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Project Fi: Googles Mobil-Netzwerk der Netzwerke

Project Fi: Googles Mobil-Netzwerk der Netzwerke

ist in den USA seit einiger Zeit Mobilfunkanbieter. Mit Project Fi bietet der Konzern ein großartiges Konzept an. Zum einen macht Google sich die Funknetze zweier Mobilfunkbetreiber zunutze – und setzt außerdem auf via WLAN. Außerdem ist das Preismodell äußerst interessant. Neuerdings unterstützt Fi auch reine Datengeräte wie .

Project Fi: Googles Mobil-Netzwerk der Netzwerke

Project Fi. (Bild: Google)

Project Fi: Das Netzwerk der Netzwerke – immer noch US- und Invite-only

Google hat mit Google Fi ein eigenes Mobilfunkangebot eingeführt, das nur auf Einladung genutzt werden kann, es ist gewissermaßen noch im Betastadium. Zudem kann man sich nur dafür bewerben, wenn man einen Wohnsitz in den USA hat und bestimmte Smartphones verwendet – diese sind das Nexus 6, das Nexus 6P (zum Test) und das Nexus 5X (zum Test).

Statt in ein eigenes Mobilfunknetz zu investieren, ist Google mit den Providern T-Mobile und Sprint eine Partnerschaft eingegangen und nutzt in Kombination mit WLAN-Hotspots deren LTE-Netze. Als Fi-Kunde wird man mit dem jeweils besten zur Verfügung stehenden Netz verbunden – der Wechsel zwischen den Netzen geschieht automatisch. Um die Nutzerdaten zu sichern, läuft die Kommunikation mit öffentlichen WLAN-Hotspots laut Google verschlüsselt über ein VPN. Damit liefert Google ein „Netzwerk der Netzwerke“, wie das Unternehmen es betitelt. Durch diese Struktur liefert das Unternehmen ein nahezu funklochfreies Netzwerk.

Project Fi: Geringe Fixkosten, Gutschrift für unverbrauchtes Volumen

Dazu setzt Google auf ein leicht verständliches und innovatives Preismodell. Der Grundpreis ist mit 20 US-Dollar zwar nicht sonderlich gering, dafür können Nutzer aber innerhalb der USA kostenlos telefonieren und SMS versenden, der internationale SMS-Versand ist ebenso im Tarif enthalten. Telefonate ins Ausland kosten aber extra.

google-project-fi-hero

Separat wird hingegen die mobile Datennutzung abgerechnet: Ein Gigabyte Datenvolumen kostet zehn US-Dollar pro Monat, für zwei Gigabyte zahlt man 20 US-Dollar, drei kosten 30 US-Dollar – nach oben sind quasi keine Grenzen gesetzt. Das Besondere: Der Fi-Kunde zahlt nur das Datenvolumen, das er tatsächlich verbraucht hat. Nicht verbrauchtes Volumen wird mit der nächsten Telefonrechnung verrechnet.

Ein Rechenbeispiel: Verbraucht ein Kunde lediglich 300 MB seines monatlichen Datenvolumens von einem Gigabyte, erhält er im Folgemonat eine Gutschrift in Höhe von sieben US-Dollar auf seine nächste Rechnung. Verbraucht der User einmal mehr als gebucht, so zahlt er die zusätzlich angefallenen Kosten. Auch praktisch: Die Tarife können monatlich variiert werden, sodass Nutzer nicht an ihren gewählten Datentarif gebunden sind. Das Fi-Tarif-Modell ist also äußerst flexibel.

Auch für Nutzer, die viel im Ausland unterwegs sind, ist Fi nicht uninteressant, denn für das Datenroaming fallen keine zusätzlichen Gebühren an. Außerdem sind die gebuchten Datenpakete in 120 Ländern – dazu gehört auch Deutschland – gültig. Jedoch wird im Ausland die Surfgeschwindigkeit auf 256 Kilobit pro Sekunde gedrosselt. Telefonate ins Mobilfunknetz kosten jeweils 0,20 US-Dollar pro Minute, telefoniert man via WLAN fallen Hangouts-Gebühren an - der Messenger ist übrigens Bestandteil des Dienstes.

Project Fi: Auch für Tablets und andere Datenprodukte – ohne Extrakosten

Neuerdings hat Google seinen Fi-Service um Produkte erweitert. So können Kunden ihre Tablets mit LTE-Modul auch mit einer FI-SIM-Karte verwenden. Laut Google ist es möglich bis zu neun Data-only-Geräte zum Fi-Konto hinzuzufügen, die sich dann allesamt den gebuchten Datentarif teilen. Derzeit werden laut Project Fi-FAQ lediglich das Nexus 7 (2013),Nexus 9, das Galaxy Tab S und die Apple-Geräte iPad mini 4 und das iPad Air 2 unterstützt. Allerdings sollten auch Geräte funktionieren, die das T-Mobile-Netz unterstützen.

Project Fi in Deutschland?

Project Fi ist zwar derzeit offiziell nur in den USA verfügbar, dass Google sein Produkt eines Tages auch nach Deutschland bringen wird, ist nicht vollkommen abwegig. Schließlich ist einer der Partner die Telekom, wenngleich die US-Sparte relativ unabhängig agiert und mit CEO John Legere an der Spitze einen innovativen Ansatz fährt.

Extra small SIM card
Googles Project Fi könnte sogar der Vorläufer für das Ende der physischen SIM-Karte sein. (Foto: Flickr; Simon Yeo, CC BY 2.0)

Die Deutsche Telekom wirkt zwar noch nicht so offen, zeigte sich jüngst aber mit der Ankündigung auf die eSIM zu setzen durchaus zukunftsgewandt, ja regelrecht mutig, schließlich sagt man dem Ende der SIM-Karte ein Ende der Netzbetreiber wie wir sie kennen voraus.

Dass die Telekom aber auch in Deutschland ein interessanter Partner für Project Fi wäre, ist nicht von der Hand zu weisen, schließlich bietet der Netzbetreiber neben seinem großen Mobilfunknetz auch ein nicht zu verachtendes Netzwerk an WiFi-Hotspots an. Überdies macht Google in den USA im Grunde nichts anderes als die deutschen Mobilfunkanbieter wie 1&1, Lidl oder ALDI: Das Unternehmen kauft ein bestimmtes Kontingent zum günstigen Preis und verkauft es unter eigener Marke an den Endkunden. Google geht aber einen Schritt weiter: Um die „weißen Flecken“, also die Funklöcher die jeder Netzbetreiber leider besitzt, abzudecken, setzt man auf die Netze zweier Mobilfunkprovider – und die besagten WLAN-Hotstpots.

In Deutschland würde das bedeuten, dass Google neben der Telekom beispielsweise noch zusätzlich mit Telefonica/O2 oder Vodafone kooperieren würde. Ein solches Szenario wäre für Deutschland ein Novum und würde die Netzbetreiber letztlich nur noch zu Dienstleistern machen, die einem anderen Unternehmen die Infrastruktur zur Verfügung stellen würde.

Die Nutzung zweier Mobilfunknetzwerke dürfte in Deutschland aber wohl die geringere Hürde zu sein, denn hierzulande gilt immer noch die Störerhaftung. WLAN-Hotpsot-Betreiber sind verpflichtet, ihre Netze abzusichern, sodass ein Passwort zur Einwahl vonnöten ist. Diese Art der Absicherung der Netzwerke wäre ein Hindernis für den schellen Netzwerkwechsel von Googles Project Fi.

via fi.google.com

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Eine Antwort
  1. von Hier hoffentlich auch am 17.12.2015 (16:17 Uhr)

    Das man im Urlaub VPN machen kann bieten die meisten DSL-Provider leider bis heute nicht. Die VPN-Server könnten doch hier in Deutschland stehen und der Kunde im WiFi-Cafe hat die VPN-Settings bekommen und kann dann sicher "fast ganz wie in Deutschland" an seine Emails usw. kommen. Und mit irgendwem Verträge abschliessen muss man vermutlich auch nicht sondern nur VPN-Server im eigenen Rechenzentrum einbauen.

    Ungenutzten Traffic in den nächsten Monat rübernehmen können will ich auch schon ewig. Man hat es bezahlt also kriegt man es auch. Fertig.

    $20 pro Monat ist vielleicht billig. Dort kostet Prime wohl $99 pro Jahr und liefert erst ZWEI Tage später. DSL ist auch nicht besonders beliebt und oft wohl auch nicht so besonders schnell.

    Dort ist T-Mobile wohl schon lange der "coole Anbieter" mit den innovativen Tarifen also was hier E-Plus war.

    $10 für 10 GB sind hier auch normale Preise wenn 500 MB 5 Euro kosten. Und für WiFi ist es eigentlich viel zu teuer...
    Was ich schon seit 10 Jahren von denen will ist, das man Traffic viel günstiger an deren Shops nutzen kann.
    So wie die E-Book-Reader-verkaufenden Buchhandlungen das man dort auch nachts die neuen Zeitschriften und Bücher durchs Fenster downloaden kann.
    Aber bei den Handy-Shops halt das man statt 500 MB per LTE/EDGE/GSM/UMTS halt 10 GB oder so pro Monat per WiFi hat um die Mobil-Antennen zu entlasten und Updates per Wifi vor dem Shop zu machen. Die Shops stehen überall und auch in kleinen Gemeinden herum und haben ziemlich sicher meist DSL. Man hat also alle Filialen mit DSL ausgerüstet und bietet es dem Kunden nicht an obwohl man anhand der SIM-Karte genau weiss wer er ist und wie hoch sein Prepaid-Guthaben oder Monatsvertrag ist ? Man hat einen Bus und die Kunden sollen zu Fuß laufen ? Na also...

    Bei Aldi in Österreich gibts inzwischen wohl schon WiFi glaube ich. Woanders ist mal wieder besser... Die sind schlau und nutzen das sowieso vorhandene DSL der Filialen für die guten Kunden...
    Ist ein Land ohne Freies WiFi eigentlich ein Land ohne freie Meinung(säußerung) ?
    Free Speech===Free Wifi... ? Fragt doch die Minister...


    Weil der Traffic ähnlich teuer ist wie hier, ist es wohl eher für Firmen gedacht. Die freien US-Bürger nutzen wohl eher die freien US-WiFis die es in korrupten Diktaturen und bei den Fortschritts-Feinden nicht gibt.

    Mit der eSim könnten die Re-Seller evtl. Kombitarife anbieten wo in Großstädten E+-LTE und ausserhalb D1-LTE genutzt wird.
    Bisher wurde aber nirgendwo erklärt ob eSIM multi-sim-fähig ist oder eben nicht und man daher dual-sim-Handies horten und zu horrenden Preisen gehandelt werden dürften.
    Denn man will ja das die Hotline-Mitarbeiter die eSIM aufs Handy buchen und unter dieser Nummer erreichbar sind und wenn die Schicht vorbei ist, die eSIM und Telefon-Nummer beim Auschecken an der Stech-Uhr die eSIM also Telefon-Nummer an die nächste Schicht oder den nächsten Pizzaboten oder Paket-Fahrer übertragen wird. Ob das geht wurde bisher nie berichtet...

    Schön wäre, wenn Google die Meta-Master-Software freigeben würde damit die Preise endlich fallen wenn auch Reseller dieselben Möglichkeiten kriegen. Man würden sehen wo die Leute sich aufhalten und die Antennen würden Preise für SMS usw. anbieten und man bucht automatisch die billigste Antenne um die SMS auf den Kunden zu übertragen oder die Whatsapp oder Hangouts-Chat-Nachricht... zu übermitteln. Das coole ist ja das die App weiss wie groß das Paket ist und man die Übertragung per Versteigerung der billigsten Antenne überlassen kann. Die Nabelschnur wird gekappt und die freie Entscheidung verbilligt das mobile Netz... Die Reseller wissen dann das sie bei Provider XYZ noch 10 Millionen SMS im gekauften Kontigent haben und übertragen die SMS dann bevorzugt über dessen Antennen.

    Das aktuelle Problem beim Internet sind ja die mangelnde dynamische Routing sondern festes Peering und ständige Streits wie bei Ukraine, Russland, Europa wegen der Erdgas(oder was es Öl)-Leitungen oder halt angeblich einseitiger Peering-Nachteile. Dasselbe ist bei Mobilfunk mit der festen Bindung an einen Provider so wie bei Satellit wo man Hi/Lo-Band und Horizontal oder Vertikal auswählen muss also nur 1 von 4 Möglichkeiten hat.
    Obwohl man von 3 Mobilprovidern umgeben ist kriegt man die SMS nicht weil man beim vierten Provider ist. Das interessierte wie üblich vor 10 Jahren natürlich nur mich. Google könnte das durch dynamische Buchung auflösen und jedes Netz optimal ausnutzen so wie damals als man plötzlich überall im Schulbus sitzen durfte und (ausgedachtes Beispiel) nicht mehr nur die Linke Spur für Benzinwagen und die Rechte Spur für Diesel war. Beim mobilen DATA-Highway ist das nämlich so... Und schlau ist das natürlich nicht weil die Städte zu viele und auf dem Land zu wenig Antennen sind. Microgenossenschaften lokaler UMTS-Antennen wären besser gewesen als Großkonzerne. Danke rot-grüne UMTS-Versteigerung...
    Jack Bauer hatte ständig Probleme weil sein Handy keinen Empfang hatte. Und Apples Streifen bei der Empfangs-Stärke waren evtl. auch optimistischer als die gefühlte Qualität...
    Und das obwohl vermutlich für jeden eine Antenne in Reichweite hätte sein können... Google löst das Problem vielleicht indem jede Antenne nutzbar wird wenn der dritte Anbieter früher oder später auch mitmachen muss. Oder die Mobilkonzerne buchen dort ganz ganz viel Werbung wie vielleicht die Auto-Konzerne und vielleicht die Teststreifen-Konzerne und vielleicht die Heizöl-Konzerne und vielleicht die TV-Produzenten und dann leider aus technischen Gründen oder Personal-Abwanderung (vielleicht zu den jeweiligen Konzernen) oder so wie vielleicht wie bei NEST, Teststreifen, Google-Glass oder Elektro-Autos andere Firmen es Jahre später dann doch endlich wirklich mal dem kleinen Bürger bringen während Google oft nur ankündigt und wir meist nicht wirklich zeitnah etwas davon haben...

    Früher gabs große Stromkonzerne mit Zentralkraftwerken. Dezentrale lokale Stromproduktion ist inzwischen der Standard... Dasselbe passiert hoffentlich mit den Frequenzen. Kabel-TV-Internet wird immer stärker. Free WiFis kommen endlich beispielsweise in Berlin auf. Tja. Auf Ex-Monopolisten kann ich sehr sehr gut verzichten...

    Google-Fiber verbreitet sich wohl recht stetig und erobert inzwischen wohl auch US-Groß-Städte. Wenn Fiber überall ist, kann man kleine lokale Frequenzgebiete übernehmen und es selber durchziehen weil man die passenden Handies bauen kann. Leider scheitert Google gerne bei sowas und Zuckerberg muss es machen oder Musk weil Zuckerberg in Babypause ist und vielleicht erst in der Rezession die gigantische Armut und den gigantischen Bedarf nach mobilem BEZAHLBAREN Internet bemerkt...

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