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Peer Steinbrück auf der #NEXT2013: „Die vierte industrielle Revolution anführen“

Die Berliner NEXT-Konferenz ist bekannt dafür, dass sie ein Hort für Digital-Enthusiasten, visionäre Zukunftsforscher und clevere Startup-Gründer ist. Dieses Jahr hat sich auch ein Kanzlerkandidat die Ehre gegeben. Peer Steinbrück trat mit einer Rede an die Digitalos heran, die wir so bisher eher selten von deutschen Politikern hörten.

Peer Steinbrück auf der #NEXT2013: „Die vierte industrielle Revolution anführen“

Peer Steinbrück spricht auf der NEXT 2013

Peer Steinbrück NEXT 2013
Peer Steinbrück auf der NEXT 2013: „Die vierte industrielle Revolution anführen“ (Bildquelle: Flickr, NEXT Berlin)

Ein ungewohnter Gast auf der jährlich stattfindenden NEXT-Konferenz in Berlin ist am Dienstag wohl Peer Steinbrück gewesen. Der SPD-Kanzlerkandidat, ließ es vor der versammelten digitalen Bohème ziemlich krachen mit einer Rede, die in der deutschen Politiklandschaft dieser Tage ihresgleichen sucht. Ein Pragmatiker unter den Visionären, könnte man dennoch meinen. Diesen Pragmatismus schienen ihm allerdings viele abzukaufen. Was Peer Steinbrück will? Nichts weiter als „die vierte industrielle Revolution anführen“.

Der Hamburger stellte klar, dass er nicht damit rechne, dass ein zweites Google oder Facebook aus Deutschland kommen wird, scheint aber zu wissen, dass viele altbewährte Exportschlager inzwischen mindestens genauso so digitalisiert sind oder eben neu-modische Informationstechnik benötigen, um produziert zu werden. Beispielhaft erwähnt er den 3D-Druck. Ein Kunde in der Autowerkstatt brauche in Zukunft nicht mehr auf Ersatzteile warten, denn diese werden direkt vor Ort gefertigt werden, erklärte der Politiker vor seinem interessierten Publikum. Steinbrücks tiefergehende Erkenntnis: „Die Wertschöpfung wird sich ändern und dezentraler ausgerichtet“.

Was die Zukunft also bereit hält ist, dass Waren am gleichen Ort designed und gefertigt werden müssen. Steinbrück glaubt, dass es den Deutschen zugute kommt, dass die Bundesrepublik in den vergangenen Jahren, ihr industrielles Rückgrat bewahrt hat. Zudem sind die hiesigen Mittelstandsfirmen gut aufgestellt, um individuelle Kundenwünsche zu befriedigen. Also alles nach vorne?

Die Rahmenbedingungen stimmen nicht

Um die Industrie 4.0 zu verwirklichen, müsse man in Deutschland jedoch die Infrastruktur erst einmal dringend nachrüsten: „Wir liegen beim Breitband weit zurück, sogar hinter Rumänien“, meinte Steinbrück. So wie einst die deutschen Autokonzerne von der Autobahn profitiert haben, müsse man jetzt verstärkt die Breitband-Autobahnen zur Verfügung stellen. Und da ist die deutsche Politik gefragt. Vorzugsweise die SPD. Steinbrück verspricht (!) im Falle seiner Wahl die Universaldienstverpflichtung auf das Hochgeschwindigkeitsnetz auszudehnen. Das bedeutet, dass Provider dann auch entlegene Haushalte mit Breitband versorgen müssen. Auch, wenn sich das wirtschaftlich womöglich nicht besonders rentieren wird.

Neben der Infrastruktur will der Kanzlerkandidat jedoch auch in die Bildung und in das Gründertum investieren. Somit möchte Steinbrück mehr digitale Kompetenzen fördern, indem er beispielsweise für jeden Schüler ein Laptop bereitstellt – finanziert unter anderem durch eine Anhebung der Einkommenssteuer für Reiche. Zudem möchte er den Durchstartern helfen. Dass diese einen besseren Zugang zu Wagniskapital erhalten, hält der Politiker für wichtig. Den künftigen Unternehmern müsse ganz einfach ermöglicht werden, „frei zu fliegen und sicher zu landen“. Und daher sollte auch die Finanzindustrie eher in junge investieren, anstatt in riskante Finanzpapiere. Das Sahnehäubchen stellte Steinbrücks Methapher einer „Gesellschaft des Scheiterns“ dar. Er will mit diesen Worten darauf hinaus, dass Unternehmer manchmal eben auch einen zweiten oder dritten Versuch brauchen und man denen diese Möglichkeiten einrichten muss.

Kommentar: Peer Steinbrück im Wahlkampf

Auch wenn viele Peer Steinbrück Beifall gezeugt haben und nickend auf das Podium schauten, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass die Zeichen auf Wahlkampf stehen. Ich befürworte die Vorsätze und bin doch skeptisch, wie viel der Kanzlerkandidat davon tatsächlich einhalten wird, wenn es denn zu seiner großen Stunde kommt.

Nicht nur, dass Peer Steinbrück sich in den vergangenen Jahren nicht sonderbar loyal gegenüber den digitalen Belangen gezeigt hat, vieles scheint so auch fast ein wenig utopisch. Allen voran die Aussage: „Für jeden Schüler ein Laptop“, finanziert durch die Anhebung der sogenannten Reichensteuer. Dieses Ziel halte ich für sehr gewagt. Denn die deutsche Mentalität reicht sicherlich nicht aus, eine solche Steuererhöhung zu akzeptieren um Laptops bereitzustellen. Auf der anderen Seite glaube ich ihm, dass er sich um die „Breitband-Autobahnen“ kümmern möchte. Denn hier kommt sicherlich die Steinbrück'sche Vernunft zu tragen. Die vierte industrielle Revolution ist im Gange. Die Netze müssen darauf vorbereitet werden. Da dürfte doch auch ein Digital-Novize wie er kaum noch handfeste Gegenargumente finden, oder?

Weitere Impressionen der NEXT 2013:

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3 Antworten
  1. von datenkind am 23.04.2013 (23:39 Uhr)

    Breitband für alle, bis nach 3 Stunden die Telekom die Leitung dicht macht. Hahahaha, was für ein Gelaber …

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  2. von Christian am 24.04.2013 (09:09 Uhr)

    „Wir liegen beim Breitband weit zurück, sogar hinter Rumänien“

    Wenn das wirklich so ist, ist das aber mehr als peinlich...

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  3. von Rot-Grün wird die Verbesserung erbringe… am 24.04.2013 (17:20 Uhr)

    Rot-Grün hatte zu Zeiten des neuen marktes 7 Jahre lang die Macht.
    - Kein digitalen Besitz und Weiterverkauf definiert. M$ oder vielleicht auch Sony entscheiden ob man seine legal gekaufte Software weiterverkaufen kann. Gebrauchtmärkte wie bei Auto-Teilen existieren wenige und mussten oft genug bis zum Verfassungsgericht klagen.
    - Kaum DSL-Ausbau. Tausende Lücken.
    - 4 UMTS-Netze, 3-4 LTE-Netze. EIN Netz wäre billiger, verfügbarer und besser. Stattdessen wird man von 3 Antennen bestrahlt und wenn man beim vierten Provider ist, hat man trotzdem keinen Empfang.
    - WLAN-Störer-Haftung hätte Rot-Grün auch abschaffen können.
    - Die Ebook-Preisbindung war m.W. ein rot-grünes Gesetz
    - Elektronische Gewerkschaften und Bürger-Zentren gibts bis heute nicht.
    - Internet-Bürger-Crowds wie in England gibts m.W. auch bis heute nicht. Es soll in manchen Staaten sogar Parteien geben die Multimillionäre im Hinterzimmer zu Spitzen-Kandidaten machen.
    - Abofallen wurden von Rot-Grünen Digital-Gesetzen verhindert ?
    - Einheitliche 12Volt-Stecker um viele Steckernetzteile am TV oder PC einzusparen ? Aldis Docking-Festplatte ist mit das Fortschrittlichste.
    - ...QR-Codes auf Rechnungen um nicht endlos Zahlen abtippen zu müssen ?
    - Digitale Lastschrift ? Das könnte jede SPD-Nahe Sparkasse oder Volksbank einführen.
    - Funktionierende elektronische Gebraucht- und Leih-märkte ? Sowas ist super-sozial und wäre am Wochenende programmiert aber auf Abmahnungen und Trivialpatente oder Patent-Trolle habe ich keine Lust.
    - ...

    Obama und viele andere Politiker reden gerne von "Industrien". Das sind Geschäftsmodelle wo man Zillionen Menschen mit Arbeit geben kann:
    - Krieg
    - Kanal-Buddler
    - Eisenbahn-Buddler
    - Autobahn-Bauer
    - Minen-Arbeiter (auch Buddeln)
    - Stahl-Schweisser
    - Baumwoll-Pflücker, Erdbeer-Pflücker, Spargel-Stecher,...
    - Näherinnen
    - Call-Center-Verkäufer
    ...
    Die Zeiten sind aber vorbei. Selfservice und Autonome Geräte oder die Google-Roboter-Autos machen viele Arbeiten überflüssig. Die Bürgerliche Ehefrau hat ja auch keine Mägde und Haushalts-Hilfen sondern Waschmaschinen, Spülmaschinen, autonomen Rasen-Mäher.
    Die vielen 400 Euro-Kräfte sind oft genug Kassierer oder Zeitungs-Austräger. Das machen bald Maschinen wenn der Ipad-Rentner seine Zeitung auf dem Pad liest und man per RFIDs bezahlen kann.


    Und ich brauche weder Kredite noch Subventionen sondern nur den Schutz vor Abmahnungen und Existenzvernichtung durch beispielsweise Trivialpatente. GmbHs helfen durch Geschäftsführer-Durchgriffs-Haftung eher wenig. Nach der Existenzvernichtung ist man zu alt für eine zweite Chance und mal wieder hat die Gemeinschaft und ehrliche Kunde die Schulden und unbezahlten Rechnungen der vielen Insolvenz-Firmen bezahlt.
    Was ein Glück das Neuer Markt, Neue Heimat, Coop, die Zeitungen in SPD-Besitz, die Eisenbahn usw. so gut laufen und falls doch nicht, vielleicht ja die anderen Schuld sind... .

    Wer Politiker beobachtet (schade das Piraten das nicht machen) könnte die Wahlkampfreden sammeln und sehen das 90% immer dieselben Texte (Wer ist denn der Urheber und wie viel kriegt er für Versprechen wie "Mit uns keine Mehrwertsteuer-Erhöhung" "Projekt-18" "DSL-für-Alle" "Blühende Landschaften" ... ?) mit lokalen Ergänzungen sind. In Dortmund wünscht man dem BVB alles gute, 1 Stunde später in Gelsenkirchen kriegt Schalke Lob und einen Tag später in München der FC Bayern München und 1860 und der Rest der Rede ist überwiegend gleich. Diesen Leuten und ihren nachhaltigen Leistungen und Entscheidungen verdankt Ihr Eure Lebens-Einnahmen und Rente....

    Digitale Schule (mit viel weniger Lehrern und wesentlich höherer Effizienz) hätte man vor 10 Jahren schon beginnen können und z.B. kostenlose Schulbücher und Vorlesungen organisieren können. Mir sind die Rechtsrisiken aber zu teuer denn sonst wären Wikipedia, Wiki-University, Wiki-Learn und natürlich Crowdfunding deutsche Projekte geworden... . Dadurch verliert das Volk Jahre im Fortschritt und die entgangenen Einnahmen kann man eher nie mehr wieder aufholen. Das man nach dem Studium als Praktikant arbeitet und oft genug vielleicht Realschülern den Job wegnimmt und das Studium oft vielleicht nicht wirklich gebraucht hätte, ist ihm vielleicht auch noch nicht bekannt... .

    Welche Verbesserungen haben 7 Jahre Schröder/Trittin/Nahles/Roth/... gebracht ? Dosenpfand ? Hartz4 ? Verhinderung der Bankenpleite ? Verhinderung der Hausbau-Blasen in USA und Südeuropa ? Wirksame Kontrolle der EU-Beitrittsländer ? Stabile Wirtschaften in Irland und Island ? Abbau und Rückzahlung aller Subventionen ? Stabile Solar-Branchen und gigantische deutsche Solar/Wind/Öko-Exporte weltweit ? E10 für alle ? Elektro-Fahrräder-Boom ? Smartphones-Welle ? Tabletts-Welle ? gesteuerte und preis-optimierte DVB-T2-Einführung ? Günstige UMTS-Tarife ? ...

    Wenn die Grundversorgung wirklich kommt, braucht man plötzlich keine Glasfasern mehr bis zum Bauernhof sondern WiFi-Schlitze in den Grauen Kästen (die wirklich fast überall herumstehen) funken bis zum Bauernhof. Seltsam wie billig manchmal manches plötzlich dann doch geht... . Opto-Netze auf LED/Laser-Basis sind möglicherweise Lizenzfrei. WiFi nimmt man dann als Fallback. Kirchtürme oder Sendemasten gibts fast überall in Sichtweite vom Dach aus. Vollversorgung ist eher ein Mangel an Motivation und weniger an technischer Unmöglichkeit.

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