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Kolumne

Warum Pokémon Go eine schlechte Nachricht für Facebook, Snapchat und Co. ist

    Warum Pokémon Go eine schlechte Nachricht für Facebook, Snapchat und Co. ist

(Foto: Myimagine / Shutterstock.com)

Pokémon Go geht durch die Decke. Für Dienste wie Facebook, Snapchat und Instagram ist die Entwicklung besorgniserregend. Die Weigerts-World-Kolumne.

Wenn es um Consumer-Software für Smartphones geht, waren die letzten Tage die für mich bislang aufregendsten des Jahres. Erst tauchte mit Prisma eine geniale iPhone-Foto-App auf. Kurz darauf wurde das Augmented-Reality/Mixed-Reality-Spiel Pokémon Go in den App-Stores und Play-Stores englischsprachiger Länder veröffentlicht. Es verzückte umgehend die Massen. In den USA soll die App innerhalb von fünf Tagen 7,5 Millionen Mal heruntergeladen worden sein. Bei wichtigen Schlüsselmetriken kann sie es aktuell sogar mit bekannten, etablierten Apps wie Tinder, Twitter, Snapchat und Instagram aufnehmen. Update: Nach neuesten Schätzungen wurde die App am Montag allein in den USA von fast 21 Millionen Menschen verwendet und hat in Sachen Verweildauer sogar Facebook überflügelt.

Ich habe bislang aus Rücksicht auf meinen Tagess- und Arbeitsblauf darauf verzichtet, selbst in die Pokémon-Welt einzutauchen, aber andere beim Spielen beobachtet. Das initiale Suchtpotenzial ist enorm. Eine Person aus meinem Umfeld hat mir gestern Abend berichtet, dass sie wegen des Spiels den gesamten Tag weder Snapchat noch den Facebooks-Feed angeschaut habe.

Plötzlich gibt es nur noch eine Smartphone-App

Aus dem Stand ist es der App gelungen, einen erheblichen Teil des verfügbaren Smartphone-Zeitbudgets von Anwendern für sich zu reklamieren. Man kann Pokémon Go nicht spielen, wenn man gleichzeitig bei Snapchat, Facebook, Instagram oder Twitter abhängt. Die App erfordert die gesamte Aufmerksamkeit der User, und zumindest initial gelingt es ihr blendend, diese auch zu erhalten. Zwar muss man davon ausgehen, dass Nutzer für Pokémon Go auch andere Freizeitaktivitäten opfern, dennoch ist offensichtlich, dass eine große Zahl der frischgebackenen Zocker ihre Social-Media-Nutzung zumindest erst einmal deutlich verringern werden. Jedenfalls den Teil, der vor allem aus dem Scrollen durch die Feeds auf der Suche nach Ablenkung und Unterhaltung besteht. Das ist eine entscheidende Entwicklung.

(Foto: Matthew Corley / Shutterstock.com)
Pokémon Go zwingt die Nutzer zur vollen Aufmerksamkeit – nebenbei Facebook, Instagram oder Snapchat checken ist nicht drin. (Foto: Matthew Corley / Shutterstock.com)

Die führenden Social-Media-Dienste basieren auf den Prinzipien der Aufmerksamkeitsökonomie. Sie verwenden raffinierte Tricks und Verfahren, um User anzulocken und um das mehrfach tägliche Öffnen der App zu einer Gewohnheit zu machen. Anschließend wird diese Aufmerksamkeit monetarisiert. Ist eine App erst einmal zur Gewohnheit geworden, wird es für Rivalen oder Newcomer schwerer, ihrerseits ein Stück vom im Endeffekt begrenzten Aufmerksamkeitskuchen abzubekommen. Doch Pokémon Go ist dieses Kunststück gelungen. Die Anwendung hat angetrieben durch Mundpropaganda umgehend eine globale Reichweite erreicht und hat innerhalb weniger Tage Millionen Menschen dazu gebracht, ihre über lange Zeiträume verfestigten Gewohnheiten zumindest temporär aufzugeben.

Aktuell befindet sich Pokémon Go wahrscheinlich auf dem Höhepunkt seines Hypes. Sobald er nachlässt, wird sich bei Usern die geistige Liste der priorisierten Apps wieder an den Zustand vor Pokémon Go annähern. Bis dahin aber werden Millionen weitere Menschen dem Charme der App verfallen sein. Niantic und Nintendo, die Macher des Spiels, könnten die Euphorie außerdem durch neue Funktionen wie etwa eine Komponente zur Kommunikation mit anderen Usern innerhalb der App verlängern und damit über die anfängliche Begeisterungswelle hinaus Nutzer bei Laune halten. Es ist also sehr denkbar, dass mehr als nur ein paar Tage lang eine große Zahl von vor allem jungen Smartphone-Nutzern rund um den Globus ihre Aufmerksamkeit Pikachu & Co widmen wird. Den führenden Social-Media-Anbietern kann dies ganz und gar nicht gefallen.

Herausforderung fürs App-Establishment

Der in diesen Ausmaßen überraschende Erfolg von Pokémon Go liefert eine spannende Gegenthese zum verbreiteten Bild von unaufhaltsam jede Minute Aufmerksamkeit der User aufsaugenden, schier allmächtigen Netzgiganten. Für diese Firmen und ihre Geschäftsmodelle ist es eine Bedrohung, wenn ein Newcomer auftaucht, der innerhalb weniger Tage die Welt erobert, unverzüglich zur Lieblingsbeschäftigung von Smartphone-Nutzern wird und für Anwender alle anderen sonst zum Zwecke des Zeitvertreibs frequentierten Apps vergessen lässt. Ein Phänomen wie Pokémon Go ist nicht im Interesse von Snapchat, Facebook, Instagram und Konsorten.

Ein Technologieriese muss sich dagegen keine Sorgen machen, weil es ihm nie gelungen ist, eine erfolgreiche, von der Masse genutzte Social-Media-Plattform aufzubauen: Google. Und ganz zufälligerweise begann Pokémon-Go-Macherin Niantic als Division innerhalb von Google. Wer Pokémon Go spielen möchte, muss sich mit einem Google-Konto anmelden. Und Google selbst hat auch in das heute unabhängige Spielestudio investiert. Dieses Engagement führt nun nicht nur zu einem gigantischen App-Erfolg und bereits auch zu beachtlichen Umsätzen, sondern es sorgt nun auch für mutmaßlich schlechte Stimmung bei den Firmen, gegen die Google im Social-Media-Segment so lange nichts ausrichten konnte.

Weitere Kolumnen-Artikel aus „Weigerts World“ findet ihr hier. Ihr könnt dem Autor auf Twitter folgen, seine kuratierten News zur Netzwirtschaft abonnieren oder seinen wöchentlichen E-Mail-Newsletter mit Leseempfehlungen beziehen.

Mehr zum Thema auch in unserer Doppelklick-Kolumne: „Game over für den Datenschutz: Warum die Hysterie um Pokémon Go so gefährlich ist“.

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3 Reaktionen
HappyPhilXD
HappyPhilXD

Pokemon Go hat den Jagdinstinkt wieder angespornt. Noch hier schnell beim Stop Items abgreifen und dort drüben, ein seltenes Pokemon das man noch haben muss. Und dann noch den restlichen Kunden Kilometer laufen damit das Ei schlüpft... und da, wieder ein Pokemon, hinterher!

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Brad Roderick
Brad Roderick

Wow, Videospiele sind interessanter und unterhaltsamer als Facebook und Co :D - etwas, das wir Gamer längst wissen. Da es Go leider nicht für Windows Phones gibt, freue ich mich weiterhin auf Pokemon Sonne und Mond.

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Marius

Ich habe vor 15 Jahren in der Schule nie verstanden warum meine ganzen Mitschüler vor Ihrem Game Boy Color hingen um Pokemon zu spielen anstatt rauszugehen. Nun sitze ich täglich drinnen am Rechner und mache meinen Job und die Pokemon-Community zieht es vor die Tür. Absurd.

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