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Wie ich einmal mit PayPal eine Cola aus dem Automaten ziehen wollte

Wie ich einmal mit PayPal eine Cola aus dem Automaten ziehen wollte

Halb verdurstet und inmitten der unerträglichen Juli-Hitze steht t3n-Redakteur Jochen Fuchs auf einem Bahnsteig im Frankfurter Hauptbahnhof. Ohne Kleingeld in der Tasche. Doch ein kleines PayPal-Symbol auf dem Getränkeautomaten macht Hoffnung.

Wie ich einmal mit PayPal eine Cola aus dem Automaten ziehen wollte

(Foto: Jochen G. Fuchs)

(Foto: Jochen G. Fuchs)
Durst nervt. (Foto: Jochen G. Fuchs)

Schwitzend sitze ich erschöpft auf dem Bahnsteig am Frankfurter Hauptbahnhof. Es ist heiß. Mein Durst brennt mittlerweile höllisch. Eigentlich will ich mir jetzt etwas zu trinken holen, aber ich habe mal wieder nur Scheine eingesteckt und der Automat vor mir nimmt keine Scheine an, nur Münzen.

(Foto: Jochen G. Fuchs)
PayPal-Aufkleber am Frankfurter Automaten. (Foto: Jochen G. Fuchs)

Der erste und zweite Versuch, an eine Cola zu gelangen

Mein Blick wandert über den Automaten, als könnte ich mit längerem Suchen eine Lösung für dieses Dilemma finden. An einem Aufkleber bleibe ich hängen. „Was macht denn die PayPal-Werbung da?“ Überrascht stelle ich fest, dass ich an diesem Automaten mit bezahlen kann. „Ernsthaft? Letzte Woche war da noch nichts ...“. Nachdem bei PayPal gerade eher Schweigen im Walde ist, was das Thema mobiles Bezahlen mit dem Smartphone angeht, habe ich mit so etwas nicht mehr gerechnet. Ehrlich gesagt hätte ich eher damit gerechnet, irgendwann einen Apple-Pay-Aufkleber an solchen Automaten zu entdecken.

„Super, gerettet.“ Ran an den Automaten und mal die Lage gecheckt. Wie funktioniert denn das hier? App öffnen und auf „Läden“ klicken. Den richtigen Automaten aus einer Liste auswählen. „Ähm? Hier stehen vier von der Sorte, wie weiß ich denn jetzt welchen ich auswählen soll?“ Ah ja, ein Aufkleber mit einer PayPal-Automaten-Nummer, an der Nummer soll ich in der PayPal-App den richtigen Automaten erkennen. Klappt. Jetzt bietet mir die PayPal-App eine Liste mit Beträgen an, schnell 1,50 Euro für eine Cola auswählen. Ich spüre schon, wie mir die schöne, eiskalte Cola die Kehle hinunterrinnt. Die App bittet mich darum zu warten, bis der Betrag an den Automaten übertragen wurde. „Da! Da sind die 1,50 auf dem Display aufgetaucht“. Schnell drücke ich auf die Nummer 23. Und warte. Nichts passiert. Nanu? Ich drücke nochmal. Nichts rührt sich, aber das Display zeigt wieder exakt 0,00 Euro an. „Na super.“ Der Durst treibt zu Verzweiflungstaten: Ich beschließe ich den Vorgang zu wiederholen, logischerweise ohne Ergebnis. Immer noch keine Cola. Ein Schweißtropfen steht auf meiner Stirn, allmählich gesellen sich weitere hinzu.

Wird ein Defekt zur Erlösung?

Hinter mir steht jemand und drängelt, ich gehe zur Seite und werfe einen Blick auf die Anzeigetafel: In 6 Minuten fährt mein Zug ab. Und ich verdurste hier immer noch kläglich auf dem knallend heißen Bahnsteig. Der Typ vor mir haut mit der Faust auf den Automaten ein, der hat gerade sein Bargeld geschluckt und auch nichts ausgespuckt. Oha! Das Ding ist komplett defekt, liegt gar nicht an Paypal.

Der dritte und letzte Versuch

Mit frischem Mut trete ich an den nächsten Automaten und beginne wieder den PayPal-Zahlvorgang. Und siehe da! Es ist ja fast nicht zu glauben, aber tatsächlich kommt anstandslos eine Flasche in den Ausgabeschacht gerumpelt. „Hurra!“ Ich reiße die heiß ersehnte Erfrischung aus dem Automaten, drehe die Kappe ab  – und stille endlich meinen Durst.

Endlich. (Foto: Jochen G. Fuchs)
Endlich. Dank PayPal etwas zu trinken. (Foto: Jochen G. Fuchs)

Ein hoch auf die moderne Technik, mein Smartphone und meinetwegen noch auf Hofmann, das ist der Automatenhersteller, der sich mit PayPal zusammengetan hat, um die Automaten am Frankfurter Hauptbahnhof mit der neuen Bezahlfunktion von PayPal auszustatten. Vielleicht wird das ja doch noch etwas, das mit PayPal und dem Bezahlen mit dem Smartphone und Apple Pay bekommt in Deutschland zum Marktstart ernsthaften Gegenwind. Allerdings nur, wenn PayPal jetzt wirklich einen großen Rollout vornimmt – und das nicht nur vier einsame Automaten am Frankfurter Hauptbahnhof bleiben.

Ich für meinen Teil, habe endlich meinen Durst gestillt. Jetzt gehe ich erst mal einen Käuferschutz-Antrag bei PayPal stellen: Eine Cola für 4,50 Euro ist wirklich etwas zu viel des Guten.

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28 Antworten
  1. von WalterRizzi am 12.07.2015 (21:00 Uhr)

    Guter Artikel!

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  2. von Jörg am 12.07.2015 (22:10 Uhr)

    Sicher, dass die richtige Seite von dem Automatenhersteller verlinkt ist?
    Der verlinkte verkauft scheinbar vor allem Spielgeräte, die gleiche Domain mit .com scheint inhaltlich eher zu passen.

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    • von Jochen G. Fuchs am 13.07.2015 (09:04 Uhr)

      Hallo Jörg,

      völlig richtig, danke für den Hinweis – habe gerade die Domain mal mit der Kontaktadresse abgeglichen, die bei PayPal hinterlegt ist.

      Ich habe die korrekte Site verlinkt.

      Viele Grüße aus der Redaktion,
      Jochen

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  3. von Jamsven am 13.07.2015 (05:29 Uhr)

    Hier in den USA haben wir Automaten mit nfc. Ich nutze ApplePay und es klappt immer anstandslos, schnell und ohne anmelderei.

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  4. von Andreas am 13.07.2015 (09:00 Uhr)

    Hier ist der korrekte link dazu (mit einem "f"):
    http://www.automaten-hofmann.com/

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  5. von Ico am 13.07.2015 (09:31 Uhr)

    Die App schaut richtig nach Schmerzen aus.

    1.50-> 1,50
    Nur stellenweise Lust zur Übersetzung gehabt.
    Usability Fail: "Verlassen", Klickbar oder doch nur Überschrift ;)

    Das diese App durch die Apple zertifizierung gekommen ist m.E. erstaunlich.

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  6. von DirkMeyer am 13.07.2015 (10:13 Uhr)

    Hallo Jochen,

    Spannend, dass man inzwischen auch "in der realen Welt" mit PayPal bezahlen kann. Hast du noch ungefähr im Kopf, wie lange das Bezahlen gedauert hat?

    Spannend fände ich auch ein Update, ob dein Käuferschutz-Antrag durchgegangen ist!

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    • von Jochen G. Fuchs am 13.07.2015 (11:43 Uhr)

      Hallo Dirk,

      definitiv ein wenig länger, als zwei Münzen in den Schlitz zu stecken. Den Automaten anhand der Nummer in der App zu identifizieren verbraucht ein paar Sekunden und die Auswahl der zu transferierenden Guthabens und die anschließende Produktauswahl am Automat ist ja quasi eine Doppelung im Vergleich zum analogen Vorgang.

      Auch wenn ich das mit volldigitalisierten Automaten von PayPal schon wesentlich schneller demonstriert bekommen habe, denke ich trotzdem nicht dass der Zeitfaktor für den Kunden entscheidend sein wird. Da reden sich viele Anbieter die Welt schön, wenn Sie das potentielle Zeitersparnis für den Kunden als Vorteil herausstreichen.

      Ich aktualisiere den Artikel und setze einen Nachtrag zur Erstattung sobald es soweit ist.

      Viele Grüße,
      Jochen

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      • von DirkMeyer am 13.07.2015 (11:46 Uhr)

        Danke für die prompte Rückmeldung, Jochen.

        Ich seh das Ganze ähnlich - bis man mobil tatsächlich "komfortabler" und schneller bezahlen kann, müssen noch viele technologische und datenschutzrechtliche Hürden überwunden werden. Bis dahin ist Bargeld immernoch die "beste Erfindung".

        Danke für das Update,

        Lieben Gruß,
        Dirk

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      • von Jochen G. Fuchs am 13.07.2015 (11:57 Uhr)

        Gerne, deinem Fazit zum Bargeld möchte ich mich allerdings nicht anschließen, ich stolpere lieber noch über ein paar Hürden, wenn mir dafür das Hantieren mit Münzen erspart bleibt – die ich eh nicht zur Hand habe, wie man sieht.

        Mein persönlicher Vorteil beim digitalen Bezahlen von Kleinbeträgen ist eher Bequemlichkeit, wie Zeitersparnis.

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  7. von irgendeinem Spinner am 13.07.2015 (10:36 Uhr)

    Wer sein Geld einem Unternehmen anvertraut, welches wahllos Kontent sperrt, der hat imho nicht mehr alle Tassen im Schrank.

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    • von Jochen G. Fuchs am 13.07.2015 (11:53 Uhr)

      Die deutsche Psychotherapeuten-Vereinigung könnte eventuell an deiner neuen Diagnoseform höchst interessiert sein: http://www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de/

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      • von irgendeinem Spinner am 13.07.2015 (15:49 Uhr)

        Das findest du garantiert nur so lange witzig, bist du selbst Opfer einer wahllosen Kontosperrung wurdest. Das schärfste ist ja, dass sie mir im Anschluss unrechtmäßig die Schließung des Kontos und entfernen sämtlicher personenbezogener Daten verweigert haben. Begründung: Das Konto müsse dazu erst ensperrt werden. Zum totlachen, wenn man nicht gerade der Betroffene ist und nicht mal eben genug Kohle locker hat um in Luxemburg zu klagen.

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      • von Jochen G. Fuchs am 14.07.2015 (15:18 Uhr)

        Auch wenn ich die einzelne Situation nicht bewerten kann, kann ich verstehen, dass du verärgert bist und auf PayPal nicht gut zu sprechen bist.

        Ich empfinde es nur als überzogen jeden, der den Dienst nutzen möchte, deshalb für verrückt zu erklären.

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      • von irgendeinem Spinner am 14.07.2015 (17:56 Uhr)

        Joa war absichtlich überzogen, weil ich die unreflektierte Art mit der Paypal als gegeben hingenommen wird nicht nachvollziehen kann. Das ist ein Unternehmen dem man sein Geld anvertraut und da fehlt meiner Meinung nach komplett die seriösität die ein Bank mitbringen muss.

        Ich sehe da auch die Journalisten in der Pflicht mal auf die Nachteile hinzuweisen.

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      • von Jochen G. Fuchs am 14.07.2015 (19:55 Uhr)

        Ja, sicher. Kritische Auseinandersetzung muss sein. Machen wir auch, aber alles zu seiner Zeit und am rechten Ort. Wenn ich bei einer Erzählung über einen konkreten Dienst anfange über allgemeine Kritikpunkte zu schwadronieren, geht das komplett am Thema vorbei.

        Völlige Kritiklosigkeit kann man mir sicher nicht vorwerfen:
        http://t3n.de/news/paypal-kritik-e-mail-adressen-579748/
        http://t3n.de/news/paypal-weg-weltherrschaft-mehr-499039/

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    • von Karl am 14.07.2015 (12:03 Uhr)

      Lieber Spinner, ich wusste bisher zwar nicht, dass PayPal auch Kontent sperrt (wo? auf deren Website?), aber wegen der Kontosperrungen hast du völlig recht. PP ist halt so etwas wie eine kriminelle Vereinigung, aber das passt ja sehr gut in unsere derzeitige politische Landschaft. ;)

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  8. von Lars Stuke am 13.07.2015 (15:05 Uhr)

    Hallo Jochen, danke für Deinen Test.
    Ich arbeite für Cumulocity, wir bieten eine cloudbasierte Internet of Things Plattform zur Anbindung von beliebigen Maschinen und Sensoren an das Internet an. Wir haben die Bezahlmöglichkeit über PayPal an Verkaufsautomaten mit PayPal umgesetzt.
    Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.
    Viele Grüße
    Lars Stuke, Cumulocity GmbH

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  9. von Goldencolt am 13.07.2015 (15:41 Uhr)

    Wollte nur bemerken, dass ich es als sehr angenehm empfinde, dass hier auf die Kommentare der User persönlich eingegangen wird.

    Den Artikel finde ich - wie so viele auf t3n - witzig geschrieben und informativ. Danke!

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    • von irgendeinem Spinner am 13.07.2015 (15:52 Uhr)

      Da muss ich dir zustimmen. Sogar auf die kritischen und provozierenden Beiträge wird eingegangen, was man dem Autor hoch anrechnen muss.

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      • von Goldencolt am 13.07.2015 (16:06 Uhr)

        Ich kannte t3n vor wenigen Wochen noch nich, sie hat sich aber sehr schnell als tägliche Onlinezeitschrift bzw Newsportal für mich etabliert. Denn es sind Themen, die ich sonst nirgends so fundiert und vor allem von Menschen aufgearbeitet finde, die auch Ahnung haben, von dem, was sie schreiben. Sehr positiv finde ich es auch, dass die Links über facebook nicht mit "Eine unglaubliche Geschichte hat sich in Arizona zugetragen" etc auf Leserfang gehen, sondern sachlich, witzig und kurzweilig das Thema angekündigt wird.

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      • von Jochen G. Fuchs am 14.07.2015 (15:19 Uhr)

        Vielen Dank für die lobenden Worte.
        Viele Grüße aus der Redaktion,
        Jochen

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  10. von Gustave am 14.07.2015 (11:20 Uhr)

    Sehr schöner Artikel, persönliche Erfahrungsberichte sind immer gut :)
    Allerdings hätte ich die Cola-Marke unkenntlich gemacht. Oder bekommt ihr Geld von denen fürs Werbung machen? ;)

    Allerdings muss ich mich der Meinung von "irgendeinem Spinner" anschließen: PayPal ist der letzte Dienst, dem ich mein Geld anvertrauen würde. Ich erinnere mich nur noch an die Aktion, wie sie das Wikileaks bzw. Assange Spendenkonto einfach gesperrt haben...

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    • von Jochen G. Fuchs am 14.07.2015 (15:30 Uhr)

      Hallo Gustave,

      nein, Geld bekommen wir dafür keines. Sonst wäre der Artikel als „Sponsored Post“ und Anzeige gekennzeichnet.

      Die Marke abzukleben empfände ich jetzt ganz ehrlich als ein klein wenig übertrieben.

      Viele Grüße,
      Jochen

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  11. von Nur mal so am 18.07.2015 (22:16 Uhr)

    Vielleicht wäre ein Wasser besser gewesen, als die Zuckerbombe Cola

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    • von Karl am 18.07.2015 (22:48 Uhr)

      Das lag mir schon seit Tagen auf der Zunge aber ich wollt’s nicht sagen. Dem Redakteur würde es bestimmt auch besser tun. ;-)

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      • von Goldencolt am 21.07.2015 (17:25 Uhr)

        Wir leben in einer Welt, wo jeder trinken kann und soll, was er will bzw wonach es ihn duerstet. Wenn jemand wissen will, was einem gut tut, dann sucht man einen Arzt auf, irgendwelche Kommentare sind unnuetz.

        Jedem Menschen wuerde Wasser besser als Cola tun, jeder Mensch weiss es und trotzdem greifen diese zu Cola, wenn sie wollen - gut so.

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