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Portemonnaie war gestern: Dieses Startup hievt die Kreditkarte ins 21. Jahrhundert

Portemonnaie war gestern: Dieses Startup hievt die Kreditkarte ins 21. Jahrhundert

Mit einer High-Tech-Kreditkarte verspricht das US-Startup Plastc, uns vom Kartenchaos im Portemonnaie zu erlösen. Einfach, cool und sicher soll es sein. Der nahende Start von Pay aber könnte zum Problem werden.

Portemonnaie war gestern: Dieses Startup hievt die Kreditkarte ins 21. Jahrhundert

Die High-Tech-Kreditkarte von Plastc. (Screenshot: t3n/Vimeo)

Mit dem Versprechen, dem Wust an Plastikkarten in unseren Geldbörsen ein schnelles Ende zu bereiten, sorgte die US-Firma Coin im vergangenen Herbst für Aufsehen. Man versprach nicht weniger als eine High-Tech-Kreditkarte. Schwarz, Edel, etwas dicker als eine herkömmliche Kreditkarte, dafür mit Display und berührungsempfindlichem Knopf. Und genug Platz für gleich mehrere, auf dem Magnetstreifen hinterlegte Kartentypen, die bequem zur Bezahlung an der Kasse genutzt werden können.

Allein: Bis heute ist es Coin nicht gelungen, seine High-Tech-Karte auszuliefern. Und so muss Coin womöglich fürchten, von der ebenfalls nicht schlafenden Konkurrenz überholt zu werden. Von Plastc zum Beispiel, einem Startup aus Palo Alto, das jetzt mit einer ähnlichen, jedoch mit mehr Funktionen bestückten Idee auf den Markt drängt.

Das kann die High-Tech-Kreditkarte von Plastc

Plastc bringt eine High-Tech-Kreditkarte mit E-Ink-Display. (Foto: Plastc)
Plastc bringt eine High-Tech-Kreditkarte mit E-Ink-Display. (Foto: Plastc)

Plastc verfolgt dabei wie Coin das primäre Ziel, mehrere physische Karten – Kreditkarten, Kundenkarten, Schlüsselkarten und so weiter – auf nur einer einzigen physischen Karte hinterlegen und nutzen zu können. Der interne Flashspeicher sieht Platz für 20 verschiedene Karten vor, auf die der Nutzer über ein integriertes und berührungsempfindliches E-Ink-Display zugreifen kann. Plastc kooperiert dazu mit mehreren US-Banken, darunter American Express, Bank of America oder auch die Citibank.

In der Karte selbst steckt jede Menge High-Tech: So kommuniziert ein Bluetooth-Chip mit der dazugehörigen Smartphone-App (iOS und Android), über die weitere Karten hinzugefügt und Ausgaben verwaltet werden können. Chips für NFC und RFID sollen später das Bedürfnis nach bequemer, kontaktloser Bezahlung mit Plastc stillen. Bezahlt wird mit Plastc an Kassenterminals übrigens primär über den Magnetstreifen. Was für den US-Markt aufgrund der dort immer noch weiten Verbreitung dieser Technik sinnvoll ist, erweist sich für Europa allerdings als Problem: Hier setzt man schon länger auf das Chip- beziehungsweise EMV-Verfahren. Die entsprechenden Chips sollen laut Plastc jedoch erst mit einem späteren Software-Update dafür gerüstet werden.

Drahtlos aufladen, Schutz durch Gesichtserkennung

Für die batteriebetriebene Karte gibt das Startup eine Laufzeit von ungefähr 30 Tagen an. Die Batterie kann drahtlos per Induktion und binnen weniger Stunden aufgeladen werden. Und was ist mit der Sicherheit? Unter dem Claim „Mehr Schutz, weniger Sorgen“ versprechen die Macher ein üppiges Repertoire an Sicherheitsfunktionen. Damit Plastc bei Verlust nicht von Fremdem genutzt werden kann, soll es neben einer PIN-Eingabe auf dem Display der Karte auch eine „Photo ID“ genannte Funktion zur Gesichtserkennung in der App geben. Darüber sollen sich die auf Plastc hinterlegten Bankdaten übrigens auch fernlöschen lassen.

Nutzer dürfte das überzeugen, die Karte hat aber auch einen saftigen Preis. 155 US-Dollar wird Plastc kosten, vorbestellen kann man sie auf der Website des bereits.

Apple Pay setzt Startups unter Zugzwang

Sind physische Kreditkarten angesichts von Apple Pay überhaupt noch sinnvoll?

Dass sich Plastc – wie übrigens auch das Startup Final – einen Vorsprung im sogenannten „Card-Tech“-Segment erarbeiten kann, ist jedoch keineswegs sicher. Nicht nur der anvisierte Liefertermin für Sommer 2015 ist weit gestreckt. Die aktuelle Werbeoffensive dürfte vor allem aus der durch den unmittelbar bevorstehenden Start von Apple Pay erzeugten Drucksituation resultieren. Apple Pay setzt im Zusammenspiel mit dem iPhone 6 auf ein virtuelles Wallet, das eine kontaktlose Bezahlung ausschließlich mit dem iPhone ermöglicht. Erwartungsgemäß dürfte der Trend, traditionelle Kreditkarten direkt durch digitale Wallets auf dem Handy zu ersetzen, entscheidend an Fahrt aufnehmen.

Sind Lösungen wie Plastc, Final oder auch Coin damit also trotz interessanter Features zu spät dran? Zumindest Plastc-Chef Ryan Marquis gibt sich gegenüber The Verge gelassen: Zwar werde er das simpel gestrickte Apple Pay sicher nutzen, allerdings gebe es noch genügend andere Use-Cases, wo er eine physische Karte benötige. Als Beispiel nennt er die unzähligen Kassenterminals, die noch nicht auf NFC umgerüstet sind.

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6 Antworten
  1. von Michi am 09.10.2014 (13:27 Uhr)

    Aiaiai.. Wie kann man nur so etwas in Zeiten von Smartphones entwickeln!? Das hat doch keine Zukunft..

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  2. von Merky am 09.10.2014 (14:27 Uhr)

    Wer solche Angebote mag wird ja wahrscheinlich auch ein iPhone besitzen und daher ist schon was dran dass diese Startups von Apple ganz schön unter Druck gesetzt werden könnten. Meine Lösung für weniger Kartenchaos im Portemonnaie ist eigentlich auch praktisch, denn ich habe einfach immer weniger Karten und nutze sie fast gar nicht... eine befreiende Sache für mich.

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  3. von Roland am 09.10.2014 (15:08 Uhr)

    Vor Jahren wäre das vielleicht noch interessant gewesen. In Zeiten des NSA ein absolutes NoGo für mich. Seit Jahren gibt es für mich nur noch Barzahlung, zumindest keine Zahlung mit Kreditkarte.

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  4. von Teezus am 09.10.2014 (20:33 Uhr)

    Die verschiedenen Meinungen sind interessant.
    Einer sagt, hat keine Zukunft in Zeiten des Smartphones, der nächste sagt, er zahlt nur noch bar - wegen der NSA und ich hätte jetzt eine Kombination aus Smartphone und Hackern als Grund gesehen, das es doch eine coole Idee ist :)

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  5. von Thomas Ledermann am 10.10.2014 (08:48 Uhr)

    Und mein Sohn liebt es, die vielen Kredit und anderen Karten aus dem Portemonnaie auszuräumen. Wäre ja schade, wenn da nur noch eine drin wäre :-). Ob ihn dann swipen so länge beschäftigen könnte?

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  6. von Michael am 10.10.2014 (14:06 Uhr)

    Für mich geht diese Entwicklung in die falsche Richtung. Die Karte benötigt ein Smartphone und eine App, sonst funktioniert es nicht.
    Da die neuen Smartphones doch sowieso mit NFC Technik ausgerüstet sind, wozu der Umweg über diese Karte wenn ich dies mit dem Smartphone doch direkt erledigen kann?

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