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Protest-Petition gegen Kopierschutz im Browser

Protest-Petition gegen Kopierschutz im Browser

Wie frei wird unser Internet sein, wenn der angesetzte HTML5-Standard mit Inhalts-Kontrollen ausgestattet wird? Die Frage ist berechtigt, denn Lobbyisten der Hollywood-Medienindustrie sowie der großen Web-Konzerne rundum , und rennen dem World Wide Web Consortium (W3C) die Türen ein, um DRM-Technologien (Digital Rights Managment) in das HTTP-Protokoll integrieren zu lassen. Nutzer laufen Sturm gegen diese Pläne.

Protest-Petition gegen Kopierschutz im Browser

Mehr Inhalte-Kontrolle durch DRM-Erweiterung

Der HTML-Standard beschreibt, wie Inhalte im Webbrowser dargestellt werden und gilt als Rückgrat für ein neutrales und unabhängiges Internet. Die Medienindustrie wünscht sich jedoch durch eine DRM-Erweiterung mehr Kontrolle darüber, was mit ihren Video- und Musik-Inhalten im Web passiert. Durch die proprietäre Erweiterung erhoffen sich die Protagonisten eine Art Kopierschutz für ihre Inhalte. Dabei soll die sogenannte „Encripted Media Extension“ (EME) als Schnittstelle im dienen, um geschützte und verschlüsselte Inhalte zu erkennen. Kritiker sehen darin allerdings nicht nur einen Kopierschutz, sondern einen Angriff auf die offene Infrastruktur des Netzes.

Leonhard Dobusch, Co-Autor von netzpolitik.org und Forscher der Freien Universität Berlin zum Thema Freies Internet, kritisiert eine DRM-Erweiterung im HTML5-Standard. (Foto: Joi / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

DRM-Technologien haben, was das angeht, keinen guten Ruf. Sie verhindern beispielsweise auch, dass ein Kindle-eBook auf einem anderen Reader gelesen werden kann oder Windows-Media-Dateien auf iPods laufen. Leonhard Dobusch, Co-Autor von netzpolitik.org und Forscher der Freien Universität Berlin zum Thema Freies Internet, formulierte die DRM-Auswirkungen im HTML-Standard auf t3n-Anfrage so:

„Schon heute gibt es DRM im Browser über proprietäre Plug-ins wie Adobe Flash oder Microsoft Silverlight. Solche Inhalte lassen sich aber schlechter indexieren, schlechter verlinken und auf manchen Plattformen wie zum Beispiel Linux gar nicht oder nur über Umwege abrufen. DRM ist ein klassisches Anti-Feature: Leute, die für Inhalte mit DRM bezahlen, können mit ihnen weniger anfangen als jene, die sich Inhalte auf illegalem Weg beschaffen.“

Breiter Protest gegen DRM in HTML5

Ob der Vorstoß nun auf offene Ohren beim World Wide Web Consortium stößt, bleibt abzuwarten. Doch in der Netzwelt regt sich bereits Protest. Die US-Bürgerrechtler „Defective by Design“ haben kurzerhand eine Petition ins Leben gerufen, um ihren Missmut über dieses Vorhaben deutlich zu machen. Etwa 10.000 Mitzeichner haben sich in kürzester Zeit gefunden – eine Grenze von 50.000 möchte man erreichen, bevor man sie dem W3C vorlegt.

Anti-DRM-Kampagne
„Defective by Design“ möchte mit einer Petition gegen einen DRM-Erweiterung im HTML5-Standard aufmerksam machen.

Auch von prominenter Stelle erhält man Unterstützung. So hat sich beispielsweise der Autor Cory Doctorow in einem Guardian-Beitrag direkt an den HTML-Pionier Tim Berners-Lee gewandt. In dem Blogbeitrag „What I wish Tim Berners-Lee understood about DRM“ äußert der Netzaktivist seine Besorgnis darüber, dass überhaupt im Rahmen des W3C über eine DRM-Erweiterung des HTML5-Standards diskutiert wird: „Adding DRM to the HTML standard will have far-reaching effects that are incompatible with the W3C’s most important policies, and with Berners-Lee’s deeply held principles.“

Wer die Kampagne unterstützen möchte, kann sich ebenfalls in die Petition eintragen.

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3 Antworten
  1. von geeky am 06.04.2013 (03:05 Uhr)

    Dann wird wohl weiter mit Flash, Silverlight und Eigenbauten hantiert.

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  2. von Vertane Chancen am 07.04.2013 (23:23 Uhr)

    Wichtiger wäre, digitalen Besitz und Weiterverkauf zu definieren. Das hätte rot-grün schon 1999 machen müssen. M$, Oracle, SAP, Sony, Nintendo, Steam... usw. dürfen bestimmen wann und ob man Windows bzw. teuer bezahlte Kauf-Software besitzen und nutzen darf. Das ist als ob die Autofirmen den Gebraucht-Teile-Markt kontrollieren und verhindern würden.

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  3. von Bachsau am 04.06.2013 (11:48 Uhr)

    Aus dem Grund hab ich bis heute keine eBook-Reader. Die Unternehmen schaden sich nur selbst.

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