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PGP-Erfinder Phil Zimmermann: „Ich kann meine eigene Erfindung nicht mehr nutzen“

PGP-Erfinder Phil Zimmermann: „Ich kann meine eigene Erfindung nicht mehr nutzen“

Verschlüsselungsexperte Phil Zimmermann bewertet auf der den Streit zwischen und FBI – und beantwortet die Frage, ob seine Erfindung PGP auch nach 25 Jahren noch die beste Wahl ist.

PGP-Erfinder Phil Zimmermann: „Ich kann meine eigene Erfindung nicht mehr nutzen“

PGP-Erfinder Phil Zimmermann.

Phil Zimmermann auf der CeBIT

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Wie stark sich die Meinung zur Verschlüsselung von Daten geändert hat, beschreibt Phil Zimmermann an einem Beispiel. „Wenn du in den 90er-Jahren gesagt hast, dass du deine Daten verschlüsseln willst, haben die Leute gefragt: ‚Verkaufst du Drogen? Was hast du zu verstecken?’“, sagt der Erfinder der Verschlüsselungstechnik Pretty Good Privacy (PGP). Heute ist das anders. Die Stimmung hat sich gewandelt, sie hat sich zugunsten von Programmen wie PGP entwickelt. „Wenn beispielsweise ein Krankenhaus die Daten seiner Patienten nicht verschlüsselt, macht es sich strafbar“, so Zimmermann bei einem Gespräch auf der CeBIT.

In der Messehalle 8 stellt sich der Verschlüsselungsexperte den Fragen von Re/code-Autor Arik Hesseldahl. Das Gespräch erinnert an eine kleine Zeitreise durch die vergangenen 25 Jahre, angefangen bei der Erfindung des PGP-Schlüssels 1991 über die NSA-Enthüllungen bis ins Smartphone-Zeitalter und zum aktuellen Streit zwischen Apple und FBI.

Zimmermann hat die PGP-Technik 1991 entwickelt. Damals, sagt Zimmermann, sei PGP ein „Human Rights Project“ gewesen, ein Projekt für das liberale Bürgertum. Dann endete der Kalte Krieg und die Globalisierung startete. „Die Unternehmen machten plötzlich Geschäfte auf der ganzen Welt und mussten sich gegen neue Bedrohungen wappnen“, so der Erfinder. Das habe seine Technik zu einem Business-Tool gemacht. Mit dieser Entwicklung wurde Phil Zimmermann selbst zur Zielscheibe: Die Regierung habe versucht, ihn ins Gefängnis zu bringen, erzählt er. Drei Jahre lief eine Untersuchung gegen ihn, es kam aber nie zur Anklage.

„Das Ausmaß ist unglaublich“

Gerade durch diese Öffentlichkeit habe die freie Software an Beliebtheit gewonnen, sagt Zimmermann rückblickend. Wie wichtig das Thema für die Gesellschaft einmal sein würde, war damals aber nicht abzusehen. Die Erkenntnis, warum ein Tool wie PGP nützlich sein könnte, rückte der großen Öffentlichkeit erst durch die Enthüllungen von Edward Snowden ins Bewusstsein.

Die Verschlüsselungs-Community habe schon lange vor dem Skandal damit gerechnet, dass die NSA die Daten im Netz sammele, erklärt der Gründer von PGP Inc auf der Messe. Aber von den Dimensionen zeigt auch er sich überrascht. „Das Ausmaß ist unglaublich“, sagte Zimmermann auf der Cebit. „Die Enthüllungen gingen weit über das hinaus, was die Crypto-Community erwartet hatte.“

Den Streit zwischen Apple und dem FBI sieht Zimmermann als Konsequenz aus dem NSA-Skandal. „Die gesamte Computerindustrie hat nach den Enthüllungen reagiert, indem sie ihren Schutz verbessert hat“, sagte er auf der Cebit. Jetzt reagiere die Gesetzgebung. Der Streit dreht sich um die Frage, ob Apple ein iPhone eines Terroristen entschlüsseln muss.

Ist PGP heute noch sicher?

Unternehmenschef Tim Cook sieht darin nur einen Weg des Geheimdienstes, um eine Hintertür für das Smartphone zu entwickeln. Ein Gericht hatte angeordnet, dass Apple eine iOS-Version entwickeln solle, die einige Sicherheitsmechanismen einfach ausschalten würde. Nicht nur Cook hält das für keine gute Idee: „Das wäre katastrophal“, meint Zimmermann. „Das wäre so, als würde man den Ozean trockenlegen, um ein U-Boot zu finden.“

Dass Geheimdienste Daten ausspähen, stellt für einige auch das System PGP infrage. Die Erfindung sei ja 25 Jahre alt, merkt ein Zuschauer an und fragt, ob Zimmermann die Technik immer noch für die beste Verschlüsselung halte. „Ja, für die E-Mail schon“, antwortet der Unternehmer. Das Smartphone-Zeitalter macht es PGP allerdings schwer – dort funktioniert das System nicht. „Ironischerweise kann ich meine eigene Erfindung nicht mehr nutzen“, sagt Zimmermann.

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3 Antworten
  1. von Mehr für mehr am 18.03.2016 (11:50 Uhr)

    google: NSA: Amerikas großes Ohr - DER SPIEGEL 8/1989
    Damals gabs die DDR noch.
    Im Prinzip hat Snowden also nichts neues geliefert.

    Wenn man nützliche Software kriminalisiert, braucht man sich über den Status der IT nicht wundern...
    In der wahren Demokratie gibts Mehr für Mehr und Weniger für Weniger. Aber seit den 70ern gehts uns nicht besser und die Reichen werden Reicher (mehr für weniger) und die Armen Ärmer (weniger für mehr) und der US-Mittelstand existiert kaum noch.

    Sogar die Rechten geben die Presse auf weil sie sehen das ihre Enkel keine Zukunft haben während sie selber mit Realschul-Abschluss ein Haus abbezahlen und zwei Kinder zur Uni schicken konnten und die Hausfrau nur freiwillig arbeiten musste.

    Die meisten erkennen erst, das das System nicht läuft, wenn sie selber betroffen sind. Simple konstruktive legale Bürger-Software für jeden Bürger am Handy oder auch SmarTV gleich beim Einschalten könnte es lösen. Wenn man dafür nicht kriminalisiert werden würde wo man nicht in einer wahren Demokratie lebt.

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  2. von grep am 18.03.2016 (14:36 Uhr)

    Hallo ...


    die USA und ihre NSA, ein Land und ihre Institution als größter Datensammler der Welt - wow; die USA sind in jeglicher Hinsicht superlativ, leider mehr negativ als positiv.
    Verschlüsselung ist unsere wirkungsvollste Möglichkeit dem entsprechend zu begegnen; Datenspionage ist ein Übel des Informationszeitalters.


    Ciao, Sascha.

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  3. von Bivvo am 18.03.2016 (14:54 Uhr)

    Zwecks E-Mail: PGP läuft mit ProtonMail auch mobil super. Gestern released, anschauen empfohlen!

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