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PayPal auf dem Weg zur Weltherrschaft – mehr Vielfalt bitte [Kommentar]

PayPal auf dem Weg zur Weltherrschaft – mehr Vielfalt bitte [Kommentar]

versucht, nahezu jeden Finanz-Transaktions-Sektor zu erobern und kann in der Konsequenz weite Teile des Marktes in eine Mono-Kultur verwandeln. Ein Kommentar zu den aktuellen Entwicklungen und Planungen für Payment-Dienste bei PayPal und deren potentiellen Auswirkungen.

PayPal auf dem Weg zur Weltherrschaft – mehr Vielfalt bitte [Kommentar]
(Grafik: J.G.Weber basierend auf einem Bild von © NejroN – iStockphoto.com)
Vor kurzem hat die eBay-Tochter PayPal das eigene Portfolio um den US-Payment-Provider Braintree erweitert. Der Zukauf erweitert die Aufstellung von PayPal in Richtung Mobile-Payment, Abo-Commerce und stellt eine attraktive Schnittstellen-Plattform dar. Im Allgemeinen bemüht sich Paypal verstärkt darum verschiedene Zahlungskanäle zu erobern - vordringlich die Bereiche des Finanzmarkts, die bisher noch starke Wachstumschancen bieten. Im Bereich ist Paypal mittlerweile zu einer Größe geworden, die nicht mehr wegzudenken ist. Nahezu jede Shop-Installation hat standardmäßig diese Zahlungsmethode im „Auslieferungszustand“ bereits integriert. Man kann durchaus behaupten dass Paypal eine gewisse Markt-Macht besitzt.

Wenn nun weiteren Initiativen wie Paypal Here, PayPal Beacon oder PayPal Cash-for-Registers zu dem selben Ergebnis im klassischen Einzelhandel führen, dürfte der Weg zur Finanz-Weltmacht vorprogrammiert sein. Kein Unternehmer oder Verbraucher wird an PayPal vorüber gehen (können). Alternative Zahlungsmethoden werden durch die PayPal-Dominanz in ihrer Verbreitung behindert. Der Markt leidet – und damit auch der Verbraucher. Ein Beispiel: Quasi-Monopolisten können Preise für Finanz-Transaktionen diktieren, die an den Kunden weitergegeben werden. Damit sich ein gesunder Markt entwickeln kann, müssen Verbraucher wie Händler auch alternativen Zahlungsmethoden eine Chance einräumen.

PayPal Here, ein Kartenlesegerät für den Einzelhandel.(Screenshot: Paypal)
PayPal Here, ein Karten-Lesegerät für den Einzelhandel. (Screenshot: PayPal)

Ein vielfältiges Angebot ist gesund für den Markt und den Kunden

Das vielfältige Angebot der Marke PayPal ist beeindruckend: PayPal Here, PayPal Cash-for-Registers, PayPal Beacon, PayPal QRShopping, PayPal Apps für iOS und Android und vieles mehr. Auch wenn manche Dienste ein wenig wie eine wildgewordene Zukunftsstudie erscheinen – wie PayPal Beacon. Aber diese Vielfältigkeit ist nicht gemeint. Nein, vielmehr spiele ich auf eine Anbieter-Vielfalt an, auf eine für den Wettbewerb und für die Verbraucher-Interessen wichtige Vielfalt. Nicht umsonst existieren Plattitüden wie „Konkurrenz belebt das Geschäft“, eine Hegemonie, eine ausschließliche Vorherrschaft eines Einzelnen ist der Tod der freien Marktwirtschaft. Diktiert ein Anbieter die Preise und die Bedingungen, diktiert er über das Wohl und Wehe einer ganzen Ökonomie, die sich um diesen Anbieter schart.

Im Falle von PayPal scheint dieser Punkt schon erreicht zu sein: Es existieren Webseiten, die Schicksale von Händlern aufführen, die nach eigenen Angaben an einer PayPal-Sperrung zugrunde gegangen sind. Sicher, das Geschäftsmodell des betroffenen Händlers mag man in Frage stellen. Auch wäre der Wahrheitsgehalt solcher Äußerungen noch zu prüfen. Trotzdem sind es keine Einzelschicksale, viele Unternehmer begeben sich in die Abhängigkeit eines einzelnen Zahlungsdienstes, sobald der Großteil des Umsatzes über einen Zahlungskanal hereinkommt, Crowdfunding Projekte scheitern (beinahe), weil PayPal die Konten einfriert. Da möchte man den Unternehmern, den Marktplätzen und den Kunden zurufen: „Ja, existieren denn gar keine andere Zahlungsmethoden mehr neben PayPal?“. Doch! Sie existieren. Mögen sie, wahllos genannt Yapital, Sofort-Überweisung, Google Wallet oder auch schlicht alternative Zahlungsmethoden heißen. Das mag jetzt ein wenig weltverbessernd klingen, aber: Nutzen wir gemeinsam unsere Macht als Unternehmen oder Verbraucher um für Diversifikation, für mehr Vielfalt zu sorgen. Einfach mal eine andere Zahlungsmethode nutzen oder einbinden, neu startenden Diensten eine Chance einräumen. Einfach sich mal etwas blauäugig und innovationsfreudig in Bewegung setzen und etwas nutzen, was noch nicht wirklich weit verbreitet ist. Die Verbreitung des neuen Dienstes wird sich schließlich ändern. Und damit auch der Markt und seine Möglichkeiten – was sowohl Verbrauchern als auch Unternehmen zu gute kommt.

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3 Antworten
  1. von Robotini am 03.10.2013 (13:06 Uhr)

    Mangelnde Vielfalt von Anbietern sehe ich mittlereile als das wesentliche Problem im Internet an. Alle grossen Plattformen (Google, ebay, Amazon, etc.) sind amerikanische Unternehmen, welche die Konkurrenz einfach aufkaufen, bevor sie Ihrem jeweiligen Quasi-Monopol gefährlich werden können. Durch Ihre Marktmacht und den entsprechenden Umsatz sind sie zudem in der Lage, mit den besten Köpfen ihr Angebot kontinuierlich zu optimieren und sich so auch qualitativ noch weiter von der Konkurrenz abzusetzen.

    Aber sind wir realistisch: die meisten von uns sind in Ihrem "Walled Apple/Google/Irgendwas Garden" völlig zufrieden. Solange wir Nutzer aus Bequemlichkeit oder Ignoranz weiter Anbieter nutzen, die unsere Daten an die NSA verkaufen, keine Steuern zahlen oder Arbeiter für Niedrigst-Löhne beschäftigen, wird sich daran nichts ändern.

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  2. von Erdal am 03.10.2013 (15:20 Uhr)

    Die Mark-Macht einzelner Firmen in jeweils unterschiedlichen Bereichen wird immer mehr, wie ich finde. Mir persönlich ist es sehr wichtig, gegen 'Quasi-Monopolisten' etwas zu nehmen. Jeder ist gefragt, in seinem Aktions-Bereich wenigstens ab und zu mal zur Alternative zu greifen.

    Deswegen sprichst Du mir aus dem Herzen Oli.
    Aber ich bin mir nicht sicher, ob Deine Redaktions-Kollegen genauso denken. Ich meine, da gehören die meisten eher zur Gruppe der "Marken-Botschafter" also "Jünger".

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  3. von NFC für alle am 04.10.2013 (21:21 Uhr)

    Man schafft es ja nicht mal, QR-Codes für Überweisungs-Daten zu etablieren.
    Stattdessen bricht die Wirtschaft vielleicht zusammen weil Überweisungen falsch landen wenn die Kunden 30stellige IBAn-Nummern nicht ohne Zahlendreher eingegeben bekommen oder wenn Kunden die Nummern nicht eingeben und Rechnungen liegen lassen. Wird IBAN das neue E10 ?

    US-Firmen können die Ideen umsetzen weil Innovatoren in Diktaturen keine Chance kriegen. Und auch wenn man für IT-Patente und Abmahnungen bezahlen muss, wird ein Informatik-Studium vielleicht unprofitabel.
    Wenn Ihr Euch fragt, warum Europa zu wenig weltweite Startups bringt, fragt Euch mal, welchen persönlichen Vorteil Politiker (oder Manager oder Banker) davon hätten ?

    Das was Square und Dwolla machen hätten eigenständige Ideen von Paypal sein müssen. Doch Paypal und Skype haben sich lange Zeit (nach dem Aufkauf durch Ebay) nicht weiterentwickelt. Skype wurde m.E. erst besser als Microsoft es aufkaufte. Paypal war m.E. bisher eher nicht der Innovator. Und die gepriesenen Alternativen wie GoogleWallet gibts überwiegend nur in USA. Und m.W. ist doch Amazon-Wallet (oder wie es heisst) der Payment-Dienst für einen der großen Crowdfunding-Dienste (Kickstarter ? ... ) .

    Sparkassen, Banken usw. haben seit Onlinebanking eher wenig hilfreiches eingeführt. Seltsamerweise aber werden/wurden wohl NFCs in die EC-Karten eingebaut. Die Banken haben evtl. Befürchtungen, das (im Gegensatz zu Apps... usw.) durch NFCs sich vielleicht wirklich etwas ändern könnte. Schon traurig, das NFC und RFID beide noch zu wenig verbreitet sind.

    Davon abgesehen sieht man am Pricing der vielen Zahlungs-Dienstleister, das wohl oft die Kosten der Kreditkarten-Anbieter (auch welche man oft wohl zugreifen muss) durchgereicht werden. Die Preise sind wegen der Gebühren für Kreditkarten-Firmen also vielleicht nicht so frei festlegbar wie bei den Lieferdiensten wo es evtl vor kurzem teilweise Preiserhöhungen gab. Wer Strom will, muss die Netze der großen Stromanbieter nutzen. Wer Geld bewegen will, muss die Kreditkarten-Firmen nutzen. Paypal auszutauschen tauscht also nur einen Teil der Oligopol-Strukturen im Weg einer Geldübertragung aus.

    Habt Ihr nicht ein Startup vorgestellt welches Leuten ermöglicht, an ihre Verwandten in Südamerika o.ä. Geld zu schicken ? Das könnte doch auch mit Itunes-Guthaben geregelt werden welches man sich dann vor Ort auszahlen lassen kann.
    Facebook könnte eine große Bank werden und Kredite sozial unterstüzt ermöglichen.
    usw.
    Die Motivation fehlt wohl.

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