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Recruiting für Startups: Was Gründer und Bewerber wissen sollten [Interview]

für kann schwieriger sein als die Mitarbeitersuche für etablierte Firmen. Wir haben mit der Personalexpertin Astrid Matzke von i-Potentials gesprochen, die vorher bei Spreadshirt HR-Themen vorangetrieben hat – über alles, was Gründer und (künftige) Mitarbeiter über Recruiting wissen müssen.

Recruiting für Startups: Was Gründer und Bewerber wissen sollten [Interview]

Astrid Matzke: „Die Welt der Startups ist sehr dynamisch“

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Am besten funktioniert Recruiting über Netzwerke. (Foto: © skynesher – iStockphoto.com)

t3n.de: Frau Matzke, was haben Startups alles (nicht), was Konzerne haben, um neue Talente zu finden?

Astrid Matzke: Konzerne können bei Talenten mit einer strukturierten Umgebung, guter Bezahlung und klaren Entwicklungsmöglichkeiten punkten. Die Welt der Startups ist häufig sehr dynamisch – und die Budgets sind eher noch klein.

t3n.de: Und Stellenprofile bei Startups?

Astrid Matzke: Die entwickeln sich erst und das gilt auch für Karriereoptionen. Auch gibt es noch nicht viele Kollegen, die während der zahlreichen Jahre in ihrer Position einen großen Erfahrungsschatz aufgebaut haben und die einem jede Frage aus dem Stehgreif beantworten können, weil sie alles schon einmal erlebt haben.

t3n.de: Was müssen denn die Bewerber beachten?

Astrid Matzke: Es ist an den Talenten selbst, Entwicklungsmöglichkeiten zu erkennen und für sich bestmöglich zu nutzen. Es geht darum, selbst Lösungen zu entwickeln und an manchen Stellen auch Mut mitzubringen und etwas Neues auszuprobieren. Genau das wollen aber viele Absolventen und entdecken das mittlerweile durchaus als Vorteil für sich und ihre Entwicklung.

t3n.de: Also lieber Konzern statt „kleine Klitsche“?

Astrid Matzke: Wer dafür offen ist und damit leben kann, dass man auch mal aus Fehlern lernt, für den hat ein Startup am Ende vielleicht sogar mehr zu bieten als ein Konzern.

t3n.de: Welches sind die „lessons learned“, die Startup-Gründer unbedingt beherzigen sollten?

Astrid Matzke: Es ist ganz wichtig, von Anfang an bewusst Einstellungsentscheidungen zu treffen und dabei nicht nur auf das kleine Budget und die nächsten acht Wochen zu schauen. Wir haben häufig beobachtet, dass lieber zwei Praktikanten eingestellt wurden, als vielleicht ein Mitarbeiter, der oder die schon etwas fachliche Erfahrung hat. Vielfach kommen die unerfahrenen Praktikanten allein auf weiter Flur aber doch schnell an ihre Grenzen und sind überfordert.

Beim Recruiting klar über Erwartungen reden

t3n.de: Wer ein stabiles Unternehmen aufbauen möchte, sollte ...

Astrid Matzke.
Recruiting-Expertin Astrid Matzke.

Astrid Matzke: ... auch daran denken, dass es dafür Konstanten braucht. Dazu gehören eben auch Mitarbeiter, die langfristig im Unternehmen bleiben können und wollen und die auch erste Erfahrungen mitbringen, die eine gute Ergänzung zum bestehenden Team darstellen.

t3n.de: Was ist das wichtigste für beide Seiten?

Astrid Matzke: Wichtig ist, von Anfang an klar über die Erwartungen auf beiden Seiten zu reden und keine Versprechungen zu machen, die eigentlich nicht gehalten werden können. Transparenz hinsichtlich der Aufgaben und der Perspektive (soweit man sie kennt) sind der erste Baustein einer vertrauensvollen Zusammenarbeit.

t3n.de: Was unterschätzen Startups bei der Mitarbeitersuche?

Astrid Matzke: Auch, wenn es nicht so einfach ist, macht es doch sehr viel Sinn, einen Recruiting-Prozess und Verantwortlichkeiten genau zu definieren und sich dann auch daran zu halten. So kann zum einen sichergestellt werden, dass man keinen guten Kandidaten verliert, weil vielleicht eine E-Mail untergegangen ist, und zum anderen kann man so vielleicht noch weitere Kandidaten gewinnen. Schließlich wird über gute Erfahrungen während eines Bewerbungsprozesses genauso gesprochen wie über nicht so gute.

t3n.de: Einen schlechten Ruf in einen guten umzuwandeln ist jetzt aber auch nicht gerade einfach ...

Astrid Matzke: Ein funktionierender Recruiting-Prozess führt automatisch dazu, dass Bewerber genau merken, dass sie ernst genommen werden und ihnen mit Respekt entgegengetreten wird. Dieser Aspekt ist nicht zu unterschätzen, da inzwischen auch Startups untereinander um Talente kämpfen.

t3n.de: Wie sollten Bewerber deiner Meinung auf der Suche nach einem Einstieg oder Umstieg bei Startups vorgehen?

Astrid Matzke: Bewerber sollten sich in relevanten Blogs, in ihrem Netzwerk oder auf Veranstaltungen informieren, welche Möglichkeiten es gibt. Es ist wichtig, sich auch mehrere Stellenbeschreibungen anzuschauen, denn hinter ein und demselben Titel können ganz unterschiedliche Aufgaben stecken (und auch umgekehrt!).

Sie sollten sich vorher auch genau überlegen, was sie einbringen können, was sie aber auch lernen wollen, damit sie dann schauen können, ob sie es beim jeweiligen Unternehmen auch finden können.

Startups werden bei Absolventen beliebter

t3n.de: Frisch von der Uni, haben Absolventen noch keine allzu große fachliche Expertise. Was also tun?

Astrid Matzke: Sie müssen sich vorher genau überlegen, was sie wirklich für die entsprechende Stelle oder das Unternehmen motiviert. Dieser Punkt ist ein sehr wichtiges Kriterium in Bewerbungsgesprächen.

t3n.de: Beobachtest du einen Trend, dass Absolventen mittlerweile lieber zu einem Startup gehen oder sind das immer noch die altbekannten Top-Marken?

Astrid Matzke: So direkt beobachte ich den ehrlicherweise nicht, was auch daran liegt, dass wir ja eben ein Anlaufpunkt für diejenigen sind, die in Startups wollen. Mein Eindruck ist jedoch, dass Startups in den letzten Jahren deutlich beliebter geworden sind bei den Absolventen.

Aus vielen Startups sind sehr erfolgreiche Unternehmen geworden, die gut wachsen, deren Geschäftsmodell sich bewährt hat und die sehr professionell arbeiten. Sehr reizvoll ist für viele die Innovationskraft, die ein Startup bieten kann.

t3n.de: Welcher Recruiting-Kanal ist deiner Meinung nach der beste?

Astrid Matzke: Am besten funktioniert Recruiting über Netzwerke. Das heißt, Startups sollten mit Mitarbeiterempfehlungsprogrammen arbeiten. Neben der Quantität an Bewerbern kann man so auch die Qualität steigern. Schließlich wird kein Mitarbeiter jemanden empfehlen, von dem er nicht überzeugt ist. Das könnte am Ende ein schlechtes Licht auf ihn werfen.

Darüber hinaus umgeben sich Menschen bekanntermaßen sehr gern mit Menschen, die ihnen ähnlich sind. Bewerber sollten sich mit Freunden und Kommilitonen austauschen. Hier gelten die gleichen Prinzipien. Ein Freund wird sicher kein Unternehmen empfehlen, in dem er nicht glücklich ist oder wo er sich denjenigen nicht vorstellen könnte.

t3n.de: Und dein Tipp für Studierende, neben Praktika machen?

Astrid Matzke: An vielen Hochschulen gibt es mittlerweile sehr gute studentische Organisationen, denen sich Studenten anschließen können, um ihr Netzwerk aufzubauen und gleichzeitig viel zu lernen.

Für Startups bieten diese einen guten Kanal, um Absolventen zu rekrutieren, die sich abseits der Theorie schon auf eine praxisorientierte Weise, vielleicht sogar im Rahmen einer eigenen Gründung, mit relevanten Themen beschäftigt haben. So haben sie schon eine gute Vorstellung von dem, was auf sie zukommen könnte. Dementsprechend können sie sich häufig auch recht schnell sehr gut einbringen.

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