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Die perfekte Twitter-Biografie: Was muss rein und was bleibt lieber draußen?

Die perfekte Twitter-Biografie: Was muss rein und was bleibt lieber draußen?

In seiner Kolumne räumt Björn Tantau mit problematischen Twitter-Biografien auf: Was ist sinnvoll? Was ist unangebracht? Und was geht zwar durch, kann aber optimiert werden? Ihr erfahrt es in seinem neuesten Artikel.

Auf ist man grundsätzlich eingeschränkt. Das liegt an der natürlichen Begrenzung von Textnachrichten, 140 Zeichen stellen manche Zeitgenossen vor eine echte Herausforderung. „Fasse dich kurz!“, lautet also das Motto und genau gilt auch für die eigene Biografie auf Twitter. Dort hat man mit 160 Zeichen etwas mehr Platz – für ausschweifende Beschreibungen reicht das aber trotzdem nicht. Wie also liefert man trotz dieser systemischen Handicaps eine perfekte Twitter-Biografie ab? Welche Inhalte müssen rein und worauf sollte man lieber verzichten?

Björn Tantau über die perfekte Twitter-Biografie. (Screenshot: Twitter)
Björn Tantau über die perfekte Twitter-Biografie. (Screenshot: Twitter)

Erfolgreich aus der Masse hervorstechen

Mehrere hundert Millionen Twitter-User produzieren weltweit bis zu 6.000 Tweets pro Sekunde. Eine ganze Menge und wenn man sich vor Augen führt, dass man selbst auf Twitter gegen diese Masse von Informationen ankämpfen und hervorstechen muss, dann kann einem schon Angst und Bange werden. Allerdings – und das ist die gute Nachricht – kann man sich mit einer möglichst aussagekräftigen Twitter-Biografie wichtige Vorteil verschaffen, wenn man sich an die Regeln hält.

Im Prinzip gibt es bei der eigenen Twitter-Biografie lediglich darum, potenziellen Followern schnell und glasklar deutlich zu machen, was man selbst macht und auf welche Inhalte andere sich freuen können. Wenn man hier gut arbeitet, dann ist die Chance, viel mehr Follower einzusammeln, deutlich höher.

Wie im gesamten Internet auch, entscheiden die User auf Twitter innerhalb von Sekunden, ob ein bestimmter Inhalt sehens-, lesens- und am allerwichtigsten folgenswert ist. Wer es nicht schafft, in den ersten paar Sekunden die zentralen Aspekte der eigenen Twitter-Biografie überzeugend rüberzubringen, wird sich sehr wahrscheinlich nicht über steigende Follower-Zahlen freuen.

Frühzeitig auf Mehrwerte und Vorteile hinweisen

160 Zeichen für die perfekte Twitter-Biografie? Wahrlich nicht viel Platz. Was jedoch auf jeden Fall rein muss sind passende Keywords. Diese Begriffe sollten 100%ig für das stehen, was man selbst auf Twitter veröffentlicht. Stichpunktartige Veröffentlichungen können ihren Reiz haben, ich selbst bevorzuge richtige Sätze. Worum also geht es auf dem Twitter-Account, worauf können sich potenzielle Follower freuen? Was macht den eigenen Twitter-Account besonders und was bietet er, was andere nicht bieten?

Wer seine Website verlinken will, der soll das tun. Hier aber bitte daran denken, dass man ohnehin ein Feld von Twitter bekommt, wo man das erledigen kann. Und weil wir ja in Deutschland leben, muss man auch immer brav auf das eigene Impressum hinweisen. Wer das nicht tut, riskiert eine Abmahnung. Welche URL sollte also rein? Hier bitte genau nachdenken und sich in die Lage potenzieller Follower versetzen: Ist die URL (außer, wenn es sich um das Impressum handelt) wirklich wichtig? Können neue Follower auch ohne diese Information leben und lässt sich der Platz nicht doch besser nutzen?

Was in eine perfekte Twitter-Biografie gern aufgenommen werden kann: Referenzen sowie Auszeichnungen. Es interessiert potenzielle Follower durchaus, was man selbst getan hat und wie man es getan hat – wurde man dann auch noch dafür ausgezeichnet, ist das eine gute Sache, die man öffentlich präsentieren sollte. Bitte nicht falsch verstehen: Keine Superlative präsentieren, vor allem nicht bezogen auf den eigenen Job! Dinge wie „Tollster Geschäftsführer“ oder „Geilster SEO“ kann niemand objektiv nachvollziehen. Wurde man für die eigene Arbeit dagegen von Dritten ausgezeichnet, kann man darüber auch sprechen, schließlich ist das glaubwürdig und objektiv.

Wer potenzielle Follower nervt, wird sie nicht zu wirklichen Followern machen

Wenn man eine persönliche Note hinzufügen will, dann ist auch das erlaubt. Hier aber ebenfalls bitte sparsam sein und nicht übertreiben, außerdem sollten solche Dinge eher an das Ende der eigenen Biografie auf Twitter gestellt werden. Vorn braucht man den Platz, um den Leuten zu erklären, was man tut, wie man das tut und warum man in der persönlichen Disziplin so gut ist, dass andere Twitterati folgen sollten. Angeberei kommt nie gut, Twitter (und andere soziale Netzwerke) ist da keine Ausnahme. Wer sich aber selbst kompetent darstellt, die Informationen durch die Äußerungen Dritter untermauern kann und dabei noch authentisch wirkt, wird viele neue Follower generieren können.

Damit das mit der perfekten Twitter-Biografie aber auch wirklich klappt, gibt es einige Klippen zu umschiffen. Hier kann man schnell Schiffbruch erleiden, weswegen die folgenden Hinweise besonders wichtig sind. Der erste Hinweis ist mir fast am wichtigsten, weil es mich immer wieder nervt, wenn ich sie sehe – die „Hashtag-Wüsten“. Ich vermute, dass irgendwann mal irgendein selbsternannter „Social-Media-Guru“ empfohlen hat, auch in der Biografie auf Twitter möglichst viele Hashtags zu verbauen. Völliger Unsinn, denn es stört den Lesefluss potenzieller Follower. Mit haufenweise Hashtags ist es für das Auge sehr schwierig, einen sinnvollen Zusammenhang herzustellen. Folge: Schnelle Ermüdung. Die Leute haben schlicht und ergreifend keine Lust, sich durch diese kryptisch anmutenden Zeichenfolgen zu ackern.

Auch kluge Zitate bringen nicht wirklich was. Erstens kann man diese Zitate auch woanders nachlesen und zweitens sind sie fast nie auf dem eigenen Mist gewachsen. Wo also ist da der Mehrwert für einen potenziellen Follower? Was kann er von jemandem erwarten, der sich nicht mal in der eigenen Twitter-Biografie die Mühe macht, einen eigenen Text zu kreieren? Dass man in seinem Twitter-Profil übrigens weder Schimpfworte noch Kraftausdrücke nutzen sollte, setze ich mal voraus – es sei denn, man hat ein ganz bestimmtes Thema vorliegen, das ohne solche Sprüche naturgemäß nicht auskommt.

Echte „Social-Media-Gurus“ schreiben sich das nicht in die Biografie

Ebenfalls völlig überflüssig sind Superlative, ich hatte es oben schon angedeutet: „Guru“, „Ninja“, „Held“ und so weiter – das mag alles im Rahmen einer Marketing-Kampagne lustig sein, auf Twitter ist es aber erstens nicht nachvollziehbar und zweitens schon ziemlich ausgelutscht. Außerdem folgen viele „Gurus“ und „Ninjas“ selbst 100.000 Leuten, haben aber auf der anderen Seite auch nur 100.000 Follower. Bedeutet: Diese Leute haben jahrelang das „Folge-mir-ich-folge-dir“-Spiel gespielt und besitzen in Wirklichkeit keine qualitative Reichweite. Wer aber selbst wenigen folgt und auf der anderen Seite sehr viele Follower hat, der zeigt deutlich, dass die eigenen Inhalte thematisch relevant sind – denn sonst hätte man selbst nicht so viele Follower.

Ganz übel sind auch Twitter-Biografien, die etwas verkaufen wollen. Wir alle wollen Geld verdienen, klar. Social Media ist aber nach meinen Erfahrungen als direkter Kanal für Sales nur sehr bedingt zu gebrauchen. Zum Aufbau von Reichweite allerdings und für den Markenaufbau gibt es nichts Besseres als Social Media. Wer in seiner Twitter-Biografie jedoch gleich etwas zum Kauf anbietet, wird damit sehr wahrscheinlich nur eine geringe Zahl von Followern begeistern können – wenn überhaupt. Grundsätzlich sind solche Accounts eher als digitales Störfeuer zu betrachten.

Es ist also nicht so schwer, sich mit einigen simplen Überlegungen in potenzielle Follower hineinzuversetzen. Auch wenn Social Media von vielen Nutzer gern als „Kanal zur Selbstverwirklichung“ angesehen wird – die meisten stehen dann doch mehr auf harte Fakten und auf Dinge, von denen sie persönlich Vorteile und Mehrwerte haben. Private Stories oder überflüssige Inhalte sind daher in den meisten Fällen fehl am Platz, weil sie oft einfach nur nerven und von wichtigeren Dingen abhalten. Wer auf Twitter viel Reichweite erzeugen und damit auch Traffic generieren will, sollte potenziellen und bestehenden Followern immer nur Inhalte mit Mehrwert bieten. Inhalte, die ein Problem lösen oder auf andere Weise aus der Masse hervorstechen. Die Twitter-Biografie als erster Kontaktpunkt mit einem Profil stellt da keine Ausnahme dar.

Übrigens: Wir haben vor einigen Tagen die Twitter-Profile unserer t3n-Mitarbeiter kuratiert. Seid ihr schon verdrahtet?
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Eine Antwort
  1. von Gleck am 12.06.2014 (11:25 Uhr)

    Deflationsgefahr beim Folgen und Folgen lassen :-D
    Wer vielen folgt ist nichts mehr wert, laut diesem Artikel...
    Ich dachte man findet Twitter toll weil man Leuten folgt und dafür auch gefolgt wird. Nun muss wohl jeder nur noch Oberboss sein und nicht zu viel selbst zu folgen, sonst ist man kein "influencer".

    Das ist der Weg vom sozialen zum asozialen Medium. Wünsche Euch weiterhin Spass auf Zwitscher.

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