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Wann platzt die Groupon-Blase?

will die Gunst der Stunde nutzen und noch während des Hypes um das Schnäppchenportal an die Börse gehen. Die ersten Gespräche mit verschiedenen Banken hätten bereits stattgefunden, heißt es in einem Bericht von Bloomberg. Der Wert von Groupon könnte demnach auf wahnsinnige 25 Milliarden US-Dollar in die Höhe schnellen. Ist die Groupon-Blase damit schon kurz vor dem Zerplatzen oder ist ein solcher Marktwert tatsächlich realistisch?

Wann platzt die Groupon-Blase?
Tech-Blase im Silicon Valley?

Groupon oder das Geschäft mit den täglichen Schnäppchen

Die Geschäftsidee von Groupon ist einfach und gut: Registrierte Nutzer erhalten täglich per E-Mail Angebote von lokalen Unternehmen aus ihrer Nähe, die nur dann zustande kommen, wenn eine bestimmte Anzahl das Angebot annimmt. Der Clou dabei: Beide Seiten, also Unternehmen und Nutzer, profitieren von diesem Schnäppchenmodell. Während die Unternehmen freie Kapazitäten besser auslasten können (Last Minute Prinzip), können sich die Nutzer über große Preisnachlässe freuen.

Kein Wunder also, dass Groupon bereits Begehrlichkeiten bei den Internetriesen geweckt hat. Google beispielsweise, versuchte Groupon gleich zu übernehmen, scheiterte aber mit einem, von Experten für damalige Verhältnisse, als zu hoch eingestuften 6-Milliarden-Dollar-Angebot. Heute, vor dem Hintergrund des geplanten Börsengangs, dürfte das Google-Angebot wohl als deutlich zu gering eingestuft werden. Dennoch stellt sich die Frage: Was hat sich seit dem verändert und den Wert von Groupon hochschnellen lassen?

Je größer eine Blase wird, desto eher zerplatzt sie. Und die Groupon-Blase wird schnell größer und größer... (Foto: blmurch / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Das gefährliche Spiel von Groupon

25 Milliarden US-Dollar für ein Schnäppchenportal, das sich in den nächsten Monaten zudem mit vielen Konkurrenten wird rumschlagen müssen - das ist in der Tat eine horrende Summe, in der sehr viel Fantasie mitschwingt. Und die wird natürlich auch von den Bankern getragen, die sich für den Börsengang möglichst hohe Erträge wünschen. Doch dem entgegen steht auch eine positive Entwicklung bei der Marktabdeckung. Seit dem Google-Angebot sind mehrere Hundert Städte hinzugekommen und die Zahl der Nutzer hat sich in den letzten drei Monaten auf weltweit 70 Millionen verdoppelt.

Schneller wächst eigentlich nur der Wert. Im April 2010 betrug er nach einer Finanzierungsrunde über 135 Millionen rund 1,3 Milliarden US-Dollar. Über zwei weitere Finanzierungsrunden stieg der Wert im Januar auf 4,75 Milliarden. Mit den aktuell kolportierten 25 Milliarden US-Dollar wäre Groupon sogar mehr wert, als es Google bei seinem Börsengang im Jahr 2004 war.

Das Problem von Groupon: Das Wachstum wird irgendwann an seine Grenzen stoßen und das Geschäftsmodell wird vielleicht auch nicht in jedem Land funktionieren. Dazu werden Wettbewerber auf den Markt kommen und Groupon Anteile streitig machen. Als erstzunehmender Konkurrent ist unter anderem Facebook anzusehen, dessen Service Deals (in Deutschland „Angebote“) mit entsprechenden Funktionen erweitert werden soll. Die Nutzerzahl von Facebook liegt etwa um den Faktor 10 höher und viele Unternehmen könnten ihre Facebook-Deals gleich mit ihrer Fanpage verbinden. Auch Google versucht mit Offers einen Groupon-Konkurrenten zu etablieren.

Groupon sollte den Blick nicht zu weit in die Zukunft werfen, sondern sich in der Gegenwart kontinuierlich weiterentwickeln und für Unternehmen und Kunden weiterhin den besten Mehrwert bieten. Nur so lässt sich die Konkurrenz auf Distanz halten und auch langfristig ein realistischer Unternehmenswert erreichen, der nicht nur auf der Fantasie von Bankern und Börsianern beruht. Dass diese sich auch schon mal gewaltig verspekulieren können, ist wohl kein Geheimnis.

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2 Antworten
  1. von NetzBlogR am 18.03.2011 (10:53 Uhr)

    Zu "Beide Seiten, also Unternehmen und Nutzer, profitieren von diesem Schnäppchenmodell": Ich habe nun schon einige Artikel gelesen, nach denen sich viele Unternehmen nie wieder mit Groupon einlassen, weil allein die Provision bei 50% liegen soll.

    Außerdem nützt es eher Unternehmen, die nicht so gut laufen, weil sie dadurch Kunden generieren können, die sonst nicht kämen. Ein gut laufender Laden muss logischerweise nicht mit Rabatten locken, weil er ja genug voll zahlende Kunden hat.

    Wenn z.B. die dritte Groupon-Aktion dem Unternehmen nicht mehr entscheidend aufgeholfen hat, ist der Laden im Prinzip im Eimer. Groupon dürfte also recht schnell wieder Partner verlieren, die auch nicht wiederkommen.

    Daher meine Prognose: Solange es noch genug Unternehmen gibt, die mit solchen Rabatt-Aktionen auf sich aufmerksam machen müssen, funktioniert Groupon noch. Aber irgendwann sind die Unternehmen nicht mehr auf Groupon-Aktionen angewiesen oder pleite.

    Genau dann platzt die Blase. Wenn nicht schon vorher, weil natürlich Konkurrenten aus den Löchern kriechen (werden).

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  2. von Rudi am 18.03.2011 (12:34 Uhr)

    Nur unnütze Ladenhüter mit unrealistischen Ausgangspreisen habe ich dort vorgefunden. In Deutschland null Chance.

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