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Scheiß auf den Dienstwagen: Was High Potentials heute von ihren Arbeitgebern erwarten

    Scheiß auf den Dienstwagen: Was High Potentials heute von ihren Arbeitgebern erwarten

(Foto: Camdiluv, via flickr, Lizenz CC BY-SA 2.0)

Was brauchen Unternehmen, um Talente anzulocken? Diese Frage haben wir uns im Rahmen unserer t3n-Themenwoche gestellt. Ein dickes Gehalt? Ein hübscher Titel? Materielle Benefits? Was lange Zeit zu den überzeugendsten Kriterien gehörte, um Talente in die eigene Firma zu holen, scheint heute allenfalls hübsches Beiwerk. Die High Potentials der Digitalbranche prüfen ihre zukünftigen Arbeitgeber längst auf ganz andere Qualitäten. Wir haben mit dreien gesprochen.

High Potentials: Gehalt ist wichtig, aber nicht alles

Adam Alsén kommt aus Schweden und ist Quantitative Analyst bei der Berliner Spieleschmiede Wooga. Für ihn ist Gehalt kein Top-Faktor bei der Berufswahl, erklärt er uns – immerhin sei er noch am Anfang seiner Karriere: „Klar habe ich ein Minimum im Kopf. Aber wenn ich mich zwischen zwei Arbeitgebern entscheiden muss, haben ganz klar andere Dinge Priorität.“ Mit dieser Haltung steht Adam keineswegs allein da: Immer mehr junge Arbeitnehmer ziehen eine angenehme Arbeitsatmosphäre, erfüllende Aufgaben und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten den Statussymbolen der Generation ihrer Eltern vor.

So auch Annegret Hagen: Die 30-Jährige ist Sales Director Mobile Advertising bei Fyber, einem Werbetechnologie-Unternehmen aus Berlin, und verantwortet das Direktkundengeschäft in Europa, dem mittleren Osten und Asien (EMEA). Auch für sie ist das Thema Bezahlung zwar nicht unwichtig, steht aber keineswegs an erster Stelle. Wichtig seien ihr etwa Möglichkeiten, sich zu beweisen, Verantwortung zu übernehmen und sich persönlich und beruflich weiter zu entwickeln. Erst danach werde das Thema Geld relevant.

Annegret Hagen arbeitet für das Berliner Unternehmen Fyber: Gehalt ist für sie nicht an erster Stelle relevant. (Foto: Annegret Hagen)
Annegret Hagen arbeitet für das Berliner Unternehmen Fyber: Gehalt ist für sie nicht an erster Stelle relevant. (Foto: Annegret Hagen)

„Zufriedenheit im Job ist mir hundertmal wichtiger.“

Cat Anderson, Community Manager beim Foto-Startup EyeEm, hat für eine erfüllendere Tätigkeit sogar schon Gehaltseinbußen in Kauf genommen. Was für viele ältere Angestellten-Semester undenkbar ist – warum sollte man denn einen Job überhaupt wechseln, wenn nicht für ein besseres Gehalt? – hat Cat nie bereut: „Klar ist das Gehalt wichtig, und ich will auch das Gefühl haben, mich finanziell weiterentwickeln zu können. Dennoch ist mir Zufriedenheit im Job hundertmal wichtiger. Ich bin nicht besonders materiell eingestellt – so lange ich jeden Monat meine Miete bezahlen, ein bisschen was zurücklegen und trotzdem noch über ein gewisses Taschengeld verfügen kann, geht’s mir gut.“

Cat, Annegret und Adam stehen für eine neue Generation an High Potentials, die mit ihren klaren Vorstellungen von Arbeit, Leben und Karriere für einen Wandel in den Personalabteilungen sorgen. Dank zunehmender Flexibilität und Fachkräftemangel tritt diese Entwicklung im Digitalsektor bereits heute deutlich zutage – doch auch andere Branchen sollten ein wachsames Auge auf den Wertewandel bei den zukünftigen Unternehmenslenkern haben.

Die Ansprüche der heutigen Top-Nachwuchskräfte drehen sich vor allem um Zufriedenheit im Job. (Foto: Camdiluv, via flickr , Lizenz CC BY-SA 2.0)
Die Ansprüche der heutigen Top-Nachwuchskräfte drehen sich vor allem um Zufriedenheit im Job. (Foto: Camdiluv, via flickr , Lizenz CC BY-SA 2.0)

5 Ansprüche, die der Nachwuchs heute an Arbeitgeber stellt

Diese fünf Faktoren haben uns Adam, Cat und Annegret übereinstimmend als wichtige Kriterien bei der Berufswahl genannt:

1. Frühe Verantwortung und die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln

„Mein Arbeitgeber soll meinen Ehrgeiz anerkennen und fördern.“

Die Erkenntnis, dass Lernen ein lebenslanger Prozess ist, ist erst seit einigen Jahren im kollektiven Bewusstsein verankert. Für die heutigen Nachwuchstalente gehört die Möglichkeit, im Job zu wachsen und stetig dazu zu lernen, mittlerweile zu den Top-Kriterien der Arbeitgeberwahl: „Ich will herausgefordert werden, mich selbst optimieren und lernen – daher ist es mir sehr wichtig, dass mein Arbeitgeber dieses Bestreben wahrnimmt und fördert,“ erklärt Cat von EyeEm. Und auch Adam sieht – neben einem guten Team – herausfordernde Aufgaben als einen seiner größten Motivationsfaktoren: „Bei der Wahl meines jetzigen Jobs habe ich besonderen Wert darauf gelegt, dass die Position mich intellektuell stimulieren würde und dass ich die Chance haben würde, kontinuierlich zu lernen.“

Annegret rechnet ihrem Arbeitgeber Fyber hoch an, dass sie früh die Chance bekommen hat, Verantwortung zu übernehmen und sich zu beweisen. Sie will strategisch arbeiten und die Möglichkeit haben, die Zukunft des Unternehmens mit zu gestalten: „Ich finde es spannend, wenn Jobbeschreibungen nicht in Stein gemeißelt sind, sondern sich an die sich verändernden Bedürfnisse einer Firma anpassen können. Außerdem reizt es mich, Herausforderungen anzunehmen, etwa einen neuen Bereich mit aufzubauen.“

2. Ein Team, das seinen Namen verdient

Adam Alsén gehört zu den High Potentials bei Wooga. Ein Job mit Sinn ist ihm besonders wichtig. (Foto: Adam Alsén)
Adam Alsén gehört zu den High Potentials bei Wooga. Ein Job mit Sinn ist ihm besonders wichtig. (Foto: Adam Alsén)

Ein gutes Arbeitsklima ist Gold wert – viele Nachwuchskräfte fühlen sich durch ein gutes Team, in dem alle auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten, deutlich mehr motiviert als durch Titel und hohe Posten in der internen Hierarchie. Gibt es zu viele Hierarchieebenen, werden diese nicht nur als überflüssig, sondern auch als störend empfunden.

„Die Unternehmenskultur ist für mich extrem wichtig,“ beschreibt Cat. „Vor allem in der Welt der Startups, wo lange Arbeitszeiten und Überstunden an der Tagesordnung sind, brauche ich den Zusammenhalt und den Kameradschaftsgeist im Team. In einem guten Team zusammen zu arbeiten und ein gemeinsames Ziel zu verfolgen ist unglaublich lohnenswert.“ Adam nennt die Kollegen als einen seiner größten Motivationstreiber. Und auch Annegret betont, wie wichtig ihr ein gutes Arbeitsumfeld und der Austausch mit ihren Kollegen sind. „Alles in allem das Gefühl, gemeinsam mit den anderen an einem Strang zu ziehen und die Richtung mitbestimmen zu können“: Für Annegret eine der wichtigsten Voraussetzungen, damit sie morgens aufstehen und sich auf den Arbeitstag freuen kann.

3. Eine sinnhafte Aufgabe

„Ich will für eine Firma arbeiten, die ich gerne nach außen repräsentiere.“

Geld allein macht nicht glücklich – keine neue Erkenntnis, die aber mittlerweile zu erstaunlichen Konsequenzen auf dem Arbeitsmarkt führt. Immer weniger Nachwuchskräfte lassen sich durch ein hohes Gehalt für Tätigkeiten „entschädigen“, die sie persönlich nicht gutheißen oder mit denen sie sich nicht identifizieren können. Annegret etwa ist es wichtig, in einem Unternehmen zu arbeiten, „das ich gerne vor Kunden und Partnern repräsentiere.“ Und auch Cat sagt: „Ich will mit Leidenschaft bei der Sache sein. Ich liebe die Menschen bei EyeEm, aber darüber hinaus glaube ich eben auch an das Produkt und die Community. Dieser Glaube ist eine hervorragende Motivation.“ Er treibe sie an, wirklich ihr Bestes für den Erfolg ihres Unternehmens zu tun.

In jedem Job gibt es Regentage und ungeliebte Aufgaben. Wer an das große Ganze glaubt, steckt diese allerdings besser weg. „Ich erwarte nicht von meinem Job, dass er mir ohne Pause ‚Spaß‘ macht“, sagt Adam von Wooga. „Aber ich will etwas Sinnhaftes tun, das ist es, was mir Zufriedenheit bringt.“

4. Internationalität

Vor ein paar Jahren war Auslandserfahrung für junge Menschen vor allem eins: Ein Pflichtbestandteil des perfekten Lebenslaufes, dem es für optimale Karrierechancen nachzulaufen galt. Heute hingegen wird die Möglichkeit, in einem globalen Setting zu arbeiten, von den Berufseinsteigern selbst eingefordert.

Nicht nur Adam betont, wie wichtig ihm das internationale Umfeld ist, das gerade viele IT-Firmen bieten. Auch Annegret sagt: „Ich will, dass mein Job abwechslungsreich und international ist. Ein professionell arbeitendes, internationales Team ist unheimlich bereichernd. Da ich lange im Ausland gelebt habe, gehört das für mich zu den Basics eines attraktiven Jobs.“

5. Eine selbstbestimmte Work-Life-Balance

„Das Erfordernis, permanent erreichbar zu sein, ist für mich ein Dealbreaker.“

80 Stunden Arbeit pro Woche und die Beziehung für die Karriere aufs Spiel setzen? Oder lieber um Punkt 17 Uhr den sprichwörtlichen Griffel fallen lassen? Weder das eine noch das andere kommt für die Unternehmenslenker von morgen in Frage. Die Frage nach der richtigen Work-Life-Balance ist gerade in der Digitalbranche allerdings unglaublich schwierig zu beantworten.

Während Adam strikt zwischen Berufs- und Privatleben trennt und es als möglichen Dealbreaker betrachtet, sollte ein Arbeitgeber die ständige Erreichbarkeit via E-Mail und Social Web verlangen, sieht Annegret das Verschwimmen der Grenzen zwischen Job und Freizeit eher gelassen. Denn nicht immer resultiere dies in Überstunden, Stress und zusätzlichem Druck, sondern auch in zusätzlichen Rückzugsmöglichkeiten im Office, wertvollen Freundschaften unter Kollegen und mehr Flexibilität in der Frage, wann und von wo aus man arbeitet. „Dass es in unserer Branche keine 9-to–5-Jobs gibt und E-Mails ab und zu auch am Wochenende eintrudeln, ist kein Geheimnis. Das macht auch nichts, so lange Job und Freizeit gefühlt in Balance bleiben.“

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Die meisten Arbeitnehmer der jüngeren Generation sind wie Adam und Annegret durchaus dazu bereit, auch mal länger im Büro zu bleiben oder an Events außerhalb der regulären Bürozeiten teilzunehmen. Doch im Gegenzug fordern sie diese Flexibilität auch von ihrem Arbeitgeber ein: Er soll Strukturen bereitstellen, die eine eigenverantwortliche Arbeitseinteilung ermöglichen und genug Raum für Ausgleich und Abwechslung lassen.

„Wer lange im Büro bleibt, schafft nicht unbedingt mehr,“ fasst Cat diesen Wunsch nach Selbstbestimmung zusammen: „Ich will lieber hart arbeiten und mir danach anderen mentalen Input gönnen können, statt Ewigkeiten mit schwankender Konzentration im Office zu sitzen, nur um Stunden zu machen.“

Cat Anderson, High Potential und Community Manager beim Startup EyeEm aus Berlin: „Ein Arbeitgeber, der mir Zufriedenheit im Job beschert, kann harte Arbeit und Loyalität von mir erwarten.“ (Foto: Cat Anderson)
Cat Anderson, High Potential und Community Manager beim Startup EyeEm aus Berlin: „Ein Arbeitgeber, der mir Zufriedenheit im Job beschert, kann harte Arbeit und Loyalität von mir erwarten.“ (Foto: Cat Anderson)

Fazit: Kümmere dich um mich – und du wirst nicht enttäuscht

High Potentials wissen, was sie anzubieten haben – und auch, was sie im Gegenzug verlangen. Harte Arbeit und lange „Office Hours“ sind alles andere als tabu, Herausforderungen werden sogar regelrecht eingefordert. Doch die Grundvoraussetzung hierfür ist die Identifikation mit dem Unternehmen und seinen Zielen – und diese kann heute nicht mehr erkauft, sondern muss sich vom Arbeitgeber verdient werden.

Nur so entsteht heute ein Arbeitsverhältnis auf Augenhöhe, von dem beide profitieren. Oder, wie Cat Anderson es ausdrückt:

„Wenn die Umstände stimmen, arbeite ich nicht nur verdammt hart, sondern bin auch extrem loyal. Ich will einen Arbeitgeber, der das sieht und honoriert.“

7 Reaktionen
cassy1609
cassy1609

Ist schon komisch, dass man immer meint, die Alten wollen nur wurzeln und wurzeln und sich abrackern. Die jungen sind ja so cool und relaxt und haben völlig andere Ansichten. Ich kenne viele Alte, die schon viel eher in der neuen Welt angekommen sind und sich eine entspanntes Arbeiten wünschen. Im Gegenteil, ich habe immer wieder erlebt, dass gerade die Jungen sich auf alles einlassen und um jeden Preis ihren Arbeitsplatz erhalten wollen, egal wie schlecht die Firma mit ihnen umgeht. Nix da von Forderungen, nur Kopf einziehen und stillhalten. Dabei hat der Artikel recht, Geld ist nicht alles, das kann ich aus meiner Lebenserfahrung heraus sagen. Was nützt das viele (wenn´s denn wirklich viel ist), wenn man aber krank und ausgelaugt ist. Rechtzeitig den Daumen ziehen und noch mal neu anfangen, damit die Kraft für die zweite Lebenshälfte auch noch reicht, ist jedenfalls meine Devise und ich bin schon 54. Ich würde auch gern sehen, wie diese ach so Unabhängigen und Unverführbaren tatsächlich in 10-20 Jahren leben und denken. Aber vielleicht ändert sich ja doch irgend wann einmal etwas im Berufsleben.

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Miladin

...vielleicht bin ich engstirnig, aber bei mir hatte es auch viel mit dem Alter zu tun.
Früher war mir Geld völlig egal, heute aber würde ich auch den tollsten Job nicht für 3.000 € brutto annehmen...

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Eva H.
Eva H.

Also ich glaube da ja noch nicht so dran. Hier wird ein Mythos gepflegt. Schauen wir mal, wer von diesen jungen High Potentials es in 15 Jahren zu etwas gebracht hat, welches Auto er/sie dann fährt, wieviel Geld verdient wird etc. Bezeichnend ist doch die Aussage von Sascha Lobo aus dem Interview mit t3n: "Ich habe Geld lange unterschätzt." Echte Unternehmer und Menschen, die beruflich Karriere machen und Erfolg anstreben, tragen viel Verantwortung, die Ihr Engagement und viel Zeit für den Job erfordern: Verantwortung für Mitarbeiter, Themen, Projekte, vielleicht das gesamte Unternehmen. Das hat seinen Preis. Für beide Seiten.

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Philla7
Philla7

Ich finde es immer interessant, dass gerade in Berlin die Gehälter so unwichtig sein sollen. Liegt wahrscheinlich daran, dass oben genannte Firmen auch nicht für Top-Gehälter bekannt sind. Generell wird in Berlin zu wenig bezahlt und dann immer mit den Themen Selbstbestimmung, Verantwortung und Wir-Gefühl zu kommen, finde ich langsam ein wenig übertrieben. Denn diese Themen waren auch schon früher wichtig, um sich selber wohlzufühlen. Daher steht an erster Stelle immernoch das Gehalt und das ist im Schnitt in Berlin einfach zu gering...Und hier von High Potentials zu sprechen, würde ich auch nicht unterschreiben.

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kahner
kahner

Ein High-Potential ist auch nur ein Potential - also ein (Business-)MayBe - nur werden hier eben besonders hohe Erwartungen gestellt. Und ich hoffe man weiß auch warum, was leider auch bei größeren Firmen definitiv NICHT der Fall ist - zumindest nicht im Vertrieb oder Marketing!

Ein Möglicherweise-Leistungserbringer (engl. Potential) ist streng von einem echten Leistungserbringer zu trennen, der ja kein Potential ist, sondern ein Achiever, um mal beim Business-Bla zu bleiben.

Und ein High-Achiever bekommt alles, was er will, solange die Firma der Meinung ist, dass es das wert ist.

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Armin
Armin

Guter Artikel! Kann ich zu 100% unterschreiben.

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Phil Destroi
Phil Destroi

Da weiß die Autorin wohl nicht was High Potentials sind:

http://www.zeit.de/karriere/beruf/2012-01/high-potentials-leistungstraeger

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