Wie kam es dazu, dass Du heute CTO eines Web-2.0-Startups bist?
Ich bin zurzeit als Professor an einer Hochschule im Bereich Web-Technologien tätig. Daher interessiere ich mich natürlich für aktuelle Trends rund ums Web 2.0. In meinem Job finde ich es sehr wichtig, nicht nur die Theorie zu vermitteln, sondern aus der Praxis berichten zu können. Daher musste ich nicht lange überlegen, als die Geschäftsführerin von 12designer mich gefragt hat, ob ich die Aufgabe übernehmen würde.
Welche Technologien und Software-Lösungen sind für den Betrieb von 12designer entscheidend?
Für uns ist es wichtig, dass wir eine sehr schnelle Entwicklung unterstützen können. Hier bieten im Moment sicherlich die CoC-Frameworks eine der besten Lösungen. Somit war nur noch zu entscheiden, welche Programmiersprache zum Einsatz kommen sollte. Letztendlich haben wir uns für PHP und damit für den Symfony-Framework entschieden, da dadurch sichergestellt werden konnte, dass man auch geeignete Entwickler für diese Technologien kurzfristig findet.
Welche Hardware und welches Betriebssystem setzt Ihr ein?
Wir setzen eine Standard-LAMP-Umgebung ein. Auch bei der Hardware kommt ein Standard-Server zum Einsatz. Bei 12designer sind sicherlich die Medien die eigentliche Herausforderung. Wir wollen den Designern und Projektanbietern eine sehr hohe Qualität der eingereichten Entwürfe bieten, so dass wir hier zukünftig die Medien extern hosten werden.
Dein aktuell liebstes Tool?
Schwer zu sagen. Am häufigsten setze ich den Firefox ein. Bei der Entwicklung kommt man an Eclipse wohl kaum vorbei.
Was war technologisch gesehen bisher Dein schlimmster Albtraum?
Als damals MMS aufkam hatten wir viele MMS-Dienste realisiert, die über unterschiedliche Provider verschickt wurden. Da die Schnittstellen der Provider in den Anfangstagen leider nicht ausgereift waren, wurden unsere SMIL-Definitionen zerschnitten. Es hat uns damals viele Tests mit den unterschiedlichen Handytypen gekostet, bis wir diesen Fehler gefunden hatten. Auf der anderen Seite war es natürlich auch spannend, Dienste für die damals neue Technologie entwickeln zu können.
Deine größte Baustelle im Moment?
Wir internationalisieren uns: Gerade haben wir eine spanische Sprachfassung online gestellt, die englische steht kurz vor dem Launch. Parallel zu der Weiterentwicklung bauen wir den Mitarbeiterstamm aus. Dies ist sicherlich im Moment die größte Herausforderung hier ein schlagkräftiges Team für die Zukunft aufzustellen.
Welches Feature würdest Du gerne mal implementieren?
Leider komme ich selbst nicht mehr zum Programmieren. Aber ich finde es immer spannend zu sehen, was meine Studierenden alles in ihren Projekten umsetzen...
Das Schlimmste als CTO ist...?
...nichts - für mich ist die Kombination aus aktuellen Technologien, der Beobachtung zukünftiger Trends, dem Weitergeben des Wissens und der praktischen Umsetzung als CTO und Professor perfekt.
Was machst Du, wenn Du mal nicht vorm Rechner sitzt?
Durch meinen Job habe ich eigentlich nie so wirklich Pause, da die Studierenden immer ein laufendes Projekt haben, gibt es auch immer etwas zu tun. Zum Abschalten und um auf neue Ideen zu kommen, gehe ich gerne joggen.
Mac or PC?
Da schlagen ja zwei Herzen in mir. Ich bin im Studium mit dem Mac groß geworden. Danach bin ich aber dann doch beruflich in die Windowswelt gerutscht. Da ich jetzt wieder etwas freier bei der Wahl bin, könnte mein nächster eventuell wieder mal ein Macbook sein.
Was wird der nächste große Hype im Web?
Die aktuelle Entwicklung ist sehr spannend, da wir wieder an einer vergleichbaren Schwelle wie damals beim Web 2.0 stehen. Damals flossen ja auch mehrere Trends zusammen, aus denen sich der neue Umgang mit dem Web entwickelte. Im Moment verbinden sich die in der Forschung schon lange betrachteten Themen des Ubiquitous Computing bzw. des Pervasive Computings mit den neuen Technologien der Multi-touch und Gesture Interaction. Unterstützt durch die fallenden Preise bei den Flatrates im mobilen Internetbereich werden wir bald ganz anders mit dem Internet umgehen.
Ein weiterer Trend, der die Art wie wir in Zukunft neue Dienste erstellen und anbieten werden, wird sicherlich durch die neuen Technologien, die unter dem Schlagwort Plattform as a Service zusammengefasst werden, entstehen. Hierdurch wird sich sicherlich die Erstellung neuer Dienste extrem vereinfachen, so dass wir, vergleichbar mit dem Aufkommen von Mashups, einen kreativen Schub bei neuen Diensten beobachten werden.
Wie heißt Deine Lieblingswebsite zum Thema Web 2.0 und Webentwicklung?
Für mich ist die Website www.infoq.com immer wieder interessant, da man dort eine sehr gute Mischung aus Technologien, Architektur und Entwicklung geboten bekommt. Inspirierend finde ich auch immer die Seite radar.oreilly.com. Zusätzlich finde ich my.safaribooksonline.com für mich sehr hilfreich, da man dort auf alle Bücher und Raw Drafts der wichtigsten Verlage Zugriff hat.
Wer Jörg bei seiner Arbeit über die Schultern schauen möchte, kann ihn an der FH Brandenburg besuchen oder den 12designer-Blog „Die Zwölf“ anklicken.





One answer
von Joachim 22.06.2009 (11:45Uhr) 1.
Das Konzept ist sicherlich interessant und dass es erfolgreich sein kann sieht man ja auch am Konkurrenten designenlassen.de und an den ausländischen Plattformen. Nur sehe ich beim besten Willen kein riesiges Einnahmenpotential. 12designer hat schon relativ viele Mitarbeiter, möchte das Personl weiter aufstocken und bietet seine Dienstleistung seit Monaten kostenlos an. Wie soll sich das denn jemals refinanzieren? Selbst wenn die Seite eines Tages die Größe des amerikanischen Pendants 99designs erreichen sollte, was ich nicht glaube, würde das doch bei diesen Investitionen niemals reichen um irgendwann einmal profitabel zu werden.