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Kolumne

9 Dinge, die ihr eurem Digital-Dienstleister nicht sagen solltet

    9 Dinge, die ihr eurem Digital-Dienstleister nicht sagen solltet
(Grafik: Shutterstock)

Spreche ich mit Branchenkollegen, kommen wir immer mal wieder auf Aussagen von potentiellen Kunden, die uns zum Schmunzeln bringen. Zeit für eine kleine Sammlung mit zugehörigen Kommentaren in der Transformiert-Kolumne.

„Wir möchten das Amazon für [xyz] werden“

Das ist ein Klassiker schlechthin. Selbst Vorstände von großen Unternehmen können davon nicht lassen. Das hört sich dann so an: „In drei Jahren möchten wir das Amazon der Gewindeschrauben-Industrie werden“. Wobei „Gewindeschrauben“ ein beliebiger Platzhalter ist, den ihr frei austauschen könnt.

Der Satz tönt cool, nach „Think Big“, enthüllt aber, dass ihr zwei Dinge fundamental nicht verstanden habt.

  1. Die Firma hat 18 Jahre gebraucht, um zu dem zu werden, was sie heute ist. Es ist eine riesige Wette auf die Idee, dass man früher oder später volle Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette erlangt, wenn man nur groß genug ist. Gesamte Wertschöpfungskette heißt auch Produktion, falls das unklar sein sollte.
  2. Es gibt schon ein Amazon für die Gewindeschrauben-Industrie – es heißt Amazon.

„Unsere Kunden kaufen nicht online“

Den Online-Kunden gibt es nicht und es gibt nur noch ganz wenige ausschließliche Offline-Kunden. Vielleicht kaufen in ausgewählten Bereichen viele Leute nicht Online, aber sie nutzen für ihre Recherche zu Kaufentscheidungen das Internet. Ich habe darüber schon einen längeren Artikel geschrieben.

„Das soll so daherkommen wie Apple“

Apple existiert seit nunmehr 40 Jahren. (Foto: Lester Balajadia / Shutterstock.com)
„Das soll so daherkommen wie Apple“ solltet ihr nicht zu eurem Digital-Dienstleister sagen (Foto: Lester Balajadia / Shutterstock.com)

Hört man nicht mehr so oft – ist mir aber auch 2015 in Workshops mit großen Unternehmen begegnet. Apple hat eine eigene Design-Handschrift wobei ich „Design“ bitte nicht auf die visuelle Gestaltung reduziert verstanden wissen möchte. Wenn ihr das nun kopiert, seht ihr einfach ein bisschen aus wie Apple. Ihr seid es deswegen noch nicht. Ein Freund meinte vorletzte Woche zu mir: „Hast du gesehen, die neuen UBS-Filialen sehen aus wie kleine Apple-Stores. So peinlich“

Anders als ihr vielleicht denkt, ist sowas kein „Quick Win“ sondern ein „Quick Fail“. Habt Mut (und Budget) und gebt eurem Unternehmen eine eigene Handschrift. Das ist etwas, das sich langfristig auszahlt.

„Die Suche soll einfach so sein wie bei Google“

Zweifellos der meistgenannte Spruch. Das Problem hier: Er zeigt, dass ihr entweder die Google-Suche nicht verstanden oder einfach nicht die leiseste Ahnung von Software-Engineering habt. Jeder Dienstleister wird denken „Hoffentlich hast du auch das Budget von Google“. Was ihr ja zweifellos nicht habt. Lasst diesen Spruch ersatzlos weg. Und beschreibt die Suche in simplen User-Stories.

„Klar machen wir das agil, einfach zum Fixpreis“

Erst in den letzten drei Jahren so richtig aufgekommen, zeigt dieser Satz, dass „Agile“ als Buzzword angekommen ist, ihr euch aber nicht darauf verpflichten wollt. Außerordentliche Softwareunternehmen arbeiten aber nun mal agil und meist ohne Fixpreis. Ich kann nur davor warnen, Agile und Wasserfall virtuos kombinieren zu wollen. Was dabei rauskommt nenne ich: „Agile Fall“. Nicht schön.

„Die Kosten sind für uns zweitrangig. In erster Linie geht’s um die Skills“

(Grafik: Shutterstock)
Dass es auf das Geld nicht ankommt, hört euer Digital-Dienstleister auch nicht gern. (Grafik: Shutterstock)

Das Muster dieses Satzes ist nicht so eindeutig. Ich hab ihn schon oft gehört und es ging vielen Firmen tatsächlich nicht um die Kosten. Denen tue ich hier jetzt unrecht. Trotzdem werde ich hellhörig, wenn ich das lese. Denn wird im selben Dokument dann auch noch eine detaillierte Kostenschätzung mit Garantien und Zusagen, womöglich noch in einem vorgegebenen (völlig mühsamen) Preis-Struktur-XLS, gefordert, weiß ich, dass das eine Plattitüde ist. Es geht mehr als alles andere um den Preis. Damit habe ich kein Problem – aber schreibt es doch auch hin.

„Wir senden das Request for Proposal an 10 Anbieter“

Der Killer schlechthin. Die gute Agentur wird absagen, die schlechten Agenturen denken sich „Okay, eine Herausforderung“. Genau das was ihr wollt? Wohl nicht. Also macht eure Hausaufgaben und erarbeitet eine Shortlist. Gerne auch über ein Request for Information, das minimiert den Aufwand für euch und die Dienstleister erheblich und gibt euch eine erste gute Ausschlussrunde.

„Wenn das erste kleine Projekt gut läuft, haben wir noch ganz viele große Projekte“

Ich bin jetzt bald seit 20 Jahren im Business unterwegs. Nicht in einem einzigen Fall habe ich nach dem ersten kleinen (günstigen) Projekt, das gut lief, nachher einen nennenswerten Umsatz mit der Firma machen können. Heute sage ich bei solchen Aussagen direkt ab.

„Wir brauchen nur einen Standard-Shop“

Höre ich in der Branche sehr oft, dass das so nachgefragt wird. Lasst mich das ganz klar sagen: Den Standard-Shop gibt es nicht. Man kann wohl für 5.000 Euro irgendwas aufsetzen, das funktional läuft. Aber ein vollwertiger Shop, der wirklich auch bedeutenden Umsatz für eure Firma beitragen soll, kostet im Minimum 150.000 Euro. Und in der Regel nochmals initial denselben Betrag für Promotion. Wie immer bestätigen die Ausnahmen die Regel. Aber macht euch nichts vor: Nur wer sät, zum Junggemüse schaut, wird auch ernten können.

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4 Reaktionen
andy.mustermann
andy.mustermann

Das mit der Googlesuche hat meiner Erfahrung nach einen anderen Hintergrund. Auf vielen Websites liefert die Suche nur Schrott aus. Es wird nicht nach Relevanz sortiert und einfachste Tippfehler liefern null Treffer.

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Alex
Alex

... pro Wochen nen halben Tag für's einpflegen von Inhalten sollte ausreichen... Gucken Sie doch dabei gleich mal, ob das CMS noch aktuell ist oder ob da was gemacht werden muss... (T3 4.7....) neee läuft, passt ja so. Never touch a running System... ^^

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Karsten Peters

"Wir wollen so eine Website wo wir alles selber machen können. Dann müssen wir sie nicht immer anrufen." (Gemeint ist ein CMS, das dann mit 99,9 prozentiger Sicherheit nie genutzt wird.)

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Sebastian
Sebastian

Word !!!

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