Power.com: Schaltzentrale für Social Networks

Das brasilianische Unternehmen Power.com startet einen "Social Inter-Networking-Service": Damit soll man sich nicht nur erstmals über einen einzelnen Dienst auf vielen Social Networks anmelden können, sondern darüber hinaus auch Zugriff auf alle Daten und Funktionen der Angebote bekommen. Das könnte die Art und Weise revolutionieren, wie Social Networks genutzt werden.

power.com 1Das Angebot an wächst beinahe täglich und viele Internetuser haben bereits eine Vielzahl an unterschiedlichen Accounts. Je mehr Dienste man beansprucht, desto mehr Aufwand muss betrieben werden, um überall auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Bisher gibt es verschiedene Ansätze diesen Aufwand wieder herunterzufahren: Single-Sign-Ons, DataPortability und Life-Streams. Power.com kombiniert nun erstmals diese Verfahren miteinander und könnte den Zugriff auf Social Networks revolutionieren.

"Social is about people, not about places" erklärt Steve Vachani, der CEO von Power.com in einer Pressemitteilung. Man wolle das "virtuelle Wo" überflüsig machen und mit dem "Social Inter-Networking" die Mauern zwischen den einzelnen Social Networks einstürzen lassen. Power.com soll dabei als Basis für die Zukunft des Internets dienen.

Das leistet Power.com

Power.com vereint zum Start bereits die Netzwerke von MySpace, Facebook, Orkut, Bebo, Hi5 MSN Messenger und YouTube. Die User können sich über die Power.com-Startseite in ihren Netzwerken anmelden und bekommen dann alle Inhalte, Nachrichten, Updates, Freunde, Bilder und was sonst noch angeboten wird auf einer Seite angezeigt. Sind die Login-Daten einmal hinterlegt, so werden sie bei der nächsten Power.com-Anmeldung automatisch wieder aufgerufen und alle eingebundenen Netzwerke stehen sofort zur Verfügung.

Die Funktionen der einzelnen Dienste lassen sich auch via Power.com nutzen, ohne dass die Nutzer zum eigentlichen Dienst wechseln müssten. Jedes Social Network lässt sich mit einem Klick erreichen und wieder verlassen. Nachrichten lassen sich direkt von Power.com aus beantworten und es soll sogar möglich sein, mit einem Klick Nachrichten an alle Social Networks zu verschicken. Damit wären zum Beispiel Statusnachrichten viel einfacher und schneller in die entsprechenden Netzwerke verteilt.

Bislang verfügt die Power.com-Community bereits über fünf Millionen Nutzer. Neben den schon integrierten Diensten sollen in Kürze noch viele weitere wie LinkedIn, Twitter, Flickr, Hotmail, Yahoo, Gmail, AOL, Skype und andere E-Mail- und Kommunikationsdienste folgen.

Hintergrund

Das Problem der Abschottung nach außen ist bei den Social Networks schon länger in der Diskussion. Eine schöne Umschreibung hat sich mit dem Begriff "Walled Garden" etabliert. Gemeint sind Social Networks, die ihren registrierten Nutzern ein bestimmtes Angebot machen und dabei so angelegt sind, dass die Nutzer ihre Daten nicht in andere Netzwerke übernehmen können. Beispielsweise können Xing-Nutzer ihre Profildaten nicht einfach in ein LinkedIn-Profil übertragen.

Viele der großen Netzwerke haben das Problem erkannt und versuchen nun auf verschiedenen Wegen ihre Angebote zu öffnen, ohne allerdings die Kontrolle über die Inhalte völlig abzugeben. Power.com nutzt hier den Vorteil der Unabhängigkeit, den die Versuche Facebook Connect, Google Friend Connect oder Microsoft Passport nicht haben. Selbst Projekte wie OpenID für den Login und OpenSocial für Applikationen haben es bisher nicht geschafft, einen netzwerkübergreifenden Zugriff auf alle Social Networks zu erreichen.

Einen ähnlich interessanten Ansatz wie Power.com bietet auch Noserub, ein Social-Network-Protokoll, das Netzwerke miteinander verknüpfen kann und dabei dezentral organisiert ist. Die Daten werden zwischen allen Noserub-Anwendungen snychronisiert. Wer will, kann sein Profil auf dem eigenen Server hosten und hat dann die volle Kontrolle über diese Daten. Noserub ist Open Source unter der MIT-License.

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