" Leser ein wenig irreführend, da ja das Thema schon negative Auswirkungen hat bzw. haben kann (ist ja im Artikel auch gut dargestellt).

    Siehe auch folgender Blog-Artikel: https://innovativetrendsblog.wordpress.com/2015/06/30/hobbyfotografen-aufgepasst-panoramafreiheit-in-gefahr/

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  2. von Sebastian am 30.06.2015 (15:24 Uhr)

    Das Brandenburger Tour darf auch nur tagsüber fotografiert und veröffentlicht werden.

    Nachts ist es nämlich häufig "kunstvoll" beleuchtet (Festival of Lights etc.), womit das "Lichtkunstwerk" nach der neuen Regelung wieder Urheberrechtschutz genießen würde.

    Nur für den Fall, dass jemand abgemahnt wird und sich dann auf Euren Artikel beruft ;-)

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  3. von Goran am 01.07.2015 (12:27 Uhr)

    Wird zur Stadtverschönerung beitragen. Wette jede zweite Kanzlei wird ein Kunstwerk ans Gebäude pappen. Vielleicht ist ja was zu holen.

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  4. von Urheber am 03.07.2015 (10:34 Uhr)

    Über den Unsinn der Regelung wurde bereits viel berichtet und diskutiert. Was ist eigentlich der Sinn dahinter (falls vorhanden)?

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  5. von Sebastian am 03.07.2015 (10:44 Uhr)

    @urheber

    Ich habe wirklich versucht, einen Sinn zu finden und bin daran gescheitert.

    Der Vorschlag kam den von Liberalen. Jetzt könnte man vermuten, die wollten ihrer Klientel (Anwälte, Unternehmer) was Gutes tun.

    Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass das ein irgendwie sinnvolles Volumen ergibt. Denn ich vermute 99% der Architekten sind froh, wenn ihre Bauwerke Wertschätzung erfahren und werden nicht abmahnen lassen. Und der Rest kann sich der gesellschaftlichen Ächtung sicher sind. Gesetz hin oder her.

    LG Sebastian

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