Inzwischen habe ich Roy Uhlmann und Dr. Klaus Holthausen von Qimaya auf verschiedenen Veranstaltungen erlebt. Mit Roy habe ich auch schon sehr lange telefoniert. Engagiert und begeistert erzählt er von Qimaya und den vielen Ideen und Technologien im Hintergrund.
Das Semantic Web, wie es derzeit diskutiert wird, ist für das Qimaya-Team eine Idee von gestern. Inhalte manuell mit Bedeutung zu versehen ist aufwändig und hat vor allem ein erhebliches Problem: Dinge ändern sich. Firmen fusionieren, Politiker treten ab, Institutionen verschwinden.
Während ein manuelles Ordnungssystem zum Beispiel in der Medizin recht gut funktioniert, kann man es so gesehen nur unter Schwierigkeiten auf die gesamte restliche Welt ausdehnen.
Qimaya möchte dazu neuronale Netze verwenden. Verbindungen zwischen Inhalten sollen automatisch entstehen - wie im Gehirn.
Komplett neu ist die Idee nicht. Sie scheiterte bislang allerdings beispielsweise am exponentiell ansteigenden Rechenaufwand. Die Lösung dafür habe man Ende 2007 gefunden, erklärte Roy Uhlmann mir in unserem Telefonat. Das sei ein entscheidender Durchbruch, um die Ideen überhaupt umsetzen zu können.
Insgesamt sollte man Qimaya dabei nicht mit einer Suchmaschine wie Google gleichsetzen. Es geht auch nicht darum, dass nun aus Deutschland ein "Google-Killer" kommt. Vielmehr geht es um eine neue Technologie, die viele Anwendungen möglich machen kann - und das viel zitierte semantische Web selbst erschafft.
"Auf der Informationswelle surfen", nennt es Roy Uhlmann im Gespräch mit Steffen Büffel auf dem Dresdner Zukunftsforum (siehe Video). Man bekomme passende Inhalte dort, wo man gerade sei. Die klassische Websuche verliert dagegen an Bedeutung.





6 Answers
von Roy Uhlmann 06.02.2009 (04:34Uhr) 1.
Hallo Leo,
mitnichten haben wir das Semantic Web erfunden. So dies überhaupt zu erfinden ist. Allerdings kann ich dies auch nicht im Text erlesen oder im Video sehen.
Wenn wir das können, was unter dem Namen Semantic Web verstanden wird, so sollte man dies auch so nennen. Denn wir möchten doch auch, dass Wissende wie Du erkennen worüber wir sprechen. Eine Suchmaschine nennt man nun auch nicht einfach Datenangel, nur weil es Google gibt.
Jedoch kann ich Dich beruhigen, wir verletzen auch nach Deiner Annahme keine Markenrechte, da der Begriff Semantik sich ursprünglich aus der Germanistik entlehnt. Die Anmeldung zum Begriff Web 2.0 läge beim DPMA oder der WIPO sonst auch schon längst vor.
Das Markenrecht hält sicherlich einige strenge Sanktionen bereit, aber Strafbarkeiten normiert ist es mit Sicherheit nicht, auch wenn ich das Gefühl habe, dass Du dies in unserem Falle für sinnvoll hälst :-)
Vor Ritterschlägen habe ich selbstredend sehr hohen Respekt. Ein respektabler Umgang erfordert aber auch, dass man sich mit anderem auseinandersetzt. Wir haben es getan, mit allem was Du hier genannt hast.
Dabei haben wir festgestellt, dass ein semantisches Web, welches, und so offen sollten wir sein, ein Zustand und keine Technologie ist (so man denn der Wissenschaft mehr traut als Wikipedia), auch auf anderen Wegen für den Mainstream-Websitebetreiber möglich ist.
Wir würden Anhänger o.g. Standards durchaus gerne mit unserer Technologie unterstützen, jedoch stoßen wir jedesmal auf die drei Affen. Nichts sehen, hören oder sagen wollen. Dies macht es sehr schwierig ein Gespräch zu führen.
Ich bitte zu entschuldigen, wenn Du unseren Businessplan, wie auch immer Du diesen vor mir erhalten haben mögest, als nicht professionell empfindest oder Dich unser Erscheinungsbild stört.
Wir werden diesen Hinweis gerne aufnehmen und uns schnellstmöglichst um eine VC Runde bemühen damit wir Deinen Ansprüchen gerecht werden können.
Auch wenn Du diesen Kommentar ja nun nicht lesen möchtest, bei deinen ganzen Insiderinformationen wäre ich jedoch sehr interessiert, dass wir uns vielleicht auch mal persönlich unterhalten können.
Wir sind bei den gängigen Veranstaltungen meist anwesend. Vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit beim Meetup.
von Thomas Werres 06.02.2009 (16:48Uhr) 2.
Ich schreibe gerade meine Diplomarbeit über das Semantic Web in einem speziellen Zusammenhang und habe mir die Standards rund ums Semantic Web gut einverleibt. Deshalb hab ich mit großem Interesse diese "Neuinterpretation" des Semantic Webs gelesen.
Um vielleicht kurz eine Gemeinsamkeit beider Ansätze (W3C und Qimaya) zu deuten, welche sich vom deutschen Philosoph Martin Heidegger ableitet: Alle Dinge in unserer Welt erschließen sich uns über ein implizites Beziehungsgeflecht. Bsp. Die Bedeutung eines Apfels ist für den Mensch eindeutig, weil er an das Gräusch beim Reinbeissen denkt, die Farbe zuordnet, an den Baum denkt, wo der Apfel dranhängt, oder eine Erinnerung an den guten Geschmack hat. Ob diese Beziehungen nun über Ontologien oder Neuronale Netzwerke gebildet werden ist mir persönlich egal. Toll wäre es trotzdem wenn Computer dieses Beziehungsgeflecht interpretieren könnten!
@ Roy Uhlmann
Ich bin vor 2 Wochen schon auf Eure Seite gestoßen und mußte mich schon sehr schnell von Euch verabschieden, weil ich für meine Diplomarbeit niemals eine so unseriöse Seite zitieren könnte. Ich lese überall nur umgangssprachliche Werbung die mir ein Gefühl von einem Bazarstand penetriert. Und dass Sie das Semantic Web nicht erfunden haben ist eigentlich allen klar, nur kommunizieren Sie das nicht diferenziert genug:
Bsp:
"Qimaya ist das semantische Web!"
"Qimaya respektive das Semantic Web (unser Produkt)"
Es geht bei der Respektfrage ja auch nicht nur um Tim Berners-Lee sondern auch um die Forscher bei der Entwicklung von semantischen Technologien. Bei Ihrer Äußerung "Ein respektabler Umgang erfordert aber auch, dass man sich mit anderem auseinandersetzt" beisst sich die Katze in den Schwanz. Welcher Forscher aus dem Semantic Web Kadar will sich auf sachlicher Ebene bei Äußerungen wie diese mit Qimaya auseinander setzen?
"Qimaya basiert nicht auf Ontologien, Metadaten oder sonstigem Schmock"
@Leo Sauermann
Sehr treffender Beitrag in allen Kritikpunkten.
Viele Grüße,
Thomas Werres
von Wittkewitz 07.02.2009 (15:50Uhr) 3.
Hallo in die Runde,
Also, Ja... Dr. Holthausen lief auch schon vor fünf Jahren über die DMS Panels in Essen. ALs dann klar wurde, die hoch oder eben tief die ability to execute ist, wurde es still um amenotec. Mann kann das verschiedenen Faktoren anlasten. Ich will jetzt nicht aus dem Nähkästchen plaudern. Zum eigentlichen Thema.: Seit snark hat sich viel getan - unter anderem wurde das Projekt General Problem Solver eingestellt.. Neuronale Netz sind so gut oder schlecht wie die Vorsortierung der Inhalte nach denen das System lernt. Wenn eine sehr kundige Hand, die genau weiß, was sie nachher will, die Dokumente zusammenstellt, dann kann es manchmal verblüffend sein, wie gut neuronale Netz arbeiten. Das ist allerdings nur sehr begrenzte Bereiche bezigen und funktioniert super eigentlich nur in Showcases auf Messen oder in geschützten Firmenbereichen. In dem Moment, wo die händische Eingangssortierung der zu präsentierenden Inhalte zuviel Kontingenz aufweist, weil einfach alle Inhalte gurchgereicht werden oder der/die Mitarbeiter keine Ahnung haben, werden die Ergebnisse in neuronalen Netzen, sagen wir mal sehr kreativ. Der berechtigte Vorwurf der Intransparenz, der eine firmen/abteilungsspezifische Konfiguration praktisch ad absurdum führt trifft voll auf solche System zu. Sinnvoll einsetzbar sind sie allerdings bei Audio/Videodaten. Nur leider scheinen das die Damen und Herren Verfechter der BlackBox-Suchmaschinen nicht ganz einzusehen, dass es bereits sehr berühmte Retrievalfirmen gibt, die diese Technologie dort mit hohem monetären Exit realisieren. Das heißt, dieser Markt ist bereits voll besetzt.
Fazit: Ich denke, wenn die beiden auf der Basis einer Support Vector Machine arbeiten, können Sie es weit bringen unter den oben genannten Vorgaben guter Lernmengen. Ob die Verbindung von Prädikatenlogik und relationalen Datenbanken beim semantischen Netz sinnvoll und ökonomisch realisiert werden kann? Ich weiß es nicht. On verra. Schade nur, dass das semantische Netz hier immer in RDF gedacht wird. ich halte das für ebenso unnötig einschränkend, wie die Lobhudelei um neuronale Netze. Im Moment scheint das semantische Netz nur dafür das zu sein, um Dokumente verschiedene Datenquellen hinsichtlich bestimmer Anforderungen zu normalisieren und dann die einzelnen Datenblöcke im Kontext weiter zu leiten. Solche Web/Filesytem/Database-Extractoren, die das "smarte" Parsen von Dokumenten, Feldern und tabbelenübgreifenden Daten firmenweit können gibt es schon längst von Firmen wie 30 Digits, und zwar ganz ohne den Bohei um RDF und semantisches Netz, und deshalb rattenschnell und voll skalierend mit der Hardware also mulitthreading. Und das habe ich bei den ganzen semantischen Lösungen noch nie gesehen, dass ich mitten beim Indexieren von Datenbanken, Webseiten oder Verzeichnissen einfach anhalte, einige Konfigurationspunkte ändere und weiter laufen lassen... Mir sind solche schnellen und webbasierten Extractoren 1000mal lieber beim Kunden, weil der sieht, dass man den Fehler nicht erst nach 16 Stunden Indiezierung verbessern kann sondern sofort und alle Konfiguration im Browser macht und nicht in irgendwelchen undokumentierten Textfiles. Aber selbst diese ekligen Textfiles sind ja bei neuronal Netzen eh nicht vorhanden, was sool ich an einer BlackBox konfigurieren außer true und false....
just my two cents
Jörg
von Dr. Jörg Wurzer 10.02.2009 (14:04Uhr) 4.
Es stimmt, auch unsere Plattform kommt ohne die Vorarbeit einer Ontologie oder eines wohlstrukturierten Datenbestandes im RDF-Format aus, um die Vision des Semantic Web zu verwirklichen.
Ich finde es wichtig, dass die Vernetzung von konkreten Inhalten unterschieden werden sollte von der abstrakten Wissensrepräsentation, bei der Konzepte in Beziehung gesetzt werden. Für beides gibt es Anwendungsfelder. Ersteres ist aber in meinen Augen für den alltäglichen Umgang mit Informationen von größerer Bedeutung. Mit Hilfe der Vernetzung sind Informationen im konkreten Handlungskontext direkt zugänglich.
Ein weiterer Punkt ist, dass die verknüpften Informationen wirklich Relevanz haben müssen. Darüber haben wir uns in meinem Unternehmen intensive Gedanken gemacht und eine Lösung gefunden. Ich habe gelesen, dass Anwender, die Produkte getestet haben, in der das Internet vernetzt wird, von den Vorschlägen genervt sind und oft auch nichts damit anfangen können.
von Leo Sauermann 15.06.2009 (23:00Uhr) 5.
hey, netterweise wurde mein absolut diskussionswerter kommentar zum thema "qimaya behauptet das semantic web gefressen zu haben" netterweise gelöscht/zensiert.
6 antworten solltens sein, 4 sind noch da. wer wurde noch zensiert?
no comment, aber sehr lachhaft. ich wäre hier auch nie wieder hergekommen, wenn mich nicht jemand gebeten hätte, meine Meinung über den öffentlichen Auftritt von Qimaya mit ihm zu teilen.
von Jan Christe 16.06.2009 (09:32Uhr) 6.
Hi Leo, danke für deinen Hinweis auf die fehlenden Kommentare. Ich kann Dir versichern, dass wir hier nichts zensiert haben. Wäre ja auch ziemlich dämlich, den Kommentar #1 von Roy Uhlmann dann stehenzulassen, der sich ja auf deinen ersten Kommentar bezieht ;-) Trotzdem tut es mir natürlich leid, dass dein Kommentar scheinbar im Nirvana gelandet ist.
Wir haben eben mal die WordPress-Datenbank durchsucht, ohne Erfolg. Wie das passieren konnte, kann ich mir nicht erklären. Ich vermute dass es an einem technischen Fehler lag, da die angezeigte Zahl der Kommentare auch nicht stimmte. Hätte jemand den Kommentar versehentlich gelöscht, hätte WordPress die Zahl korrekt angezeigt.
Nicht desto trotz ist das natürlich mehr als ärgelich. Das einzige was ich Dir anbieten kann ist, dass wir deinen Kommentar wieder reinbrigen, sofern Du ihn noch mal zusammengeschrieben bekommst.
Was meinst Du?