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E-Commerce

Raus aus der operativen Tretmühle: Das Fazit zum plentymarkets-Händlerkongress

    Raus aus der operativen Tretmühle: Das Fazit zum plentymarkets-Händlerkongress

Der plentymarkets-Händlerkongress. (Foto: Twitter/@PackITGroup)

Was bewegt den Online-Handel? Was wird wichtig, um weiterhin erfolgreich zu handeln? Die wichtigsten Erkenntnisse aus den Podiumsdiskussionen, die Highlights aus den Vorträgen sowie ein Überblick über die aktuellen Entwicklungen bei plentymarkets.

Das E-Commerce-ERP plentymarkets wickelt mit über zwei Milliarden Euro einen großen Anteil des deutschen E-Commerce-Umsatzes ab. Neben zahlreichen Experten und 50 Ausstellern hat im Kongress-Palais in Kassel vor allem die Beteiligung der 1.600 Besucher für Einblicke in das aktuelle Geschehen im Onlinehandel gesorgt: Das Amazon-Gefangenen-Dilemma, das durch die Abhängigkeit von Amazon entsteht sowie aktuelle Einschätzungen zum Same-Day-Delivery und der Weg aus der „operativen Tretmühle“ – um nur einige Stichpunkte zu nennen. Gelobt haben die Besucher plentymarkets besonders für den offenen und ehrlichen Austausch auf Augenhöhe.

(Foto: Marcus Greven, Klarna.)
plentymarkets Händlerkongress: Einblick in einen kleinen Bereich der Ausstellungshalle im Kongress Palais. (Foto: Marcus Greven, Klarna.)

Die plentymarkets-Kongress-Highlights

Keynote von Jan Griesel

Jan Griesel, Founder und CEO von plentymarkets, hat wie jedes Jahr einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen gegeben und neue Features vorgestellt.

  • Das Angebot der Marktplatzanbindungen wird kontinuierlich erweitert.
  • Zur Entwicklung der eigenen App wurde ein Vier-Mann-Team geformt. Die App soll den Onlinehändlern zum einen Controlling-Möglichkeiten zu geschäftlichen Kernzahlen bieten, zum anderen das Picking im Lager über Mobile Devices ermöglichen.
  • Im Bereich Webshop wurde die integrierte Suche stark weiter entwickelt, die jetzt auch mit zahlreichen konfigurierbaren Filtermöglichkeiten versehen wurde.
  • Zur Steigerung der Transparenz gibt es auf der Homepage plentymarkets-Statusmeldungen und einen eigenen Twitter-Kanal dazu. Wie von vielen Nutzern gewünscht, werden die Händler in Zukunft mehr in den Entwicklungsprozess eingebunden. Eine neu eingeführte Wahlbox soll so etwa das Voting von Features ermöglichen, um plentymarkets die Priorisierung zu erleichtern.
  • Auch dem Thema Cloud, Verfügbarkeit und Sicherheit wurde viel Augenmerk gewidmet. So sind die plentmarkets-Cloud-Dienste jetzt TÜV-zertifiziert. Gemeinsam mit „Crisp Research“ hat das Unternehmen die Cloud-Struktur und Serverdienste auf den Prüfstand gestellt und gemeinsam mit dem Rechenzentrum etliche Optimierungen durchgeführt. Etwa die Spiegelung der Daten auf mehrere Standorte in Deutschland und ein flexibleres Hosting.
  • Weitere Neuigkeiten sind die Rest API, die größere individuelle Programmierungen zulassen soll. Layouts können in Zukunft auf Dropbox oder GitHub synchronisiert werden, um auch lokal bearbeitet werden zu können.
plentymarkets CEO Jan Griesel während der Keynote. (Foto: Twitter/@plentymarketsuk)
plentymarkets CEO Jan Griesel während der Keynote. (Foto: Twitter/@plentymarketsuk)

Podiumsdiskussion zur Zukunft des E-Commerce

Interessante Aussagen hat auch die Podiumsdiskussion mit Branchenexperten zur Zukunft des E-Commerce geboten. Hier einige Zitate:

  • Johannes Altmann, Shoplupe: „Kistenschieberei funktioniert immer weniger … Es gibt aber immer Platz für die Nische und das Besondere.“
  • Peter Höschl, shopanbieter.de: „Das Hauptproblem der Händler ist, dass sie kein Geld verdienen … Machen sie ihre Hausaufgaben. Seien sie ein guter Händler und lernen sie rechnen.“ Er ermutigte die Onlinehändler auch dazu, immer wieder aus der „operativen Tretmühle“ heraus zu treten, da viele zu wenig strategisch denken.
  • Alexander Graf brachte sein Credo auf den Punkt: „Entweder werden Onlinehändler Technologieführer in ihrem Segment oder sie werden selbst zur Marke. Eine Marke benötigt allerdings ein ganz anderes Verhalten und Verständnis für seine Zielgruppe und auch andere Mitarbeiter im Unternehmen.“

Aus dem Publikum kam die Frage nach der Bedeutung des Same-Day-Delivery und ob es Kunden zwingend als Option angeboten werden müsse. Zum einen waren sich alle Experten einig, dass der Kunde derzeit viel mehr eine individuelle Definierung des Lieferzeitpunkts wünsche – wenn er zum Beispiel zu Hause ist. Zum anderen gab es aber auch die übereinstimmende Meinung, dass ein führender Marktteilnehmer wie Amazon Same-Day-Delivery zum Standard erheben könnte, was dann die Käufer auch von anderen Shops erwarten würden. Aufgrund der großen Marktabdeckung und Käufermasse würden die Nutzer sozusagen zu einer höheren Erwartung hin erzogen. Ein Vertreter der Onlinehändler gab zu Bedenken, dass man hier auch auf die Logistikdienstleister angewiesen sei, da nur eine späte Abholung, beziehungsweise Paketeinlieferung, das Angebot derartiger Lieferangebote für die Kunden sicherstellen könne.

Das Amazon-Gefangenen-Dilemma

Alexander Graf ist in seinem Vortrag zum Amazon-Dilemma, beziehungsweise zum Gefangenen-Dilemma, darauf eingegangen, dass der Marktplatz zwar vielfach Mehrumsatz bedeute, man sich aber auch in große Abhängigkeit zu dem US-Riesen begebe. Eine ausführliche These samt Erklärung zum Gefangenen-Dilemma gibt es auf Kassenzone.de nachzulesen. Grundsätzlich steigt der Umsatzanteil der Hersteller über Amazon zunehmend weiter an, was für eine Nutzung des Verkaufskanals sprechen würde. Jedoch sehen sich die Hersteller gleichzeitig negativen Maßnahmen von Amazon gegenüber:

  • Eigene Produkte, beziehungsweise Produkte mit besseren Margen für Amazon, werden in der Produktübersicht über andere Marken-Produkte gestellt.
  • Über gezielte Aufforderungen zu Produktbewertungen betreibt Amazon „SEO“ und forciert damit die gezielt bessere Bewertung einzelner Produkte.
  • Hersteller sollen sich über Werbekostenzuschüsse oder Strategic-Vendor-Services (ein spezielles Programm von Amazon, bei dem ein Mitarbeiter für die Betreuung des Herstellers abgestellt wird) an den Kosten von Amazon beteiligen.

Am Ende ist jedoch auch von Alexander Graf die ernüchternde Aussage geblieben, dass es aktuell im Markt keine funktionierenden Modelle gebe, um aus dem Amazon-Dilemma herauszukommen. Im Gegensatz zum Gefangenen-Dilemma, wo man im Vorhinein weiß, mit welcher Strafe, beziehungsweise welcher Straferleichterung, zu rechnen ist, lässt sich eben bei Amazon nicht abschätzen, ob die komplette Auslistung der Artikel oder die Schaffung eigener Artikel, die nicht auf Amazon verkauft werden, tatsächlich zum Erfolg führt.

Wie auch von mir beschrieben, ist für das Amazon-Geschäftsmodell zumindest in den nächsten fünf Jahren nicht abzusehen, dass Amazon die totale Reinvestitionspolitik beenden würde und somit sich das Wachstum von Amazon verringern würde. Graf hat ausgeführt, man müsse sich vor Augen führen, dass Amazon jetzt bei einem Umsatzvolumen von 100 Milliarden US Dollar liege, was bei den ungebremst jährlichen Zuwachsraten von 20 Prozent weitere 20 Milliarden US-Dollar Wachstum in 2015 erwarten lässt.

Fazit: Offen, ehrlich und konstruktiv

Wie auch Henning Gross in seinem Rückblick zum plentymarkets-Händlerkongress anmerkt, ist es auf der Veranstaltung recht offen und ehrlich zugegangen. Es sind zum Teil sehr klare Worte, aber auch konstruktive Aussagen an die Besucher gerichtet worden. So gab es neben den genannten Highlights im Plenum auch 40 Workshops und Vorträge zu Themen wie: „Marketing-Controlling: Haben sie Geld zu verschenken?“, „Strategie-Check: Ist ihr Geschäftsmodell noch zukunftsfähig?“ oder „Wo liegen die Eintrittshürden und was sind die Lösungsansätze, um den Schweizer Markt in ein weiteres ‚Bundesland‘ zu verwandeln?“.

Nach dem sehr offenen Dialog und Austausch auf der Zukunftskonferenz am Freitag hat man am Samstag auch das Bemühen gesehen. die Händler fit zu machen und ihnen Strategien für ein erfolgreiches Geschäftsmodell aufzuzeigen. Immerhin wickeln plentymarkets-Händler aktuell 2,25 Millarden Euro E-Commerce-Umsatz ab, wie Peter Höschl von der Pressekonferenz am Freitag berichten konnte. Im Jahr zuvor hatte der Umsatz über plentymarkets noch bei zwei Milliarden Euro gelegen.

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Ursprünglich publiziert bei geistreich78.

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