Politik 2.0
Don’t mess with Pirates! Wie die Piratenpartei ein Social Network nach dem anderen entert

Jan Tißler, 06.08.2009 - 11:59 | 17 Kommentare |  |  Teilen

Erst StudiVZ, jetzt Xing: Social Networks bekommen mehr als deutlich zu spüren, dass sie sich nicht mit der Piratenpartei anlegen sollten. Was war passiert? Beide Netzwerke hatten sich dazu entschlossen, das oftmals sensible Thema Politik im Wahljahr ganz offensiv anzugehen - und sich dabei nur auf die „großen Parteien“ zu beschränken, zum Beispiel „die im Bundestag vertretenen Parteien“. Das macht man ganz gern, um sich keinen Stress mit radikalen Splittergrupen einzufangen. Durch den Wechsel des Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss von der SPD zu den Piraten ist die Piratenpartei allerdings bereits im Bundestag vertreten. Entsprechend forderten ihre Anhänger eine Gleichbehandlung ein.

Xing versuchte zunächst einen weiteren Kniff, um sich auf die etablierten Parteien beschränken zu können: Nur „Parteien in Fraktionsstärke“ sollten es sein. Netter Versuch, aber nutzlos. Ebenso wie schon StudiVZ gab sich Xing letztlich dem aufbrandenden Protest geschlagen. Die Rückzugsgefechte bis dahin kann man hier sehr schön nachlesen.

„Vielen Dank für Ihre zahlreiche Meinungen und Ihre kritischen Anmerkungen“, heißt es jetzt in einem Update im Xing-Blog und man hört beinahe im Hintergrund die Zähne knirschen. Man habe „zahlreiches Feedback“ erlebt, schreibt darin Silke Schippmann von Xing. Das ist recht bescheiden ausgedrückt, denn dieses Feedback mündete unter anderem in 179 Kommentaren unter dem Blogeintrag und in einem grandiosen Wahlsieg der „Sonstigen“ im Xing-Wahlbarometer (siehe Screenshot oben von Hugo E. Martin).

Als Web-2.0-Unternehmen nehme man das Feedback ernst und höre auf die User, schreibt Silke Schippmann weiter. Deshalb unterbreite man der Piratenpartei „gerne dasselbe Angebot wie den anderen im Bundestag vertretenen Parteien. Die Möglichkeit einer Gruppe auf XING steht ihnen damit offen.“

Da kann man nur sagen: Don't mess with Pirates!

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17 Antworten zu “Politik 2.0: Don’t mess with Pirates! Wie die Piratenpartei ein Social Network nach dem anderen entert”

  1. #1 Kai Nehm

    Bleibt mal wieder festzuhalten, die massive Präsenz und Vernetzung der Piraten macht auch nur halbwegs repräsentative Umfragen im Netz unmöglich.
    Und die Piraten stehen immer schnell unter dem Verdacht, mit technischen Mitteln den schon vorhandenen Wahlsieg noch extremer zu gestalten.

    Die Ernüchterung kommt dann mit RL-Umfragen.

  2. #2 Gnoffo

    Das ist ja mal ein schöner Erfolg für die Piratenpartei. Eine Partei, die jemand im Bundestag sitzen hat, der eigentlich sein Mandat hätte zurückgeben müssen und weiter unter dem Verdacht steht, Kinderpornographie genutzt zu haben. Die mit ihrem Namen auf Kriminelle verweist, die Menschen entführen, foltern, töten, um Lösegeld zu erpressen. Fuck the Pirates!

  3. #3 Gushiken

    @Gnoffo: Hast du den Namen schon mal im Zusammenhang mit den früheren "Piratensendern" in der DDR o.Ä. gesehn? Besonders politisch gesehn ist der Name "Piraten" nicht nur negativ behaftet.

    Ausserdem hat die Frau VdL bewusst Kinderpornographisches Material auf einer Pressekonferenz einer breiten Masse präsentiert. Aber bei ihr ist das ja anscheinend völlig egal.

    Achja, was deine Anspielung auf Tauss angeht. Ja, er war naiv, er war vielleicht auch dumm. Aber wenn man seiner Stellungnahme und Erklärung dazu glauben schenkt - es gibt derzeit keinerlei Anlass das nicht zu tun - ist es höchst fragwürdig warum die Staatsanwaltschaft und der Immunitätsausschuss das ganze so schnell über die Bühne gebracht haben.
    Die Staatsanwaltschaft hat im laufenden Ermittlungsverfahren bereits damit begonnen Tauss sofort in den Medien an den Pranger zu stellen damit er - anscheinend - möglichst schnell aus dem Bundestag raus ist. Naja, alles nur Spekulationen wie sicherlich nun die Antwort sein wird, und das ist auch richtig. Allerdings weitaus logischere, wahrscheinlichere und glaubhaftere Spekulationen wie die der Medien.

    Auch wenn RL-Umfragen natürlich weniger rosig für die Piraten ausfallen. Im Internet bewegt sich eine große Bevölkerungsgruppe die bisher nicht wählen gegangen ist weil sie Politik langweilig fand und diese nichts mit ihnen zu tun hatte. Das hat sich in den letzten Monaten geändert. Ich halte es nicht für unwahrscheinlich das sich die Politiker über 2 Punkte wundern werden:

    1. Die Piraten sind auf einmal im Bundestag?!? Die haben ernsthaft die 5% geschafft??

    2. Hä? Wieso lag die Wahlbeteiligung in diesem Jahr so viel höher als in den Vorjahren? Das macht doch gar keinen Sinn...


    Mal schaun, ich würde euch auf jeden Fall raten euch mal ein wenig über die Partei zu informieren, einfach mal das Wahlprogramm anschauen (in dem übrigens auch andere Themen als das Internet auftauchen), etwas "neutraler" auf das ganze schaun und dann noch einmal entscheiden ob die Piraten wirklich so Sche**e sind wie ihr vorher geglaubt habt.

    VOTE PIRATES :)

  4. #4 Dennis Morhardt

    Ein Mob, wenn man ihn berechtiger Weise igoniert, los brüllt und jedes Social Network kaputt macht. Vergleich mit Michael Friedmann der auch los brüllt, wenn man was falsches zum Thema "Israel" sagt. Die Piratenpartei empfindet sich als Retter der deutschen Nation, obwohl das nur das fleischgewordene Heise-Forum ist. Die deutsche Piratenpartei ist einfach nur ein Haufen frustrierter ITler, ganz im Gegensatz zur schwedischen Piratenpartei, die wirklich für Bürgerrechte eintritt.

  5. #5 Jan Tißler

    *räusper* Ich möchte doch gern darum bitten, ein Mindestmaß an Anstand, Höflichkeit und Respekt zu bewahren. Sowas wie "Fuck Pirates" oder "ein Haufen frustrierter ITler" finde ich weder hilfreich noch angemessen. Es gibt Parteiprogramme und Ziele, über die man trefflich streiten kann. Da muss man das Niveau nicht unter die Grasnabe senken.

    Danke!

  6. #6 hollosch

    @Dennis:

    Allemal besser als der Sumpf und Morast der "grossen" Parteien. Vielfalt tut gut - und die Wähler erkennen langsam, dass sie nur "verarscht" werden - deshalb werden die "Sonstigen" immer stärker werden.
    Ich würde den Piraten den Einzug in den Bundestag gönnen. Werden sicherlich interessante Koalitionsgespräche im Spreehafen...

    - WÄHLEN GEHEN -

  7. #7 Gnoffo

    den Namen schon mal im Zusammenhang mit den früheren "Piratensendern" in der DDR o.Ä. gesehn

    ich wurde im westen sozialisiert, da gab es die wunderbaren filme mit thomas gottschalk. und pippi langstrumpf natürlich, aber das war in den unbedarften 80ern bzw. für kinder. ich bleibe dabei, dass der name nichts taugt, auch wenn das programm ganz ok ist (wobei mir die themenschwerpunkte noch etwas zu einseitig sind - aber irgendwo muss man ja anfangen).

    und tauss, im besten fall war er dumm - dann hat die piratenpartei einen dummkopf im bundestag sitzen -, aber was macht die piratenpartei eigentlich, wenn der schlechteste fall eintritt? zu oft gab es schon ehrenrührige unschuldsbeteuerungen etc. tauss sollte mal in sich gehen. wenn alles geklärt ist, kann man weitersehen.
    und wie sich andere verhalten hat damit erst mal gar nichts zu tun.

    ich habe den eindruck, der piratenpartei ist es egal wie, hauptsache schnell bekannt werden und das verachte ich zutiefst, anstand hin oder respekt her.

  8. #8 Gushiken

    @Gnoffo: Unschuldsbeteuerungen? aber nicht von Seiten Tauss'. Er hat direkt nachdem das ganze öffentlich wurde eine Stellungnahme veröffentlicht (http://tinyurl.com/n3d3le) in der er das ganze zugibt. JA, er hatte KiPo Material in seinem Besitz. JA, er war so naiv und hat das ganze nicht veröffentlicht und JA, wenn er verurteilt wird dann soll es so sein, er war sich zu dem Zeitpunkt zu dem er die "Tat" begangen hat nicht bewusst das er etwas unrechtes tut da er es getan hat weil er kein Vertrauen ins BKA hatte und auf "eigene Faust" recherchiert hat (Was tatsächlich sein Recht ist).

    Noch ein wichtiger Punkt: Tauss kann man zu Recht Experte im Thema Verschlüsselung nennen. Er hat sich selbst vom CCC beraten und einige Dinge erklären lassen. Wenn er wirklich KiPo Material "konsumiert" hätte, hätte er dafür gesorgt das man nicht mehr an die Daten ran kommt wenn er dafür sorgt. Stattdessen lagen ein paar Bilder und 2 oder 3 DVD's in einem Aktenkoffer in seinem Büro rum. Über ein Jahr lang.
    Alles sehr komisch.

    Ich bin zwar auch der Meinung das dieser "Hype" um Tauss nicht berechtigt bzw. fehl am platz ist, aber ich finde auch das man Tauss im Moment noch nicht so an den Pranger stellen sollte, es spricht eine Menge dafür das da irgendwas gewaltig faul an der Sache ist.

  9. #9 Andreas Lenz

    och Dennis, dein Twitterkommentar zum Thema war ja wieder köstlich. Wir sind doch kein Verein und auch nicht parteiisch sondern berichten hier nur zu webrelevanten und kuriosen Themen.

    Ich persönlich finde es auch sehr bedenklich wie schnell und uneingeschränkt viele zu Priatenanhängern werden.

    Richtig spannend fände ich mal einen Artikel zum Thema 2.0 Wahlkampfstrategie der SPD. Welche Services werden genutzt? Wie geht man mit Twitter, Facebook und StudiVZ um? Welche Personen stehen hinter den Acounts? Werden Social Networks auf SPD eigenen Seiten verwendet usw...

  10. #10 Boris

    Meiner Meinung nach hat die Piratenpartei eine gute Chance in den
    Bundestag einzuziehen.

    Denn Telefonumfragen erreichen viele Wähler der Piraten aus folgenden
    Gründen nicht und sind deshalb für die Piratenpartei nicht
    repräsentativ:

    1. Viele haben vermutlich keine Festnetznummer.
    2. Viele benutzen vermutlich unregistrierte Handys.
    3. Viele stehen vermutlich nicht im Telefonbuch.
    4. Viele legen vermutlich auf, wenn ein Meinungsforschungsinstitut
    versucht sie auszuhorchen.

    Der sorgsame Umgang der Wähler mit persönlichen Informationen wird
    daher für einige Überraschung sorgen.

  11. #11 Gushiken

    Dem Kommentar von Boris kann ich mich nur anschließen. So wie die Internetumfragen für SPD/ CDU/ FDP usw.. nicht aussagekräftig sind, so sind die anderen Umfragen wahrscheinlich nicht aussagekräftig für die Piraten.

    Ich würde mir wirklich wünschen wenn die Piraten in den Bundestagswahlen ein wirklich überraschendes Ergebnis hinlegen und den großen Parteien einen ordentlichen Dämpfer geben.

  12. #12 sabrina

    also mal wieder so ein grosser schwachsinn..
    hat eigentlich schon einmal jemand ueberlegt das vielleicht extra schlechte propaganda für die piratenpartei gemacht wird?
    damit sie nicht gewaehlt werden, weil die menschen die wirklich die macht haben ihre positionen nicht verlieren wollen?

    hat jemand schonmal ueberlegt das gerade auch im internet dieses "flaschpropagieren" ganz gross ist und firmen dafür extra menschen anstellen die den ganzen tag nix anderes machen?

    einfach mal drüber nachdenken und vor allem selbst sich ein bild machen...selbst sich informieren und nicht alles dumm nachplabbern! recherche betreiben..

    vielen dank und viel glück

  13. #13 sabrina

    meinte natuerlich "falschpropagieren"

  14. #14 JoSch

    @sabrina:
    Bezahlte Vollzeitlobbyisten gibt es tatsächlich und die lassen gern auch mal einen "Trollkommentar" über die Piratenpartei in einem Forum oder Blog los. Die Hauptursache dafür, dass bestimmte Fehlinformationen sich besonders hartnäckig halten, ist aber, dass die Newsredakteure eher selten selbst recherchieren und lieber abschreiben. Das geht schneller und ist bei billigeren Medien auch gar nicht anders möglich. Aber die (Offline)-Medien werden langsam besser in Ihrer Berichtserstattung.

  15. #15 Eberhard Doerr

    Hallo, jemand schrieb:
    "..die massive Präsenz und Vernetzung der Piraten macht auch nur halbwegs repräsentative Umfragen im Netz unmöglich."

    Und vorher lieferte das Netz diese repräsentativen Umfragen?

    "Und die Piraten stehen immer schnell unter dem Verdacht, mit technischen Mitteln den schon vorhandenen Wahlsieg noch extremer zu gestalten."

    Du meinst: Du willst diesen Verdacht als Gerücht streuen.
    Tatsächlich ist die große Zahl der Mitglieder und Aktiven als Erklärung völlig ausreichend für die genannten Phänomene. Anders gesagt: Die Netzaktiven Menschen dieses Landes versammeln sich politisch zunehmend in dieser Partei. Wer da vom oder im Netz lebt, und sich wundert, der hat vielleicht eher die Bedeutung der Politik ausgeblendet. Das ist dann dessen Versäumnis - und nicht eine Verschwörung der Piraten-Hacker.

    "Die Ernüchterung kommt dann mit RL-Umfragen."

    Also sei es eine Art Rausch.
    Keine Angst, dass man mit einem besseren Ergebnis als bei der Europa-Wahl (0,9 %) schon zufrieden wäre, ist unter Parteimitgliedern die verbreitete Haltung.
    Wesentlich ist die Arbeit jenseits der Parlamente, und die hat gerade erst begonnen.

  16. #16 Christian M

    Übrigens: Wer sich über den Namen aufregt, sollte sich mal informieren woher er stammt.

    Der Name "Pirat" wurde von der Musikindustrie gewählt. Sie ist also diejengie die Menschen, die sich eine Privatkopie anfertigen mit Kriminellen vergleicht Menschen entführen, foltern, töten, um Lösegeld zu erpressen.

    Höchstens dieser Vergleich ist es, der hinkt. Der Name ist eine bloße Retourkutsche auf diese "tolle Idee" Musikindustrie.

    Beste Grüße
    CM

  17. #17 Gnoffo

    Der Name "Pirat" wurde von der Musikindustrie gewählt

    Also nimmt die Partei den Namen an, den die Musikindustrie ihr gibt? Erbärmlich. Und ändert nichts daran, dass der Name nichts taugt.

    Ach ja und übr,
    www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Kinderpornographie-Joerg-Tauss;art122,2869376

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