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Reportage

Berlin statt Stuttgart: So will Porsche von Startups Digitalisierung lernen

    Berlin statt Stuttgart: So will Porsche von Startups Digitalisierung lernen

Mit einem eigenen Kreativlabor geht Porsche auf Tuchfühlung mit Berliner Gründern. (Foto: Porsche AG)

Im „Digital Lab“ zelebriert der schwäbische Autohersteller Porsche die selbstverordnete „Innovationskultur“ und möchte sich vom Berliner Startup-Flair treiben lassen.

Das emotionale Selbstfahren, wie Sven Lorenz es nennt, bleibe auch zukünftig allen erhalten, die sich einen Porsche kaufen. Eigenständiges Lenken und Gasgeben sei schließlich „das Herzstück“ der Marke, auch neue technologische Konzepte wie das autonome Fahren würden daran erst einmal nichts ändern. Sven Lorenz ist Leiter des Bereichs Informationssysteme. Er sitzt neben mir auf einer Holzbank, hinter uns ist ein freistehender giftgrüner Smeg-Kühlschrank platziert, in einer Porzellanpyramide daneben liegen Ingwerwurzeln und Zitronen.

Bewusste Entscheidung gegen Stuttgart

Wer unter den heute geladenen Journalisten noch Zweifel hatte, soll jetzt eines Besseren belehrt werden. Porsche ist unter die Gründer gegangen und hat in Berlin im August vergangenen Jahres das eröffnet, was man hier einen „Satelliten“ außerhalb des Schwabenlandes nennt: das Porsche Digital Lab. Ganz bewusst habe man sich gegen Stuttgart, den Sitz des Stammwerks, entschieden – und auch gegen Ludwigsburg, wo die eben erst aus dem Boden gestampfte Porsche Digital GmbH sitzt, die auch als „innovative Keimzelle des Unternehmens“ bezeichnet wird. Hier in Berlin sollen die Kreativen „weg vom Tagesgeschäft“ werkeln können. Außerdem, man kann es sich denken, möchte man von der fast schon legendären Startup-Szene der Hauptstadt profitieren.

Das „Digital Lab“ von Porsche in Berlin. (Foto: Porsche AG)

Schön ist es gelegen, das neue Kreativlabor, in der hippen Stralauer Allee direkt am Spreeufer. Und ganz mit Absicht sei hier drinnen alles „offen“, wird mehrmals heute betont. Offen und transparent eben wie das neue Denken, das sich Porsche selbst verordnet hat ob der drohenden Gefahren der Digitalisierung, denen sich die Autobranche ausgesetzt fühlt. Riesige Betonträger überspannen den großzügig dimensionierten Raum, Designermöbel, grüne Pflanzen und zum Sitzen optimierte Europaletten sorgen für das Flair, das man als Kreativer heute offensichtlich braucht, um Dinge in Bewegung zu bringen.

Porsche will mit anderen Branchen kooperieren

Den Drang, sich als Autohersteller gründlich zu überdenken, verspürt Porsche derzeit in besonderem Maße – die Digitalisierung sorgt auch in Stuttgart-Zuffenhausen dafür, dass mittelfristig nicht allzu viel beim Alten bleiben wird. Da tut ein gesunder Blick über den Tellerrand sicher gut. „Wir wollen uns öffnen und mit anderen Branchen kooperieren“, sagt Lutz Meschke, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und für das nicht unerhebliche Thema Finanzen zuständig. Man stehe schließlich vor nichts anderem als einem „Systembruch“, für den man sich „neu aufstellen“ müsse. Was ein bisschen nach SPD klingt, ist allerdings ernst gemeint, daran soll nach dem heutigen Nachmittag kein Journalist mehr zweifeln. Wenn man nicht zum reinen Hardwarelieferanten verkommen wolle, sei man zum Handeln gezwungen und müsse sich neuen Geschäftsfeldern öffnen.

(Foto: Porsche AG)

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Smart Home etwa, das vernetzte Zuhause mit allerlei Sensorik und Datenverbrauch, ist eines der vielbemühten Buzzwords, von denen Porsche sich offensichtlich viel verspricht. Man müsse „raus aus dem Auto“, ist zu hören. Aber, bitte, das Automobil möge weiterhin im Zentrum des Geschäftsmodells stehen. Da sind sich heute alle Verantwortlichen von Porsche einig, auch wenn es in der von disruptivem Wandel geprägten Autoindustrie alles andere als selbstverständlich erscheint. Der Stolz auf die eigene Tradition und die Marke Porsche ist ungebrochen.

Kein neues Geschäftsmodell ohne Kundennutzen

Die digitale Transformation muss, das ist die Kernaussage am heutigen Nachmittag, vor allem die eigenen Kunden mitnehmen. Was sich banal anhört, nimmt Porsche offensichtlich sehr ernst: Kein neues Geschäftsmodell ohne Kundennutzen, so das Credo. Der Subtext: Alles andere wäre Zeitverschwendung. Die Zeit läuft der Automobilindustrie gerade ein wenig davon.

Neue Produkte werden deshalb wohl immer häufiger digitale Dienste sein, die einen Mehrwert versprechen. Da gibt es zum Beispiel „Porsche Connect“, das Apple Car Play ebenso in die eigenen Autos implementiert wie die Google-Dienste Earth und Street View. Nachrichten lassen sich dank Siri jetzt einfach diktieren. Auch die Apple Watch ist in das Konzept integriert: Der Infotainment-Service sorgt dafür, dass der Fahrer sich Nachrichten vorlesen lassen kann.

Die Beziehung zu Apple, das weiß man sowohl in Stuttgart als auch hier im Kreativlabor, könnte im ungünstigsten aller Fälle für Porsche zur unheiligen Allianz werden. Aber da ist eben auch diese Bewunderung für das dort geschaffene Ökosystem, das sich bei guter Integration in die eigene Flotte als wesentlicher strategischer Vorteil für den Konzern erweisen könnte.

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