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So reden wir im Social Web über den Tod

Auch wenn die meisten Menschen es nur ungern wahrhaben wollen: Der Tod gehört zum Leben – sowohl in der Offline- als auch in der Online-Welt. Forscher der University of California haben einmal einen genaueren Blick darauf geworfen, wie User in sozialen Netzwerken mit dem Thema Tod umgehen, welche Worte sie verwenden, um ihre Trauer auszudrücken. Wenig überraschende Erkenntnis: „Der Tod in den sozialen Medien schafft eine ganz andere Art von Erfahrung, als wir sie jemals zuvor hatten“, so der PhD-Anwärter Jed Brubaker von der University of California.

So reden wir im Social Web über den Tod
(Foto: lover-of-life / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Normalerweise treffen sich die Menschen nach dem Tod eines Angehörigen oder Freundes an einem bestimmten Ort – zum Beispiel dem Friedhof – um gemeinsam zu trauern. Das Spannende an der Trauerbewältigung via Social Network ist, dass die Trauernden ihr Herz nun vor Millionen anderen Usern ausschütten, teilweise auch bei Personen, die sie im „wirklichen“ Leben gar nicht gekannt haben. Nach dem Tod eines „Freundes“ wird in den ersten Kommentaren meist der Traurigkeit über das Ableben der Person Ausdruck verliehen. Es kommt aber gar nicht selten vor, dass die User später immer wieder auf die Seite zurückkehren und Gedanken oder Termine mitteilen. Als ob sie mit einem Geist sprechen würden, schreibt Alicia Eler bei ReadWriteWeb.

Vergangenheit und Zukunft

Die Wissenschaftler fanden zwei unterschiedliche Arten von Stimmungen in den Kommentaren. Die traurigen Kommentare („I know you are watching over me“) waren demnach vorrangig in der ersten Person geschrieben, beinhalteten viele Vergangenheitsverben, Präpositionen, Verneinungen und waren überdurchschnittlich lang. Insgesamt war die Grundstimmung bei den Trauer-Kommentaren auch ärgerlicher als normal. Die weniger von Trauer und Schmerz gekennzeichneten Kommentare („hope you‘re having a good time up there“) wiederum waren überwiegend in der zweiten oder dritten Person geschrieben, enthielten Mehrzahl-Pronomina und Zukunftsverben.

Die Studie (PDF-Datei) soll Linguistikern nun helfen, emotionale Trauer-Kommentare besser zu erkennen. Für ihre Untersuchung nahmen Brubaker und sein Team 1.369 MySpace-Accounts von Verstorbenen unter die Lupe, die auf der umstrittenen Seite MyDeathSpace.com gesammelt werden. Die Daten sind allesamt schon etwas älter (April 2010). Die Verstorbenen stammten demnach ausnahmslos aus den USA und waren zum Untersuchungszeitpunkt länger als drei Jahre tot.

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5 Antworten
  1. von Nicki Uhlbach via facebook am 15.03.2012 (17:24Uhr)

    Ein wichtiges Thema, wie ich finde! Btw. die Skulptur findet man auf dem alten Freiburger Friedhof ;)

  2. von Frank Leidig via facebook am 15.03.2012 (18:48Uhr)

    Ja, ein interessantes Thema. Was wird aus meinem digitalen ich, wenn ich als physische Person nicht mehr existiere? Mich beschäftigt dasThema auch.

  3. von lineman am 16.03.2012 (07:58Uhr)

    Es wird mit der Zeit verkümmern/verwesen wie Dein Körper auch! Was bitte sonst? Es lebt ja nicht mehr... es kümmert sich ja keiner mehr, schließlich ist man tot.

  4. von So reden wir im Social Web über den Tod… am 20.03.2012 (09:07Uhr)

    [...] Via t3n.de Sharen mit:TwitterFacebookTumblrPinterestE-MailMehrLinkedInGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste, dem dieser post gefällt. [...]

  5. von Netzfunde Dienstag, 27. März 2012 | Ein… am 27.03.2012 (22:31Uhr)

    [...] ein wenig an den Reformprozess der EKD, mit seiner Fixierung auf Taufzahlen et al und Jörn Brien schreibt über den Umgang mit dem Tod im Social [...]

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