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Startups

„Part-Time Sith Lord“ Dave McClure: Der Mann hinter mehr als 250 Startups

    „Part-Time Sith Lord“ Dave McClure: Der Mann hinter mehr als 250 Startups

Dave McClure gehört zu den Superstars unter den Investoren im Startup-Business. Irgendwo zwischen Bad Boy und Good Guy zeichnet er als Startup-Papst für über 250 Internetunternehmen und zahlreiche Millionen-Exits verantwortlich. Ein Porträt über ihn, seine Geschichte, sein Erfolgsgeheimnis und seine Allüren. Von Daniel Hüfner.

Dave McClure: Superstar, Sith Lord, Zerstörer

Er spielt Ultimate Frisbee, hat ein urkomisches Partyspiel für Gründer erfunden – und wenn er nicht gerade Geld in ein Unterhosen-Startup steckt, sitzt er mit Flip-Flops und einem Bier bewaffnet auf einer Bühne und zerstört Gründerträume. Nein, in das Bild eines gewöhnlichen Investors will Dave McClure nicht so recht passen. Doch es gibt ihn wirklich. Und er ist keineswegs zu verwechseln mit Troy McClure, dem fiktiven Schauspieler aus der US-Kultserie der Simpsons, den man vielleicht noch aus Filmen wie „Alice lebt leider nicht mehr“ oder „Mami, was ist denn mit dem Gesicht dieses Mannes?“ kennt. In einem Punkt aber sind sich beide sehr ähnlich: ihrem Höchstmaß an Selbstüberzeugung.

Dave McClure. der etwas andere Investor. (Foto: bizjournals.com)
Dave McClure. der etwas andere Investor. (Foto: bizjournals.com)

Dave McClure ist ein gefragter Mann in seinem Geschäft. Kaum eine namhafte Tech-Konferenz kommt ohne ihn aus. Sogar die Scheichs im Wüstenemirat Katar haben ihn kürzlich extra für eine Keynote einfliegen lassen. Als erfolgreicher Dotcom-Unternehmer mit PayPal-Erfahrung, spendabler Investor mit feinem Gespür für den Exit und selbsternannter„Part-Time Sith Lord“ bei einer der populärsten Startup-Schmieden hat McClure etwas vorzuweisen. McClure ist das, was man in der Szene gemeinhin einen „Super Angel“ nennt: ein Superstar im globalen Startup-Business.

Aus dem Gebrauchtwagen in die PayPal-Chefetage

Um dort hinzukommen, hat der 46-jährige fast schon klischeehaft am unteren Ende der Karriereleiter angefangen. Oder besser gesagt: sich Schritt für Schritt von der Rückbank seines Gebrauchtwagens in das Herz des Silicon Valleys hochgearbeitet. Er sei der einzige Obdachlose gewesen, der jemals in einem gebrauchten Lexus gelebt hat, sagte Dave McClure einmal in einem Interview.

„Nachts schläft Dave McClure auf der Rückbank, tagsüber baut er sein Dotcom-Startup auf.“

Es ist die Geschichte vom Sohn eines Musiklehrers, die 1994 im kalifornischen Mountain View ihren Anfang nimmt. Als studierter Ingenieur, passionierter Programmierer, aber ohne ein Dach über dem Kopf kommt McClure über West Virginia und Baltimore an die Westküste. Sein neues Zuhause ist die blecherne Karosserie seines Autos. Während McClure nachts auf der Rückbank schläft, baut er mit Aslan Computing tagsüber sein erstes Unternehmen auf – inmitten des auflodernden Dotcom-Booms. Ein Beratungsunternehmen, das E-Commerce-Webseiten entwickelt und optimiert – ein begehrtes Geschäft. Das Unternehmen wächst trotz einiger Schwierigkeiten auf 20 Mitarbeiter, der Umsatz in die Millionen. Vier Jahre nach der Gründung hat McClure seine erste und bis heute einzige eigene Firma verkauft.

Viele Fehler habe er in dieser Zeit gemacht. „Wirklich jeden, den man sich als blutiger Gründerneuling so vorstellen kann“, sagt McClure. Höhen und Tiefen hätte es gegeben, mehrmals habe seine Firma vor dem Bankrott gestanden. „Trotzdem habe ich es zu einem Exit gebracht, wenn auch eher aus Verzweiflung und in einem Maßstab, mit dem man besser nicht prahlt.“ So ist McClure heilfroh, als er 2001 – kurz nach dem großen Börsencrash – einen Job bei PayPal ergattert.

An der Seite von Elon Musk und Peter Thiel gelingt es McClure, dem Internetpionier als Marketing-Chef seinen Stempel aufzudrücken. Er initiiert das PayPal-eigene Entwicklerprogramm, öffnet Onlinehändlern als Technologie-Evangelist die Tür zum PayPal-Kosmos. Doch es gibt immer wieder Querelen. Seine Kollegen sind zehn Jahre jünger als er, die ausdifferenzierte Führungsstruktur, bestehend aus drei CEOs, verunsichert ihn. Wenigstens lernt er seine Passion für unternehmerische Schnellboote kennen. Er lernt, was Startups wirklich sind, wie man sie aufbaut, wie man sie richtig skaliert. Und vor allem: wie man erfolgreich in sie investiert. Er sieht seine Chance – und kündigt nach drei Jahren bei PayPal.

Dave McClure, Startup-Lieferant der Netzgiganten

Nach seinem Abgang bei PayPal investiert McClure großflächig in Startups – und legt ein erschreckend gutes Gespür für Exits an den Tag. (Foto: scmp.com)
Nach seinem Abgang bei PayPal investiert McClure großflächig in Startups – und legt ein erschreckend gutes Gespür für Exits an den Tag. (Foto: scmp.com)

Andere hätten das gut verdiente Geld zu dieser Zeit vielleicht in ein Haus gesteckt, McClure aber investiert es in Geschäftsmodelle. Sein Credo: „Think Problems first, then solutions“. Und: „Get me laid (Sex), get me paid (Money), get me made (Power)“. Zwischen 2004 und 2008 schließt er so eine Wette auf nicht weniger als 13 Firmen ab, im Schnitt ist er mit 25.000 US-Dollar pro Geschäftsidee dabei. Manchmal mit weniger, manchmal mit mehr.

„Google, Intel, Amazon, LinkedIn: Mit seinen Investments beglückt McClure die Netzgiganten.“

Und endlich landet er Volltreffer. Einer davon ist Mint, ein Startup, das eine intelligente Software für die private Haushaltsplanung entwickelt. Zusammen mit dem Deal lässt sich McClure für zwei Tage in der Woche als Berater im Marketing bei Mint anstellen. Ein Jahr danach ist die Firma, auch dank McClures Expertise, um eine halbe Million Nutzer reicher, ein weiteres Jahr und viele gewonnene Preise später gelingt ihr der Exit: 170 Millionen US-Dollar zahlt ein Konzern namens Intuit für das Startup. Für McClure wird dabei ein Return-On-Investment herausspringen, der seinen Angaben zufolge dem Zehnfachen der ursprünglich investierten Summe entspricht.

Weitere Erfolge verbucht der zwischenzeitliche Vater zweier Kinder auch mit Jambool, einer Plattform für virtuelle Währungen, das für 70 Millionen US-Dollar von Google übernommen wird. Und mit Mashery, einem API-Spezialisten, für den Intel über 180 Millionen US-Dollar auf den Tisch legt. Und mit TeachStreet, dessen Marktplatz für Werkzeuge und Lehrpläne sich Amazon schnappt. Oder mit SlideShare, das für 119 Millionen US-Dollar an LinkedIn geht. Die Liste ist lang.

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